Sollte der Hausarzt auf SVV reagieren?

Hallo zusammen!
Findet ihr, dass der Hausarzt, wenn er bei einem Patienten, durch Zufall, beim Blutdruckmessen selbst zugefügte Wunden und Narben entdeckt, reagieren sollte? Oder findet ihr es in Ordnung, wenn er keine Reaktion zeigt und einfach darüber hinwegsieht? Was denkt ihr darüber?

Danke im voraus für alle Antworten

Tina

Was möchtest Du?
Tina,

was möchtest Du? SVV ist nach meinen Erlebnissen mit Borderlinern der Versuch, die Schmerzen in der Seele zu übertönen (die anderen Beweggründe lasse ich mal außen vor). Aus meiner Sicht also Schreie der Hilflosigkeit…

Stellt nun der Hausarzt fest, dass er es hier mit SVV zu tun hat, so kollidiert er doch mit zwei Aspekten: Derjenige, der sich ritzt, verletzt und so, er sieht es doch als sein Eigenes an, es ist sein Weg. Aber dennoch scheint es mir auch ein Hilfeschrei zu sein. Und so müsste der Arzt darauf reagieren.

Wenn ich auf Menschen treffe, bei denen ich aus der Bewegung der Arme heraus, aus dem Zupfen an den Ärmeln und und und das Empfinden habe, dass da SVV vorliegt, so spreche ich es an. Dies allerdings behutsam, denn es ist doch ein recht intimes Geschehen. Ich biete einfach Hilfe ohne jeglichen Druck an.

Aus meiner Sicht kann und darf man Niemanden zwingen. Man kann nur offen, klar und deutlich Hilfe anbieten. Aber dazu braucht man auch eine Menge Mut. Denn die Reaktion ist mitunter heftig und kann beiden Seiten sehr weh tun.

Und so gesehen verstehe ich Deine Frage nicht so recht. Ich weiß nicht, ob es Dich hier betrifft. Denn wenn Du Hilfe brauchst und sie auch suchst, so sprich es selber an. Ich fände es unfair, dem Arzt hier die Entscheidung zu übertragen. Er kann es nur hinterfragen und ich glaube, dies sollte er auch. Aber es ist immer eine Entscheidung des Betreffenden, ob er Hilfe sucht und sie auch „ertragen“ kann und will.

Solltest Du also die Person sein, die vom Arzt „ertappt“ wurde, so wünsche ich Dir den Mut und die Kraft, Hilfe zu suchen und sie anzunehmen. Betrifft es eine andere Person, so gib ihr den Rat, sich helfen zu lassen. SVV ist auf Dauer nicht der Weg, sich im Leben zu bewegen und zu halten.

LG
Dieter

[MOD]: Ganzkörperzitat entfernt. Bitte beachtet die Netiquette,Satz 3 Pkt.7: http://www.wer-weiss-was.de/content/netiquette.shtml Danke!

Hallo Dieter!
Erstmal danke für deine Antwort. Es geht aber wirklich nicht um mich. Aber ich kenne eine person, die sich regelmäßig selbst verletzt. ich weiß, dass sie Hilfe braucht, aber sie meint es wäre alles nicht so schlimm. Seit einiger Zeit ist ihr oft schwindelig und übel. Als ich ihr sagte, sie solle mal zum Arzt gehen, meinte sie, dass sie das nicht könnte, weil dieser sicherlich ihren Blutdruck messen würde und dann ihre Wunden sieht. Deßhalb traut sie sich nicht zum Arzt. Ich weiß, es ist wahrscheinlich etwas unfair von mir, aber ich hatte gehofft, dass es vielleicht mehr bewirken würde, wenn ihr ein Arzt sagt, dass sie Hilfe braucht als wenn ich es dauernd tue, verstehst du? Denn von allein würde sie diesen Schritt wohl nie gehen.

