Signalverstärker oder Fernsehtechniker?

Hallo
Ich habe auch ein Problem das mir unter den Nägeln brennt:
Wir wohnen in einem alten Haus in dem die TV-Verkabelung (Kabelfernsehen, analog) nicht sternförmig, sondern wie bei einer Reihenschaltung verlegt wurde. Also von Buchse zu Buchse zu Buchse.
Das Signal reicht bis zur 3. Buchse aus, wird dann aber immer schlechter.

Reicht es da aus einen Signalverstärker Marke XY zu kaufen, oder muss man da einen Fernsehtechniker kommen lassen?

Oder bringt da beides nichts?

Über eine Antwort würde ich mich freuen
Gruß Sanne

Hallo Sanne,

bei jeder Anschlussdose wir ein kleiner Teil des Signals an die Buchsen ausgekoppelt und der Rest - also nach jeder Dose ein bisschen weniger - weitergegeben. Das ist korrekt.

Dafür gibt es unterschiedliche Dosen: Am Anfang der Leitung, also dort wo der Pegel noch hoch ist, verwendet man Dosen mit hoher Auskoppeldämpfung und dadurch geringer Durchführungsdämpfung. Richtung Ende muss die Auskoppeldämpfung immer geringer werden. So erreicht man einen ungefähr gleichen Pegel an allen Dosen.

Üblicher Weise ist der Pegel auf dem BK-Netz rel. hoch. Wenn einige Dosen versorgt werden, oder eine lange Leitung dazwischen liegt, muss jedoch verstärkt werden.

Einen BK-Verstärker kann man in der Regel selbst installieren. Er kommt direkt hinter den Hausanschlusskasten (im Keller), also dort wo das Verhältnis von Pegel zu Rauschen noch groß ist.

BK-Verstärker gibt’s im Versandhandel. Wenn man den Pegel nicht kennt, muss man allerdings den Verstärkungsfaktor raten. Bei zu wenig Verstärkung bleibt das Bild griesig, bei zu hoher wird der Verstärker übersteuert und erzeugt selbst Störungen. Besonders bei BK-Anlagen (mit hoher Programm-Belegung) ist letzteres kritisch.

Für die Zukunft ist bei BK-Netzten ein Rückkanal nutzbar (auch für Internet oder Telefonie über BK-Kabel notwendig). Wenn man den nutzen will, muss der Verstärker dafür vorgesehen sein. Der Rückkanal reicht klassisch bis 30 MHz, in „Ausbaugebieten“ bis 65 MHz. Das erkennt man, ob bei euch noch TV-Sender auf den Kanälen 2 bis 4 enthalten sind.

Zum Zwischenschalten eines Verstärkers muss man oft die vorhandene Koax-Leitung durchschneiden und zwei Stecker montieren. Etwas Übung ist hier hilfreich.

Gruß Bernhard

Dafür gibt es unterschiedliche Dosen: Am Anfang der Leitung,
also dort wo der Pegel noch hoch ist, verwendet man Dosen mit
hoher Auskoppeldämpfung und dadurch geringer
Durchführungsdämpfung. Richtung Ende muss die
Auskoppeldämpfung immer geringer werden. So erreicht man einen
ungefähr gleichen Pegel an allen Dosen.

WOW
Hab ich gar nicht gewußt! Ich dachte die wären alle gleich

Vielen Dank Bernhard,
Ich werde es mir mal durch den Kopf gehen lassen.
Kann man da irgendwelche Verstärker nehmen? Teuer gleich besser? oder alle gleich?

Danke nochmal für die prompte Antwort
Gruß
Sanne

Kann man da irgendwelche Verstärker nehmen? Teuer gleich
besser? oder alle gleich?

Teuer = besser: Nein.
Eher teuer = hohe Verstärkung bei sonst gleicher Qualität

Da bei dir das Signal an den ersten Dosen ausreicht, wirst du keine hohe Verstärkung brauchen, sonst wird vielleicht der Fernseher an der ersten Dose schon übersteuert. Ich schätze, dass 10…30 dB völlig ausreichen, die kosten um 60 Euro.

Die beiden Stecker (und optional ein passives Doppelbuchsen-Verbingungsstück, um die beiden Stecker ohne Verstärker dazwischen zusammenstecken zu können) kosten zusammen unter 5 Euro.
Leider gibt es zurzeit zwei Steckertypen: IEC- und F-Stecker. Also zuerst den Verstärker auswählen und dann die dazu passenden Stecker.

Praktisch wär’s, wenn du mal einen Verstärker zum Probieren ausleihen könntest, z. B. von einem freundlichen Nachbarn. Die Verstärkung ist immer auf dem Typenschild angegeben.

Professionelle Fernsehtechniker haben ein paar Verstärker vorrätig und können das dann einfach probieren, außerdem haben sie Pegelmesser (teuer), um direkt messen zu können. Freilich wird das ganze dann einiges mehr kosten.

Verstärker-Beispiele von der Fa. axing:
BVS 1-00: 10 dB fest, ohne Rückkanal
BVS 17-01: 17 dB einstellbar, Rückkanal bis 30 MHz
BVS 17-65: 17 dB einstellbar, Rückkanal bis 65 MHz
BVS 2-01: 25 dB einstellbar, ohne Rückkanal
BVS 2-02: 25 dB einstellbar, Rückkanal bis 30 MHz
BVS 2-65: 25 dB einstellbar, Rückkanal bis 65 MHz
Die gibt’s z. B. bei Reichelt http://www.reichelt.de oder Conrad http://www.conrad.de

Gruß Bernhard

PS: Hast du schon mal in den Keller geschaut? Vielleicht sitzt dort schon ein Verstärker und die Leitung hat einen Fehler, z. B. ein Kurzschluss nach der dritten Dose.

