Sorge um einen Freund

Hallo…
Ich weiss nicht mehr, was ich noch tun soll und deshalb wende ich mich an euch und hoffe ihr könnt mir vielleicht einen Rat geben!

Also, ein guter Kumpel von mir, den ich übers Internet kenengelernt und mittlerweile auch persönlich kenne, macht mir Sorgen:

Ich kenne ihn seit etwa einem Jahr und damals wurde er von seiner Clique sehr enttäuscht. Er fühlte sich verraten und hintergangen, will aber auch nicht so recht darüber erzählen. Naja, seitdem kommt er gar nicht mehr aus seinem Loch raus, ich gebe mir wirklich alle Mühe und auch der Freundeskreis, der sich mittlerweile aufgebaut hat rund um ihn und mich. Entweder blockt er alles ab, und ist fest davon überzeugt, dass ihn sowieso keiner braucht und keiner mag. Oder er nimmt einen so in Beschlag, dass man sich nur noch ausschliesslich um ihn kümmern muss. Und das geht einfach nicht… er findet keinen Mittelweg. Entweder stösst er einen weg, oder er vereinnahmt einen total. Er war auch schon bei einem Therapeuten, weil er eingesehen hat, dass er alleine da nicht raus kommt. Naja, nach 3 Stunden ging er auch dort nicht mehr hin! Der Thera hat „komische“ Fragen gestellt, und er fühlt sich nicht gut und wird traurig. Das ist sowieso sein Lieblingssatz… „Ich mag nicht, ich bin traurig“ Und ich weiss echt nicht, was ich noch tun soll, ich möchte ihm ja gerne helfen, da raus zu kommen, einige unserer Freunde haben ihn schon quasi fallen gelassen. Ich möchte das eigentlich nicht, aber mit seinem Verhalten raubt er mir meine Kraft, die ich auch für mich selbst brauche. Er stösst mich weg, wenn ich ihm helfen will, hat aber kein Ohr für mich, er beansprucht mich total, wenn ich auch noch ein bißchen was für andere und mich selbst brauche… Ich kann mich doch unmöglich für ihn total aufreiben, das kann er doch nicht erwarten?
Also, ich kann so nicht weitermachen… Wisst ihr vielleicht rat?

Hallo, kleiner-stern,

einiges von dem, was Du schilderst, hört sich für mich sehr vertraut an.

Also, ein guter Kumpel von mir, den ich übers Internet
kenengelernt und mittlerweile auch persönlich kenne, macht mir
Sorgen:

Nichts gegen Bekanntschaften, die man übers Internet schließt - aber ich habe den Eindruck, dass nicht wenige Zeitgenossen in ihren Internet-Bekanntschaften vornehmlich bessere Kummerkasten-Tanten sehen. Interessant finde ich auch, dass Du nicht etwa schreibst, Du machtest Dir Sorgen um Deinen Kumpel - sondern dass er es ist, der Sorgen bereitet (man kann solche Sprachklauberei als spitzfindig erachten - oder aber insgeheim, weil einem da etwas vertraut vorkommt, nicken und sagen: O ja. Es gibt Menschen, die, wenn vielleicht auch über nicht viel anderes, über ein ausgeamchtes Talent dazu verfügen, die eigenen Sorgen zu denen anderer Menschen zu machen).

Ich kenne ihn seit etwa einem Jahr und damals wurde er von
seiner Clique sehr enttäuscht. Er fühlte sich verraten und
hintergangen, will aber auch nicht so recht darüber erzählen.

Sich verraten und hintergangen fühlen ist, finde ich, keine große Kunst: Ich glaube, wir alle haben Tage, an denen wir den Eindruck haben, die Welt habe sich gegen uns verschworen - nur zur Masche werden lassen sollte man das tunlichst nicht; allzu ostentativ zur Schau getragene Leidensmiene, fortwährender Weltschmerz und Sich-verkannt-fühlen langweilen auf Dauer ganz einfach.

Naja, seitdem kommt er gar nicht mehr aus seinem Loch raus,
ich gebe mir wirklich alle Mühe und auch der Freundeskreis,
der sich mittlerweile aufgebaut hat rund um ihn und mich.

Mit Verlaub: Das hört sich für mich stark nach einem derjenigen Menschen an, die ich „die starken Schwachen“ nenne: zu willensschwach, um an der eigenen Misere auch nur etwas ändern zu wollen - aber stark darin, Gott und die Welt mit ihrem Barmen um Zuwendung auf Trab zu halten.

Entweder blockt er alles ab, und ist fest davon überzeugt,
dass ihn sowieso keiner braucht und keiner mag.

Ich kann Menschen zwar mögen - aber die Art, sich ständig und zumeist ohne erkennbaren Grund hängen zu lassen ist etwas, das ich keinesfalls mag. Und „brauchen“ … ? Tja, es mag hart klingen - aber ich habe verschiedentlich die Erfahrung machen müssen, dass Menschen, die überdurchschnittlich viel Aufmerksamkeit für sich beanspruchen, nur selten auch Menschen sind, von denen man ein offenes Ohr für die eigenen Probleme des Alltags erwarten darf. Meine Erfahrung: eine Freundschaft, die den Namen verdient, können solche Menschen oft gar nicht führen. Will sagen: Gewisse Zeitgenossen, so mein Eindruck, fühlen sich der Devise „misery loves company“ verpflichtet und suchen in anderen Menschen weniger die guten Freunde (die einem auch durchaus mal die Meinung geigen dürfen sollten, ohne deswegen gleich als „Verräter“ zu gelten) als Leidensgenossen, ín deren Gesellschaft man umso trefflicher den Mond anheulen kann.

Oder er nimmt
einen so in Beschlag, dass man sich nur noch ausschliesslich
um ihn kümmern muss.

O ja, auch das kenne ich.

Und das geht einfach nicht…

Das finde ich allerdings auch. Freundschaften unter erwachsenen Menschen sollten von Geben und Nehmen geprägt sein.

er findet
keinen Mittelweg. Entweder stösst er einen weg, oder er
vereinnahmt einen total. Er war auch schon bei einem
Therapeuten, weil er eingesehen hat, dass er alleine da nicht
raus kommt.

