Sicherer Arbeitsplatz

Hallo,

mal eine Grundsatzfrage an euch!

Wenn ich die Arbeit die ich jetzt mache auch als Freiberufler machen kann, welchen Nachteil bringt das mit sich?

Als Angestellter kann man heute innerhalb weniger Wochen seinen Platz räumen, wenn die Firmenbilanz neu aufpoliert werden soll. Und Leute-entlassen macht sich am Aktienmarkt ja immer gut!
Wenn ich als Freiberufler keine Aufträge mehr erhalte, kann ich ebenfalls noch ein paar Wochen durchhalten.

Wenn ich als Angestellter schwer krank werde, kommt nach ca 6 Wochen die Kündigung ins Haus.
Als Freiberufler mit entsprechender Versicherung bekommt man nach ein paar Wochen Krankengeld.

Wenn dem Arbeitgeber die Aufträge fehlen, wird entlassen.
Wenn ich als Freiberufler keine Aufträge mehr erhalte steh ich auch ohne Arbeit da. Wo ist der Unterschied?

Ich frage mich das alles weil ich Hemmungen habe, den „Sicheren Arbeitsplatz“ gegen die „unsichere“ Selbständigkeit zu tauschen.

In meinem Fall bedeutet die Selbständigkeit, dass ich im Prinzip die gleiche Arbeit wie bisher mache, aber eben nur als Freiberufler für verschiedene Firmen.

Den einzigen Nachteil den ich sehe ist, dass ich im Falle der Pleite kein Arbeitslosengeld bekomme, sondern Sozialhilfe.
Trotzdem fällt es mir schwer diesen „ersten Schritt“ zu wagen!

Wie seht Ihr das mit dem „Sicheren Arbeitsplatz“ im 21.Jahrhundert?

Gruß,
celo

Du machs, mach Dich selbständig. War es selber für 30 Jahre. Über Dir nur der blaue Himmel, das ist ein Wert an sich… Man muß es halt mögen.

Antal

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Du machs, mach Dich selbständig. War es selber für 30 Jahre.
Über Dir nur der blaue Himmel, das ist ein Wert an sich…

Warst Du Hotelier auf den Bahamas?

Antal

Ich frage mich das alles weil ich Hemmungen habe, den
„Sicheren Arbeitsplatz“ gegen die „unsichere“ Selbständigkeit
zu tauschen.

weil du, wie viele andere, vielleicht 90% aller Deutschen, das preußische Untertandenken im Kopf haben:

Diene dem Staat, dann dient er dir, oder so ähnlich.

Es gibt, wie du schreibst, weder einen sicheren Arbeitsplatz noch eine sichere Selbstständigkeit. Dennoch haben viele Menschen Angst, ihr Leben selber zu bestimmen. Der Mensch ist ein Gewohnheitsmensch und möchte lieb gewonnenes nicht mehr hergeben. Ein nine to five job mit Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und bezahltem Urlaub scheint immer noch besser zu sein, als sich selbst zu bestimmmen. Lieber ein halbes Jahr vorher mit dem Frühbucherrabatt der TUI den Urlaub fest planen, als spontan verreisen zu können.

Einfach mal morgens mit der U.-Bahn fahren und in die Gesichter der Arbeitshorden schauen: Trostlosigkeit, Unfreundlichkeit und vor allen Dingen Lustlosigkeit ist zu erkennen, Lustlosigkeit auf ihren Job.

Es ist so schlimm, dass das Arbeitspotential vieler Menschen überhaupt nicht zum Vorschein kommen kann, weil Bürokratie und Unvermögen der Vorgesetzen dieses nicht zu lässt. Letztendlich ist aber jeder selber Schuld, wenn er nichts verändert.

Wenn du dich selbst bestimmen willst und ein Ziel vor Augen hast, dann gehe diesen Weg. Dieser ist vielleicht müheseliger zu erreichen, aber allemal besser als ein Untertan einer Arbeitskolonne zu sein.

