Hi,
Was mich am Ursprungsposting aufgeregt hat, ist dieser ganz
leicht herablassende Tonfall. Diese direkte Ansprache an die
„Leute unter 30“. Vielleicht hab ich da zu empfindlich
reagiert. Aber da ist mir zuviel von der staubigen „Trau
keinem über 30“ Mentalität drin, nur eben jetzt ins Gegenteil
verkehrt. Überspitzt und leicht satirisch formuliert: „Ich,
und nur ich, bin, aufgrund meines Alters und des automatisch
damit einhergehenden besseren Musikgeschmacks, berechtigt, mir
die alten Rockgrößen anzuhören und zu verstehen, denn ich hab
die Platten noch auf Vinyl gehabt, während Du dafür noch zu
jung bist und immer sein wirst“.
So war das nun überhaupt nicht gemeint. Das bezog sich nur auf die Leute, die aufgrund ihres jungen Alters die Zeit, in der die Originale herauskamen und überall im Radio liefen, nicht miterlebt haben und sie daher nicht ganz selbstverständlich kennen. Da Covers heute in den wenigsten Fällen als solche angekündigt werden, woher sollen diese Leute dann wissen, dass es Covers sind?
Falls das also herablassend klang, lag das keinesfalls in meiner Absicht.
Musikgeschmack hat weder etwas mit dem Alter zu tun, noch damit, ob man die Musik auf Vinyl, CD, als MP3, Audio-DVD oder sonstwie hört oder gehört hat.
Außerdem gibt es keinen „besseren“ oder „schlechteren“ Musikgeschmack, das ist ein Widerspruch in sich. Geschmack ist Geschmack, darüber kann man nicht streiten. Was gefällt, gefällt.
Und dann soll ich mich nur wegen meines Geburtsdatums
fragen lassen, ob ich „Behind Blue Eyes“ kenne, von jemandem,
der der Meinung ist, dass die Limp-Biszkit-Version „sehr nah
am Original“ sei? Im Leben nicht…
Im Verhältnis zu Madonnas „American Pie“ ist „Behind Blue Eyes“ von Limp Bizkit nahe am Original, aber - zugegebenermaßen - auch nur dann. Aber wie ich auch geschrieben habe: Es fehlt ein erheblicher Teil.
Das Problem an solchen Diskussionen ist doch einfach, dass da
ruckzuck dieses „Früher war alles besser“-Gejammer reinklingt,
und dass es heute keine guten Covers mehr gibt, und dass
Covers sowieso scheiße sind etc. Falsch.
Hab ich nie gesagt. Was mir nur auf den Wecker geht, sind Cover-Versionen, die nicht als solche „verkauft“ werden und bei denen nur diejenigen sie als Covers erkennen, die (zufällig oder nicht) das Original kennen. Alle anderen denken, das sei eine Eigenschöpfung. Thema „Sich mit fremden Federn schmücken“.
Das ganze liegt vielleicht auch mit daran, dass früher Musiksendungen im Radio nicht wie heute größtenteils per Computer aus einem relativ geringen Fundus von Songs zusammengestellt wurden. Da gab es noch Musikredakteure, die Sendungen liebevoll und mit Musikverstand „gebaut“ haben (man hat oft an der Musikzusammenstellung erkannt, welcher Redakteur da am Werk war), und die Moderatoren haben reichlich Informationen zu den Songs gegeben, so dass man aus diesen Quellen wusste, welche Songs von wem stammten. Covers wurden als Covers mit Nennung des Urhebers angesagt („Wir hören … von der Gruppe … in der Version von …“ oder wie auch immer).
Heute erfährt man aus dem Radio immer weniger Hintergrundinfos zur Musik, und so bleiben viele Covers unerkannt bei denen, die das Original nicht kennen.
Es gibt so saugeile
Coverversionen, die man nur machen kann, wenn man das Original
respektiert und gut findet.
Habe ich ja selbst welche aufgeführt. Oft sind das ja auch völlige Neuinterpretationen, in einem anderen Stil. Bestes Beispiel sind die zahlreichen Songs von Al Jarreau („Fire and Rain“ (James Taylor), „My Song“ (Elton John), „She’s Leaving Home“ (Beatles), „Spain“ (Chick Corea) usw.).
Sehr interessant fand ich übrigens den Link auf die Bayern 3 Hitcycling Seite. Ich habe nicht gewusst, dass „Killing me softly with his song“ sich auf „American Pie“ bezieht. Wieder was gelernt.
Grüße
Sebastian