Holá Raúl 
danke für Deine interessanten Denkansätze! Ich will mal weiterdiskutieren …
Ich kann mich ebenfalls sehr gut in Heikes Situation
hineinversetzen, weil mir vor ein paar Jahren ebenfalls das in
einer anderen Antwort genannte Säulenmodell zusammengekracht
ist. Da ist es eben nicht so einfach, dann frisch und guten
Mutes weiterzumachen.
Das stimmt. Trauer und Verzweiflung sind bis zu einem gewissen
Grad eine absolut gesunde Reaktion der Seele. Wenn man sie
aber nicht überwinden kann, steckt man in einer Depression.
Von daher bin ich mir nicht sicher, ob das bei Dir nicht auch
der Fall war.
Oh, rein medizinisch gesehen kann es durchaus sein, dass ich damals eine Depression hatte. Ich konnte diese Phase aber erst überwinden, indem ich mir selbst diagnostiziert habe, dass ich nicht krank bin, sondern absolut gesund auf einen großen Haufen Probleme reagiere. Manchmal macht vielleicht die Diagnose Depression die Überwindung von Trauer und Verzweiflung erst unmöglich, weil man dann ja „weiß“, dass man das von alleine nicht schafft, wo es vielleicht aber doch möglich wäre.
Auch bei mir wurden damals (vom Hauarzt erst einmal)
Depressionen diagnostiziert.
Vom Hausarzt???
Den hab ich damals nach der Kündigung als erstes aufgesucht. Natürlich hab ich versucht, auch eine Therapie zu machen, aber das ist heutzutage als Ottonormalversicherter ohne Privatvermögen nicht ganz einfach. Zeitnah ist es relativ unmöglich.
Hier in Hamburg habe ich übrigens meinen alten Hausarzt wieder, der mich seit Jahrzehnten kennt. Ich würde ihn durchaus als Fachmann bezeichnen betreff meines seelischen und körperlichen Gesundheitszustands. Interessant, dass er mir nach seiner Aussage niemals Antidepressiva verschrieben hätte, sondern mir bei seelischen Problemen Gesprächszeit anbietet.
Insofern ist der erste Gang zum Hausarzt wohl immer nicht grundverkehrt…
Mir wurden Antidepressiva
verschrieben. Leider ist trotz langfristiger Einnahme, auch
mit Medikamentenwechsel nichts passiert,
Antidepressiva sollen eigentlich nur dazu dienen, die mitunter
heftigen Symptome von Depressionen zu lindern, um den Alltag
bewältigen zu können, sie lösen nicht das eigentliche
seelische Problem, da hilft nur Therapie.
Was richten Andtidepressiva aber aus, wenn gar keine Depressionen vorliegen? Mir wurde erklärt, dass Depressionen u.a. ein Stoffwechselproblem sind und dass dort Antidepressiva greifen. Aber wenn der Stoffwechsel ganz in Ordnung ist? Ansonsten geb ich Dir natürlich recht, eine Therapie oder tatkräftige Hilfe in einer existenzbedrohlichen Situation sind eben doch der einzige Weg, das Problem zu lösen.
außer dass ich nur
noch schlief und schlief und schlief und schlief. Die
Medikamente haben mich richtiggehend platt gemacht.
Dann war’s das falsche Präparat.
Ich habe über fast zwei Jahre hinweg verschiedenste Präparate „ausprobiert“, zum Schluss auch von einer Neurologin verschrieben.
Im Nachhinein kann ich sagen: Ich hatte niemals die Krankheit
„Depressionen“.
Ich war traurig und furchtbar unglücklich und
verzweifelt und hatte große Angst vor der Zukunft. Ich war
einsam und fühlte mich allein,
Na, wenn dieser Dauerzustand keine Depression ist…was dann?
Das ist Kummer. Er hat genau so lange angehalten, bis der Zustand beendet war, von da an war er verschwunden. Mag sein, dass Mediziner das Depression nennen. Es ist sicherlich einfacher und kostengünstiger, dies mit der Verschreibung von Antidepressiva zu behandeln.
Leider wird viel zu oft von Ärzten, die sich aufgrund Zeit-
und Geldmangel nicht zu helfen wissen, die Krankheit
Depression diagnostiziert, dann wird mit Valium und
Antidepressiva bekämpft, was eigentlich mit Aufmerksamkeit und
Zeit und tätlicher Hilfe besser in den Griff zu bekommen wäre.
Antidepressiva würde ich mir nie von einem Hausarzt
verschreiben lassen und von meinen Depressionen überzeugt wäre
ich erst, wenn ein Profi (jemand aus dem psychotherapeutischen
Bereich) diese bestätigen würde. Hast Du denn keinen Fachmann
aufgesucht?