Wie spricht der Volksmund so schön: „Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung“ - ich denke, das lässt sich getrost auch über die Krankheitseinsicht sagen, die notwendig sein dürfte, um das zu kurieren, was ggf. tatsächlich eine behandlungsbedürftige Depression sein könnte - oder ist’s vielleicht eben doch nur eine der, so mein Eindruck, gerade hier zu Lande sehr beliebten Gemütsverstimmungen … ?

Naja, nach 3 Stunden ging er auch dort nicht mehr
hin! Der Thera hat „komische“ Fragen gestellt, und er fühlt
sich nicht gut und wird traurig.

Jaja, genau - 's ist ja auch viel bequemer, sich Wahrheiten, die ggf. unbequem sind, nicht zu stellen. Warum auch nur eine Minute des Lebens ein einem Wartezimmer zubringen (1. sind die dort ausliegenden Zeitschriftenmeist schrecklich langweilig und 2. sitzen da meist noch andere Leute herum, die des Doktors Aufmerksamkeit heischen), solange es Leute gibt, denen man für den Preis eines Ferngesprächs die Ohren volljammern kann … ? Mein Tipp: bei der Telefonseelsorge arbeiten jede Menge netter Menschen, die über ein geschultes Ohr für allerlei Drangsal haben, der man in diesem irdischen Jammertal begegnen kann. Oder man macht’s wie „Lucy“ on den „Peanuts“, stellt ein Schild mit der Aufschrift „The doctor is in“ auf und berechnet zunächst einmal einen Dollar Beraungsgebühr.

Das ist sowieso sein
Lieblingssatz… „Ich mag nicht, ich bin traurig“

Das könnte sicherlich auch lauten: „Ich will nicht, ich habe schlechte Laune“. Auch das kenne ich nur allzu gut - und sogar von mir selbst! Und mir fallen auch immer und jederzeit Dinge ein, die ich nicht mag: bei Umzügen schwere Sachen tragen, mich an verregneten, nasskalten Montagmorgen an meine Arbeitsstelle schleppen … ach, da gibt’s so vieles, das ich lieber täte - ich dardf gar nicht dran denken, sonst werde ich ganz, ganz traurig.

Und ich weiss
echt nicht, was ich noch tun soll,

Es mag hart klingen, aber mein Rat lautet: Nichts.

ich möchte ihm ja gerne
helfen, da raus zu kommen,

Wer sich nicht helfen lassen will, dem ist nicht zu helfen - und für mich klingt das, was Du schilderst, stark nach einem Fall eines Menschen, der vor allem eines will: Aufmerksamkeit.

einige unserer Freunde haben ihn
schon quasi fallen gelassen.

Ich kann mir vorstellen, dass sie dafür gute Gründe gehabt haben.

Ich möchte das eigentlich nicht,

Das ehrt Dich. Und trotzdem heißt „Ich möchte das eigentlich nicht“ meistens soviel wie „Ich möchte das“.

aber mit seinem Verhalten raubt er mir meine Kraft, die ich
auch für mich selbst brauche. Er stösst mich weg, wenn ich ihm
helfen will, hat aber kein Ohr für mich, er beansprucht mich
total, wenn ich auch noch ein bißchen was für andere und mich
selbst brauche… Ich kann mich doch unmöglich für ihn total
aufreiben, das kann er doch nicht erwarten?

Doch, manche Menschen erwarten das sehr wohl. Sobald man ihnen den kleinen Finger gibt, verlangen sie die ganze Hand. Ist man einmal nicht für sie da, wittern sie soglöeich Hochverrat. Von Stefan Stoppok, dessen Songtexte ich sehr mag, gibt’s da ein schönes Stück Musik, in dem es u.a. heißt: „Du brauchst keinen Mann, du brauchst Personal“ - immer wenn ich das höre, fallen mir gewisse Leute ein, die mich wahrscheinlich heute noch dafür verfluchen, dass ich für sie und ihre grenzenlos misslichen Lagen („Ach, das versetht ja eh keiner - wie könnte das auch einer verstehen, dem es nicht selbst einmal so gar erschröcklich elendig gegangen ist wie mir usw. usf.“) irgendwann kein Verständnis, keine Zeit und auch kein Geld mehr hatte: Ressourcen haben’s meist an sich, dass sie nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen, und Altruismus finde ich ohnehin meist sehr viel verdächtiger als einen gesunden Egoismus.

Also, ich kann so nicht weitermachen… Wisst ihr vielleicht
rat?

Mein Fazit: „Freunde in der Not, geh’n zwölfe auf ein Lot“ - Kannst Du Dir die Frage danach, ob der Mensch, um den Du Dir da Sorgen machst, wohl auch für Dich da wäre, wenn es Dir schlecht ginge, mit „Ja“ beantworten? Falls dem nicht so ist, handelt es sich wahrscheinlich eher um einen „Schönwetter-Bekannten“ als um einen wirklichen Freund. Mein Rat lautet: Erkläre Deiner Bekantschaft in wohlgesetzten Worten, dass Du ein eigenes Leben führst, zu dem im übrigen auch eigene Probleme gehören, deren Lösung Du schließlich auch nicht an ihn zu delegieren versuchst. Weise Deine Internetbekanntschaft ferner darauf hin, dass soziales Sendungsbewusstsein nicht gleichbedeutend mit dem unbändigen Wunsch danach ist, sich ein Schild an den Kopf zu kleben, auf dem „Ich bin gutmütig - bitte nutzt mich nach besten Kräften aus!“ steht.

Mit besten Grüßen,
Frank_S, der offensichtlich nicht für jeden die Hilfsbereitschaft in Person sein möchte

„Wem der große Wurf gelungen,
Eines Freundes Freund zu sein,
Wer ein holdes Weib errungen,
Mische seinen Jubel ein!
Ja, wer auch nur eine Seele
Sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer’s nie gekonnt, der stehle
Weinend sich aus diesem Bund!“
(aus „An die Freude“ von Friedrich Schiller)

Ein wenig Respekt wäre angebracht!
Hallo Frank!

