Hallo Johannes
Nach der üblichen „guter Erziehung“ ist es dem Menschen
zuwider, anderen Gewalt anzutun.
Ist es das? Wenn ich mir so anschaue, was tagtäglich in den Medien darüber berichtet wird, was Menschen anderen Menschen so antun, so habe ich da gewisse Zweifel. Jemand wird überfallen und dabei massiv zusammengeschlagen. Wegen ein paar Teuro. Oder häusliche Gewalt. Oder die Gewalttätigkeiten, die es z.B. bei Fussballspielen immer wieder gibt.
Andererseits habe ich auch schon Artikel gelesen, die Deine Aussage bestätigen. Da wurde berichtet, dass z.B. im amerikanischen Bürgerkrieg (Nordstaaten gegen Südstaaten) bei direkten Konfrontationen relativ viele Schüsse daneben gingen. Weil es den Soldaten widerstrebte, auf Menschen zu schiessen. Dementsprechend werden heutzutage in militärischen Ausbildungen Versuche unternommen, dies zu ändern.
Genau das ist aber der Sinn einiger Spiele. Somit ehöhen diese Spiele die
aberzigenen) Gewaltbereitschaft, um so mehr, je realistischer die Grafik.
An sich hat jeder Mensch ein mehr oder weniger grosses Gewaltpotential. Erziehung hin oder her. Es stellt sich jedoch die Frage, welche Möglichkeiten der Einzelne wählt, um das auszuleben. Da gibt es Leute, die in ihrem Job mit rücksichtslosem Verhalten ihre Karriere betreiben. Andere leben sich beim Sport aus. Und so weiter, es gibt zahlreiche Möglichkeiten. Dazu gehört auch die Möglichkeit, sich bei Spielen ‚abzureagieren‘.
Ob Spiele wie Counterstrike oder andere geeignet sind, die Gewaltbereitschaft zu erhöhen oder eher im Gegenteil sie zu vermindern, darüber sind sich die Fachleute bis heute nicht einig. Eine Erhöhung der Gewaltbereitschaft gibt es aber, jedenfalls nach meiner persönlichen Einschätzung, nur in Einzelfällen. Dazu muss ich sagen, dass ich einerseits selber Spiele wie Counterstrike etc. spiele und dass ich andererseits in der Organisation von sLANp (http://www.slanp.ch), einem Organisator für LAN-Parties in der Schweiz, mithelfe und dadurch schon einige LAN-Parties mit jeweils um die 400 Gamern miterlebt habe. An all diesen LAN-Parties war die Stimmung immer völlig friedlich, fröhlich… Die Clans, die sich eben noch im Turnier gegenüberstanden und sich gegenseitig virtuell getötet haben, sind anschliessend zusammen im Foyer gesessen, haben gelacht, ggf. was gegessen und so weiter.
Natürlich wird man allein vom Computerspielen nicht zum
Mörder, aber ganz unbeteiligt sind die Spiele auch wieder
nicht.
Es behauptet niemand, dass solche Spiele völlig unbeteiligt sind an so etwas wie einem Amoklauf à la Emsedetten. Aber sie stellen keinen wesentlichen auslösenden Faktor dar. Erstens gibt es weltweit x Millionen Leute, die solche Spiele wie Counterstrike, Battlefield etc. zocken. Wie viele Leute laufen pro Jahr amok? Ein paar wenige. Ist das Hobby bzw. der Sport von x Millionen Leuten deswegen wirklich so schlimm und gefährlich?
Ich habe grad heute in diesem Zusammenhang ein Video auf Youtube gesehen. Guckst Du hier:
http://www.youtube.com/watch?v=esVUZ3XDYdE
-> Wieviele Menschen sterben jedes Jahr wegen Alkohol? Direkt und indirekt? Deutlich mehr als jährlich Menschen aufgrund von ‚Killerspielen‘ ums Leben kommen…
Bei Computerspielen werden nur virtuelle Menschen, Pixelhaufen, ‚getötet‘. Was 99% der Menschen problemlos vom realen Töten unterscheiden kann. Ich habe z.B. kein Problem damit, in einem Computerspiel jemanden effektiv mit einer Maschinenpistole zu durchsieben. Weil ich genau weiss, dass das nur virtuell ist. In echt würde ich aber noch lange nicht mit einer Waffe auf Menschen schiessen.
Wenn Dir wirklich etwas an der Thematik liegt, dann solltest Du unbedingt auch mal den originalen Abschiedsbrief des Emsdetter Amokläufers lesen. Der hat diesen Amoklauf über Jahre geplant. Die Gründe dafür waren vielfältig, aber Computerspiele hatten da wenig bis gar nichts damit zu tun. Vielleicht solltest Du auch einmal ausprobieren, wie unterschiedlich es ist, eine Waffe in einem Computerspiel zu verwenden und in der Realität. Ein Beispiel: Als Schweizer kenne ich das Sturmgewehr, das die Schweizer Armee verwendet. Ich hatte es selber zwar nie (Spitalsoldaten haben bei uns nur eine Pistole), aber ich habe mal mit einem Kollegen in einem Schiessstand etwas ‚geballert‘ und durfte da mal sein Sturmgewehr verwenden. Und ich habe, als wir mal im LAN Counterstrike gespielt haben, die dortige virtuelle Nachbildung des selben Gewehrs verwendet. Sorry, aber da liegen Welten dazwischen. Das ist definitiv nicht das selbe.
Gar nicht erst davon zu reden, dass es kaum ein Computerspiel gibt, in dem man einen Vorderlader verwendet, wie es der Typ in Emsdetten getan hat… Bei CS ist mir jedenfalls keiner begegnet.
CU
Peter