Viel Erfolg, Markus

Hallo Celo,

genau das gleiche geht mir auch momentan durch den Kopf.
Doch wenn man einen Job hat und diese Gedanken äußert, erntet man meistens nur Unverständnis. „Sei froh, daß du eine Arbeit hast…“ ist der von mir mittlerweile meistgehaßte Satz, den alle gehirngewaschenen Lemminge gerne anbringen.

Ich bin zwar noch nicht so weit, endgültig loszulassen, doch ich mache erste Schritte in die Richtung - die jetzige Arbeitszeit möglichst zu verkürzen, und mir nebenbei ein selbständiges, zweites Standbein aufbauen.
Es ist m.E. ein Reifeprozeß, den wohl kaum jemand von heute auf morgen umsetzt. Aber immerhin habe ich bereits innerlich losgelassen und klammere mich nicht mehr an meinen Job.
Auch bei uns schwebt ständig das Damoklesschwert über den Köpfen, täglich wird einem unterschwellig mitgeteilt, daß man ja eigentlich nur lästig ist und die Firma einen am liebsten loswerden würde. Als ob man lediglich ein kostenintensiver Schmarotzer wäre.

Natürlich gibt es auch „Nachteile“ als Selbständiger. So muß man eben auf Geld verzichten, wenn man mal ein paar Tage krank ist oder Urlaub macht. Ebenso entfallen Urlaubs- und Weihnachtsgeld oder Gewinnbeteiligungen.
Doch bei all diesen Überlegungen frage ich mich: Wie lange hab ich das denn überhaupt als Arbeitnehmer noch?!? Es bröckelt und bröselt an allen Ecken, da ist es doch nur noch eine Frage der Zeit, bis wir wieder dastehen wie am Beginn der Industrialisierung: 12-Stunden Tage, Sechs Tage in der Woche, so gut wie kein Urlaub und wer krank ist fliegt raus!
Es hat doch schon längst begonnen, sich wieder in diese Richtung zu entwickeln.

Ich denke wer sich dieser Ausbeutung und Erpressung entziehen will, dem bleibt gar nichts anderes übrig als sein eigener Chef zu werden.
Ob man von Kunden oder vom Chef abhängig ist, abhängig ist man letztendlich immer in irgendeiner Art und Weise.

Ansonsten hilft mir eine bescheidene, einfache Lebensweise, und daß ich mich dem Konsumzwang bzw. Konsumterror entziehe. So weiß ich, daß ich ggf. mit weniger Geld auskommen kann - doch ich ziehe das vor, wenn ich dadurch eine bessere Lebensqualität haben kann.
Für mich zählt was ich bin, und nicht was ich habe. :smile:

Liebe Grüße
Martina

Hallo,
Nachteile, die Selbstständigkeit betreffend, gibts zu Hauf.
Völlig undurchsichtige Besteuerung die selbst mancher Steuerberater nicht durchblickt.
Finanzamt, Krankenkasse, Rentenversicherung, Berufsgenossenschaft, wollen in sehr kurzer Frist ihr Geld oder dein Konto ist zu.
Deine Kunden verkünden dir dagegen schon bei Auftragsvergabe, dass sie erst viel, viel später zahlen werden oder sie zahlen, einfach so, viel später.
Von vielen Einzelunternehmen hört man und so hab ich es auch erlebt, dass die Behörden bei den ganz Kleinen oft das ausleben, was sie bei politisch gedeckten, grösseren Betrieben nicht dürfen.

Krank und Urlaub sind ja noch berechenbare Grössen, ewig nach hinten geschobene oder gestrichene, aber vormals zugesagte, Aufträge nicht. Manch einer hat in der Zeit sogar jemand anderem abgesagt.

Als selbstständiger Einzelunternehmer ist man absolute Unterklasse, man bekommt nur gegen lückenlose Sicherheiten Kredit bei der Hausbank, wenn mal die Liquidität nachlässt, weil Kunden nicht zahlen, dann macht die Bank auch schon mal einfach dicht. Einen Fernseher bei MediaMarkt im Ratenkauf zu erstehen kannst du als Selbstständiger gleich vergessen - nicht Kreditwürdig.

