Siemens Erfolg?

Hallo
ich muss einen Vortrag über Siemens halten. Das genaue Thema ist: Wie hat Siemens es in diesen schwierigen Zeiten geschafft, das Unternehmen zum Erfolg zu bringen?Wie kann es weitergehen?

Ich habe keine Ahnung wo ich suchen soll, da ich in Wirtschaft auch nicht so bewandelt bin:wink: Hat jemand zufällig eine Ahnung über Siemens momentanen Stand, und wie die Firmenpolitik trotz schweren Zeiten erfolgreich ist?

Danke!!

Hallo!

Wie hat Siemens es in diesen schwierigen Zeiten geschafft…

Wir haben Frieden und Rechtssicherheit, auf allen Gebieten gute bis sehr gute Infrastrukturen, mit der EU einen gewaltigen Markt, einen abgeschotteten Ostblock gibts nicht mehr, mit Indien und China warten noch gewaltigere Märkte auf Erschließung und der Warenaustausch wird zunehmend dereguliert. Statt schwieriger Zeiten würde ich eher von Traumbedingungen reden wollen.

Ich greife willkürlich einzelne Marktsegmente heraus: Steigende Energiepreise erlauben die hergebrachten primitiven Bauweisen und Ausstattungen von Wohngebäuden nicht mehr. Es ist u. a. Haustechnik erforderlich, die deutlich über den bisherigen Stand mit ein paar eingegipsten Strippen und Lichtschaltern hinaus geht. Allein in D umfaßt der einschlägige Markt die Größenordnung von 10 Mio. Wohngebäuden, in der EU sind es über 50 Mio. Wohngebäude.

Weitere Beispiele: Energierzeugung und -Verteilung, Kraftwerkstechnik. Die alten Techniken, bei denen hemmungslos jede Menge Dreck in die Gegend geblasen wird, sind nicht mehr akzeptabel. Weltweit sind dafür neue Strukturen und Techniken erforderlich. Oder HGÜ-Technik - eine seit vielen Jahrzehnten gerade in D und von Siemens gepflegte Technik, die auf dem ganzen Globus an vielen Stellen zum Einsatz kommen wird. Oder Elektrotechnik und Elektronik im Automobil. Der derzeitige Stand ist eher als bescheidener Anfang anzusehen. Auf diesem Gebiet gehts erst noch richtig los.

Natürlich sind alle Marktsegmente in ständiger Bewegung, einzelne Segmente schrumpfen oder brechen ganz weg, neue Bedürfnisse entstehen oder werden geweckt und müssen befriedigt werden. Diesen Wandel der Bedürfnisse gibt es mindestens seit es Handel gibt, vermutlich sogar seit es Menschen gibt. Wenn hierzulande eine Produktion von Waschmaschinen oder Mobiltelefonen geschlossen wird, ist darin kein Vorbote des nahenden Untergangs und der schwierigen Zeiten zu sehen, sondern nur eine gewöhnliche Erscheinung des immerwährenden Wandels.
Sich gegen solchen Wandel zu stellen, ist der aussichtslose Versuch der Zementierung alter, überlebter Zustände.

Von schwierigen Zeiten zu reden, ist eine Jammerhaltung ohne realen Hintergrund.

Gruß
Wolfgang

Hallo Hias,
http://www.siemens.de/index.jsp?sdc_p=c61dfi1020904l…
ist doch schon mal ein Anfang zum Beispiel.
Grüße
Almut

Wie hat Siemens es in diesen schwierigen Zeiten
geschafft, das Unternehmen zum Erfolg zu bringen?Wie kann es
weitergehen?

Also zu Siemens könnte man ganze Bibliotheken schreiben. Aber ich will mal versuchen, es zusammenzufassen :smile:

  1. Siemens ist eines der innovativsten Unternehmen der Welt. Schon früh hat man gelernt, dass innovative Ideen -bei entsprechend guter Strategie- schnell zu Geld gemacht werden können. Siemens hat stets große Summen für Forschung und Entwicklung ausgegeben und das in nahezu allen relevanten Bereichen.

So ist man in verschiedenen Bereichen heute Weltmarktführer, bzw. an der Weltmarktführerschaft beteiligt. Da gibt es z.B. die Kernkraftwerke, bei denen Siemens einen weiten Vorsprung in der Welt hat. Allerdings ist man davon in Deutschland nicht so besonders angetan, aber im Ausland verkaufen sie sich gut :wink:
Wo Siemens ebenfalls Maßstäbe setzt ist der Bereich, der sich um Medizintechnik kümmert. Siemens stellt nahezu für jeden Bereich des Gesundheitswesens die entsprechende Technik her. Vor ein paar Jahren hat Siemens durch die Erfindung des sog. PET-Scanners für Aufsehen in der Medizinwelt gesorgt. Die Weiterentwicklung PET-CT ermöglicht es, nach Einnahme einer schwach radioaktivhaltigen Flüssigkeit, Krebsgeschwüre im gesamten Körper -egal wo- in 3D sichtbar zu machen. Allerdings ist den hiesigen Krankenkassen eine Untersuchung -eingebunden im gesetzlichen Leistungskatalog- noch zu teuer. Die Untersuchungen sind recht teuer, ca. 600 Euro, würden aber z.B. eine Darmspiegellung überflüssig machen. Die Scanner werden hauptsächlich im Ausland eingesetzt.