Jetzt habe ich dir auch noch aus Versehen einen Stern gegeben! Dabei hat mich deine sarkastische „Ich-kenne-diese-Welt“-Rede wirklich fassungslos gemacht - und natürlich auch die vorherigen 3 Sterne dafür!

Bei dem beschriebenen Freund handelt es sich wahrscheinlich um jemanden, der unter Depressionen leidet, und der mit sich und seiner Welt nicht klar kommt.

Hattest du auch schon mal Depressionen? Oder fühlst du dich schon zu alt und erfahren dafür?

Ich kann aus Erfahrung sprechen, dass das ein Zustand ist, der sich nicht durch ein paar an sich selbst gerichtete Worte wie „ich reiße mich jetzt zusammen“ und „jetzt denke ich mal positiv“ verändert.

Natürlich sind Menschen des direkten Umfeldes am meisten von den Auswirkungen der Depression betroffen. Und diese sind häufig absolut überfordert - sowie die Schreiberin.

Und natürlich kann er nur durch seinen eigenen Willen und professionelle Hilfe wieder gesund werden.

Das alles muss von ihm selbst kommen. Da kann niemand ihm wirklich helfen. Man kann diesen Menschen ein offenes Ohr anbieten, aber irgendwann muss man natürlich auch an sich selbst denken.

Ich bitte hier nur um ein wenig Respekt gegenüber Betroffenen, denn die haben es nicht verdient, dass man ihre Symptome lapidar und ironisch abtut!

Gruß,

Danielle

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Hallo Frank!

Hallo, Danielle,

Bei dem beschriebenen Freund handelt es sich wahrscheinlich um
jemanden, der unter Depressionen leidet, und der mit sich und
seiner Welt nicht klar kommt.

Ich denke das kann, muss aber nicht sein.

Hattest du auch schon mal Depressionen? Oder fühlst du dich
schon zu alt und erfahren dafür?

Nein, da muss ich passen - zumindest hat man bei mir bislang keine Depression diagnostiziert. Gefühle tiefer Hoffnungslosigkeit, Desinteresse an meiner Umwelt, Apathie und andere Anzeichen einer (durchaus über einen fortgesetzten Zeitraum anhaltenden) Gemütsverstimmung sind jedoch auch mir nicht fremd.

„mit seinem Verhalten raubt er mir meine Kraft, die ich auch für mich selbst brauche. Er stösst mich weg, wenn ich ihm helfen will,“

Ich weiß zwar nicht, ob der Mensch, um den es hier geht, an einer Depression erkankt ist. Aber gesetzt den Fall, dem wäre wirklich so, gibt ihm das, finde ich, noch lange nicht das Recht zu oben beschriebenem Verhalten. Noch einmal: Mich erinnern die Schilderungen nun einmal sehr an das Verhalten gewisser Menschen, die ich persönlich kennen gelernt habe und die dann und wann gern auch mit dem Begriff der „Depression“ kokettiert haben, wenn’s ihnen als ooportunes Mittel erschien, ihre Ziele durchzusetzen - und das oft sehr skrupellos.

Ich bitte hier nur um ein wenig Respekt gegenüber Betroffenen,
denn die haben es nicht verdient, dass man ihre Symptome
lapidar und ironisch abtut!

Nein, natürlich haben sie das nicht verdient - und möglicherweise iege ich ja auch mit meiner Einschätzung wirklich völlig falsch.

" (…) hat aber kein Ohr für mich, er beansprucht mich total, wenn ich auch noch ein bißchen was für andere und mich selbst brauche…"

Vor solchem Verhalten allerdings habe ich keinen Respekt.

Mit besten Grüßen,
Frank_S

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Hallo nochmal!

Nehmen wir einmal an, dass das Hauptproblem wirklich Depressionen sind:

Ich kenne niemanden, der mit einer Depression kokettiert! Eigentlich weiß man als gesunder Mensch, dass man viele Freunde verlieren kann, wenn man ständig schlecht gelaunt u./o. traurig ist.

Ich sprech jetzt nur mal von mir: Wenn ich depressiv bin, dann kann ich nichts anderes, als schlechte Laune verbreiten und das auch an anderen auszulassen, um mich abzureagieren oder Hilfe zu bekommen. Denn sonst bekommt ja niemand mit, wie es mir geht. Es gibt sehr viele Depressive, von denen das Umfeld nicht weiß, dass sie depressiv sind.

Folglich wäre eigentlich der erste Schritt in die richtige Richtung, sich in irgend einer Form mitzuteilen, dass es einem schlecht geht. Vielleicht ist das die Intention des „Freundes“, wenn es auch für seine Freunde nicht angenehm ist.

Wobei wir bei einer anderen wichtige Sache wären; wenn man selbst bist oben hin voll ist mit Sorgen und Nöten, ist es dann nicht verständlich, dass man sich nicht auch noch die Sorgen und Nöte anderer anhören will oder kann?!

Du gehst die gesamte Zeit von einem Menschen aus, der mal verstimmt ist, und nicht von einem Menschen, der KRANK ist. Depression ist eine Krankheit, wenn auch viele sich immer noch rechtfertigen müssen, -
wie es dieses Beispiel zeigt.

Danielle

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Die Frage ist eine andere…
Hi,

Nehmen wir einmal an, dass das Hauptproblem wirklich
Depressionen sind:

Das ist ja zunächst mal lediglich eine Annahme. Ferndiagnosen um drei Ecken sind ja immer irgendwie sinnlos. Obwohl Dein Hinweis auf eine mögliche Depression sicher gut ist, weil er eine Erklärung liefern könnte, würde ich persönlich das nicht als Arbeitshypothese anwenden… Wie dem auch sei - eigentlich ist das egal.

Du gehst die gesamte Zeit von einem Menschen aus, der mal
verstimmt ist, und nicht von einem Menschen, der KRANK ist.
Depression ist eine Krankheit, wenn auch viele sich immer noch
rechtfertigen müssen, -
wie es dieses Beispiel zeigt.

