So viele Cover-Versionen

Hallo zusammen,

ich frage mich oft, ob den Menschen im Alter bis zu … sagen wir mal 25 oder 30 klar ist, wie viele der aktuellen „Neuerscheinungen“ Cover-Versionen von alten, meistens sehr erfolgreichen Songs von „früher“ sind.

Beispiele:

„American Pie“ von Madonna, eine in meinen Ohren grausam verstümmelte Cover-Version des Originals von Don McLean. Das Original beginnt ganz langsam und verträumt, legt dann richtig los und fetzt und wird am Ende wieder langsam und nachdenklich, Madonna hingegen hat das alles zu einem Einheitsgedudel zusammengekocht, völlig unverständlicherweise.

„Behind Blue Eyes“ von Limp Bizkit, sehr nahe am Original von The Who, aber leider um den superguten fetzigen Mittelteil gekürzt.

„Big Yellow Taxi“ von Counting Crow, eine nette Version des Originals von Joni Mitchell. In „Got Til It’s Gone“ von Janet Jackson hört man übrigens auch im Hintergrund ständig den Refrain von „Big Yellow Taxi“, und das ist Joni Mitchell herself, aber dieser Song ist kein Cover.

Meine Frage an die unter 30-jährigen: Habt Ihr in den drei Beispielfällen gewusst, dass das Cover-Versionen sind? Und die Originale schonmal gehört?

Grüße
Sebastian

Hi,

Meine Frage an die unter 30-jährigen: Habt Ihr in den drei
Beispielfällen gewusst, dass das Cover-Versionen sind? Und die
Originale schonmal gehört?

„American Pie“ von Madonna,

Ja

„Behind Blue Eyes“ von Limp Bizkit,

Ja

„Big Yellow Taxi“ von Counting Crow,

Ja. Auch die über 30-jährigen sollten wissen, dass die Counting CrowS heißen.

Nix für ungut und bei allem Verständnis für Deine PISA-musikalischen-Bedenken, dass die junge Generation rockhistorisch unbeleckt ist und so: Wenn ich im Zusammenhang mit The Who das Wort „fetzig“ lese, muss ich unwillkürlich an schlecht getarnte Drogenfahnder denken, die sich mit schlecht kopiertem Szene-Gehabe irgendwo einschmuggeln wollen. Ein bisschen so wie Homer Simpson mit Dreadlocks auf dem Lollapalooza-Festival…
Von Pete Townshend stammt übrigens auch der schöne Satz „I hope I die before I get old…“.

Grüße
Tom

PS: Ich find die Limp-Bizkit-Version auch Schrott…

Grüße
Sebastian

Hallo Sebastian,

ich frage mich oft, ob den Menschen im Alter bis zu … sagen
wir mal 25 oder 30 klar ist, wie viele der aktuellen
„Neuerscheinungen“ Cover-Versionen von alten, meistens sehr
erfolgreichen Songs von „früher“ sind.

Du weißt aber auch, daß viele ‚gute alte‘ Sachen von den Stones, den Beatles und ettlichen anderen Cover von älteren Sachen sind?!
Manfred Mans ‚Blinded by the Light‘ stammt vom Boss, Dylan hat für eine Legion von Musikern als Steinbruch zum Covern gedient (All along the Watchtower von Hendrix z.B.) …
Ich hab überhaupt nichts gegen gute Cover, nur sind die leider eher selten und dann meist von Leuten, die selber auch gute Sachen schreiben, von Joe Cocker mal abgesehen, der selber sagt, daß er noch nie ein gutes Lied geschrieben hat.

Gandalf

Hallo Gandalf,

Du weißt aber auch, daß viele ‚gute alte‘ Sachen von den
Stones, den Beatles und ettlichen anderen Cover von älteren
Sachen sind?!

Sicher, auch wenn ich das nicht in jedem Einzelfall weiß.

Dylan hat
für eine Legion von Musikern als Steinbruch zum Covern gedient

Wie z.B. auch „The Times They Are A-Changin’“ von Phil Collins, ist auch ein Dylan-Recycling.

Ich hab überhaupt nichts gegen gute Cover, …

Ich auch nicht, überhaupt nicht, die Betonung liegt aber auf „gut“.

… nur sind die leider eher selten …

Ja, leider.

