Sind die heutigen Juden nur Juden nach Glaube?

Es ist ein kritisches Thema, und man wird dabei schnell in eine gewisse Ecke gedrängt.
Deshalb erstmal die Klarstellung, dass ich selbst zu einem nicht unerheblichen Teil „jüdische“ Wurzeln habe.

Man versucht ja gerne die Juden als einheitliches Volk darzustellen. Oft durch DNA-Analysen.
Jetzt sagen die einen Analysen, dass die Juden auch Juden sind. Die anderen sagen, dass sie näher mit Kurden verwandt sind, als mit anderen umliegenden semitischen Völkern.
Wenn ich mir aber somalische, europäische und orientalische Juden ansehe, dann sehe ich keinerlei Gemeinsamkeit. Die einen sind schwarz, die anderen weiß und blond oder teilweise sogar rothaarig, die anderen sehen aus wie Araber…Es ist für mich nicht stimmig.

Und dann gibt es diese Stelle in Jeremia 3,18:

In jenen Tagen wird das Haus Juda mit dem Haus Israel ziehen, und sie werden miteinander aus dem Land des Nordens in das Land kommen, das ich euren Vätern zum Erbteil gegeben habe.

Hier steht, dass alle 12 Stämme gemeinsam zurückkehren werden. Das ist aber nicht passiert.
Deshalb stellt sich mir die Frage, ob die heutigen Juden gar keine Juden sind?

Es ist ja so, dass 722 v.Chr. das israelische Nordreich untergegangen ist und nach Assyrien deportiert wurde. Ca. 20 Jahre später ist dann der König Sanherib in Juda eingefallen und hat das gesamte Land erobert. Bis auf Jerusalem. 2. Könige 18+19. In assyrischen Quellen finden wir eine Zahl von 200.150 Deportierten. Bei der Zahl gehen viele davon aus, dass es sich um 20.150 Deportierte gehandelt hat, und dass die Zahl falsch übersetzt oder evtl. falsch aufgeschrieben wurde. Auf jeden Fall sind 20.000 aus Juda keine kleine Zahl für die damalige Zeit. Diese wurden auch nach Assyrien deportiert. Die Bibel schreibt darüber nichts, aber die assyrischen Quellen schon.

Für mich liegt die Vermutung nahe, dass die damals deportierten Juden/Benjaminiter genauso wie die 10 Stämme des Nordreichs irgendwo in der Diaspora leben, genauso ihre Identität verloren haben und irgendwann mit den 10 Stämmen aus dem Land des Nordens zurück kommen werden.

Es gibt auch die Vermutung, dass die Aschkenasim aus den Chasaren hervorgegangen sind. Dass sozusagen die wenigen in Europa lebenden Juden sich mit den Chasaren nach dem Zusammenbruch des Chasarenreich vermischt haben. Und diese stellen heute 95% aller Juden.

Das Thema ist, dass mich etwas an dem heutigen israelischen Staat stört. Das ist nicht der Staat, der in der Bibel prophezeit wurde…Ganz provokativ gefragt, wäre es nicht möglich, dass Satan das Volk Israel kopiert? Er kopiert doch sonst auch alles…

Mir ist klar, dass es hierzu keine klare Antwort geben kann, aber ein Austausch darüber wäre trotzdem ganz interessant. Was für Gedanken ihr habt, ob ihr euch auch schon mit dem Thema beschäftigt habt usw.

Servus,

die Konzeption vom „jüdischen Volk“ ist ein religiöses Ideologem, das man freilich nicht, wie Du es tust, intrinsisch aus dieser selben Religion heraus als solches kennzeichnen kann, sondern nur, indem man das Postulat eines unverändert bestehenden jüdischen Volkes mit einem Bericht über konkrete Sachverhalte prüft, der außerhalb der religiösen Literatur des Judentums steht: De bello Iudaico („Der jüdische Krieg“) von Flavius Josephus.

Dort kann man lesen, dass und warum es seit dem Jahr 74 kein jüdisches Volk mehr gibt, sondern allenfalls eben die jüdische Religionsgemeinschaft, wie wir sie kennen.

Es ist der Staat Israel, der von Leo Pinsker, Nathan Birnbaum und Theodor Herzl erträumt und dann konkret entworfen wurde. Diese drei Männer würde ich nun grade nicht in Verbindung mit den Werken Satans bringen - eher noch den (nach den Worten von Victor Klemperer) Zionisten Adolf Hitler, der mit seiner Erfindung einer „jüdischen Rasse“ dem zionistischen Ideologem des „Volkes Israel“ recht nahe stand.

Schöne Grüße

MM

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Ist es schon wieder so weit, dass man sich für eine Frage vorab entschuldigen bzw. eine Berechtigung beibringen muss?

Ich habe auch solche Fragen. Das Judentum wird gerne als Religionsgemeinschaft dargestellt, dessen Synagogen zerstört und die Gläubigen deportiert wurden. Gleichzeitig soll das aber auch eine Rasse namens Semiten (gewesen) sein.

Was nun genau wäre ein Antisemit? Der gegen den Glauben ist oder der gegen die Menschen wegen ihrer Abstammung ist?