Die Frage ist imho eine ganz andere - immerhin sprechen wir hier von und mit jemandem, der die Auswirkungen dieses (möglicherweise depressiven) Verhaltens zu spüren bekommt und nicht mit dem Betroffenen.

Und wenn sie sich ausgesaugt und belastet fühlt, wenn sie das Gefühl hat, dieser Freund lebt keine Freundschaft (geben und nehmen) sondern tut ihr nicht gut, dann ist es ihr gutes Recht, sich zurückzuziehen und das wäre auch mein Ratschlag. Ein Freund zu sein bedeutet nicht, daß man sich dafür hergeben muß, sich von dem Gegenüber kaputtmachen lassen muß.

Dieser Satz hier

„Ich möchte das eigentlich nicht, aber mit seinem Verhalten raubt er mir meine Kraft, die ich auch für mich selbst brauche. Er stösst mich weg, wenn ich ihm helfen will, hat aber kein Ohr für mich, er beansprucht mich total, wenn ich auch noch ein bißchen was für andere und mich selbst brauche… Ich kann mich doch unmöglich für ihn total aufreiben, das kann er doch nicht erwarten?“

drückt das sehr schön aus.Und da muß ich mich Frank anschliessen: Vor solch einem Verhalten hab ich auch keinen Respekt. Denn dieses Verhalten ist respektlos seiner Freundin gegenüber. Und eines verlange ich von einem Freund immer, egal, wie krank er ist: Daß ich ihn und sein Verhalten hinterfragen und kritisieren darf - in voller Freundschaft und ohne ihm Böses zu wollen. Wer das nicht zulässt oder ignoriert, ist kein Freund.

Dasselbe gilt natürlich auch umgekehrt.

Gruß,

Malte

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FrankS/Danielle
Hi!

Also mir gefällt, was Frank geschrieben hat und mir gefällt auch Danielles Standpunkt. Bei Eurer Diskussion wird für mich eines ganz deutlich und das möchte ich mal herausstellen:
Der schmale Grat zwischen Hilfe anbieten und Selbstschutz.

Lassen wir doch mal außer Acht, ob es sich um eine Depression, oder die umgangssprachliche „Macke“ handelt. Die Frage, die sich der Helfer stellen sollte ist: Wie weit belastet mich meine Hilfe selbst. Wenn es dann am Ende zwei „Macken“ gibt, ist keinem geholfen. Die zweite Frage wäre: Warum habe ich das Bedürfnis zu helfen?

Mein Eindruck bei sehr vielen Artikeln hier im Brett ist einfach, dass Menschen Lösungen für Andere suchen: Ich kenne da jemanden…, mein Arbeitskollege, eine Freundin von mir… seltener schreibt ein Betroffener selbst.

Manchmal frage ich mich, ob wir hier auf dieser Welt leben, um andere so „hinzukriegen“ damit sie unseren Vorstellungen entsprechen. Mit anderen Worten: Lasst die Menschen doch wie sie sind- entweder ich komme mit ihnen klar, oder nicht. Niemand zwingt mich dazu auf andere aufzupassen.

Es ist immer noch das selbe alte Spiel: Ich werde niemanden ändern können, ich kann immer nur mein eigenes Verhalten ändern und hoffen, dadurch eine andere Reaktion hervorzurufen (auch wenn es Euch zum Hals rauskommt, es muss anscheinend immer mal wieder gesagt werden)

Macht es Euch doch nicht so schwer!
Frank

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Du hast vollkommen Recht!
Hallo Frank H.!

Ich habe wirklich Respekt davor, wie prägnant du die Dinge auf den Punkt bringst! Dafür ein weiteres Sternchen!

Dem ist auch nichts Weiteres hinzuzufügen!

Danielle

Hi,
es hoert sich auch fuer mich sehr so an, als
haette dieser Freund von Dir starke Depressionen.
Deshalb geht es ihm so dreckig, deshalb will er
oft nicht (‚ich bin so traurig‘), deshalb klammert
er sich an dich, deshalb kann er Kritik nicht
vertragen (weil er, wenn depressiv, keinerlei
Selbstvertrauen/ Selbstwert mehr hat, und ihm
alles, was ihn an ihm stoert, wahrscheinlich eh
schon den ganzen Tag im Kopf rumgeht. Mit mehr
Kritik, die ja eigentlich eine Bestaetigung seiner
eigenen Zweifel sind, kann er da schon gar nicht
umgehen. Er WILL ja nicht so sein).

Man kann diese Sachen nicht separat sehen, so nach
dem Motto, ich kann ja verstehen, dass Du depressiv
bist, und ich werde Dir deswegen auch nicht die
Freundschaft kuendigen - aber wenn Du mit dem
Klammern nicht aufhoerst, dann gibt’s Konsequenzen.

Geht nicht. Weil das erste mit dem zweiten zusammenhaengt.
Es gibt wenig Schlimmeres, als seinen gesamten Freundeskreis
zu verlieren - angenommen, er hat wirklich Depressionen: Er
ist krank, er braucht Hilfe, er braucht Hilfe, er braucht
seine Freunde noch viel mehr als sonst.
Was er wegen seines Verhaltens kriegt, ist genau das
Gegenteil!

Womit er sich noch weiter in seine Depression hineinsteigert.
Er muss es auch nicht unbedingt als Depression empfinden -

  • er kann denken, so bin ich halt, ich bin halt eher
    emotional als rational angelegt.

Wenn er aber was gegen Depression nehmen wuerde, wuerde er
sicherlich den Unterschied merken. Und sein Leben wuerde
sich normalisieren. Und er wuerde nicht mehr so klammern
(ohne bewusst zu sagen, oh, das darf ich aber jetzt nicht
machen. Momentan braucht er ne Kruecke - die wird er dann
nicht mehr brauchen).

Zugegebenermassen gibt’s noch ein Haufen anderer Stoerungen,
die sich wie, oder aehnlich wie, Depression verhalten. Oder
die die Depression verursachen. Ich bin keine Fachfrau.
Aber es ist einen Versuch mehr als wert - es muss bei ihm
nur ein extremer Grund zum Handeln bestehen. Wenn Du ihm
einfach nur sagst, er soll doch mal zum Arzt gehen, und
sich was gegen Depression verschreiben lassen, ist das
wohl nicht Grund genug zum Handeln.