Das Prinzip ist eben recht einfach: Man ist für ein paar Jahre mit einer sehr innovativen Idee am Markt, verdient also viel Geld und wenn es andere dann nachmachen oder es nicht mehr läuft, hat man schon die nächste Erfindung am Start und verdient dann damit.

  1. Das (noch) größere Beispiel zu Siemens ist der amerikanische Mischkonzern General Electric. Von dem früheren CEO dieses Konzerns, Jack Walsh, haben die Siemens-Leute in den 90ern sehr viel gelernt und/oder übernommen. So wird im Hause Siemens schon seit geraumer Zeit eine strenge Renditepolitik verfolgt. Alle Geschäftsbereiche, die nicht innerhalb einer bestimmten Frist eine bestimmte Rendite x abwerfen, werden verkauft oder geschlossen.

Der eigentliche Schlüssel des Erfolgs liegt aber -wie ich finde- in dem jetzt folgenden:
Siemens hat stets gut diversifiziert. Was ist damit gemeint ?

Wenn man 1000 Euro in Aktien anlegen will und man kauft für 500 Euro BMW und für 500 DaimlerChrysler und der Ölpreis steigt, kann man davon ausgehen, dass beide Aktien stark an Wert verlieren und man keine 1000 Euro mehr hat.

Kauft man hingegen für 500 Euro BMW und für 500 Euro Shell, dann kann man von beidem profitieren - guter Autoabsatz und steigenden Ölpreise und Verluste bei der einen Aktie werden durch Gewinne bei der anderen ausgeglichen. Das ist jetzt vereinfacht ausgedrückt. Es lässt sich technisch nachweisen. Die Korrelation spielt eine Rolle.

Das hat Siemens auch gemacht. Man hat stets Unternehmen gekauft, die sich gegenseitig stützen können. Das unternehmerische Risiko wurde stets breit gestreut - wie man sagt. Dadurch, dass man in vielen Bereich präsent ist, können Verluste bei ungünstigen wirtschaftlichen Verlauf durch andere Bereiche ausgeglichen werden. Dabei hat man immer Bereiche unter dem Dach des Konzerns zusammengefasst, die möglichst unterschiedlich sind. Siemens baut Atomkraftwerke aber auch Kühlschränke.

  1. Heinrich von Pierer. Man kann zu Recht behaupten, dass der Erfolg dieses Unternehmens eng mit Heinrich von Pierer, dem früheren und langjährigen Vorstandsvorsitzenden verbunden ist. Er hat das Unternehmen stets als Unternehmer und nicht als Manager geführt. Will also heißen, kurzfristig erfolgreiche Maßnahmen die dem Gehalt des Managers dienen aber langfrisitig dem Unternehmen schaden, wurden weitgehend vermieden.
    Die Mitarbeiter spielen ebenfalls eine große Rolle und waren der Unternehmensführung überwiegend positiv gesonnen. Nicht zuletzt auch deswegen, weil der „Chef von Pierer“ auch an seine Mitarbeiter gedacht hat und nicht nur den Shareholder-Value im Auge hatte. Außerdem sind die meisten Stolz bei Siemens arbeiten zu können, da es sich hier eben um ein Weltunternehmen handelt, was vielleicht bis auf General Electric niemanden auf der Welt fürchten muss.

Siemens ist sicherlich eines der Vorzeigeunternehmen in Deutschland. Ich würde sogar sagen, dass es zusammen mit dem Weltmarktführer in der Chemiebranche, der BASF, momentan an der Spitze steht. Selbst George W. Bush, der mal ein Siemenswerk in Louissana besuchte musste zugeben, dass es erstaunlich ist, was die Deutschen so alles fertig bringen :smile:)

Das waren jetzt nur 3 Punkte, dennoch sind sie meiner Meinung nach die entscheidenden gewesen. Der Nachfolger von von Pierer, Kleinfeld, hatte nach dem Ausscheiden von v. Pierer größere Probleme, weil er in recht große Fussstapfen getreten ist oder musste. Mittlerweile läuft es etwas besser, aber eben noch nicht rund. Daher sind manche Analysten an der Börse noch etwas spektischer eingestimmt, was die Zukunft angeht. Aber um die Zukunft geht es ja auch gar nicht bei Deinem Thema, oder ? :smile:

So, hoffe es konnte „erhellen“ :smile:

Viele Grüße
TraderS

… der nicht bei Siemens arbeitet, dem aber Siemens ein ganz kleines bisschen gehört :smile:)

Hallo,

ich muss einen Vortrag über Siemens halten. Das genaue Thema
ist: Wie hat Siemens es in diesen schwierigen Zeiten
geschafft, das Unternehmen zum Erfolg zu bringen?Wie kann es
weitergehen?

ich stelle mal eine Gegenfrage: Woran machst Du Erfolg fest?

