Hallo Semiramis,
Das muss ich sowieso, das ist so vorgegeben. Wahrscheinlich
wird sogar verlangt, dass die Kids mir hinterherfahren müssen,
weil sie noch jung sind.
Diese Bemerkung irritiert mich etwas, weil ich mich
frage, ob du fuer deinen „Job“ ausgebildet worden bist.
Unten schreibst du ja. Okay, muesst ihr wissen.
Ich schreib dir einfach mal, wie mein erste Skiferien als
Skilehrer liefen.
Ich hatte die 6-8jaehrigen.
Ich habe mehr Zeit auf Toiletten zugebracht, als auf der
Piste.
Du gehst mit allen auf die Toilette. Du kannst nicht
einige draussen lassen, denn du musst sie ja alle beaufsichtigen.
Du wirst den einigen von den Kleineren beim Anziehen helfen
muessen, besonders beim Helm und den Handschuhen.
Wenn ihr dann wieder im Schnee seid, wirst du einigen helfen
muessen, ihre Ski anzuziehen (Schnee unter den Schuhen usw.).
Wenn dann alle wieder abfahrtsbereit sind, muss bestimmt
irgendeiner wieder auf’s Klo. Ganze Uebung von vorne.
Die Gruppen hatten alle einen Namen: Skihaserl, Pistensaeue (das
waren die groesseren), Schneekanonen. Ich war fuer Demokratie:
wir hiessen Panzerknacker.
Die erfahreneren Skilehrer hatten ihre Kids durchnummeriert.
Wenn die zusammenstanden ging das: „Durchzaehlen!“ und 1…2
…3…5…6…-„Halt! Die vier fehlt!! Wo isse?!“ und dann
waren die organisiert.
Ich fand das scheusslich und war mehr fuer Demokratie.
Wir standen da. „Michael … Petra… Florian … ehhh… ehhh…
Fabian … ehhh … wer fehlt…?“ „Die Susanne.“ „Nein, ich bin
da!“ … „Aber es fehlt jemand…“
Ich bin fast immer ohne Handschuhe gefahren. Weil die Kinder
immer eiskalte Haende hatten. Und ich ihnen dann meine vor-
gewaermten Handschuhe gegeben habe. Die der Kleinen konnte
ich aber nicht anziehen (zu klein), sondern stopfte sie unter
meine Jacke, bis sie warm waren. Dann bekam ich meine zurueck,
fuer fuenf Minuten. Komisch, dass mir das bei -17 Grad nichts
ausgemacht hat, sonst bin ich immer erfroren.
Je nach Liftart ist man immer damit beschaeftigt, seine
Gruppe bei erwachsenen Liftfahrern, die allein anstehen,
unterzubringen. Zumindest darauf achten, wer mit wem
im Sessellift sitzt, sonst kann es gefaehrlich werden.
Meist hat man mindestens ein Kind, dass einem wie ein
Klotz am Bein haengt und nicht von der Seite weicht.
Wenn man Pech hat, deren zwei, die dann auch noch aufeinander
eifersuechtig sind.
Meist hab frueher geschlafen, als die Kinder.
Ich musste auch jeden Abend eine Runde fuer die Skilehrer
ausgeben (wir hatten eine Regel: die Gruppe, die als letzte
am Bus/am Haus ankommt --> Skilehrer gibt Runde aus; war
immer ich.)
Ich fuhr mit dieser Gruppe 10 Tage lang Pflugbogen.
Am letzten Tag wollte meine Kniescheibe nicht mehr und
sprang aus dem Gelenk --> Akia, Gips fuer 8 Wochen.
Sehr fidel. Ich schreib das nur noch als Warnung:
man weiss ja nie.
Meine wichtigste Erfahrung fuer die naechsten Male waren:
relativ strenge Organisation (kenn ich inzwischen
auch von den Pfadfindern), auf Skiern ist das noch
wichtiger als sonst bei Kindergruppen. Das hat nichts
mit Herzlichkeit und so weiter zu tun. Aber auf der
Piste bist (auch) fuer die koerperliche Sicherheit der
Kids verantwortlich.
Noch ein letzter Tipp: sei sicher, dass du alle ansteckenden
Kinderkrankheiten vorher hattest. Ich sage das nicht
leichthin, Windpocken mit 20 sind scheusslich.
Achja, die einzige Stelle, an der ich keine Narben davon getragen
habe, ist am rechten Bein. Da war naemlich der Gips
(siehe oben). Obwohl man auch mit Stricknadeln recht
gut kratzen kann, zumindest probiert man es.
Viel Spass
Elke