Gruss, isabel

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Hallo Frank,

auch von mir hast Du einen Stern bekommen.

Als ich den Beitrag von kleiner-stern gelesen hab, dachte ich direkt: Das kenne ich doch! Denn genauso jemand kannte ich auch mal. Aus einer netten Bekanntschaft hat sich ein derartiger Sog entwickelt, daß mich das völlig aufzufressen drohte. Zuerst war ich angenehm überrascht von der Sensibilität der jungen Frau. Mit ihr konnte man Gespräche führen, die über die neuesten Lippenstiftfarben hinaus gingen. Sie hatte eine Trennung hinter sich, genauso wie ich, und natürlich konnten wir uns darüber austauschen. Daß es einem da mal mies geht, ist logisch, also dachte ich mir da noch nicht viel wegen ihrer trüben Stimmung.

Sie warf kurz vor dem Diplom ihr Studium hin und begann eine Ausbildung in einer anderen Stadt. Wir haben viel telefoniert, per ICQ gechattet.

Irgendwann begann aber dann ihre völlige Kanalisation auf mich. Sie erwartete, daß ich ihr jeden Abend zur Verfügung stünde. Sie rief mich ständig an; wenn ich ICQ hochfuhr (z. B. um Nachrichten anderer Freunde abzurufen), erwarteten mich Messages von ihr. Es ginge ihr so schlecht, sie fühle sich so allein usw. Sagte ich ihr, daß ich müde sei oder gar, daß ich meine Ruhe wolle/brauche, bekam ich zu hören: „Kann ich verstehen, ich bin ja auch keine gute Gesellschaft, mit mir will ja auch keiner was zu tun haben.“ Hatte ich mit anderen was vor, kam: „Kann ich verstehen, natürlich sollst du dich auch mit anderen treffen, die besser drauf sind als ich.“ Das hört sich alles jetzt vielleicht platt an, aber sie machte das sehr subtil. Sie setzte mich nie direkt unter Druck, sondern lullte mich ein, daß ich ein schlechtes Gewissen hatte.

Ich merkte dann auch, daß ihr Exfreund ihr nicht als Person fehlte, sondern er war ziemlich unselbständig und hatte echte Probleme. Er fand aber eine andere und zog ebenfalls weg. Nun hatte sie niemanden mehr, dem es offenkundig dreckiger ging als ihr, an dessen Leid sie sich hätte aufrichten können.

Was habe ich nicht versucht, ihr an Hilfe anzubieten! Ich hörte ihr zu, ich habe ihr Tips gegeben. Als ich mich überfordert fühlte, wirkte ich auf sie ein, sie solle sich professionellen Beistand suchen. ABER: Alles, was ihr hätte helfen können, lehnte sie ab. Denn es war bequemer, jemanden an sich zu ketten, als sich auf sich selbst zu stellen.

Mit meinen restlichen Freunden gab es immer mehr Konflikte, weil es schwer wurde, spontan über meine Freizeit zu verfügen. War ich auf der Piste, mußte ich oft an „X“ denken und hatte ein schlechtes Gewissen, weil sie alleine daheim saß und litt. Andererseits bekamen wir öfters auch Streit. Ein Beispiel, das zeigt, wie daneben das alles war: Es sollte zu einem bestimmten Termin eine CD erscheinen, auf die wir beide warteten. An dem besagten Tag war ich zufällig einkaufen und holte sie mir dann auch. Abends rief sie mal wieder an, und ich erzählte irgendwann, daß ich die CD habe. Sie wurde stocksauer und warf mir vor, ich würde ihr das nur unter die Nase reiben, weil ich wisse, daß sie an dem Tag noch keine Zeit haben konnte, sich die CD ebenfalls zu kaufen. Bizarr, oder? Natürlich habe ich ihr gesagt, das sei völlig daneben, das Telefonat endete unschön. Hinterher entschuldigte sie sich wie immer und lud sich haufenweise Asche aufs Haupt. Sie habe schon immer alle, an denen ihr was lag, vor den Kopf gestoßen, es sei kein Wunder, daß sie niemanden habe und und und.

Ich könnte noch ewig weiter erzählen. Lang die Rede, kurz der Sinn: Sie saugte mich regelrecht aus. Ich hielt still, genau aus dem Grund, den andere aufgrund Deines Beitrags anführten. Ich hatte Angst, sie im Stich zu lassen, da sie nichts für ihre Probleme könne - und wer will schon so herzlos sein? Wissen wir nicht alle, daß Depressionen eine Krankheit sind? Wollen wir schuld sein, wenn sie sich was antut?

Ein guter Freund, bei dem ich mich dann ausgeheult hab, hat mir den Kopf gewaschen, so ähnlich wie Du, Frank. Ich habe den Kontakt abgebrochen, was sicher nicht einfach war. Wäre es so weitergegangen, wäre ich über kurz oder lang krank geworden.

Nach allem glaube ich, daß sie nicht krank war in dem Sinne, wie einige das hier meinen. Sie gefiel sich in ihrer Rolle als „armes Schwein“ und hatte überhaupt kein Interesse daran, irgendwas daran zu ändern. Gut ging es ihr nur, wenn es jemand anderem schlechter ging als ihr. Ich vergleiche das mit einer anderen Bekannten, die stundenlang ihre Reizdarm-Symptome in allen Details schilderte, aber nie damit zum Arzt ging oder auf Tips wie Apfelessig-Kuren hören wollte, denn dann hätte sie damit keine Aufmerksamkeit mehr erzielen können. Darüber kann man schmunzeln, „X“ war viel schlimmer.

Ich hoffe, ich habe Euch nicht allzu sehr mit diesem Bericht gelangweilt, aber ich wollte damit schildern, daß Frank meines Erachtens absolut recht hat: Es gibt Leute, die wollen sich nicht helfen lassen. Mit welchem Recht dürfen die aber andere mit in ihren Sog reinziehen?