Selbstständig sein hat bestimmt seinen Reiz, wenn man eine besondere Idee hat, mit der man schnell, viel Geld verdienen kann, ohne Unsummen zu investieren, dann ist selbstständig ideal. Ansonsten, im Moment Finger weg.

Denn…denk mal nach…alle erzählen…zur Zeit läuft es grad nicht so bei uns…Entlassungen sind möglich…
Na warum wohl? Weil deine Firma gerade nicht genug Geld verdient um alle zu beschäftigen. Weil sie Kosten sparen müssen ist es für eine Firma natürlich viel besser, für einen Auftrag einen freien Mitarbeiter an der Hand zu haben, den man nicht weiter zahlen muss wenn der Auftrag beendet ist.
Also gehst du zur nächsten Firma, aber ob die dann auch noch Geschäft hat?

D.K.

Einfach mal morgens mit der U.-Bahn fahren und in die
Gesichter der Arbeitshorden schauen: Trostlosigkeit,
Unfreundlichkeit und vor allen Dingen Lustlosigkeit ist zu
erkennen, Lustlosigkeit auf ihren Job.

Die Leute sind aber scheinbar zufrieden mit ihrer Lethargie!
„Weckmichjanichtauf“-Denken.

Es ist so schlimm, dass das Arbeitspotential vieler Menschen
überhaupt nicht zum Vorschein kommen kann, weil Bürokratie und
Unvermögen der Vorgesetzen dieses nicht zu lässt. Letztendlich
ist aber jeder selber Schuld, wenn er nichts verändert.

Wenn du dich selbst bestimmen willst und ein Ziel vor Augen
hast, dann gehe diesen Weg. Dieser ist vielleicht müheseliger
zu erreichen, aber allemal besser als ein Untertan einer
Arbeitskolonne zu sein.

Viel Erfolg, Markus

Danke für diese klaren Worte!
celo

Hallo Celo,

genau das gleiche geht mir auch momentan durch den Kopf.
Doch wenn man einen Job hat und diese Gedanken äußert, erntet
man meistens nur Unverständnis. „Sei froh, daß du eine Arbeit
hast…“ ist der von mir mittlerweile meistgehaßte Satz, den
alle gehirngewaschenen Lemminge gerne anbringen.

Geht mir auch schon dauernd so! Ich sag schon gar nichts mehr im Kollegenkreis. Weist Du was das ist? Reiner Neid! Die haben alle Angst dass man den Sprung schafft und dann besser dasteht als sie.

Ich bin zwar noch nicht so weit, endgültig loszulassen, doch
ich mache erste Schritte in die Richtung - die jetzige
Arbeitszeit möglichst zu verkürzen, und mir nebenbei ein
selbständiges, zweites Standbein aufbauen.
Es ist m.E. ein Reifeprozeß, den wohl kaum jemand von heute
auf morgen umsetzt. Aber immerhin habe ich bereits innerlich
losgelassen und klammere mich nicht mehr an meinen Job.
Auch bei uns schwebt ständig das Damoklesschwert über den
Köpfen, täglich wird einem unterschwellig mitgeteilt, daß man
ja eigentlich nur lästig ist und die Firma einen am liebsten
loswerden würde. Als ob man lediglich ein kostenintensiver
Schmarotzer wäre.

Natürlich gibt es auch „Nachteile“ als Selbständiger. So muß
man eben auf Geld verzichten, wenn man mal ein paar Tage krank
ist oder Urlaub macht. Ebenso entfallen Urlaubs- und
Weihnachtsgeld oder Gewinnbeteiligungen.
Doch bei all diesen Überlegungen frage ich mich: Wie lange hab
ich das denn überhaupt als Arbeitnehmer noch?!? Es bröckelt
und bröselt an allen Ecken, da ist es doch nur noch eine Frage
der Zeit, bis wir wieder dastehen wie am Beginn der
Industrialisierung: 12-Stunden Tage, Sechs Tage in der Woche,
so gut wie kein Urlaub und wer krank ist fliegt raus!
Es hat doch schon längst begonnen, sich wieder in diese
Richtung zu entwickeln.

