Hallo,
„Mir gefiel, dass er mich duzte.“
(Tochter der Träume - Kathyrn Smith, S. 284)
Wie kann es sein, dass die Autorin diesen Satz geschrieben
hat?
Vielleicht stand da im Original etwas von „first-name basis“ oder irgendetwas anderes, das auf den vertrauten Umgang hinwies.
… dementsprechend kann sich nur die
Übersetzerin diesen Satz ausgedacht haben, aber das darf sie
doch gar nicht?
Oh doch. Gerade Literaturübersetzungen sind oft sehr frei. Man legt mehr Wert darauf, dass das Buch beim deutschen Publikum ankommt, als auf eine wortgetreue Übergabe des Originaltextes.
Sollte also in einem Roman mal jemand über Deutsche lästern, kannst du dir sicher vorstellen, was mit dieser Stelle passiert …
Aber die künstlerische Freiheit geht noch viel weiter.
Ich habe mir mal spaßeshalber „Per Anhalter durch die Galaxis“ auf deutsch ausgeliehen, weil ich im englischen Original einiges entdeckt habe, das nicht ganz unproblematisch zu übersetzen ist. Da war beispielsweise von einem Lichtspektrum die Rede, das von „ultraviolent to infradead“ reichte. Übersetzt wurde das mit „ultraviolent bis infratot“.
Und da waren noch einige andere Stellen, die ich mir angemerkt hatte, und die mir nur jetzt nicht mehr einfallen.
Der erste Schock war dann schon einmal, dass ich diese Stellen nur schwer finden konnte, weil man die Kapitel in der Übersetzung etwas anders eingeteilt hatte. Aber die Kapitel begannen nicht nur an einer anderen Stelle - teilweise fehlten auch mehrere Seiten Text!
Im englischen Original bekam da z.B. jemand einen Preis „for the most gratuitous use of the word Belgium in a serious screenplay“.
Das hat mich natürlich interessiert, was der Übersetzer daraus gemacht hat. Aber die ganze Passage mit „Belgium“ taucht in der deutschen ÜB gar nicht auf. Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, warum.
Jedenfalls, um deine Frage zu beantworten: Klar darf das die Übersetzerin, und sogar noch viel mehr.
Schöne Grüße
Petra