Sind 1250 Tabletten pro Person/Jahr realistisch?

Laut Bild am Sonntag werden jährlich 694 Millionen apothekenpflichtige Medikamente verkauft. Das würde bedeuten, dass im Schnitt jeder Bundesbürger, vom Säugling bis zum Greis, pro Jahr 1250 Tabletten und andere Medikamente zu sich nimmt. Zudem soll jeder Zweite die Medikamente falsch einnehmen, wodurch die Wirkungen und Nebenwirkungen verstärkt bzw. vermindert werden. Was denkst du? Hältst du diese Zahl für möglich? Musst du Medikamente nehmen und wenn ja wie viele?

Antwort:
Ja,die Summe ist durchaus realistisch,fast noch zu niedrig.Ältere Menschen(ab 50J.)nehmen meistens noch mehr,dazu noch Nahrungsergänzungsmittel oder auch rezeptfreie Medikamente.Leider läßt die Therapietreue zu wünschen übrig;der Beipackzettel wird erst gar nicht gelesen oder auch falsch oder gar nicht verstanden,nur wer fragt ist klar im Vorteil:Arzt+Apotheker!!!
Ich nehme auch 3-5 Tabl.pro Tag:Schilddrüsenmedikament,Vit.D3,Schmerzmittel(habe gerade eine neues Knie bekommen)!!! Viele Grüße nixeeva

ich denke eher nicht.
es gibt ja viele chronisch kranke die mehr als 1250 tabletten pro jahr einnehmen müssen. diese nehmen ja zum teil bis zu 10 verschiedene medikamente und diese je nach dem auch mehrmals täglich ein. das relativiert sich dann mit den gesunden personen die weniger als 1250 tabl. pro jahr einnehmen.

Eine realistische Zahl
Diese Zahl ist sehr realistisch, wenn man sich mal ausrechnet, dass man bereits bei einer Einnahme von 3 Tabletten am Tag insgesamt schon 1095 Tabletten im Jahr zu sich nimmt. Die meisten älteren Menschen müssen wahre Tablettencocktails zu sich nehmen und kommen damit weit über den gennanten Wert. Das heißt natürlich, dass bei weitem nicht jede Person 1250 Tabletten im Jahr zu sich nimmt, sondern der Wert zustande kommt, weil ein Teil der Bevölkerung wesentlich mehr zu sich nehmen muss.

Ich kann die Zahl der Bild am Sonntag weder bestätigen noch dementieren, halte sie aber für möglich und realistisch. Die Schlussfolgerung, die Sie daraus ableiten, ist aber nicht unbedingt zwingend und zutreffend. Einerseits werden nicht alle Arzneimittel, die gekauft werden, auch eingenommen oder angewendet. Viele Menschen lassen sich z.B. für den Urlaub eine Reiseapotheke zusammenstellen. Die meisten Präparate werden dann zum Glück nicht gebraucht und nach Ablauf der Haltbarkeitsfrist vor dem nächsten Urlaub ausgetauscht. Ähnlich ist es mit sog. Hausapotheken.

1250 Einnahmen bzw. Anwendungen pro Jahr entspricht etwa 3,5 pro Tag. Wenn man bedenkt, dass da auch viele Erkältungspräparate (Schnupfensprays, Nasentropfen, apothekenpflichtige Vitaminpräparate, Erkältungssalben, Rheumasalben) dabei sind, sind 3,5 Anwendungen pro Tag nicht übertrieben viel. Es ist ja bekannt, dass ältere Menschen oft 8-10 (allerdings verschreibungspflichtige) Präparate von ihrem Arzt verordnet bekommen. Und es bekommt ihnen offensichtlich, denn die Lebenserwartung steigt ständig.

Die Behauptung, jeder Zweite nehme seine Medikamente falsch ein, halte ich für stark übertrieben bzw. reisserisch. Es kann aber sicher nicht schaden, wenn sich die Patienten die Angaben dazu im Beipackzettel auch durchlesen würden und im Zweifelsfall in der Apotheke um Beratung bitten.

Hallo Galileo-Redaktion,
schön, dass Ihr mich fragt. Als erstes muss ich allerdings bemerken, das das Bild-Zitat für mich unklar ist. Was sind 694 Millionen Medikamente??
Apotheker und Mediziner rechnen in Einzel- oder Tagesdosen. Oder sollten Packungen gemeint sein?
Das heißt, pro Einwohner ca. 8 Packungen pro Jahr?
Das können in den Extremfällen zwischen 16 Tabletten eines speziellen Miogränepräparates, (was sicher nicht ungewöhnlich ist) oder 1250 eines bestimmten Diabetesmittels (4 pro Tag) sein, wobei ein Diabetiker meistens noch andere Medikamente bekommt

Babys bekommen Fieberzäpfchen, Hustensaft oder Antibiotikum, aber auch Vitamin D und Fluortabletten, oder etwas gegen Bauchkrämpfe oder Blähungen. Selbst Meerwasser-Nasentropfen gelten als Arzneimittel. Da können pro Jahr 8 verschiedene Medikamente pro Kind zusammenkommen.

