Silbe SYR von SAR/SRAV = fließen ?

Moin,

wer kann folgende Aussage widerlegen, bestätigen oder gar näher
erläutern? (Aussage von Jean-Claude Muller, Präsident der
Luxemburger Gesellschaft für Genealogie und Heraldik, Autor zur
Mediävistik)

Der Begriff Syre - und ähnlich Sûre/Sauer und Sarre/Saar - basiert
auf der alten Wurzel „sar-“ oder „srav-“ mit der Bedeutung „fließen“.

Welcher Sprachfamilie ist „sar“ oder „srav“ zuzuordnen,
was bedeutet „alt“ in diesem Zusammenhang,
wann/wie erfolgte die Wandlung von A zu Y?

Hintergrund:
In Sachsen gibt´s den Ort SYHRA, seit 1308, geht zurück auf´s
slawische SYRZJE mit der Bedeutung „Fluss, See, Sumpf“,
eher „feuchter/nasser Grund“.
In Luxemburg gibt´s den Ort SYREN am Fluss SYR(E), Gründung um 1300

„fließen“ ist demnach für beide Ortschaften nachvollziehbar.

Wie konnte sich SYR in derart unterschiedlichen Sprachen
(Slawisch und Mittelhochdeutsch, deren gemeinsame Obersprache erst
das Indogermanische ist) halten? Oder heißt das nur, dass der
Flussname SYR(E) [nach dem dann wohl das Dorf benannt wurde]
extrem alt ist?

Siehe i. Ggs. Diskussion in diesem Forum im Februar 2002:
Flussnamen gehen auf eine alteuropäische Wortschicht mit Silbe
-el oder -ol zurück, die die Bedeutung „fließen, strömen“ hat.
Diese Silbe wird mit v, r, m, n, t erweitert, wodurch die
verschiedenen Flussnamen (in Europa) entstehen.

Danke,
Martin

Also, für das Indogermanische wird eine Wurzel *sreu- ‚fließen‘ (Pokorny 1003) angesetzt, die im Indoiranischen mit a-Vokalismus (lautgesetzlich aus altem e) belegt ist (altindisch srávati ‚fließt‘, etc.). In im Griechischen ist der e-Vokalismus erhalten (siehe das Lehnwort ‚Rheuma‘ - wörtlich ‚das Fließen‘).

Wenn es sich bei den deutschen Flußnamen mit a-Vokalismus (Saar etc.) um Ableitungen der alten Wurzel handeln soll, müßten sie auf westgermanische Formen mit langem e zurückgehen, denn das wurde im deutschen zu a (vgl. got. slepan > dt. schlafen).

Flußnamen und andere Ortsbezeichnungen können durchaus sehr alt sein.
Nicht alle gehen auf dieselbe Sprachstufe zurück (es gibt auch Theorien, daß der Rhein auf o.g. griechisches ‚fließen‘ zurückgeht…).

Kann schon sein, daß was dran ist, an der These mit Saar etc. Allerdings ist Ortsnamenforschung leider häufig sehr spekulativ.
Und das genannte Zitat bezieht sich auf eine ‚Wurzel srav‘, geht also vom indoiranischen Vokalismus aus, das ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts nicht mehr up-to-date…

LG
Christiane

Quasikonsens: Silbe SYR von SAR/SRAV = fließen
Hallo,

danke für das sehr informative Posting.

Also, für das Indogermanische wird eine Wurzel *sreu-
‚fließen‘ (Pokorny 1003) angesetzt,

Krahe 1964 setzt *ser/*sor als Wurzel an,
Stüber 2002 nennt *srav/*srev .

Werde noch Pokorny 2005 und Vennemann 2003 nachschlagen,
letzterer soll Krahe widersprechen.

Dank und Gruß,
Martin