Sinnvoll Leben: Das Unerwartete willig zu begegnen

Sinnvoll Leben: Das Unerwartete willig zu begegnen
von Werner Meybaum

es war einmal eine familie. vater, mutter und tochter sassen im kreis, im wohnzimmer auf dem teppich. da sagte die tochter … mutti, wenn du dir was wuenschen wuerdest, was wuerde es sein ? … ohne zu zoegern kam die antwort: ich moechte wieder am 17 tage langen la jolla program teilnehmen … und kukte den vater dabei an … der vater sagte spontan … ja, tue es …

dann sagte die mutter: aber nur … wenn du diesesmal mitkommst … der vater sagte wieder spontan: ja, ich komme mit.

wir wohnten in minneapolis in der mitte von nordamerika. das treffen war etwas noerdlich von san diago, am pazifischen ocean bei der mexikanischen grenze … in der la jolla campus schule. so 3000 km entfernt

am ersten treffen, freitagabend, waren da so 50 menschen. wir sassen im kreis. nach so 20 minuten stille … fing einer an. er war ein gefaengniswaerter von texas … und so hat sich einer nach den anderen … jeweils … nach einer stillen pause … vorgestellt. es waren menschen von europa … central amerika … japan. ich sah und hoerte … keinen ‚lehrer‘.

am naechsten morgen war ein zettel an der tuer … mit nahmen fuer 8 teilnehmer und eine raum nummer drauf … fuer die naechsten 3 tage … 3 stunden am vormittag … und 3 stunden am nachmittag erzaehlte jeder aus seinem eigenen leben … irgendwie merkte ich, dass es wichtig war … sich an jede einzelheit zu erinnern … zu ezaehlen … zu hoeren. wieder sah und hoerte ich … keinen ‚lehrer‘.

dann war der zettel so, dass alle teilnehmer, fuer den rest der 17 tage … jeden morgen, fuer 3 stunden … in einem raum zusammen waren … und dass jeder eine neue kleine gruppe … fuer die 3 stunden am nachmittag … bekam.

wieder sah und hoerte ich am vormittag und nachmittag … keinen ‚lehrer‘.

in der mitte vom program, war ein tag frei. spontan, formte sich eine gruppe … fuer den tag. das treffen dauerte 25 stunden … wieder ohne lehrer … und, keiner wollte aufhoeren.

dann, an einem vormittag, mit allen so 50 teilnehmern, hoerte ich eine frau von japan. sie sagte, sie haette sich jahrelang auf dieses program vorbereitet … es hat ihr viel geld gekostet … und jeden tag wartet sie, dass carl rogers auftritt …

dann merkte ich, dass sie diese anklage besonders an einem aelteren mann in der gruppe richtete … und je mehr wuetent sie wurde … und ihre schmerzen offenbarte … merkte ich nicht … was vor mir geschah …

… dass der alte mann … sich vom stuhl auf die den teppich gesetzt hatte … dass er in den 3 stunden … langsam … sitzend … sich durch den mittelkreis bewegte … bis er vor ihren fuessen angekommen war.

… beide umarmten sich …

erst als ich wieder zu hause war, habe ich die kraft von dem vertrauen, des lehrers … carl rogers … richtig gespuert. carl rogers hatte dass vertraunen in sich selbst, und in jeden teilnehmer, dass wir … von uns selbst … von einander lernen koennen. das er selbst nicht anwesend sein brauchte.

erst als ich wieder zu hause war, habe ich ein bild von carl rogers gesehen, habe ich seine buecher gelesen. seitdem konnte ich meine alten rollen … als lehrer … als berater … als mensch … nicht mehr spielen.

nach 20 jahren, vergeht kaum ein tag, wo ich nicht an die verschiedenen teilnehmer, an die verschiedenen erlebnissse denke, und davon kraft spuere.

dieses ist ein beispiel … von vielen … wo ich so reichlich belohnt wurde, dass ich fuer 17 tage … so offen und willig war … das unerwartete zu begegnen … so sinnvoll gelebt habe

… und so ist es, dass ich, auf diese art und weise … das zuhoeren … das wundern … das troesten … gelernt habe, und dir davon erzaehlen kann.

die sonne scheint in minneapolis … alles gute und liebe, werner

Off Topic
Hallo, Lorbaß,
Lange Zeit nichts mehr von Dir gehört. Freut mich, dass es Dir gut geht.
Gruß Eckard

das zuhoeren ist schwieriger als das ratgeben
guten tag lieber eckard . . . danke fuer deinen gruss . . . wie geht es dir . . . ich bin dabei im zzl forum eine gemeinde zu foerdern, im sinne von carl rogers . . . dabei merke ich, dass das zuhoeren schwieriger ist, als das ratgeben . . . herzliche gruesse und alles gute und liebe zu dir, werner