Was mich etwas stört, ist, dass sich die covernden Musiker mit fremden Federn schmücken (oder geschmückt werden), ohne dass darauf hingewiesen wird. Das ist vermutlich noch nicht mal die Schuld der Musiker, sondern in erster Linie der Moderatoren, die kündigen halt einfach „Behind Blue Eyes“ von Limp Biskuit (Schreibweise Absicht) an und erwähnen nur in äußerst wenigen Fällen, dass die da einfach abgekupfert haben.

Wäre doch mal nett, „American Pie“ nacheinander von Madonna und im Original zu spielen …

Grüße
Sebastian

Hallo zusammen,

ich frage mich oft, ob den Menschen im Alter bis zu … sagen
wir mal 25 oder 30 klar ist, wie viele der aktuellen
„Neuerscheinungen“ Cover-Versionen von alten, meistens sehr
erfolgreichen Songs von „früher“ sind.

Beispiele:

„American Pie“ von Madonna,

gekannt und gehört…finde madonna trotzdem besser :wink:

„Behind Blue Eyes“ von Limp Bizkit,

gekannt, noch nicht gehört

„Big Yellow Taxi“ von Counting Crow,

gekannt und gehört…beides mittelmaß

zur zeit läuft so ne furchtbare trancecoverversion von „san francisco“ auf mtv oder so…wollen die jetzt die trance-cover-welle von 2001/2002 wieder aufleben lassen???

gruß
yvi

zusatz
ich hör sehr gerne 60s/70s/80s und bin damit kein einzelfall…wenn ich in unsere - zugegeben - dorfdisco geh und mir anguck, bei welcher musik wer auf der tanzfläche ist, dann ist bei black music voll, bei deutschrock (silbermond etc), und bei oldies (cora - amsterdam etc)!

gruß
yvi

Hi Sebastian

Wäre doch mal nett, „American Pie“ nacheinander von Madonna
und im Original zu spielen …

wobei ich fürchte, daß von den ‚jungen‘ die meisten eher das Cover besser finden werden :frowning:

Gandalf

Aber sicher doch!

Von Pete Townshend stammt übrigens auch der schöne Satz „I
hope I die before I get old…“.

dir ist schon klar, dass townshend noch lebt und inzwichen ziemlich alt
ist? ;-p

hallo sebastian,

Meine Frage an die unter 30-jährigen: Habt Ihr in den drei
Beispielfällen gewusst, dass das Cover-Versionen sind?

nein

Und die Originale schonmal gehört?

ja

ich wusste weder dass limp bizkit „behind blue byes“ gecovert
hat, noch sagt mir der name counting crow etwas und von big yellow
taxi kenn ich nur die cover version von bob dylan (und natürlich
das orig) :wink:
ich versuche mich aber auch so weit es geht von solch angeblicher
musik fernzuhalten - das geht ganz gut wenn man radio und fernsehen
(musiksender) auslässt. ich kaufe mir zwar auch neuerscheinungen,
doch dann von musikern wie zb nick cave, david bowie, iggy pop
oder neubauten, um nur ein paar zu nennen. zugegeben, allgemein
halte ich auch nicht viel von cover versionen. ganz im gegenteil
eigentlich. aber trotz dessen gibt es durchaus covers, die ich nicht
unbedingt missen möchte[1]. es liegt halt an dem musiker, mehr noch
an dem, was ein jener überhaupt unter musik versteht. und hier
unterscheiden sich geschmäcker nur zu gut. viele sind sich nicht
einmal bewusst, dass mal zeiten mit wirklich guter musik herrschten.
aber so richtig kann man es ihnen ja auch nicht übel nehmen, denn
wann wird schonmal das orignal zu einem cover gesendet, geschweige
denn der name des musikers überhaupt erwähnt.

mfg

zebulon

[1] nick cave - tower of song (leonard cohen)
nick cave - ring of fire (johnny cash)
david bowie - cactus (pixies)
phillip boa - first we take manhattan (jennifer warnes)
lou reed - foot of pride (bob dylan)
(u2 - fortunate son (creedence clearwater))

rockhistorisch unbeleckt ist und so: Wenn ich im Zusammenhang
mit The Who das Wort „fetzig“ lese, muss ich unwillkürlich an

Hi Tom,
kleiner Tip: hör dir mal bei Gelegenheit ‚Live at Leeds‘ von 1970 an. LAUT.