Liebe Grüße
mowei

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Hallo Frank,

Hallo, mowei,

Ich könnte noch ewig weiter erzählen. Lang die Rede, kurz der
Sinn: Sie saugte mich regelrecht aus.

auch ich könnte das, was mich zu meinem ursprünglichen Posting bewogen hat, gewiss noch weiter ausführen - aber ob meine Rede deswegen weniger gallig ausfallen würde …? Das Bild, das Du oben gewählt hast, gefällt mir übrigens gut - wann immer ich an die von mir erwähnten Zeitgenossen denke, fällt mir, ganz unwillkürlich, auch meist früher oder später das Bild des Vampirs ein.

Ich hielt still, genau
aus dem Grund, den andere aufgrund Deines Beitrags anführten.
Ich hatte Angst, sie im Stich zu lassen, da sie nichts für
ihre Probleme könne - und wer will schon so herzlos sein?
Wissen wir nicht alle, daß Depressionen eine Krankheit sind?
Wollen wir schuld sein, wenn sie sich was antut?

Und wenn sie sich etwas antut - sind wir dann schuld? Müssen wir uns schuldig fühlen? M.a.W.: Inwieweit sind wir ‚unseres Bruders (oder unserer Schwester) Hüter‘, wieviel Verantwortlichkeit für das Wohlergehen eines anderen Menschen sind wir zu akzeptieren bereit (etwas flapsig ausgedrückt: welche Schuhe müssemer uns anziehen … )?

Ein guter Freund, bei dem ich mich dann ausgeheult hab, hat
mir den Kopf gewaschen, so ähnlich wie Du, Frank.

So ist das mit den guten Freunden: manchmal braucht man sie gerade dafür, dass sie einem gehörig den Kopf zurechtrücken - gerade dann, wenn’s wehtut. Oder wenn man selbst sich nicht einzugestehen vermag, dass man gegen die eigene Überzeugung handelt bzw. schlicht etwas tut, das einem selbst schadet - und ggf. einem anderen zwar gefälig ist, aber auch nicht wrklich nutzt.

Ich habe den
Kontakt abgebrochen, was sicher nicht einfach war.

Ich habe mir das auch nicht leicht gemacht, und schließlich gehört zu einer von mindestens einem der Beteiligten dauerhaft als Belastung empfundenen Beziehung ja stets auch ein Menschen, der sich belasten lässt. Womit ich nicht sagen möchte, dass die Person, an die ich denke, nicht auch ein sehr gutes Gespür für meine kommunikativen Bedürfnisse (ich scheue in diesem Fall ein bisschen vor dem Begriff ‚Empathie‘ zurück) gehabt hat: Es gab sie natürlich, die guten Zeiten und den durchaus anregenden Austausch von Gedanken - gerade das ist es natürlich, was den Rückzug schwer macht.

Wäre es so
weitergegangen, wäre ich über kurz oder lang krank geworden.

Holla, jetzt gerate ich übrigens gerade richtig ins Grübeln (und mir fällt ein Satz wie ‚Moment - das würde vieleicht einiges erklären ein.‘ Aber das gehört sicherlich nur bedingt hierher).

Nach allem glaube ich, daß sie nicht krank war in dem Sinne,
wie einige das hier meinen. Sie gefiel sich in ihrer Rolle als
„armes Schwein“ und hatte überhaupt kein Interesse daran,
irgendwas daran zu ändern.

Die Grenzen zwischen krankhaftem Verhalten (und möglicherweise tatsächlich verminderter Schuldfähigkeit) und schlichter Unverfrorenheit mögen ja durchaus fließend sein - festzustellen, wo sie verlaufen, überlasse ich im Einzelfall aber gern Menschen, die sich beruflich mit solchen Fragen beschäftigen.

Gut ging es ihr nur, wenn es jemand
anderem schlechter ging als ihr.

Wie sich die (Krankheits?)-Bilder gleichen: Zeitweise hatte ich den Eindruck, meine Bekannte lauere nur darauf, das Schicksal möge mir eine Schlappe verpassen - auf dass sie sich profilieren möge als die Freundin mit dem offenen Ohr für mich, die mir mit Rat (wenn auch nicht wirklich mit Tat) allzeit Gewehr bei Fuß stehe. Wohlgemerkt: Da klingelte dann auch schon mal das Telefon, auch wenn ich mir ausdrücklich ‚Klausur-Ruhe‘ ausgebeten hatte. Wenn ich meinen Eindruck in ein Bild fassen sollte: da war eine Paparazza auf der Suche nach starken Bildern für einen Bericht zum Thema ‚seelischer Elendstourismus‘ (Diskretion war nicht unbedingt eine Stärke der Dame).

Ich vergleiche das mit einer
anderen Bekannten, die stundenlang ihre Reizdarm-Symptome in
allen Details schilderte, aber nie damit zum Arzt ging oder
auf Tips wie Apfelessig-Kuren hören wollte, denn dann hätte
sie damit keine Aufmerksamkeit mehr erzielen können. Darüber
kann man schmunzeln, „X“ war viel schlimmer.

Meine „X“ ebenfalls. Und deshalb ich bin froh, dass ich meine Akte „X“ beizeiten geschlossen habe.

Ich hoffe, ich habe Euch nicht allzu sehr mit diesem Bericht
gelangweilt,

Mich nicht; ich finde die Parallelen, die ich da entdecken zu können glaube, jedenfalls recht interessant.

Mit besten Grüßen,
Frank_S

Danke!!!
Dafür gibts das erste Sternchen von mir nach einer langen, langen Lesepause!!! Mein Ex hat Depris, ich jetzt auch, und ich schließe mich Dir einfach nur an. Das wünsche ich keinem Menschen - weder selbst welche zu haben noch als Angehöriger darunter zu leiden.

Grüße
Natascha

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Hi,

Bei Eurer Diskussion wird für mich
eines ganz deutlich und das möchte ich mal herausstellen:
Der schmale Grat zwischen Hilfe anbieten und Selbstschutz.

der ist wirklich verdammt schmal, zu sehr manchmal.

