Hallo,
IMHO ein typischer Fall von Managern, die nicht wußten was sie taten und nicht mal reagierten als jeder merkte daß Siemens am Markt anders agieren muß um erfolgreich zu sein.
Siemens hatte in den letzten 2-3 Jahren hauptsächlich das Problem kein konkurrenzfähigen Modelle für Businesskunden, also keine Oberklasse-Modelle, im Angebot zu haben.
Es gab das Business-Phone SX1, welches aber viel später als angekündigt erschien, ein paar ärgerliche Unsinnigkeiten aufweist und mit einer Tastatur aufwartet, die zwar innovativ aussieht, aber bei Geschäftsleuten schlicht nicht ankommt weil die ein funktionales, aber kein „function follws form“-Gerät haben wollen.
Dieses Klientel hatte beim Erscheinen des SX1 schon anderswo zugeschlagen oder hat sich später für Konkurrenzmodelle entschieden weil die einfach praktikabler einsetzbar waren/sind.
Die S-Modelle, wie bei Mercedes die Oberklasse, hinkt seit 2 Generationen technisch hinterher. Die Telefone sind gar nicht schlecht, aber gerade gut auflösende bunte Displays waren der allerwichtigste der letzten Jahre in der Mobilfunkszene - und genau da hing Siemens mit miserablen Auflösungen meilenweit der Konkurrenz nach und hat dieses Problem auch nicht mit höchster Priorität gelöst.
Dazu kam dann noch daß Siemens kein besonders gutes Marketing abgeliefert hat. Es mag zwar albern sein und hauptsächlich die junge Generation ansprechen, aber irgendwelche „Club-Nokia-Samsung-Fun-Club-SonyEricsson-was-weiß-ich-was“-Veranstaltungen bestimmen das Image eines Herstellers in der Öffentlichkeit.
Man hat es nicht verstanden sich selber einen Platz innerhalb der Mobilfunkszene zu sichern, wie alle anderen nahmhaften Hersteller das machen.
In den früheren Jahren waren Siemens-Handys immer top verarbeitet und boten eine maximal umfangreiche Ausstattung, und das zu einem absolut guten Preis - da „wußte man was man hatte“.
Heute ist die Verarbeitung „branchenüblich schlecht“, manchmal fehlen unsinnigerweise irgendwelche Funktionen, die dem Konzept nach in ein Telefon gehören würden (warum z. B. fehlt einem Outdoor-Modell wie dem M65, ansonsten ein absolut gelungenes und hochgelobtes Gerät, eine Sprachwahl-Funktion? Gerade bei einem Outdoor-Modell würde sowas Sinn machen…) und die Vermarktung ist ungeschickt.
Ich behaupte - auch wenn manche „Fachleute“ es anders sehen mögen - daß die Preise der Siemens-Geräte nicht zu hoch waren, denn man bekam die Geräte im Vergleich zur Konkurrenz immer erfreulich preiswert.
Auch die Qualität war nicht das Problem, denn der angebliche Fehler um den zu lauten, gehörschädigenden Klingelton beim S65 war völlig aufgebauscht und nur ein „Schönheitsfehler“. Da haben sich Nokia, SonyEricsson und andere schon ganz andere Bugs geleistet: ich erinnere nur an den früher oder später jedes Ericsson T39m-ereilenden „Kein-Netz-Bug“, die Rückrufaktionen bei den frühen SonyEricsson T610 wegen eines unglaublichen Rauschens, was ein Telefonieren fast unmöglich machte, oder das genau gleiche Rausch-Problem bei den Nokia 6610. Da frage ich mich wirklich: Wie kann es möglich sein daß Geräte ausgeliefert werden, die wegen falscher Bauteile nahezu unbrauchbar sind???
Aber offenbar hat es nicht geschadet weil sie es schafften diese unglaublichen Fehler ruckzuck aus der Wahrnehmung der Öffentlichkeit zu verbannen, während Siemens einen Riesenspektakel um eine Lappalie wie einen lauten Klingelton gemacht und alle Telefone, begleitet von einem großen Medienrummel, zurückgezogen hat…
Naja, Siemens hat das so lange getrieben und das unfähige Management gewähren lassen bis sie jetzt offenbar nicht mehr alleine klar kamen. IMHO absolut blamabel für einen großen, international tätigen Weltkonzern, bei dem viele aus höheren Positionen denken sie wären bei der Post und könnten mit der Behäbigkeit der 60er oder 70er Jahre agieren.
Traurig für die „kleinen Mitarbeiter“, die über kurz oder lang die Dummen bei der Sache sind.
PS:wird Siemens nur noch zum Markennamen im Mobil-market?
Klar. BenQ wird billig in Asien produzieren, hat aber mit dem guten Markennamen von Siemens einen prima „Türöffner“ gefunden um sich auf Märkten zu tummeln, auf denen sie als kleiner taiwanesischer Konzern ohne weltbekannten Namen geringe Chancen gehabt hätten.
Ob sie damit Erfolg haben hängt IMHO davon ab ob es ihnen gelingt das Image so zu verändern daß Siemens als „hipper Anbieter, dessen Produkte cool sind“ und viele Spaßfunktionen wie Kamera etc. bieten, wahrgenommen wird.
Gruß,
MecFleih