Gruß,
Ralf

Hallo Sebastian,

Auch wenn Du mich als Double-Twen ja eigentlich nicht angesprochen hast, trotzdem hier eine kleine Stellungnahme.

Dass aus dem unendlichen Angebot an Popsongs immer wieder das eine oder andere Kleinod neu interpretiert und neu aufgenommen wird, halte ich für völlig normal. Es gibt auch kaum jemanden, der sich nicht berufen fühlte, sich immer mal wieder bei Kollegen zu bedienen. In den vorhergehenden Postings ist das eine oder andere Mal ja schon auf den „Steinbruch“ Bob Dylan eingegangen worden. Der gute Mann, den ich außerordentlich schätze, ist selbst ein absoluter Meister der Coverversion und ein besonderes Talent hat er darin entwickelt, sich selbst immer wieder zu covern.

Schon mit 18 habe ich heftige Diskussionen mit meinen Freunden geführt, ob die Version „A Hard Rain’s A-Gonna Fall“ von Brian Ferry eine angemessene Interpretation des Bob Dylan-Originals sei (ich war damals allein der Meinung, dass ja). Die Diskussion endete ohne Ergebnis und seit geraumer Zeit hege ich den Plan, mit den Freunden von damals, die gottseidank immer noch meine Freunde sind, heute, fast 30 Jahre später, die Diskussion noch einmal aufzunehmen. Wäre bestimmt spannend.

Interessant in diesem Zusammenhang ist z.B. auch, dass Bob Dylan, nachdem er die Jimi Hendrix-Version von „All Along The Watchtower“ hörte, sein Live-Arrangement änderte, weil er der Meinung war, dass Hendrix viel näher an der Intention des Songs war als er selbst. Er hätte inzwischen sogar manchmal das Gefühl, las ich kürzlich, der Song sei gar nicht von ihm selbst geschrieben, sondern von Jimi Hendrix.

Ich finde die Beurteilung einer Neuinterpretation eines liebgewonnenen Klassikers immer sehr schwierig, weil es von einem verlangt, seine Maßstäbe zu überdenken und gegebenenfalls sogar zu revidieren. Ich freue mich inzwischen aber immer, wenn ich Dylan-Coverversionen (Ausnahme bleibt die Guns And Roses-Version von „Knockin’ On Heavens Door“) höre, ich sehe das auch als Wertschätzung des alten Meisters.

Viele Grüße

FM

Ähhh… Ja. Und?

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Fritz,

Dass aus dem unendlichen Angebot an Popsongs immer wieder das
eine oder andere Kleinod neu interpretiert und neu aufgenommen
wird, halte ich für völlig normal.

Ich auch. Ich habe auch nix dagegen, es gibt hervorragende Cover-Versionen, und manche adeln auch den Urheber geradezu (z.B. „Fire and Rain“, Cover Interpretation von Al Jarreau, Original von James Taylor, „My Song“, ebenfalls Jarreau, Original Elton John.)
Oder die CD „Sketches of James“ mit Jazz-Versionen von James Taylor Songs (wobei auch die Songs von JT teilweise nicht von ihm selbst sind).
Bei solchen Jazz-Versionen wie auch denen von Al Jarreau kann man sowieso nicht von Cover sprechen, das sind ja immer völlig eigene Interpretationen, aber da versucht auch niemand, sich mit fremden Federn zu schmücken.

Mir rollen sich nur die Fußnägel hoch, wenn ein schöner, einfallsreicher Song mit Drumbox (und zwar einer, die nur 2 oder 3 Rhythmen kennt) zu einem Einheits-Gedudel zusammengepfuscht wird.

Mein Kriterium: Wenn zu vermuten ist, dass der Urheber des Songs die Cover-Version mit Wohlgefallen hört oder hören würde, dann ist es ok.

Interessant in diesem Zusammenhang ist z.B. auch, dass Bob
Dylan, nachdem er die Jimi Hendrix-Version von „All Along The
Watchtower“ hörte, sein Live-Arrangement änderte, weil er der
Meinung war, dass Hendrix viel näher an der Intention des
Songs war als er selbst. Er hätte inzwischen sogar manchmal
das Gefühl, las ich kürzlich, der Song sei gar nicht von ihm
selbst geschrieben, sondern von Jimi Hendrix.