Lassen wir doch mal außer Acht, ob es sich um eine Depression,
oder die umgangssprachliche „Macke“ handelt.

und selbst wenn es eine macke ist, die kommt ja auch nicht einfach so aus der luft angeflogen - meine meinung, sorry, sehe heute alles bissel schwarz.

Grüße
Natascha

Hi,

ich finds gut, dass du dich nicht von deinem freund abwendest. andererseits kann ich aus erfahrung sagen, dass genau das manchmal den letzten „tritt“ gibt und der depressive mensch sich doch endlich hilfe sucht. du schreibst, dass er schon bei einem therapeuten war - wenn der ihm die „falschen“ fragen gestellt hat, ist es verständlich, dass dein freund nicht mehr dorthin geht. er ist wahrscheinlich mit der hoffnung in die thera gegangen, dass er dort ein paar gespräche führt und es ihm danach wieder wunderbar und supergut geht. ist halt leider nicht möglich.

weiter unten hat jemand von medikamentöser behandlung gesprochen, das wäre zumindest für eine zeitlang eine lösung. antidepressiva sind dazu da, dieses durch und durch negative gefühl, die traurigkeit und evtl. bestehende phobien abzuschwächen. wenn die ad’s wirken, sind viele depressive eher dazu bereit, sich in eine thera zu begeben. hat dein freund das mal in erwägung gezogen?

ansonsten kann ich nur noch sagen, dass du ganz viel geduld mitbringen musst, wenn du dich weiterhin um ihn „kümmern“ willst. aber du kannst ihm auch sagen, wenn dir was gegen den strich geht - zum beispiel dieses extreme klammern. musst ihm das ja nicht fies an den kopf knallen, aber wenn es dich sosehr belastet, dann steck nicht wegen rücksichtnahme auf ihn zurück, damit machst du dich selbst kaputt. habe ich selbst über ein jahr lang gemacht, heute hab ich selbst depressionen. kann mich also irgendwie in beide seiten reindenken, wenn auch die „betroffene“ seite gerade bissel überwiegt.

und sprich mal mit euren gemeinsamen freunden. vielleicht haben sie ja ähnliche gedanken wie du? dann könnt ihr euch wenigstens untereinander austauschen. und schau mal hier ins forum, da können wir uns gerne noch weiterunterhalten, fühle mich da irgendwie wohler, da kommt eher verständnis auf als hier… www.kompetenznetz-depression.de

da findest du einige andere, die ähnliche sorgen haben wie du im moment.

vielleicht bis später im forum
natascha

hi malte,

Dieser Satz hier

„Ich möchte das eigentlich nicht, aber mit seinem Verhalten
raubt er mir meine Kraft, die ich auch für mich selbst
brauche. Er stösst mich weg, wenn ich ihm helfen will, hat
aber kein Ohr für mich, er beansprucht mich total, wenn ich
auch noch ein bißchen was für andere und mich selbst brauche…
Ich kann mich doch unmöglich für ihn total aufreiben, das kann
er doch nicht erwarten?“

drückt das sehr schön aus.Und da muß ich mich Frank
anschliessen: Vor solch einem Verhalten hab ich auch keinen
Respekt. Denn dieses Verhalten ist respektlos seiner Freundin
gegenüber. Und eines verlange ich von einem Freund immer,
egal, wie krank er ist: Daß ich ihn und sein Verhalten
hinterfragen und kritisieren darf - in voller Freundschaft und
ohne ihm Böses zu wollen. Wer das nicht zulässt oder
ignoriert, ist kein Freund.

wer sagt, dass er das ignoriert? und wenn es ihm nicht auffällt? manche ziehen sich extrem zurück, andere überfordern ihr umfeld mit anrufen, mails, keine ahnung was allem. und ich hab im ursprungsposting nicht gelesen, dass besagtem freund schon gesagt wurde, wie sich sein verhalten auswirkt. deswegen wäre ich ein bissel vorsichtiger mit der aussage, dass ein freund sich nicht so verhält. habs ja schon mal versucht, dir zu erklären :wink: und ich weiß auch, dass das nicht funktioniert, wenn man selbst keine depris gehabt hat. ich bin der meinung, es sollte erst einmal ernst genommen werden, egal was dahinter steckt. und für mich ist es ein zeichen, dass es ihm echt schlecht geht, dass er sich nen therapeuten gesucht hat. basti hat auch schon diverse theras abgebrochen, das heißt also gar nichts.

grüße
natascha

Dasselbe gilt natürlich auch umgekehrt.

Gruß,

Malte

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Hi,

eines verlange ich von einem Freund immer,
egal, wie krank er ist: Daß ich ihn und sein Verhalten
hinterfragen und kritisieren darf - in voller Freundschaft und
ohne ihm Böses zu wollen. Wer das nicht zulässt oder
ignoriert, ist kein Freund.

wer sagt, dass er das ignoriert? und wenn es ihm nicht
auffällt? manche ziehen sich extrem zurück, andere überfordern
ihr umfeld mit anrufen, mails, keine ahnung was allem. und ich
hab im ursprungsposting nicht gelesen, dass besagtem freund
schon gesagt wurde, wie sich sein verhalten auswirkt. deswegen
wäre ich ein bissel vorsichtiger mit der aussage, dass ein
freund sich nicht so verhält.

Ich hab ihm nicht direkt unterstellt, daß er das tut. ICh hab nur gesagt „Wer das tut, ist kein Freund (imho)“, nicht „ER ist kein Freund“. Aber Du hast schon Recht, es geht so in die Richtung. ICh nehme an, daß es sich so verhält, weil ich dies hier

„Er stösst mich weg, wenn ich ihm helfen will, hat aber kein Ohr für mich.“

entsprechend interpretiere. Wenn sich das jedoch anders verhält, wird die Fragestellerin das schon richtig zu nehmen wissen.

und für mich ist es ein zeichen, dass es
ihm echt schlecht geht, dass er sich nen therapeuten gesucht
hat. basti hat auch schon diverse theras abgebrochen, das
heißt also gar nichts.