Gruß,
Christian

Danke an ALLE- Ihr seid SPITZE!!

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Danke an ALLE- Ihr seid SPITZE!!

Danke, aber ich hatte noch auf eine Antwort auf meine Frage gehofft. Man kann nämlich durchaus in Frage stellen, ob Siemens tätsächlich uneingeschränkten unternehmerischen Erfolg repräsentiert. Man denke nur an die Flops im Bereich Chips, Mobiltelephone oder PCs und die eigentlich nicht berauschende Ertragskraft.

Gruß,
Christian

Hallo Christian,
also Erfolg ist wohl definitiv definitionssache… die Themastellung kommt ja auch nicht direkt von mir, aber ich sehe das eigentlich genauso wie mein Dozent. In meinen Augen ist „Erfolg“, wenn unter dem Strich doch noch etwas positives herauskommt. Und letztes Geschäftsjahr waren es doch über 2 Milliarden €. Wenn das mal kein Erfolg ist? Ausserdem ist es schwierig bzw. unmöglich bei einem RIESENkonzern wie Siemens alle Zahlen grün zu schreiben. Sicher gibt es auch die „Problemkinder“ wie Communications, die mal eher in den roten Zahlen liegen, dafür macht Med und vor allem auch die „Cashcow“ Osram das um einiges wett.
Die andere Frage ist ob Erfolg nur wirtschaftlich oder auch sozial gemessen werden sollte. Wirtschaftlich ja- sozial nein!! Es werden einfach tausende Menschen bei Siemens verkauft (BenQ) oder „Sozialpläne“ erstellt, die nur zu einer vergreisung der Firma führen, und den jungen keine Chance mehr geben.
Also- definier mir Erfolg…

Grüße
Hias

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Hallo,

also Erfolg ist wohl definitiv definitionssache… die
Themastellung kommt ja auch nicht direkt von mir, aber ich
sehe das eigentlich genauso wie mein Dozent. In meinen Augen
ist „Erfolg“, wenn unter dem Strich doch noch etwas positives
herauskommt. Und letztes Geschäftsjahr waren es doch über 2
Milliarden €. Wenn das mal kein Erfolg ist?

wenn man 75 Mrd. bewegen muß, um 2 Mrd. rauszubekommen, ist das eher bescheiden. Eine Umsatzrendite von knapp 3% schaffen sogar Handelsunternehmen. Die Eigenkapitalverzinsung könnte mit 7,2 % auch besser sein. Außerdem hat man 810 Mio. Euro in Bereichen versenkt, die man nun (endlich) abgegeben hat.

Ausserdem ist es
schwierig bzw. unmöglich bei einem RIESENkonzern wie Siemens
alle Zahlen grün zu schreiben.

Unmöglich ist es sicher nicht, aber natürlich kann es immer wieder Sparten geben, die gerade mal nicht so laufen. Wenn es sich dann aber um zentrale Bereiche handelt, wie eben die Mobilfunksparte oder den PC-Bereich, kann man sich schon fragen, was da für Genies am Werke sind.

Im übrigen hat man sich auch mit der Reduzierung der Anteile an Infinion (Ziel war es, Infinion aufgrund der volatilen Ertragsentwicklung aus der Vollkonsolidierung zu bekommen) nicht mit Ruhm bekleckert und so stand man Ende 2003 „auf einmal“ doch noch mit der Mehrheit da.

Die andere Frage ist ob Erfolg nur wirtschaftlich oder auch
sozial gemessen werden sollte. Wirtschaftlich ja- sozial
nein!! Es werden einfach tausende Menschen bei Siemens
verkauft (BenQ) oder „Sozialpläne“ erstellt, die nur zu einer
vergreisung der Firma führen, und den jungen keine Chance mehr
geben.
Also- definier mir Erfolg…

Hab ich nicht vor. Ich wollte nur wissen, worauf Du hinauswolltest und eine etwas differenziertere Betrachtung anregen. Rein wirtschaftlich steht Siemens sicherlich nicht schlecht da, aber die Perle der deutschen Wirtschaft ist Siemens sicherlich nicht, auch wenn es ein bekanntes Aushängeschild ist.

Bei der Börsenkapitalisierung ist Siemens weltweit übrigens nur auf Platz 58.

Gruß,
Christian