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Servus,

wer sagt, sagte, schreibt oder schreibt das? Wer steht hinter dem geraunten „soll“? Gibt es denn eine Rasse der Semiten?

Warum triffst Du diese Vorauswahl:

Was glaubst Du, wie viele Antisemiten auch nur ein Fitzelchen einer Ahnung von der jüdischen Religion haben?

Schöne Grüße

MM

Ich kenne noch alte Bücher, in denen Menschenrassen beschrieben und bebildert werden, ich glaube die Reihe hieß „Realienbuch“. Inzwischen - obwohl keine Rasse ausgestorben ist - solle es nur noch eine Menschenrasse geben, Quelle dieser Aussage weiß ich nicht. In den 1920er bis 1940er Jahren ist der Begriff „Rasse“ in Deutschland für Unterdrückung und Mord benutzt worden und daher irgendwie ungewollt.

Im Grundgesetz von 1949 kommt der Rassenbegriff wieder oder immer noch vor in Artikel 3:

„Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

Wenn es Rassen gibt, dann könnte man diejenigen, die die eigene Rasse bevorzugen, womöglich „Rassist“ nennen. Wenn es keine Rassen (mehr) gibt, ist auch der Begriff „Rassist“ gegenstandslos.

Wäre ein Schwarzer, der sich selbstbewusst „Negro“ im Sinne von Black Power nennt, ein Rassist? Betroffene können Schimpfworte auch in ihrem Sinn umdrehen. Die Schwulen haben das gemacht. Und scheinbar auch ein Teil der Zigeuner.

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Und dort ist eine Rasse „Semiten“ beschrieben? Dann leg diese Beschreibung doch schlicht mal neben eine der bekannten Beschreibungen der von den Nazis erfundenen „Jüdischen Rasse“ und vergleiche.

Ob im Realienbuch von Kahmeyer und Schulze Menschenrassen beschrieben sind, ließe sich leicht nachprüfen - die Auflage war so riesig, dass es heute für billiges Geld antiquarisch erhältlich ist und wahrscheinlich in vielen Bibliotheken leihbar ist. Dann würde aus dem „soll gewesen sein“ leicht etwas Nachlesbares.

Biblisch sind die Semiten übrigens die Nachkommen von Noahs erstgeborenem Sohn Sem - zu den semitischen Völkern zählen u.a. die Tigray in Äthiopien und die Bewohner der Arabischen Halbinsel (hübsch grafisch dargestellt im „Bibelatlas“ von Yohanan Aharoni).

Mit

wabern die wogenden Nebel weiter über den wallenden Wassern: Worauf beruht denn der Schein, der Dir scheint?

Schöne Grüße

MM

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TAZ, 15.4.2015 Tibor Racz: „Für mich ist die Antwort eindeutig: Ich bin Zigeuner. Und ich bin nicht damit einverstanden, dass der Begriff „Zigeuner“ ein mit Klischees und Vorurteilen belastetes Schimpf- und Schmähwort ist. Und gleichzeitig finde ich es schwierig, dass einige meiner Bekannten mich nicht „Zigeuner“ nennen. Mit dem Gebrauch politisch korrekter Begriffe stellt sich nicht unmittelbar Respekt ein. Und die alltägliche Diskriminierung wird nicht dadurch geringer, dass man die Bezeichnungen „Sinti“ und „Roma“ benutzt.“

Transsilvanien - Die geschlossene Welt der Gabor Zigeuner: youtu.be/6XojC75BPUQ Da kommt ein Stolz rüber, Zigeuner zu sein. Da das Video inzwischen mit Werbung verseucht ist, war meine Geduld erschöpft, die Zeitmarke mit dieser Aussage wieder zu finden.

Was muss man hier tun, um das Video einzubetten? Habe den Einbettungscode hierher kopiert, Video erscheint nicht.

Servus,

die Quellen, die Du verlinkst, belegen nicht, dass

sondern lediglich, dass es Zigeuner gibt, die sich Zigeuner nennen, sich als Zigeuner betrachten und sich mit dieser Bezeichnung nicht diffamiert oder diskriminiert vorkommen.

Schöne Grüße

MM

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Es ist nicht zielführend, in die Schuhe von Betroffenen zu steigen, um sie ungefragt zu vertreten (nicht die Schuhe, sondern die Betroffenen).

Es ist sogar recht sinnfrei, wenn ein Haufen Nicht-Zigeuner darüber streitet, wie Zigeuner genannt werden möchten.

Muss ich mir etwa gefallen lassen, „Alter weißer Mann“ genannt zu werden mit ß?

Ja, warum denn nicht. Das ist mir sowas von scheißegal. Da steh ich drüber, schieb mir noch ein argentinisches Rindsteak rein und steige dann mit 0,28 Promille in meine Protzkarre mit Dieselantrieb, die auf dem Fahrradweg parkt.

Was ich damit eigentlich sagen wollte: Es ist immer schön, wie das Thema im Verlaufe einer sachlichen Diskussion zu einem ordentlich vorgetragenen Anliegen entgleist, ohne dass die Mittuenden das zu bemerken scheinen.

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