Über 30, unter 30… (vorsicht, lang)
Hi,
also, gleich vorweg, ich denke mal, wir sind uns da relativ einig. Und eine richtig ausdefinierte Diskussion mit allen nötigen Ecken und Kanten wird es deswegen nicht geben.
Natürlich ist die „Live at Leeds“ eine sehr „fetzige“ Platte – mir gefällt halt nur das Wort nicht, und erst recht nicht sein Gebrauch im Ursprungsposting. Allerdings hab ich auch kein wirklich besseres anzubieten…
Ich bin grundsätzlich nicht der Meinung, dass das Geburtsdatum etwas mit Musikgeschmack oder -interesse zu tun hat. „Wer von den unter-30-jährigen hat gewusst, dass das Covers sind“ ist genau so ne gute oder schlechte Frage wie „Wer von den über-30-jährigen kennt denn überhaupt die Originale?“, oder, einen Schritt weiter „Wer von den über-30-jährigen macht sich denn die Mühe, mal rauszukriegen, was es für die Limp-Bizkit-Zielgruppe bedeutet, wenn die The Who covern?“ Das immerhin hatte Sebastian ja im Ansatz vor. Ich glaueb eben nur nicht daran, dass diese Unterscheidung in Leute über und unter 30 viel Sinn macht (vielleicht wird das ja noch 
Was mich am Ursprungsposting aufgeregt hat, ist dieser ganz leicht herablassende Tonfall. Diese direkte Ansprache an die „Leute unter 30“. Vielleicht hab ich da zu empfindlich reagiert. Aber da ist mir zuviel von der staubigen „Trau keinem über 30“ Mentalität drin, nur eben jetzt ins Gegenteil verkehrt. Überspitzt und leicht satirisch formuliert: „Ich, und nur ich, bin, aufgrund meines Alters und des automatisch damit einhergehenden besseren Musikgeschmacks, berechtigt, mir die alten Rockgrößen anzuhören und zu verstehen, denn ich hab die Platten noch auf Vinyl gehabt, während Du dafür noch zu jung bist und immer sein wirst“.
Und mit dieser Einstellung ist man nun mal nicht so weit weg von der Figur des „Old Man“ im „Young Man Blues…“ Oder der People who „try to put us down…“ etc.
Um davon abzulenken, quasi als Beweis dafür, dass man, andererseits, immer noch jung genug ist, um zu rocken, verwendet man dann zeitlose Vokabeln wie „fetzig“, die wahrscheinlich in den Siebzigern auch schon keiner ernsthaft verwendet hat. Denn sowohl als Rockmusiker wie auch als Rockfan darf man nicht alt werden (Literaturhinweis: „High Fidelity“).
Zu Deiner Frage, was mich an den Who begeistert… Die pure Power, die sie hatten, eben die Attitüde von der Du schreibst. Das Revolutionäre. Der Sound, das Songwriting. Schwer zu sagen. Eine zeitlos gute Band einfach.
Ich habe mit 15 Jahren angefangen, selber Musik zu machen, in einer Sixties-Beat-Garagenband. Covers von Kinks, Stones, Who, Small Faces, Yardbirds und eigene Sachen. Keiner von uns war über 20 als das losging. John Entwistle war mein Gott und ich habe fast geheult, als ich gelesen hab, dass es ihn erwischt hat. Ich habe 1997 10.000 Menschen zwischen 15 und 60 in der ausverkauften Frankfurter Festhalle zu „I Can’t Explain“, einem damals bereits 32 Jahre alten Song, im Takt hüpfen sehen. Und dann soll ich mich nur wegen meines Geburtsdatums fragen lassen, ob ich „Behind Blue Eyes“ kenne, von jemandem, der der Meinung ist, dass die Limp-Biszkit-Version „sehr nah am Original“ sei? Im Leben nicht…
Das Problem an solchen Diskussionen ist doch einfach, dass da ruckzuck dieses „Früher war alles besser“-Gejammer reinklingt, und dass es heute keine guten Covers mehr gibt, und dass Covers sowieso scheiße sind etc. Falsch. Es gibt so saugeile Coverversionen, die man nur machen kann, wenn man das Original respektiert und gut findet. Hör Dir mal Cake’s „I will survive an“ (für die über 30jährigen: Das war ein Clubhit vor ungefähr 5 bis 6 Jahren
. Das ist der absolute Hammer. Und Attitüde hats reichlich.
Und schließlich bleibt da noch ein letzter Aspekt: Sind 60er-Jahre-Rockikonen mit Attitüde unbestechlich?
da war ein Song wie z.B. ‚American Pie‘ noch ein bißchen mehr als nur ein ziemlich beliebiger Vorwand, mal zur Abwechslung ein paar Wochen mit einem Stetson auf der Rübe herumzulaufen.
American Pie bedeutet tatsächlich mehr als das – nämlich laut Don McLean himself: "American Pie bedeutet für mich, dass ich nie mehr arbeiten muss, wenn ich es nicht will“.
http://www.br-online.de/bayern3/musik/hitcycling/arc…
Das kratzt zwar ein bisschen an der Legende, zeigt aber, dass es damals schon auch den Damen und Herren Underground-Ikonen unter anderem ums große Geld ging.
Danke für Deine Lese-Geduld 
Ebenfalls freundliche Grüße
Tom