Moin 
Manchmal macht vielleicht die
Diagnose Depression die Überwindung von Trauer und
Verzweiflung erst unmöglich,
Du magst Recht haben. Aber es gibt ebenso die Möglichkeit, dass der „Patient“ sich quasi auf der Diagnose ausruht. Ich lese viel von vermeintlichen Borderlinepatienten, die sich das richtiggehend als Rollenbild geschaffen haben: „Ich bin ein Borderliner“. Sie definieren sich darüber. Sie kommen wegen dieser Definition nicht aus ihrem „Loch“ heraus. Wenn Heike jetzt einen Fachmann oder eine Fachfrau aufsucht und diese ihr eine Depression diagnostiziert, dann erfährt sie ja ganz hoffentlich auch sofort eine Begleitung. Wenn wir jetzt aber alle hübsch auflisten, welche Anzeichen eine Depression haben kann, dann ist das wie mit den Sternzeichen: Ich lese in der Zeitung, dass ein Krebs sehr sensibel und manchmal neugierig und manchmal faul ist. Und das trifft ja alles auf mich zu. Wums, Heike liest hier, sie hat eine Depression, dann ist das so, dann kann sie gar nichts machen, wo sie ja eigentlich machen muss. Hmpf, ich glaube, ich kann das nicht so gut erklären, wie ich das meine 
Ich glaube, das siehst Du zu negativ. Die Diagnose Depression
ist kein Damokles Schwert. Die Gesellschaft macht höchstens
eines daraus. Depressionen sind gut behandelbar. Der erste Weg
der Heilung ist wie beim 12-Punkte-Programm der
Selbsthilfegruppen eben häufig die Kapitulation, d.h., sich
einzugestehen, daß man Depressionen hat. Es hat in vielen
Fällen einen beruhigenden Effekt, weil einem klar wird, daß
man zwar momentan (von den Depressionen) fremdgesteuert ist
aber im „normalen“ seelischen Zustand den ganzen Schlamassel
nicht durchlebt. Für viele Menschen ist die Annahme, so zu
SEIN (also daß die Symptome der Depression quasi ein
Charakerbestandteil sind) unerträglich und produziert weitere
depressive Gefühle.
Wie gesagt, ich sehe eigentlich nicht die Diagnose als solche negativ, lediglich das laienhafte Sichselbsteinordnen darin. Ansonsten hast Du vollkommen recht.
Den hab ich damals nach der Kündigung als erstes aufgesucht.
Natürlich hab ich versucht, auch eine Therapie zu machen, aber
das ist heutzutage als Ottonormalversicherter ohne
Privatvermögen nicht ganz einfach. Zeitnah ist es relativ
unmöglich.O.K., das war mir nicht bekannt. Habe aber von
sozialversicherten Leuten gehört, daß diese ohne vorherige
ambulante Therapie eine stationäre Therapie in einer
psychosomatischen Klinik bezahlt bekommen haben. Warum hast Du
nicht mal sowas versucht? Solche Kliniken verkürzen ambulante
Therapien um einiges und man hätte vielleicht viel eher als Du
nach zwei Jahren festgestellt, daß Du ggf. keine Depressionen
bzw. ausreichend Selbstheilungskräfte hast.
Ach, das hab ich auch versucht, aber die Klinik, die für mich zuständig war, die bot eigentlich mehr oder weniger nur medikamentöse Behandlung und Beschäftigungstherapie (manuelle Beschäftigung mit einfachsten Dingen). Die Patienten wurden sediert und vertröstet. Es wäre in meinem Fall einfach eine Art Overkill gewesen. Aber dies ist nun wirklich sehr speziell 
Interessant, dass er mir
nach seiner Aussage niemals Antidepressiva verschrieben hätte,
sondern mir bei seelischen Problemen Gesprächszeit anbietet.