Siehe oben, wenn Dylan damit zufrieden ist und/oder sich geehrt fühlt, dass er gecovert wird, ist das in Ordnung.

… ich sehe das auch als Wertschätzung des alten Meisters.

Genau.

Was mich stören würde: Wenn die Komposition von Cover-Versionen von den Hörern den Coverern zugeschrieben werden, vor allen Dingen bei Coverern, die selbst nichts Gescheites auf die Reihe kriegen.

Grüße
Sebastian

Hallo Sebastian!

… manche adeln auch den Urheber geradezu
(z.B. „Fire and Rain“, Cover Interpretation von Al
Jarreau, Original von James Taylor, „My Song“, ebenfalls
Jarreau, Original Elton John.)
Oder die CD „Sketches of James“ mit Jazz-Versionen von James
Taylor Songs (wobei auch die Songs von JT teilweise nicht von
ihm selbst sind).

Oder „Time After Time“ in der Interpretation von Miles Davis!

Bei solchen Jazz-Versionen wie auch denen von Al Jarreau kann
man sowieso nicht von Cover sprechen, das sind ja immer völlig
eigene Interpretationen, aber da versucht auch niemand, sich
mit fremden Federn zu schmücken.

Mir rollen sich nur die Fußnägel hoch, wenn ein schöner,
einfallsreicher Song mit Drumbox (und zwar einer, die nur 2
oder 3 Rhythmen kennt) zu einem Einheits-Gedudel
zusammengepfuscht wird.

Das kann ich verstehen und mir geht es nicht anders, ich habe aber vor einiger Zeit mal einen Artikel von Diedrich Diedrichsen gelesen, ich weiß leider nicht mehr, wie der hieß und wo ich ihn gelesen habe, in dem er sinngemäß schrieb, dass immer, wenn man das Gefühl habe, im Radio würde nur noch schreckliche Musik gespielt und die würde auch noch immer gleich klingen, könne man sicher sein, dass man gerade eine wichtige neue musikalische Strömung verpasst habe. Ich kann nicht beurteilen, wie es bei Dir ist, für mich muss ich jedoch zugeben, dass ich tatsächlich irgendwann aufgehört habe, mich dermaßen stark für neue Musik zu interessieren, dass ich noch behaupten könnte, neuere Musik betreffend (insbesondere sog. Techno, House u.Ä.) differenzieren zu können (Gott, was für ein Satz!).
Ich ertappe mich immer öfter dabei, neuere Musik als auch „Einheits-Gedudel“ zu empfinden und muss dann still in mich hineinlächeln, weil ich als Jugendlicher dieser damals (wie heute!) unberechtigten Kritik meiner Eltern so zornig und verständnislos entgegengetreten bin.

Mein Kriterium: Wenn zu vermuten ist, dass der Urheber des
Songs die Cover-Version mit Wohlgefallen hört oder hören
würde, dann ist es ok.

Wie willst Du das beurteilen? Du kannst doch nicht mehr beurteilen als das Bild, was Du Dir von jemandem gemacht hast. Ein Urteil darüber hat doch gar keinen Aussagewert über denjenigen, auf den es sich bezieht und somit sagt es auch über die Coverversion, die Du damit bewertest nicht mehr aus, als dass Du sie für inkompatibel mit dem Urheber hälst.

Was mich stören würde: Wenn die Komposition von
Cover-Versionen von den Hörern den Coverern zugeschrieben
werden, vor allen Dingen bei Coverern, die selbst nichts
Gescheites auf die Reihe kriegen.

Ja, das kann man ungerecht finden. Die Tantiemen kommen zum Glück ja dann dem Songschreiber zu, so wird es dann wieder etwas gerechter. Und dass junge Hörer die Coverversion gelegentlich oder auch häufig für das Original halten, finde ich immer ganz amüsant. Mir ging es übrigens in meiner Jugend in einem besonders peinlichen Fall mal ebenso. Ich hielt den Titel „Song Of Joy“ für ein originäres Werk des „genialen Musikers“ Miguel Rios, ich bin damals damit im Musikunterricht ziemlich peinlich aufgeschlagen, habe es aber überlebt.

Viele Grüße

FM

Ähhh… Ja. Und?

