Liebe Hanna,
wenn du schon die Sinnfrage ansprichst, dann kann ich gar nicht anders, als auch zu antworten. Ich habe bewusst vorher die anderen Antworten nicht gelesen, werde dies aber selbstverständlich nachher tun, weil mich natürlich alle Meinungen interessieren.
Ich habe mich davon überzeugen lassen, dass wir den Sinn DES Lebens nicht ergründen werden können. Das ist Höheren vorbehalten, vielleicht, ganz vorsichtig ausgedrückt, steht uns das auch gar nicht zu.
Wichtig ist aber, den Sinn IN unserem Leben zu finden oder nicht aus den Augen zu verlieren. Der Sinn in unserem Leben ist so individuell wie wir selbst. Wir sind einmalig und einzigartig und so ist auch unser Leben und unser Lebenssinn. Das führt auch dazu, dass es keine Wertung gibt. Es gibt kein sinnvolleres oder weniger sinnvolles Leben. Es geht auch nicht darum, Sinn zu suchen und zu finden, es geht vielmehr darum, Sinn zu verwirklichen.
Und das Schöne daran ist: jede einzelne Situation birgt die Möglichkeit, Sinn zu verwirklichen. Da braucht es gar nicht viel. Da ist ein großes, fernes, weites Ziel gar nicht nötig.
Hören, welche Fragen das Leben, die Welt jetzt im Moment an mich stellt und authentisch antworten, d.h. stimmig mit mir selbst handeln.
Ich habe ein schönes Gleichnis gehört, das wurde für mich zum Lebensmotto: wir gehen durch das Leben und jede Antwort, die wir geben, entspricht einer Perle, die wir aufheben und auf eine Schnur fädeln. Am Ende unseres Lebens hat jeder von uns eine unterschiedlich lange Perlenkette. Die Länge der Kette entspricht der Anzahl der Sinnmöglichkeiten, die wir verwirklicht haben.
Solche Sinnverwirklichungen können zum Beispiel sein: einen Menschen besuchen und ihm eine Schachtel mit Vanillekipferln bringen.
Spüren, dass jemand ein gutes Wort braucht und es ihm schreiben.
Eine helfende Hand hier, ein mitfühlender Blick dort.
Sich bewusst werden, dass alles, was man getan hat, mit ganzem Herzen getan wurde - und wenn es nicht so ist, es sein lassen!
Am Ende des Lebens sagen können: ich habe auf andere nicht vergessen, aber ich habe auch auf mich nicht vergessen. Ich habe mich nicht davor gedrückt auf Fragen, die das Leben an mich gestellt hat, zu antworten. Ich habe nicht am Leben vorbeigelebt, sondern ich war mittendrin. Ich habe mich nicht feige davongestohlen, ich war dabei.
Vielleicht klingt es etwas abgehoben, aber in Wirklichkeit ist es ganz einfach. Hinschauen, hinhören, hinfühlen, Stellung nehmen und antworten. Und nie vergessen: nicht wir sind es, die die Fragen stellen, sondern das ist das Leben. Und das einzige, was wir in unserem Leben MÜSSEN ist antworten!
Liebe Grüße
Irene
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