Ich denke wer sich dieser Ausbeutung und Erpressung entziehen
will, dem bleibt gar nichts anderes übrig als sein eigener
Chef zu werden.
Ob man von Kunden oder vom Chef abhängig ist, abhängig ist man
letztendlich immer in irgendeiner Art und Weise.

Lieber vom Kunden! :smile:

Ansonsten hilft mir eine bescheidene, einfache Lebensweise,
und daß ich mich dem Konsumzwang bzw. Konsumterror entziehe.
So weiß ich, daß ich ggf. mit weniger Geld auskommen kann -
doch ich ziehe das vor, wenn ich dadurch eine bessere
Lebensqualität haben kann.
Für mich zählt was ich bin, und nicht was ich habe. :smile:

Gratuliere! Das ist ein weiterer Punkt den ich fürchte.
Ich will diesen Weg nicht wegen des Geldes gehen, sondern um der Unabhängigkeit willen.
Ich habe Angst so zu werden wie mein Chef! Wenn der einen guten Preis bekommt, verkauft der sogar seine Kinder!
Ich will Abends beim zu Bett gehen noch in den Spiegel schauen können.
Manche werden durch Selbständigkeit unabhängig von Ihrem Arbeitgeber, und fallen dann in die Geldgier, und aus ist es mit der Unabhängigkeit.

Liebe Grüße
Martina

Alles Gute,
celo

Hallo,
Nachteile, die Selbstständigkeit betreffend, gibts zu Hauf.
Völlig undurchsichtige Besteuerung die selbst mancher
Steuerberater nicht durchblickt.
Finanzamt, Krankenkasse, Rentenversicherung,
Berufsgenossenschaft, wollen in sehr kurzer Frist ihr Geld
oder dein Konto ist zu.
Deine Kunden verkünden dir dagegen schon bei Auftragsvergabe,
dass sie erst viel, viel später zahlen werden oder sie zahlen,
einfach so, viel später.
Von vielen Einzelunternehmen hört man und so hab ich es auch
erlebt, dass die Behörden bei den ganz Kleinen oft das
ausleben, was sie bei politisch gedeckten, grösseren Betrieben
nicht dürfen.

Für private Kunden zu arbeiten ist heute schon sehr schwierig. Das hört man sehr häufig!
Gut wenn man da für mehrere Unternehmen tätig sein kann.
Da besteht halt dann auch die Gefahr, dass diese ständig einen neuen, für den Kleinen schlechteren, Vertrag vorsetzen.

Krank und Urlaub sind ja noch berechenbare Grössen, ewig nach
hinten geschobene oder gestrichene, aber vormals zugesagte,
Aufträge nicht. Manch einer hat in der Zeit sogar jemand
anderem abgesagt.

Als selbstständiger Einzelunternehmer ist man absolute
Unterklasse, man bekommt nur gegen lückenlose Sicherheiten
Kredit bei der Hausbank, wenn mal die Liquidität nachlässt,
weil Kunden nicht zahlen, dann macht die Bank auch schon mal
einfach dicht. Einen Fernseher bei MediaMarkt im Ratenkauf zu
erstehen kannst du als Selbstständiger gleich vergessen -
nicht Kreditwürdig.

Selbstständig sein hat bestimmt seinen Reiz, wenn man eine
besondere Idee hat, mit der man schnell, viel Geld verdienen
kann, ohne Unsummen zu investieren, dann ist selbstständig
ideal. Ansonsten, im Moment Finger weg.

Denn…denk mal nach…alle erzählen…zur Zeit läuft es grad
nicht so bei uns…Entlassungen sind möglich…
Na warum wohl? Weil deine Firma gerade nicht genug Geld
verdient um alle zu beschäftigen. Weil sie Kosten sparen
müssen ist es für eine Firma natürlich viel besser, für einen
Auftrag einen freien Mitarbeiter an der Hand zu haben, den man
nicht weiter zahlen muss wenn der Auftrag beendet ist.
Also gehst du zur nächsten Firma, aber ob die dann auch noch
Geschäft hat?

D.K.

Sehr ernüchternd!

Gruß,
celo