O.K., Tom - wenn der Ohrenschein nicht überzeugt, kann ich mich wohl nur noch darauf zurückziehen, dass es eben keine allgemeingültige Definition davon gibt, was ‚fetzig‘ ist. Dann ist mein Einwand ebenso müßig wie Deiner. Aber mal offen gesagt - das meiste, was heute so in dem Alter ist wie Townshend und Konsorten anno 1970, das kommt mir vergleichsweise ausgesprochen frühvergreist vor. Und so ganz verstehe ich dann auch nicht, was Dir (laut ViKa) an den Who überhaupt zusagt …

Bands wie die Who hatten Anfang der 70er noch so etwas wie eine ‚Attitude‘, die auch in der Musik 'rüberkam - und diese Musik war noch weit entfernt davon davon, Mainstream zu sein. Die ‚Attitude‘ mag häufig verlogen oder auch nur zynisch aufgesetzt gewesen sein (wie z.B. damals schon bei bei den Stones). Es ist - zugegeben - schon lange her, aber da war ein Song wie z.B. ‚American Pie‘ noch ein bißchen mehr als nur ein ziemlich beliebiger Vorwand, mal zur Abwechslung ein paar Wochen mit einem Stetson auf der Rübe herumzulaufen.

Jedenfalls - wenn Leute wie z.B. die Who auf "Live at Leeds’ Sachen wie Mose Allison’s ‚Young Man Blues‘, Eddi Cochran’s ‚Summertime Blues‘ oder ‚Shakin‘ all over’ von Johnny Kidd coverten - dann waren das für das Publikum altbekannte Kamellen, und das ‚Wie‘ war den Hörern bei der Interpretation dieser Sachen allemal wichtiger als das ‚Was‘. Da haben die Bands sich nicht einfach nur bequem aus einem Fundus bedient, sondern gezeigt, zu welcher Tradition man steht - und vor allem, wie man dazu steht.

Freundliche Grüße,
Ralf

Über 30, unter 30… (vorsicht, lang)
Hi,

also, gleich vorweg, ich denke mal, wir sind uns da relativ einig. Und eine richtig ausdefinierte Diskussion mit allen nötigen Ecken und Kanten wird es deswegen nicht geben.

Natürlich ist die „Live at Leeds“ eine sehr „fetzige“ Platte – mir gefällt halt nur das Wort nicht, und erst recht nicht sein Gebrauch im Ursprungsposting. Allerdings hab ich auch kein wirklich besseres anzubieten…

Ich bin grundsätzlich nicht der Meinung, dass das Geburtsdatum etwas mit Musikgeschmack oder -interesse zu tun hat. „Wer von den unter-30-jährigen hat gewusst, dass das Covers sind“ ist genau so ne gute oder schlechte Frage wie „Wer von den über-30-jährigen kennt denn überhaupt die Originale?“, oder, einen Schritt weiter „Wer von den über-30-jährigen macht sich denn die Mühe, mal rauszukriegen, was es für die Limp-Bizkit-Zielgruppe bedeutet, wenn die The Who covern?“ Das immerhin hatte Sebastian ja im Ansatz vor. Ich glaueb eben nur nicht daran, dass diese Unterscheidung in Leute über und unter 30 viel Sinn macht (vielleicht wird das ja noch :wink:

Was mich am Ursprungsposting aufgeregt hat, ist dieser ganz leicht herablassende Tonfall. Diese direkte Ansprache an die „Leute unter 30“. Vielleicht hab ich da zu empfindlich reagiert. Aber da ist mir zuviel von der staubigen „Trau keinem über 30“ Mentalität drin, nur eben jetzt ins Gegenteil verkehrt. Überspitzt und leicht satirisch formuliert: „Ich, und nur ich, bin, aufgrund meines Alters und des automatisch damit einhergehenden besseren Musikgeschmacks, berechtigt, mir die alten Rockgrößen anzuhören und zu verstehen, denn ich hab die Platten noch auf Vinyl gehabt, während Du dafür noch zu jung bist und immer sein wirst“.
Und mit dieser Einstellung ist man nun mal nicht so weit weg von der Figur des „Old Man“ im „Young Man Blues…“ Oder der People who „try to put us down…“ etc.

