Sicherung der Reiche nach Eroberung

Wie haben eigentlich die großen historischen Feldherren ihre Reiche nach der Eroberung gesichert?

Ein Alexander der Große z.B. ist ja ziemlich schnell weiter gezogen und hat es dennoch geschafft, Aufstände im riesigen eroberten Land für lange Zeit unter Kontrolle zu halten.

Waren die damaligen Herrscher einfach so brutal dass sie alle Aufstände im Keim erstickten oder hatten sie ein ausgeklügeltes Kontroll- und Verwaltungssystem?
Oder ist der Partisanenkampf ein Phänomen der Neuzeit?

Danke schon mal für Eure Meinungen!

Hallo Nico,
Aufstände gegen eine Besatzungsmacht haben eine lange Tradition.

Zur Zeit Alexanders gab es durchaus auch schon massenhaft Revolten gegen die Besatzungsmacht. Thrakien, Illyrien, Theben, Sogdien, Rebellionen in Indien etc.

Jüdischer Krieg gegen die Römer aufgrund staatlicher und religiöser Repressionen (Judäa 65-70 n.Chr. folgten noch 2 weitere Aufstände)
Im selben Zeitraum erhoben sich die Bataver (und weitere Stämme) vorher treue Verbündete Roms gegen diese. Grund: Aushebung weiterer Truppen unter den Batavern und Hinrichtung von batavischen Adligen. 69-70 n.Chr.
Die Römer hatten sowieso immer Dauerkonflikte wie z.B. in Germanien oder auch in Britannien in ihren besetzten Gebieten.

Als Guerilla-Krieg kann man auch den Feldzug auf der iberischen Halbinsel 1807-1814 bezeichnen. Auf Seiten der Portugiesen und Spanier kämpfte dort hunderte von Irregulären, Milizen, Freischärlen etc. mit Unterstützung der Briten gegen die Franzosen.
Auch im Rußland-Feldzug Napoleons kämpften viele Irreguläre auf Seiten der Russen gegen die Franzosen in den besetzten Gebieten.

Die große Ausnahme bildet Dschinghis Khan und die Mongolen was den Erfolg an Sicherung der besetzten Gebiete angeht. Mit 19 Millionen Quadratkilometern und einer Sicherung der Eroberungen über einen phänomenalen Zeitraum ist dies mit Sicherheit der erfolgreichste Heerführer aller Zeiten.

Auch wenn Du dir nur mal die Überlieferungen der Bibel anschaust, gibt es dort im Alten wie im Neuen Testament laufende Konfliktherde und Revolten in besetzten Gebieten.

Also kurz gesagt, dies ist kein Phänomen der Neuzeit :smile:

Gruß Mirko

Durch Quislinge!!

Napoleon wurde, als er in Berlin einzog, zugejubelt.

Die Nazis hatten in den eroberten Ländern sehr viele Anhänger.
Die Römer hatten ganze Germanenvölker als Mitkämpfer gegen andere Germanenstämme.

Dann kam es darauf an,sich als Eroberer „gut“ zu benehmen. Da das aber selten geschah, kam es dann schnell zu Widerstand und man verlor wieder alles.

mfgConrad

Danke für die Antworten bisher, aber bei den genannten Anworten wurden m.E. langzeitliche (und vergleichsweise organisierte) Rebellionskriege und kurzzeitliche Aufstände durcheinander geworfen.

Ich meine es geht mir weniger darum, ob z.B. Alexanders Reich nach dessen Tod durch die Diodochenkriege zerfiel, sondern wie er (und andere Feldherren) es schafften, dass nicht die Völker nachdem er mit seiner Armee durchgezogen war sofort wieder den Aufstand probten und ihm in den Rücken fielen. Gerade im Hinblick auf die Versorgung seiner Armee konnte das ja sehr gefährlich werden und er konnte ja schlecht in jedem Dorf eine Besatzungsmacht zurücklassen.

Gerade z.B. wenn man Alexanders Feldzüge mit denen Caesars in Gallien vergleicht, wird deutlich, wie schwer es Caesar fiel, ein viel kleineres Reich unter Kontrolle zu halten, während Alexander die Länder beinahe im „Handstreich“ nahm.

Es geht mir also mehr um die kurzfristige Sicherung (Zeitraum von Wochen und Monaten) nicht um die langfristige Kontrolle eines Landes über Jahrzehnte bzw. Jahrhunderte hinweg. Vor allem in Hinblick auf die Änderung der Sicherungssysteme über die Zeitgeschichte hinweg. (Auch eine passende Quelenangabe zum Weiterlesen würde mir da schon reichen).

Danke!

Es gibt in jedem Land Menschen, die erfreut über eine feindliche Übernahme sind. Kein Volk steht 100%ig hinter ihren Regierungen.

Siehe auch Ukraine, bei dem deutschen Überfall. Die Deutschen wurden als Befreier angesehen.

Und es gibt heute noch viele Deutsche, die noch darüber ärgerlich sind, dass Napoleon alles wieder verlor.

mfgConrad

Hi Nico,

daß ist relativ einfach zu erklären. Durch Gewalt, Abschreckung und Terror. Meist war (und ist) es so, nachdem die Armee ein Gebiet eingenommen hatte, brannte Sie erst einmal zur Abschreckung ein paar Dörfer nieder oder richtete Geiseln hin, plünderte die Gegend, daß reichte fürs erste. Der Schock über die erlittenen Niederlagen, die Angst um die eigene Existenz hinderte die Mehrheit der Bevölkerung längere Zeit daran irgendeinen Widerstand zu organisieren. Dieses Mittel ist im Laufe der Geschichte sehr erprobt und wurde und wird in diversen Formen angewandt. An strategisch wichtigen Punkten wird darüber hinaus natürlich auch noch eine Garnison eingerichtet, die den Nachschub, Verwaltung, Lazarette beherbergt und mit einem Truppenkontingent notfalls auch durch Gewalt wieder für Frieden sorgt. So läuft das im groben fast immer ab.

Gruß Mirko

Wenn man den Leuten ihre Religion ließ und nur die Oberschicht austauschte oder besser noch sich Verbündete untern den einheimischen Eliten suchte und sie als neue Machthaber einsetzte, gab es keinen Grund für Revolten.

Phänomene wie Volksaufstände oder Guerilla gab es nicht ohne Grund erst nachdem die Idee eines „Nationalstaats“ aufkam.

Am konkreten Beispiel des Alexanderreiches konnte es den Bewohnern reichlich egal sein, ob ihre Heimatregion nun von einem persischen Satrapen oder von einem von Alexanders Ganden eingesetzten Unterkönig (der in vielen Fällen der gleiche war, der kurz zuvor noch der Satrap gewesen war) beherrscht wurde. Für sie änderte sich nichts. Deshalb brauchten sie auch nicht zu revoltieren.

Danke für die Antworten
Danke für die Antworten