Tina

Ein Vorschlag…

Erstmal danke für deine Antwort. Es geht aber wirklich nicht
um mich. Aber ich kenne eine person, die sich regelmäßig
selbst verletzt. ich weiß, dass sie Hilfe braucht, aber sie
meint es wäre alles nicht so schlimm. Seit einiger Zeit ist
ihr oft schwindelig und übel. Als ich ihr sagte, sie solle mal
zum Arzt gehen, meinte sie, dass sie das nicht könnte, weil
dieser sicherlich ihren Blutdruck messen würde und dann ihre
Wunden sieht. Deßhalb traut sie sich nicht zum Arzt. Ich weiß,
es ist wahrscheinlich etwas unfair von mir, aber ich hatte
gehofft, dass es vielleicht mehr bewirken würde, wenn ihr ein
Arzt sagt, dass sie Hilfe braucht als wenn ich es dauernd tue,
verstehst du? Denn von allein würde sie diesen Schritt wohl
nie gehen.

Ja, verstehe ich. Es ist leider oft so, dass Menschen, die Selbstverletzer sind, den Ernst der Lage herunterspielen. Vielleicht gehört dies auch zum Krankheitsbild, ich weiß es nicht, bin kein Psychologe. Sie haben gelernt, mit ihren Problemen auf ihre Art umzugehen, auch wenn sie mitunter auch ahnen, dass dies nicht der richtige Weg ist. Aber wer will das festlegen…

Aber sie haben auch einen sehr wachen Blick dafür, dass sie bei einer Therapie SELBST aktiv werden müssen. Und da habe ich erlebt, wie panisch sie dann werden und vor allem, welche Kraft sie dann entfalten können. Leider nicht für sich selbst sondern gegen sich.

Ich kenne die betreffende Person nicht. Was meinst Du, Tina, würde es was bringen, wenn Du mal folgenden Versuch machst? Sollte sie eine Krankheit haben, die Schwindel und Übelkeit bringt, dann kann es bei einer Nichtbehandlung zu einer Verschlimmerung kommen. Dies solltest Du aber nur andeuten, denn es mag sein, dass diese Person keine Angst vor dem Tod hat, ja, ihn vielleicht annehmen will.

Aber man könnte wie folgt argumentieren: Wenn sie jetzt zum Arzt geht, so kann sie ihm klar begegnen, wenn er sie auf SVV anspricht. Stellt sich hingegen eine Verschlimmerung ein, so kann es geschehen, dass sie nicht die volle bewusste Möglichkeit dazu hat und somit über sie bestimmt wird. Geht so zwar nicht ganz in deutschen Landen, ist ja aber auch nicht der Zielpunkt.

Und ich halte es nicht für unfair, dass Du Dir Gedanken machst und Wege suchst, dieser Person zu helfen. Aber eines solltest Du auch bedenken: Geht diese Person auf Dein Anraten zum Arzt und kommt dann mit der Situation nicht zurecht, so kann es geschehen, dass sie Dich „verantwortlich“ macht. Und dies kann sehr weh tun…

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Ich finde ein guter Hausarzt muss das einfach ansprechen und den Patienten ggf. zu einem Besuch beim Psychiater bewegen. Jedenfalls tut mein Hausarzt das und ich wäre enttäuscht, wenn er es nicht tun würde.

Hallo,

aus eigener Erfahrung ist die Reaktionsrate ca. 50%. D.h. ungefähr die Hälfte der Ärzte, die es sehen, sprechen mich darauf an. Vor allem Ärzte mit neurologischem oder psychologischem/psychiatrischem Hintergrund. Allgemeinmediziner gelegentlich, Fachärzte (Orthopäde, Zahnarzt, Pulmonologie) bisher nie. Allergologe immer, weil er beim Prick-Test den Narben ausweichen muss.

Mir ist es gleich, ob ich darauf angesprochen werde oder nicht. Werde ich angesprochen, antworte ich so, dass der Arzt weiß, was ich von ihm erwarte. Also wenn ich Hilfe möchte, sage ich „Ja, ich verletze mich selbst, ich müsste mal wieder zur Psychotherapie - kann ich eine Überweisung haben?“ und wenn ich keine Hilfe will, sage ich das genau so neutral.

Gruß,

Myriam