Das Ding ist nicht, daß ich das nicht ernstnehme. Das tu ich durchaus. Aber ich denke, daß das bei Überschreiten einer gewissen Grenze egal ist. Diese Grenze muss jeder selbst setzen, ich setze sie an dem Punkt, abe dem mich solch ein Verhalten nachhaltig kaputt macht und Änderung nicht in Sicht ist.

Grüße,

Malte.

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Eben!
Hallo Frank - und natürlich auch hallo an alle,

ich hätte noch viel gestern schreiben können, aber mein Beitrag war schon so lang, daß ich es dabei belassen wollte. Es kam alles wieder in mir hoch, und im nachhinein war die Zeit eine der furchtbareren in meinem Leben.

Drei Punkte, die ich heute noch anbringen möchte:

  • Es wird niemand, der sich in einem seriösen Forum wie w-w-w ernsthaft einbringt, bestreiten, daß Depressionen nichts sind, was man wie früher als Hysterie oder Macke abtun darf. Ich frage mich allerdings - wohlgemerkt als Laie -, ob man nicht manchmal jemandem „auffliegt“, der dieses Wissen und unser Streben nach „social correctness“ mehr oder weniger bewußt für eigene Zwecke ausnutzt. Wäre das nicht unfair gegenüber „echten Depressiven“, die nachher wieder doch in die hysterische Ecke gestellt werden? Es ist schwer, das schriftlich auszudrücken, ich hoffe nicht, daß ich damit zu sehr mißverstanden werde.

Schließlich sind wir Laien schwerlich in der Lage, zu beurteilen, was wirklich Sache ist. Das kann nur ein ausgebildeter Psychotherapeut! „Uns“ die ganze Verantwortung zuzuweisen, finde ich gefährlich. Sollen wir erst unser Scherflein in ausreichendem Maße beigetragen haben, wenn wir selbst behandlungsbedürftig sind?

  • Ich bewundere alle, die wie z. B. Natascha die Kraft versuchen aufzubringen, auf Kosten der eigenen physischen und psychischen Gesundheit den Betroffenen Hilfe zu leisten. Aber diejenigen, die nur die Postings kennen und noch nicht selbst in der Situation des „Co-Depressiven“ waren, haben IMHO nicht das Recht, denjenigen, die den Kontakt zu Personen abgebrochen haben, wie sie beschrieben wurden, Vorwürfe zu machen. Wer selbst in diesen Schuhen gesteckt hat, kann mitreden!

Bitte vergeßt nicht: Weil wir auch diese Sensibilität hatten, uns damit auseinandersetzen zu wollen, konnten wir erst in die Rolle des Ausgesaugten kommen. Jemand, dem die Befindlichkeiten seines Nächsten egal sind, hätte sich lange vor uns verkrümelt.

  • Ist das vielleicht auch nicht vergleichbar mit Alkoholikern, denen man oftmals nicht hilft, sondern nur noch mehr schadet, wenn man sie immer nur auffängt, sie schützt und deckt, weil ihnen sonst der Auslöser fehlt, ihre Sucht zu bekämpfen? Deshalb hatte ich oben bewußt den Begriff „Co-Depressiver“ in Anlehnung daran gewählt. Auch solche Angehörigen werden gerne als herzlos abgestempelt, wenn sie den Alkoholkranken irgendwann so abrutschen lassen, bis sie quasi in der Gosse landen, obwohl das letztendlich der einzige Weg war, dem Kranken wirklich zu helfen.

Gruß
mowei

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Depression oder nicht Depression
Liebe Diskussionsteilnehmer!

Ein grundsätzlicher Hinweis zu Depressiven (lasse mich auch gerne eines besseren belehren, wenn dies jemand anders sieht):

Stichwort: Depressive spannen die Helfer vor den Karren, saugen sie aus…

Dieses Verhalten gehört meiner Meinung nach zu den Histrionischen Störungen, denen das Depressive als „Rolle“ aufgepfropft ist.

Der Klassische Depressive möchte niemandem zur Last fallen und behauptet (mit schmerzlichem Lächeln), dass es ihm eh gut gehe…!
Er zieht sich zum Zusammenbrechen zurück, während der Hysterische Publikum braucht und fordert.

Dies nur als kleiner Hinweis, was aber nicht bedeutet, dass die Hysterische Störung leichter zu bewerten ist, als das Depressive. Der Umgang ist nur ein anderer. Konfrontation und „nicht mitspielen“ bei einem Hysterischen ist nicht als „im Stich lassen“ zu sehen sondern kann durchaus hilfreich sein.

Grüße
Irene

Hallo

ich kann sehr gut nachvollziehen, was du schreibst.
Ich leide/littselbst an Depressionen und Panikattacken und aknn dir daher sagen dass man leider oft, wenn es einem grade schlecht geht, noch zu allem Übel eh schon, dazu neigt im Selbstmitleid zu versinken und am liebsten von allen Seiten umsorgt und bedauert werden möchte. Nur leider hilft das langfristig auch nix.
Aber ich denke vielleicht ist genau das bei deniem Freund auch der Fall.
Ich denke du sollltest mitz ihm reden und ihm sagen, dass er dir am Herzen liegt, aber dass er dir eben deine ganze Kraft raubt, du nicht nur für ihn das ein kannst usw…eben dass was du hier ins Forum geschrieben hast.
Sag Ihm dass er es mit einem anderen Therapeuten versuchen soll, die cjhemie zwischen Patient und Therapeut muss schon stimmen. Allerdings ist eine Therapie NIE ein Zuckerschlecken, man muss in der Therapie seine Gefühle (trauer, wut, angst) wieder und wieder quasi „passiv“ durchleben, um sie zu bewältigen - deshalb machen solche Fragen vom Therapeuten manchmal halt traurig.
Sag ihm dass nur er selbst sch helfen kann, indem er sich von einem Therapeuten helfen lässt. ich weiss aus eigener Erfahrung, dass Famile und Freunde da einfach an die Grenzen ihrer Möglichkeiten stoßen.

Ich wünsch dir alles Erdenklich Gute und Viel Erfolg!!!
Liebe Grüße,

Eileen

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