Frauen im gebärfähigen Alter nehmen häufig die Pille, das können zwei 6-Monats oder 12 Einzelpackungen sein, ohne irgendeine häufige Erkrankung wie Erkältung oder Magen-Darm-Erkrankung behandelt zu haben.
Ich selbst bin noch in der glücklichen Lage, nicht auf eine regelmäßige Medikamenteneinnahme angewiesen zu sein. Trotzdem sind in meiner Hausapotheke regelmäßig Erkältungskapseln, Halstabletten, Kopfschmerztabletten,
Magnesiumtabletten, Vitaminkapseln und Erkältungstee zu finden. Alles das kaufe ich mindestens einmal pro Jahr und bewege mich damit schon im Rahmen der genannten Statistik ohne ernsthaft krank und beim Arzt gewesen zu sein.
Wenn sich die genannte Zahl also auf Arzneimittelpackungen bezieht, halte ich sie für nachvollziehbar. Die Umrechnung auf die genannte Tablettenzahl kann ich nicht nachvollziehen, obwohl es in Einzelfällen, wie oben erwähnt, durchaus vorkommen kann.
Herzliche Grüße
Martina

Sind 1250 Tabletten pro Person/Jahr realistisch?
Ich glaube eher nicht, dass diese zahl realistisch ist. Genauso wie ich brauchen viele andere, wenn nicht sogar die Mehrheit der Bevölkerung nicht regelmäßig Tabletten. Da können auch chronisch Krnake oder ältere Meschen nicht so viele nehmen. Falls man doch so viele Tabletten zu sich nimmt ist das meiner Meinung nach kein Leben. Ich würde lieber in Würde sterben, anstatt mich mit Unmengen von Tabletten am Leben zu halten.

Hallo,
ja auch ich muß Medikamente nehmen, da ich eine unheilbare Erkrankung habe.

  1. Diese Tbl. lindern meine Schmerzen und ich muß sie UNBEDINGT regelmäßig zur selben Uhrzeit einnehmen, damit die Blutspiegel nicht schwanken.
  2. Tbl. gg. Bluthochdruck (bin nicht übergewichtig), die ich in einer Tbl. Box mit ALLEN einzunehmenden Tbl. sortiert habe, nach Einnahmezeit.
  3. Tbl. wg. einer Schilddrüsen OP

Das sind inses. 7 Tbl. täglich.

Es ist unbedingt wichtig, seine Tabletten so einzunehmen, wie vom Arzt verordnet und nicht nur dann, wenn man gerade mal daran denkt oder eben Schmerzen hat und die 1x nicht eingenommen hat, weil es „mir“ mal ein paar Tage gut ging.

Es gibt sehr viele multimorbide Menschen, da wir immer älter werden, steigt auch die Zahl der körperlichen Gebrechen, die es nötig machen, Tabletten zu nehmen.

1.250 Tbl. p. Jahr sind realistisch, wenn man bedenkt, wieviele Menschen sofort zu einer Tbl. greifen, beim kleinsten Wehwehchen.

Eine Pauschalisierung, vom Säugling bis zum Greis ist nicht korrekt. Obwohl auch Säuglinge in den ersten Lj.en Tbl. nehmen müssen für Knochenbau, Zähne etc.
Darunter gerechnet sind höchstwahrscheinlich auch Menschen, die mit Kopfschmerztabl. anfingen, immer mehr davon nahmen, bis sie von den freiverkäuflichen Medikameneten abhängig wurden.
Darunter zählen auch Abführmittel, Potenzmittel, Schlankheitspräparate usw.

Meist vergessen ältere Menschen lebensnotwendige Medikamente, wie die Diabetiker z.B., sie spritzen schnell, bevor der Arzt den BZ messen wird in der Praxis, Insulin zuhause, um zu vertuschen, daß sie sich nicht an die vorgegebenen BE halten.

Keine, oder falsche Aufklärung beim Arzt, führt dazu, daß Medikamente zusammengenommen werden, wobei das Eine die Wirkung des Anderen wieder aufhebt, oder gar zunichte macht.