PS: Hast du schon mal in den Keller geschaut? Vielleicht sitzt
dort schon ein Verstärker und die Leitung hat einen Fehler, z.
B. ein Kurzschluss nach der dritten Dose.

Hallo Bernhard

Ich war eben unten, nein da gibt es keinen Verstärker. Allerdings teilt sich dort schon die Leitung, wobei bei dem einen Strang nur ein Gerät angesteuert wird und bei dem anderen 6 Dosen gefüttert werden müssen.
Kurzschluss schließe ich eher aus. Das TV-Bild wird ja von Dose zu Dose immer schlechter. So wie ein Gartenschlauch der ein paar Löcher hat. -Da kommt ja am Ende auch nicht mehr der Druck raus, mit welchem er eingespeist wurde.
Nochmal zu Kurzschluß: Also diese Antennendose, die hat ja einmal den Eingang vom Coax-Kabel und dann wieder raus.
Ist da was elektrisch?? Bitte nicht schlagen, falls dir die Frage zu idiotisch erscheint.

PS: Ich bin ganz begeistert von deinen ausführlichen Erklärungen. Bislang (in anderen Foren) kam nur ein: Geht nicht, eventuell, lass da lieber mal den Fachmann ran; Ist das überhaupt erlaubt??..
Vielen Dank auch!!

Hallo Bernhard

Hallo Sanne

Ich war eben unten, nein da gibt es keinen Verstärker.
Allerdings teilt sich dort schon die Leitung, wobei bei dem
einen Strang nur ein Gerät angesteuert wird und bei dem
anderen 6 Dosen gefüttert werden müssen.

Aufteilung auf zwei Zweige mit je einer Dose klappt in der Regel noch ohne Verstärker. Wenn dann an einem Zweig sechs Dosen gespeist (Fachsprache für „füttern“, engl. aber to feed --> füttern :smile: werden müssen, muss ein Verstärker dazwischen geschaltet werden. Sonst passiert genau das, was du beobachtest.

Bei einem Verteiler (ca. 4 dB Dämpfung, falls gleichmäßige Leistungs-Aufteilung) und zusätzlich sechs unbekannten Dosen an einem Zweig würde ich einen einstellbaren Verstärker mit ca. 25 dB Maximalverstärkung und mind. 10 dB Abregelmöglichkeit empfehlen.
–> axing Serie BVS 2 oder ähnlich.
Prinzipiell genügt ein schwächerer Verstärker, dann müssen aber sicherlich ein paar Dosen ausgewechselt werden. Sonst vielleicht nicht.

Kurzschluss schließe ich eher aus. Das TV-Bild wird ja von
Dose zu Dose immer schlechter. So wie ein Gartenschlauch der
ein paar Löcher hat. -Da kommt ja am Ende auch nicht mehr der
Druck raus, mit welchem er eingespeist wurde.

Stimmt. Wahrscheinlich kein Kurzschluss.

Nochmal zu Kurzschluß: Also diese Antennendose, die hat ja
einmal den Eingang vom Coax-Kabel und dann wieder raus.
Ist da was elektrisch?? Bitte nicht schlagen, falls dir die
Frage zu idiotisch erscheint.

Ja, da „ist was elektrisch“. Genau wie an der 230-V-Steckdose führt die Antennenleitung (zwischen Mittelleiter und Schirmung) elektrische Spannung. Aber weder 230 V (sondern wenige mV) und keine 50 Hz (sondern sehr viele Frequenzen bis knapp 1 GHz).

PS: Ich bin ganz begeistert von deinen ausführlichen
Erklärungen. Bislang (in anderen Foren) kam nur ein: Geht
nicht, eventuell, lass da lieber mal den Fachmann ran;

Danke für die Blumen. Klar stimmt das mit dem Fachmann fast immer, aber genau deshalb fragen die meisten ja bei w-w-w.

Ist das überhaupt erlaubt?

Ja. Nach dem Hausanschlussverteiler gehört die Leitung nicht mehr dem Kabelanbieter. Die Spannungen sind ungefährlich niedrig und bei Kurzschluss passiert auch nichts schlimmes (außer kein Empfang). Die angeschlossenen Geräte müssen selbstverständlich den einschlägigen Vorschriften genügen und für den Anschluss ans BK-Netz geeigent sein. Wenn du den Verstärker fertig kaufst und nicht selbst zusammen bastelst, wird er die Vorschriften schon einhalten.

Vielen Dank auch!!

Viel Erfolg

Bernhard

Hallo Bernhard,

vielen Dank für die Ratschläge und ein schönes Osterfest aus dem bald eingeschneiten Baden.

Gruß Sanne

vielen Dank für die Ratschläge und ein schönes Osterfest aus
dem bald eingeschneiten Baden.

Hoppla,

bei mir in Nord-Baden - sind’s 9 °C und weit und breit ist kein Schnee zu sehen.

Ebenfalls schönes Fest und viel Erfolg beim Verstärken

Bernhard