Liebe Freunde,
Lieber Werner,
ich habe beim Lesen deinen Ausdruck „wunschlos“ glücklich anders/ fast gegensätzlich als die anderen Poster interpretiert. Du willst/ hoffst/ möchtest glücklich werden indem du eben gerade keine Wünsche hast. Und schon ganz sicher nicht auf materiellem Gebiet. Liege ich da richtig?
Und da hätten wir dann auch schon die Crux, die diese Haltung so extrem schwierig/ kompliziert/ beinahe unerreichbar macht (zum Glück nur fast ). Ich wünsche mir ja, um bei diesem Beispiel zu bleiben, dass ich dich richtig verstanden habe. Und schon habe ich einen Wunsch zuviel um „wunschlos“ zu sein, erfülle also meine eigene Forderung/ mein eigenes Verlangen nicht.
Das ist wie beim Zazen-sitzen, desssen Ziel es ja ist „den plappernden Affen“ in sich (gemeint ist hier der innere Dialog, den ja jeder Mensch pausenlos mit sich selbst führt, und der so oft, so unnötig viele Energien absorbiert) zur Ruhe zu bringen. Wenigstens hin und wieder mal, wenigstens für kurze Zeit. Dieses „ziel- und absichtslos“ einfach nur sitzen, ist so ziemlich der größte, (scheinbar) unauflösliche Widerspruch den ich kenne/ bisher kennen gelernt habe.
Aber: es gibt einen Ausweg aus diesem Dilemma. Es dreht sich im Grunde um den Unterschied zwischen Wahrnehmen von Impulsen, Gedankenblitzen bzw. -ansätzen, Stimmungen und Befindlichkeiten und dem Nachgehen dieser Dinge. Und eben genau dies nicht zu tun kann man lernen, üben.
Man nimmt die Dinge, die in einem aufsteigen/ zum Vorschein kommen als vorhanden wahr, be- verurteilt ihr Vorhandensein nicht, schon gar nicht, ist man sich selbst „böse“ dafür, dass sie vorhanden sind/ „angeloffen kommen“ und lässt sie wieder ziehen, schenkt ihnen bewusst und willentlich keine Aufmerksamkeit mehr.
Auch das hat zu Anfang etwas von dem Versprechen einen Hunderter geschenkt zu kriegen, wenn man es in den nächsten zehn Minuten schafft, nicht an einen himmelblauen Elefanten zu denken. Visualisieren hilft da am Anfang sehr!
Man sollte das nur in dem Bewusstsein, dass es sich um eine Krücke handelt, die man so schnell als möglich ablegen möchte, tun. Sonst verbringt man irgendwann seine Zeit damit visualisierte kreischende kleine Rhesusäffchen anzusehen und, milde lächelnd, weg zu schubsen. Auch nicht das, was man erreichen wollte.
Ich finde das nicht leicht, es fällt mir extrem unterschiedlich schwer/ es gelingt mir extrem unterschiedlich, aber wenn es mir öfter mal gelungen ist, hat es immer positive Auswirkungen auf meine Befindlichkeiten, meine Lebenshaltung, für unterschiedlich lange Zeit, gehabt.
Lieber Werner, ich würde mich freuen, wenn du mich erkennen ließest ob ich mit meiner Lesart falsch liege.
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Von meiner Vergangenheit lerne ich.
Wenn du damit mehr meinst als die Erfahrung z.B. einen Mantel zu tragen wenn es kalt ist, wenn du damit meinst aus Fehlern für die Zukunft gelernt zu haben, dann ist dir da wirklich was gelungen. Und ich würde gerne mehr darüber hören.
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Herzliche Grüße, Werner
Herzlichen Gruß
Renate