So wurde z.B. eines der ersten Statine (zur Senkung des Blutfettes) vom Markt genommen, weil es Todesfälle gab.
Erklärung:
Da die meisten Medikamente über das Cytocrom P450 verstoffwechselt werden und eines schon alle Stellen besetzt, kann das darauf eingenommene Bluthochdruck-, oder Herz- Kreislaufmedikament nicht mehr verstoffwechselt werden, da bei P 450 alles besetzt ist und das nächste Medikament einfach nur „verdaut“ wird.
Da sollte man UNBEDINGT auf den Arzt oder Apotheker hören und das eine am Morgen, das Andere am Abend einnehmen. Meist steht dies auch schon auf der Medik. Verpackung. 1x1 morg. z.B.
Eine Hilfe ist eine Tablettenbox, aus der man ersieht, habe ich schon meine Morgenmedizin genommen oder nicht, ebenso am Abend.
Das sind nur einige Beispiele, die ich weiß, was man falsch machen kann, warum man zuviele Tbl. nimmt (Sucht, Gewöhnung, Dosissteigerung).
Ich denke, es werden noch mehr Beiträge zur Aufklärung beitragen.
MfG
RR

Hallo, die 1250 Tabletten pro Kopf und pro Jahr sind sicher realistisch - entsprechen sie doch gerade mal 3,42 Tabletten pro Tag. Natürlich ist der Bericht sehr reisserisch gestaltet. Aber:

  • die Tabletteneinnahme beginnt bereits im Kleinstkinhdalter - man denke an die täglichen Fluoridtabletten.
  • der oft tägliche Griff zum Aspirin gegen Kopfschmerzen ist hier wohl auch mit eingegangen
  • und schließlich muß an die chronisch kranken und meist auch noch multimorbiden Patienten gedacht werden, die täglich 10-12 Tabletten, oft auch mehr, einnehmen müssen.
    In vielen Fällen kommt es durchaus vor, daß Patienten den Überblick verlieren und ihre Medikamente falsch einnehmen. Von dem Versehen im Einzelfall mal abgesehen - die Falscheinnahme muß leider auch den Ärzten zugeschrieben werden. Es wird sich viel zuwenig Zeit genommen, den Patienten über die richtige Einnahme aufzuklären bzw. diese mit ihm (immer wieder)zu besprechen.
    Möglich ist auch daß in vielen Fällen der Arzt selbst den Überblick verliert und dem Patienten etwas verschreibt, wodurch Wirkungen oder Nebenwirkungen der vorhandenen (Dauer)Medikation verstärkt werden. Doch dieses ist ein „weites Feld“ und eines der Probleme unseres Gesundheitssystems.
    Auch ich muß regelmäßig Medikamente einnehmen - sieben verschiedene pro Tag. Zwar bin ich nicht multimorbide, aber ein chronischer Schmerzpatient mit den entsprechenden Begleiterscheinungen.
    Viele Grüße
    Ingeborg Steffes-Tremer

Ich rechne jede andere Darreichungsform von Medikamenten mathematisch als Tabletten. Also wenn ein Diabetiker sich seine Insulinspritze setzt, man schluckt Hustensaft, verwendet medizinische Cremes oder führt ein Zäpfchen ein, dann entspricht das Mathematisch jeweils einer Tablette.

Bei chronischen Erkrankungen muss man grundsätzlich mit ein bis drei Tabletten pro Tag und Krankheit rechnen. Wenn sich auf die Medikamente Nebenwirkungen einstellen, dann muss man oft doppelt so viele Tabletten nehmen, in meinem persönlichen Fall sind das 2 Tabletten am Tag mal 365 Tage sind das alleine rund 750 Tabletten im Jahr.

Wenn ich jetzt noch andere Medikamente rechne, wie z.B. Kopfschmerzmittel, dann komme ich auf rund 800 Tabletten im Jahr. Zuzüglich eventueller Erkrankungen.

Vor noch 15 Jahren konnte ich ohne Medikamente auskommen. Abgesehen von jenen, die man aus vorübergehendem Bedarf gelegentlich verschrieben bekommt, und Mittel gegen Kopfweh, lag mein Jahresverbrauch bei rund 50 Tabletten.

Da ich nicht den Durchschnitt repräsentiere, halte ich die durchschnittlich errechneten 1250 Tabletten pro Kopf und Jahr für realistisch. In meinem Zivildienst habe ich Menschen betreut, welche bis zu 15 Tabletten täglich nehmen mussten, einige Wirkmedikamente und einige gegen die Nebenwirkungen. Bis zu 4 Mal am Tag waren bestimmte Mittel fällig, das waren alleine rund 5475 Tabletten pro Jahr!

Man muss aber eines dabei berücksichtigen: Nicht alle verschriebenen Medikamente werden auch genommen. Das bedeutet, dass ein nicht unerheblicher Anteil an Medikamenten ungenutzt im Abfall landet.

Die größten Probleme, die wir in Bezug auf Medikamente haben sind aber nicht die Mengen.
Zuerst haben Mediziner keine Zeit, um sich ein Krankheitsbild anzuschauen, sie können nicht mehr auf ihre Patienten eingehen. Das habe ich gemerkt, als ich wegen einer Fußpilzerkrankung zu drei Fachärzten musste, und keiner konnte helfen. Erst der vierte hatte ein Auge dafür.

