Sorge um Freundin

Liebe LeserInnen,

mich bringt die aktuelle Situation einer Freundin dazu, Euch um Rat zu fragen:

Sie ist Mitte 30, lebt in einer großen Stadt am Rhein und ist nach einem „Missbrauch“ in früher Kindheit krank. Ess- und Verhaltensstörungen, keine Beziehungen, Therapien und Klinikaufenthalte - das ganze Programm. Nun versucht sie seit einiger Zeit, sich in einer ambulanten Trauma-Therapie ihrem „Missbrauchserlebnis“ zu nähern.

Es ist wirklich so, dass sie erst in den vergangenen Jahren anfangen konnte, sich überhaupt mit dem Thema zu beschäftigen und es ist für sie immens schwer. Die Annäherung an dieses Ereignis kostet sie unglaublich Kraft und sie hat riesige Angst, zumal ihr bei dem Übergriff (vielleicht im Rahmen eines grausamen Rituals oder [im weitesten Sinn] einer schwarzen Messe) massiv gedroht und sie real bedroht wurde (Erstickung).

Da wir etliche 100 km voneinander entfernt leben, kriege ich alles „nur“ per Telefon mit. Allerdings gehe ich davon aus, dass ich der einzige bzw. einer von ganz wenigen überhaupt bin, mit denen sie reden kann. Inzwischen ist sie so weit, formulieren zu können, dass ihr menschliche Nähe fehlt: also konkret jemand in ihrer Nähe, der/die zuhört und ggf. einfach da ist oder sie auch Mal in den Arm nimmt.

Wir haben schon oft überlegt, wie sie so einen oder idealer Weise mehrere Menschen kennen lernen könnte, zu denen sie diese Nähe aufbauen kann. Leider kann sie selbst von sich aus in ihrer momentanen Verfassung wenig bewirken, aber vielleicht habt ihr eine Idee, wie sie sich oder man ihr helfen kann.

Danke fürs Lesen und eventuelle Hilfe.

Hallo Tom,

du tust das was schon sehr wichtig für sie ist, du hörst ihr zu und nimmst sie ernst.

Leider kannst du nicht viel mehr tun, es liegt an ihr wie weit sie sich traut Kontakte aufzunehmen und sich zu outen, das erfordert Mut, Vertrauen und den Willen zu heilen, auch wenn es bedeutet nochmal emotional durch die Hölle zu gehen.

Leider kommt man um diese „Hölle“ nicht herum, es gibt kaum andere Wege um sein Leben wieder in den Griff zu bekommen als alles nochmal zu erinnern und emotional zu verarbeiten.

Es gibt im Netz genug Informationen und Foren zum rituellen sexuellen Mißbrauch, ob es nun um Pornoringe, Sekten oder andere Organisationen geht, sie muß den Mut aufbringen überhaupt dahin zu schauen und wird dann feststellen das sie damit nicht alleine ist. Das alleine wird ihr schon sehr helfen.

Das sie eine Traumatherapie angefangen hat ist schon der erste Schritt, es würde ihr helfen andere Betroffene kennen zu lernen und sich auszutauschen, das sehe ich genauso, nur diesen Schritt kannst du ihr nicht abnehmen.
Du kannst nur da sein und zuhören, sie darin bekräftigen das sie nicht allein mit diesen Erfahrungen ist und es Leute gibt die wissen was sie grade durchmacht.

Ich setze einen Link für dich rein als grobe Information was ritueller Mißbrauch bedeutet, solltest du oder sie Fragen haben, dann über Mail.

http://aussteiger.opfernetz.de/sternis%20rituell2.htm

liebe Grüße und viel Kraft für deine Freundin
Schiwa

Da wir etliche 100 km voneinander entfernt leben, kriege ich
alles „nur“ per Telefon mit. Allerdings gehe ich davon aus,
dass ich der einzige bzw. einer von ganz wenigen überhaupt
bin, mit denen sie reden kann. Inzwischen ist sie so weit,
formulieren zu können, dass ihr menschliche Nähe fehlt: also
konkret jemand in ihrer Nähe, der/die zuhört und ggf. einfach
da ist oder sie auch Mal in den Arm nimmt.

Wir haben schon oft überlegt, wie sie so einen oder idealer
Weise mehrere Menschen kennen lernen könnte, zu denen sie
diese Nähe aufbauen kann. Leider kann sie selbst von sich aus
in ihrer momentanen Verfassung wenig bewirken, aber vielleicht
habt ihr eine Idee, wie sie sich oder man ihr helfen kann.

Hallo Tom,
ich denke auch, dass du schon alles tust, was du tun kannst, indem du für sie da bist. Wenn sie zur Therapie geht wird sie langsam stück für stück einen Weg finden, wie sie gute Freunde findet, die ihr die Nähe geben können, die sie braucht.
Das einzige was mir darüber hinaus einfällt, wäre eine Selbsthilfegruppe bzw. eine ambulante Gruppentherapie, in der sich Menschen mit ähnlichen Erfahrungen treffen können. Vielleicht kann sie genau dieses Thema mit ihrer Therapeutin besprechen?
Viele Grüße, Lilian

hallo schiwa,

ich sehe das genauso wie du, hoffe aber, er wird es seinerfreundin nicht genauso mitteilen - sonst würde sie ggfs. einen neuen grund suchen weiterhin aufzuschieben was unumgänglich ist und das wäre schade für sie, denn je mehr zeit verstreicht, desto grösser die lasten die es abzuarbeiten und zu verarbeiten gilt.
als guter freund für jemanden ein ohr offen zu haben und dennoch die nötige innere distanz zu wahren, das halte ich für den besten freundschaftsdienst den man ihr geben kann - denn sie wird genau das brauchen auf dem langen schweren weg - jemand der nicht wegrennt, der nicht überfordert ist und wenn es auch zugibt und nicht so tut als ob.
jemand der da ist und dennoch auf sich selbst achtgibt, damit die eigenen grenzen nicht überschritten werden. -

LG
nina

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