Sorben

Morgen.

Mir ist aufgefallen daß man in der Geschichtslehre kaum etwas über die Sorben hört, insbesondere deren rolle im 3. reich. soweit ich weiß wurden sie nicht verfolgt oder benachteiligt, aber wieso nicht? So muß man es ja fast schon fragen.

Grüße
Feldmarschall

Hi Feldmarschall
schulischer Geschichtsunterricht *ÖRGS*

Die Sorben sollten im 3 Reich entweder assimiliert oder nach dem Endsieg ausgesiedelt werden.
1937 wurden die sorbischen Kulturvereine verboten, Sprache und Kultur unterdrückt.

http://www.geocities.com/thcw1968/Sorbges.htm
http://serbski-institut.de/sipows6.html

Gruß
Mike

Hallo Feldmarschall,

in der Tat waren die Maßnahmen im dritten Reich weniger physisch gegen Individuen gerichtet, sondern nur gegen sorbische Sprache und Kultur (ab 1933 Ausweisung sorbischer Pfarrer und Lehrer aus der Lausitz, 1937 Verbot der Domowina, 1941 Verbot der letzten sorbischen Gottesdienste). Dies mag damit zu tun haben, dass ein schlichtes „Vergessenlassen“ der Sprache ausgereicht hätte, schon nach wenigen Generationen vergessen zu lassen, dass es einmal Sorben gab.

An Kirchenbüchern waren Sorben nicht erkennbar, im Arierpass meines Vaters stehen viele, die man an den Namen vielleicht - eher zweifelhaft - erkennen kann, aber im übrigen bloß, wenn man es weiß.

Eine über Sprache und Kulturorganisation hinaus gehende Verfolgung hätte leicht nach hinten losgehen können: Gibt es doch genauso wenige phänotypische Erkennungsmerkmale für einen Sorben wie für einen Juden. Eine Art „Sorbenwinkel“, vom Nachbarn getragen, hätte wohl leicht zur weiten Verbreitung der unerwünschten Erkenntnis von der Nichtexistenz von Rassen im NS-Sinn führen können. Es gibt ein einziges phänotypisches Merkmal, das ist ein bei Sorben und Abkömmlingen ziemlich häufiger extrem breiter und kurzer Daumen (im Jux als „vererbtes erworbenes Merkmal“ bezeichnet: Ein vom Spinnen, Zwirnen, Einfädeln „plattgerollter“ Leineweberdaumen). Ich *stolzbin* trage zwei majestätische Exemplare davon. Dieses Merkmal, zumal wahrscheinlich bissel komplizierter vererbt als lt. NS-Rassenlehre zulässig, wäre kein ausreichendes Erkennungsmittel gewesen.

Bleibt also Sprache und Kultur, und die wurde im Dritten Reich schon versucht zu eliminieren. Sie wird auch ohne entsprechende Maßnahmen wohl in zwei Generationen genauso abgewickelt sein wie die Leineweberei in der Oberlausitz.

Schöne Grüße

MM