Dann ist die Gewinnsucht ein Problem. Es gibt Ärzte, die auf Provisionsbasis Medikamente verschreiben. Natürlich nicht offiziell, aber aus welchem grund bekommen Ärzte sonst ständig Vertreterbesuche von den Pharmakonzernen? Weil ein Arzt sonst eine Liste nehmen würde, um für ein bestimmtes Krankheitsbild das passende Medikament von irgendeinem beliebigen Hersteller auszuwählen.

Und der Staat tut sein übriges dazu, um die Medikamente drastisch teurer zu machen. Was in vielen EU-Ländern üblich ist, ist in Deutschland verboten: Die Apotheke im Supermarkt. Geht man beispielsweise in England im Aldi einkaufen, dann würde man sich als deutscher wundern. Statt nur der üblichen Tabakwaren findet man zahlreiche Medikamente im Kassenbereich. Medikamente, die in Deutschland Apotheken- oder sogar Rezeptpflichtig sind!

Hallo,
spannende Frage!
Allerdings verstehe ich nicht, wie Ihr auf die Zahl von 1250 Tabletten (bzw. einzelne Arzneimittelfertigdosen) kommt. Bei angenommenen 82 Mio Deutschen ergeben sich doch „nur“ 8 bis 9 Medikamente pro Einwohner aus den zitierten 694 Mio.
Habt Ihr die Zahl richtig gelesen?
Was genau sind das: Packungen oder Einzeldosen?
Zahlen für verschreibungspflichtige Medikamente sehen ungefähr so aus: in den 30 wichtigsten Therapeutikaklassen wurden 2009 ca. 30 Milliarden (!) Einzeldosen verschrieben. Das sind mal lockere 375 Tabletten (oder andere Arzneiformen) pro Einwohner pro Jahr. Also schluckt jeder Deutsche vom Baby bis zum Greis im Durchschnitt jeden Tag eine Pille.
Wenn man die ganzen nur apothekenpflichtigen Medikamente hinzunimmt, ist das sicher eine Menge mehr…
Viele Grüße
Hanns-Christian

ich glaube schon das es eine realistische zahl ist!!
immerhin hat man das ja bei 3-4 tabletten am tag schon!
und alte menschen nehmen oft viel mehr!!!
dieser durchschnitt ist bei unserer veralteten gesellschaft gar nicht verwunderlich!

lg
Daniel

Guten Abend,

ich persönlich nehme keine Medikamente.
Zu ihrer Frage: ich kann mir diese Zahl durchaus vorstellen, da viele ältere Patienten bis zu 10 Tabletten pro Tag nehmen.

Mit freundlichen Grüßen

T. Bruenig

Hallo,

man muss mit der Aussage vorsichtig sein, denn chronisch Kranke brauchen diese Medikamente sicherlich - mein Ex-Mann hat zweimal am Tag bis zu sieben Tabletten gebraucht - er kam im Jahr auf fast 4300 Tabletten. Säuglingen und Kleinkindern werden die Medikamente häufig in Form von Zäpfchen oder Saft verabreicht. Ausserdem bekommen viele ihre Medikamente auch gespritzt - Insulin, Thrombosemedikamente… Wird bei der Berechnung auch die Unbekannte der Medikamentensüchtigen berücksichtigt? Wenn ja, dann kann ich mir gut vorstellen, woher die hohe Zahl der Tabletten im Jahr kommt. Gut, ich bin mit 365 Tabletten im Jahr auch ganz gut dabei - dabei wird Euthyrox eher als Hormon denn als Medikament gesehen.

Guten Tag, sorry für die späte Antwort; das kann ich Ihnen nicht genau sagen; Ältere nehmen in der Tat z.T ein Dutzend Tabletten täglich. Die meisten Tabletten haben meist keine Nebenwirkungen, dennoch sollte man auf Neben- und Wechselwirkungen achten, um einen guten Therapieerfolg zu erreichen.

Besten Gruß!

Zu dieser Zahl zählen auch Nahrungsergänzungsmittel, die ab eine gewissen Höhe, die richtig ist, nur in Apotheken verkauft werden dürfen.
Und wenn die „Bild“ eine Statisik macht immer den Satz vor Augen halten:
Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast…
Was für Tbl. ich nehme und wieviel, werde ich nicht veröffentlichen!

Ich als Apotheker halte die Zahl durchaus für realistisch, auch, dass jeder zweite die Medikamente falsch einnimmt. Ich sleber muss nichts einnehmen.

Ja es ist realistisch, denn ich nehme „5040“ Tabletten im Jahr ein. Ich nehme 15 Tabletten am Tag…

LG, Sina62