Moin Kitty,
ich meine, du bringst hier einige Dinge zusammen, die nicht unbedingt zusammen gehören.
Zum einen sind da Leute, die sich bis zum burn out voll in irgend etwas hineinstürzen. Das kann die Arbeit sein, z.B. bei Managern, das kann aber auch z.B. bei Krankenschwestern, Menschen, diein sozialen Berufen arbeiten und selbst Hausfrauen, die sich ganz für die Familie aufreiben, auftreten. Insbesondere kenn ich dies Phänomen jedoch eher bei Selbständigen und nicht bei Managern.
Zweitens redest du davon, keine Zeit mehr zu haben, über sich selbst nachzudenken etc. Dies ist meiner Meinung keine Frage der Zeit. Insbesondere Manager in hohen Positionen kennen sich selbst, ihre Stärken und Schwächen meistens ziemlich genau, dass sie oft in Grenzsituationen kommen (Stress, schwierige Entscheidungen, Verantwortung usw.), in denen sie sich austesten müssen, bzw. sich auch mal zurücknehmen müssen, um die eigenen Kräfte zu schonen. Wer das nicht kann, wird meistens schon im mittleren Management ausgesiebt, weil er dem Druck und der Verantwortung gar nicht standhält. Zudem wird diese Auseinandersetzung mit „sich selbst“ insbesondere bei großen Firmen auch gefördert und nicht wenige Firmen schicken ihre Manager auf „Selbsterfahrungstrips“.
Andererseits kenn ich Leute ohne Arbeit mit jede Menge Zeit, diese diese im Wesentlichen dazu nutzen vorm Fernseher zu hängen und über alles rumzumeckern.
Drittens sprichst du hier eine Art „Fluchtverhalten“ vor Auseinandersetzungen im familiären/partnerschaftlichen Bereich an. Ja sicher, wer 10 Stunden gearbeitet hat, der hat wenig Lust, sich abends noch irgend welche umfangreichen Beziehungsdiskussionen zu geben. Der will einfach nur die Beine hochlegen und noch ein wenig seine Ruhe, nachdem er vielleicht den Tag damit verbracht hat, verärgerte Kunden zu beruhigen, eine neue Preisstrategie auszuarbeiten, vom Vorgesetzten die Kopf abgerissen bekommen hat, weil die Verkaufszahlen rückläufig sind, und noch eine schwangere Kollegin zu vertreten.
Zu hause trifft er dann auf eine Partnerin, Die während sie tagsüber das Haus liebevoll mit weihnachtlichen Window-Colour Motiven verziert, ein paar Plätzchen gebacken, beim Friseur gesessen und mit Junior Strohsterne gebastelt hat, unentwegt darüber nachgedacht hat, warum „er“ ihr heute morgen keinen Abschiedskuss gegeben hat, warum er denn gar nicht gemerkt hat, dass die Haare jetzt zwei Zentimeter kürzer sind, und außerdem hat er gestern auch noch vergessen, dass man jetzt auf den Tag genau 888 Tage verheiratet ist, und ob da nicht mal ein Blumenstrauß fällig wäre. Da muss mal dringend eine Beziehungsdiskussion her. Vermutlich hat er nebenher eine andere…
Hier treffen völlig unterschiedliche Alltagsrealitäten aufeinander und das kann durchaus schonmal dazu führen, dass jemand sich (trotz liebevoller Windowcolour-Deko) im Büro wohler fühlt, als zu hause.
Vor sich selber- vor Problemen… dafür bleibt ja keine
Zeit…( hat man schon nen philosophierenden Manager gesehen
) ??)
Ich hab nicht nur schon philosophierende Manager gesehen, sondern ich hab insbesondere im höheren Management Leute getroffen, die menschlich schwer was auf dem Kasten hatten. Sicher gibt es hier auch andere, aber das dürfte dann kaum in der ausgeübten Tätigkeit begründet werden.
Was meint Ihr dazu??
Höheres Management macht die Leute meiner Meinung nach nicht „besser“ oder „schlechter“, aber es kehr vielleicht das deutlicher nach Außen, wie die Leute eh schon sind.
Gruß
Marion