Guten Tag,
meine Tochter hat gestern ihren 1. Arbeitsvertrag bekommen.
Sie wird mit erfolgreichem Abschluß der Ausbildung (voraussichtlich ab 08.07.09) in ein unbefristetes Arbeitsverhälntnis als Kfm. Angestellte übernommen.
Darüber sind wir froh, weil ja heutzutage nicht mehr üblich.
Was uns stört sind folgende Punkte:
Urlaub nur 27 Tage - bisher 30 Tage
kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld - bisher beides 50%
Überstunden (fallen mit Sicherheit an) sind mit dem Gehalt abgegolten - bisher konnten diese mit Freizeit ausgeglichen werden.
Das Anfangsgehalt wäre für eine Berufseinsteigerin akzeptabel, wenn nicht die Zusatzleistungen fehlen würden.
Der Vertrag bezieht sich auf 40 Std./Woche, allerdingst arbeitet die Firma derzeit kurz, auch im Büro.
Soll ich ihr raten diesen Vertrag zu unterschreiben? Kann man heutzutage in diesem Bereich noch „Pokern“?
sind diese Arbeitsbedingungen moeglicherweise nur temporaer fuer alle AN wegen Einsparungen? Wenn ja, sollte sich das aus dem Vertrag ergeben und deine Tochter sollte das auch wissen, weil die Personalabt. die AN informiert haette.
Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind freiwillige Leistungen. Viele Firmen bezahlen diese, viele auch nicht.
Du schreibst Urlaub bisher 30 Tage. Das deutet auf temporaer mit den 27 hin (ich gehe davon aus, dass die uebrigen AN bisher 30 hatten). 27 finde ich uebrigens sehr gut fuer ihr Alter.
Ueberstunden sind sehr oft mit dem Gehalt abgegolten.
Falls die Aenderungen nicht temporaer sind, gilt es abzuwaegen, inwieweit dieser Job der Karriere zutraeglich ist und vor allem ob es eine bessere Jobalternative gibt. Andere Firmen moegen bessere Leistungen bieten, solch ein Job muss aber erst gefunden (und dann behalten) werden. Ich wuerde hier keine voreilige Entscheidung treffen. Falls die neuen Bedingungen fuer alle AN gelten, wird da kein Verhandlungsspielraum sein. Nachfragen kann man immer. Solche Kuerzungen sind aber ueblicherweise temporaer um die Entlassung von AN zu vermeiden.
Falls vergleichbare AN in dieser Firma bessere Bedingungen haben, wuerde ich das nicht akzeptieren (Urlaubstage sind ueblicherweise nach Alter und Zugehoerigkeit gestaffelt). Ich denke auch nicht, dass es legal waere, manchen AN ein Urlaubsgeld zu zahlen und manchen nicht auch wenn die Leistung an sich freiwillig ist.
Generell verdienen Berufseinsteiger nach der Ausbildung nicht so viel. Die Hoehe des Einstiegsgehalts ist am wichtigsten weil darauf aufgebaut wird.
der AG ist ein europaweiter Konzern in der Rohstoffreceiclingbranche, der zwischenzeitlich auch NL’s in Asien und USA aufbaut.
Es fällt mir sehr schwer mich in dessen Lage zu versetzten und zu glauben, dass dieser Konzern übermäßig mit der Wirtschaftskrise zu kämpfen hat. Kosten wollen Sie alle sparen.
Vergleichbare Mitarbeiter, allerdings schon länger ausgelernt bzw. in der FA., bekommen weiterhin 30 Tg. Urlaub und auch Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Von allen weis sie es nicht.
also wegen der 27 Tage würde ich keinen Gedanken verschwenden.
Wozu braucht man in dem Alter so viel Urlaub?
Weihnachtsgeld + Urlaubsgeld: Ist alles freiwillig.
Ist zwar schade, aber noch lange nicht abschreckend und für das Alter ok.
Bei den intrinsisch „abgegoltenen“ Überstunden
ist Vorsicht angesagt, finde ich.
Es muss nicht unbedingt heissen, dass der AG Überstunden in nennenswertem Masse erwartet, es kann auch sein, dass er zur Verwaltung derselben keine Ressourcen (und somit Kosten) aufbringen will und die Mitarbeiter sich in ihrer Zeiteinteilung entsprechend verhalten. Dies setzt allerdings eine gewisse Reife bei allen Mitarbeitern voraus.
Ich würde zuschlagen und dann in aller Ruhe den Arbeitsmarkt beobachten.
in der Regel sind Arbeitsverträge zwischen Arbeitgebern und -nehmern frei (in gewissen rechtlichten Grenzen) verhandelbar.
Deine Tochter kann doch darum bitten 30 Tage Urlaub und 50% Urlaubsgeld etc. zu bekommen. Der Arbeitgeber kann das dann ggf. ablehnen. Er wird deshalb aber nicht direkt sein ursprüngliches Angebot zurückziehen. Würde er deine Tochter nicht wollen, hätte er ihr kein Arbeitsangebot gemacht.
Kosteneinsparung ist aber derzeit in allen Bereichen der Wirtschaft ein Thema und bei Mitarbeitern, besonders neuen Mitarbeitern geht dies besser als alte Arbeitsverträge zu verschlechtern (einfach ausgedrückt).
im Gegensatz zu meinen Vorschreibern möchte ich betonen, dass
kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld - bisher beides 50%
die Freiwilligkeit von Urlaubs- und Weihnachtsgeld nicht mehr gegeben ist, wenn dieses vertraglich zugesichert wird. Evtl. möchte der AG sich dieses offenhalten und schreibt es deswegen nicht mehr in die Verträge.
Wegen der Überstunden wäre ich auch stutzig.
Andererseits ist es immer gut, nach der Ausbildung Berufserfahrung zu sammeln. Wenn das mit den Überstunden überhand nimmt und tatsächlich nie Urlaubs- und Weihnachtsgeld gezahlt wird, auch nicht freiwillig und unter Vorbehalt, dann kann sich Deine Tochter ja immer noch einen anderen Job suchen.
Mitarbeiter mit laengerer Betriebszugehoerigkeit haben oft mehr Urlaubstage. Da hoeren sich die 27 Tage direkt nach der Ausbildung fuer deine Tochter angemessen an. Der Urlaubsanspruch wird sich mit der Zeit auch erhoehen.
Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob es im Sinne der Gleichberechtigung erlaubt ist, nur selektiv ein 13. Gehalt zu bezahlen, auch wenn die Leistung freiwillig ist. Vielleicht wuerde es helfen, diese Frage im Rechtsforum zu stellen.
Wenn es eine Gewerkschaft gibt, halte ich die selektive Bezahlung fuer sehr unwahrscheinlich.