Nach ein paar Monaten bin ich zu einer Neurologin gegangen, auf der Suche nach einem Weg in die Therapie. Valium kriegt man übrigens prima vom Psychosozialen Dienst. Dort bat ich damals um begleitende Hilfe bei Gesprächen mit Bank, um meine Mietzahlung, Strom und Heizung und so regeln zu können. Statt dessen eben Valium.
Ich möchte wahrlich nicht sagen, dass Antidepressiva oder starke Beruhigungsmittel schlimm sind. Ich finde nur, dass in unserer heutigen Gesellschaft zu schnell diese kleinen Helferchen verschrieben werden, wo eigentlich eine andere Art der Hilfe das Problem viel besser lösen würde. Nur wie gesagt, das kostet Zeit und Geld.
meiner Situation heraus kann ich sagen, dass es mir geholfen
hat, als ich entdeckte, dass ich keinesfalls in diese
„Schublade“ gehörte, sondern dass meine Verzweiflung einen
Grund hatte, an dem ich auch selbst arbeiten konnte,
Depressionen kann man nur heilen, wenn man sich selbst hilft
(an sich arbeitet). Therapeuten dienen nur dazu, Dich auf dem
Heilungsweg zu halten.
Das hab ich ja auch ähnlich geschrieben. Wenn man dann noch davon ausgeht, dass Therapeuten mit freien Therapieplätzen eine Rarität sind…
von Freunden, Verwandten etc. Heute bin ich wieder in Vollzeit
in meinem alten Beruf tätig, bin in meine Heimat zurück
gekehrt und habe wieder einen schönen, noch größeren
Freundeskreis und eine gute wunderschöne Beziehung.
Glückwunsch!
Danke 
Darum denke ich, dass es das Beste ist in einer Situation wie
der von Heike, dass sie erst einmal erkennt, dass ihre
Existenzängste durchaus berechtigt sind. Wer hätte die denn
nicht, wenn er seine Basis verliert? Auch Ängste zehren an der
Substanz, ähnlich wie Depressionen.
Ihre Existenzängste sind schon berechtigt. Man darf aber nicht
in Ängsten steckenbleiben und nachdem, was sie schreibt, tut
sie das und daher sind schon depressive Tendenzen erkennbar.
Wie geschrieben, medizinisch gesehen kann das gut sein. Jetzt kann es aber rein menschlich auch sein, dass Heike dies liest und sich denkt, dass sie eben nun eine Depression hat. Da kann sie ja erst mal selber gar nix machen, weil sie ja depressiv ist. Das kann genauso lähmen. Du hast es ja oben selber geschrieben: Eine solche Diagnose muss ein Fachmann stellen, den Heike hoffentlich aufsuchen wird. Das können wir hier alle nicht. Wir können hier nur rein zwischenmenschlich wild rumraten 
Die Ängste lassen sich
nicht durch Antidepressiva lindern.
Das richtige Antidepressivum kann das! Die Ängste verschwinden
aber nicht von selbst, weil der Grund dafür immernoch da ist.
Das Medikament hilft, nicht von den Ängsten gesteuert zu
werden.
Hm, davon bin ich irgendwie immer noch nicht überzeugt.
Es wird eher schlimmer,
weil man ja realistisch sieht, dass man seine
Existenzgrundlage verliert, aber die Antidepressiva machen
einen so platt, dass man nix unternehmen kann.
Wie gesagt, nur das falsche Medikament hat solche Wirkungen.
Eine Krisenintervention mit ein paar therapeutischen
Gesprächen, das bietet z. B. die Kirchengemeinde vor Ort an
o.ä., wäre vielleicht hilfreicher.
Ich halte einen Psychotherapeuten, der einem wieder den Kopf
gerade rückt, für erfolgversprechender. Aber was aus Therapie
wird, hängt immer von einem selbst ab, selbst der beste
Therapeut ist machtlos, wenn man sich nicht selbst helfen
will.
Auch ich finde, dass ein Psychotherapeut sehr viel sinnvoller ist als eine kirchliche Einrichtung, die dann ein paar Krisensitzungen bietet. Es ist nur leider - zumindest im mir bekannten norddeutschen Großstadtraum - gar nicht so einfach, in einer solchen Krise einen Therapeuten zu finden, da sind meist ellenlange Wartezeiten. Darum kam mein Hinweis in diese Richtung. Wenn man schnelle Hilfe braucht, dann wird man da oft eher was…
Also, wie geschrieben, toll, dass es Antidepressiva gibt. Aber sie haben eben den einen Haken: Weil es sie gibt, gibt es immer mehr die Tendenz einen Menschen, der ein ganz konkretes Problem hat, chemikalisch einzupendeln, anstatt dass er wirklich Hilfe erfährt.
Saludos,
Raúl
Dir auch liebe Grüße
Rosa 