Um davon abzulenken, quasi als Beweis dafür, dass man, andererseits, immer noch jung genug ist, um zu rocken, verwendet man dann zeitlose Vokabeln wie „fetzig“, die wahrscheinlich in den Siebzigern auch schon keiner ernsthaft verwendet hat. Denn sowohl als Rockmusiker wie auch als Rockfan darf man nicht alt werden (Literaturhinweis: „High Fidelity“).

Zu Deiner Frage, was mich an den Who begeistert… Die pure Power, die sie hatten, eben die Attitüde von der Du schreibst. Das Revolutionäre. Der Sound, das Songwriting. Schwer zu sagen. Eine zeitlos gute Band einfach.
Ich habe mit 15 Jahren angefangen, selber Musik zu machen, in einer Sixties-Beat-Garagenband. Covers von Kinks, Stones, Who, Small Faces, Yardbirds und eigene Sachen. Keiner von uns war über 20 als das losging. John Entwistle war mein Gott und ich habe fast geheult, als ich gelesen hab, dass es ihn erwischt hat. Ich habe 1997 10.000 Menschen zwischen 15 und 60 in der ausverkauften Frankfurter Festhalle zu „I Can’t Explain“, einem damals bereits 32 Jahre alten Song, im Takt hüpfen sehen. Und dann soll ich mich nur wegen meines Geburtsdatums fragen lassen, ob ich „Behind Blue Eyes“ kenne, von jemandem, der der Meinung ist, dass die Limp-Biszkit-Version „sehr nah am Original“ sei? Im Leben nicht…

Das Problem an solchen Diskussionen ist doch einfach, dass da ruckzuck dieses „Früher war alles besser“-Gejammer reinklingt, und dass es heute keine guten Covers mehr gibt, und dass Covers sowieso scheiße sind etc. Falsch. Es gibt so saugeile Coverversionen, die man nur machen kann, wenn man das Original respektiert und gut findet. Hör Dir mal Cake’s „I will survive an“ (für die über 30jährigen: Das war ein Clubhit vor ungefähr 5 bis 6 Jahren :smile:. Das ist der absolute Hammer. Und Attitüde hats reichlich.

Und schließlich bleibt da noch ein letzter Aspekt: Sind 60er-Jahre-Rockikonen mit Attitüde unbestechlich?

da war ein Song wie z.B. ‚American Pie‘ noch ein bißchen mehr als nur ein ziemlich beliebiger Vorwand, mal zur Abwechslung ein paar Wochen mit einem Stetson auf der Rübe herumzulaufen.

American Pie bedeutet tatsächlich mehr als das – nämlich laut Don McLean himself: "American Pie bedeutet für mich, dass ich nie mehr arbeiten muss, wenn ich es nicht will“.
http://www.br-online.de/bayern3/musik/hitcycling/arc…
Das kratzt zwar ein bisschen an der Legende, zeigt aber, dass es damals schon auch den Damen und Herren Underground-Ikonen unter anderem ums große Geld ging.

Danke für Deine Lese-Geduld :wink:

Ebenfalls freundliche Grüße

Tom

Hallo Tom,

also, gleich vorweg, ich denke mal, wir sind uns da relativ
einig.

Das denke ich auch … :wink:

Danke für Deine Lese-Geduld :wink:

Danke für die Mühe des Schreibens.

Freundliche Grüße
Ralf

Hallo!

Ich bin 26 und habe alle auch schon vorher gekannt… Ist aber natürlich bei allen verschieden. Viele wissen es bei gar keiner Cover-Version, noch nicht mal bei „American Pie“. Schade eigentlich. Aber mitbekommen tut es doch dann sowieso jeder, dass es eine Coverversion ist - wenn es erwähnt wird. Schlimm ist es nur, wenn es z.B. Musikredakteure oder z.B. beim Radio Moderatoren selbst nicht wissen und es deshalb auch nie erwähnt wird. Im Musikfernsehen ja sowieso nie, wenn man weiß, dass die Teenager den Original-Interpreten nicht kennen…

Gruß,
M.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

zur zeit läuft so ne furchtbare trancecoverversion von „san
francisco“ auf mtv oder so…wollen die jetzt die
trance-cover-welle von 2001/2002 wieder aufleben lassen???

„und will man mich nicht covern, dann mach ichs eben selbst und nenne es (Titel) 2004…“

Das finde ich noch viel schlimmer.

Gruß Ivo