Insofern ist der erste Gang zum Hausarzt wohl immer nicht
grundverkehrt…Fürs erste wohl der beste Schritt, um etwas weiter zu kommen
aber ich bezweifle, daß ein Hausarzt genügend Kenntnisse im
psychoanalytischem geschweige denn im psychotherapeutischen
Bereich hat, um jemandem wirklich wieder auf die Bahn zu
bringen. Ich finde es höchst bedenklich, daß Hausärzte ohne
Zusatzausbildung Antidepressiva verschreiben.
Da stimm ich Dir zu 
Mir wurden Antidepressiva
verschrieben. Leider ist trotz langfristiger Einnahme, auch
mit Medikamentenwechsel nichts passiert,Was sollte denn Deiner Meinung nach passieren?
Also die Ärzte versprachen mir, dass meine Stimmung aufgehellt werden würde, dass ich mehr Kraft und Elan bekäme, dass ich keine Angst mehr haben würde. Ich hab geschlafen und hatte Angst.
Es ist sicherlich
einfacher und kostengünstiger, dies mit der Verschreibung von
Antidepressiva zu behandeln.Für mich immernoch unglaublich, wie lachs offenbar manche
Ärtze mit Psychopharmaka umgehen.dann wird mit Valium und
Antidepressiva bekämpft, was eigentlich mit Aufmerksamkeit und
Zeit und tätlicher Hilfe besser in den Griff zu bekommen wäre.Ja, aber sicher nicht vom Hausarzt (ohne Zusatzausbildung).
Damit meinte ich den psychosozialen Dienst.
Dort bat ich
damals um begleitende Hilfe bei Gesprächen mit Bank, um meine
Mietzahlung, Strom und Heizung und so regeln zu können. Statt
dessen eben Valium.Ein Trauerspiel.
Wie geschrieben, medizinisch gesehen kann das gut sein. Jetzt
kann es aber rein menschlich auch sein, dass Heike dies liest
und sich denkt, dass sie eben nun eine Depression hat. Da kann
sie ja erst mal selber gar nix machen, weil sie ja depressiv
ist. Das kann genauso lähmen.Da kann ich nur sagen…lähmen tut man sich nur selbst, nicht
die Depression. Wie gesagt, die Depression ist keine fatale
Diagnose. Auch da kommt man raus.
Depression ist eine Erkrankung. Kummer ist eine Reaktion. Das erfordert einfach verschiedene Behandlungen. Wenn ich irgendwo gegen laufe und mir dabei das Schienbein breche, ist das eine Art Reaktion, ich muss anders behandelt werden, als wenn mein Schienbeinknochen sich von selbst auflöst, weil ich eine Erkrankung in dem Sinne habe. Depression und Kummer lähmen, aber man muss sie unterscheiden lernen. Natürlich können auch Depressionen überwunden werden.
Das richtige Antidepressivum kann das!
Hm, davon bin ich irgendwie immer noch nicht überzeugt.
Wenn Du Menschen mit Angst- und Panikattacken begegnet wärst,
hättest Du die Erfahrung mit der positiven Wirkung der
Medikamente auf Ängste schon gemacht. Ohne die Medikamente
wären viele Patienten nicht mehr handlungsfähig und noch viel
schlimmer, nicht therapiefähig.
Da geb ich Dir vollkommen recht, aber das wirkt nicht bei allen Menschen.
Ich wünschte, unsere westliche Gesellschaft wäre psychischen
Problemen aufgeschlossener, dann würde man u.a. die ganzen
(Ketten)Raucher und Alkoholiker nicht erst in ihre Sucht
laufen lassen sondern frühzeitig behandeln können. So bezahlen
die Kassen ohne Mucken die Folgekosten von Nikotin- und
Alkoholsucht, eine Psychotherapie wird aber nur in
Ausnahmefällen und mit großem Papierkram erstattet. Ein
Riesenmanko in unserer Gesellschaft.
Da geb ich Dir auch vollkommen recht, vor allem, wenn eine Psychotherapie doch auch letztendlich der Erhaltung der Arbeitskraft dient.
Gruß an die Waterkant,
Raúl
Ich grüß von der Waterkant zurück und geh ab ins Bett (Erhaltung der Arbeitskraft)
Rosa 