Hallo Michi,
du hast bereits viele, teilweise sehr gegensätzliche, Meinungen gehört.
Ich möchte Stellung nehmen aus Sicht einer Mutter, die in der gleichen Situation war wie du, und aus Sicht der Partnerin eines Wochenendevaters.
Die allererste Frage ist, wie es deinem Sohn dabei geht…er ist sieben, also alt genug zu sagen, ob es ihm mit seinem Vater gefällt…und alt genug, um auch ernst genommen zu werden.
Wenn dein Sohn seinen Vater partout und gerne sehen möchte, kann ich dir nur raten, ihm das nicht zu verwehren.
Ich habe extra, um den Kontakt zu
fördern auf
das 14-tägige Besuchsrecht verzichtet, damit sie sich öfters
sehen
könnten.
Bist du dir auch heute noch sicher, dass das gut war ?
Gut gemeint deinem Sohn gegenüber auf jeden Fall, nur fehlt so jegliche Kontinuität, die gerade für ein Kind im Alter deines Sohnes so verdammt wichtig ist.
Er lernt jetzt, was Zuverlässigkeit bedeutet…auch wenn es weh tut wäre es angebracht, dass er seinen Vater mit allen Verhaltensmustern kennenlernt.
Besuchsrecht alle 2 Wochen zu einem bestimmten Termin…dies könnte bedeuten, dein Sohn wartet und der Vater kommt mal gar nicht, mal sehr verspätet.
Dein Sohn wird sich ein besseres Bild machen können und so werden uns Erwachsenen manchmal Entscheidungen abgenommen.
Nur - wenn man Mann das Kind mal holt - das kommt ca. 1 x pro
Monat
vor,
Reicht deinem Sohn das aus ?
dann schleppt er es abends bis ca. 23.00 Uhr mit in die
Kneipe,
trinkt seine 6-7 Bier und viele Schnäpse (laut Aussage meines
7-Jährigens) und fährt dann noch Auto.
Das darf nicht sein, keine Frage !!
Kann es sein, und ich will dir nicht zu nahe treten, aber es könnte für den weiteren Verlauf sehr wichtig werden, also könnte es sein, dass der Mann ein massives Alkoholproblem hat ?
Nun habe ich auf der einen Seite natürlich Angst um meinen
Sohn, auf
der anderen Seite will ich dass sie sich wenigstens ab und zu
sehen.
ich habe schon überlegt wegen diesem Alkoholproblem
Übernachtungen zu
verbieten. Aber bin ich dazu überhaupt berechtigt?
Ja das bist du…unter diesen Voraussetzungen allemal.
Unter diesen Umständen würde ich eine Übernachtung keinesfalls dulden. Dein Sohn könnte einen Tag von z.B. 10:00-19:00 h mit seinem Vater verbringen…das dann dafür öfter, wenn denn der Vater überhaupt Interesse zeigt.
Meine Freundin meint, ich könne deshalb sogar das alleinige
Sorgerecht beantragen, geht das so einfach? das kann ich mir
nicht
vorstellen.
Ein Sorgerechtsstreit geht selten nur einfach über die Bühne. Da spielen Verletzungen, Kränkungen, Enttäuschung usw eine Rolle, die wir oft unterschätzen.
Hast du scho einmal mit deinem Ex-Mann darüber gesprochen ?
Wie reagiert er ?
An deiner Stelle würde ich auf jeden Fall erstmal einen Termin beim sozialen Dienst des Jugendamtes machen und dort vorsprechen.
Vielleicht erstmal vorsichtig beginnen, damit du für dich siehst, wie sich das dort anfühlt. Einfach erstmal nur Rat einholen.
Es gibt dort Sozialarbeiter, die scheinbar überfordert sind…es gibt aber auch andere. Ich kann nicht sagen, durch die Bank weg schlechte Erfahrungen mit dem Jugendamt gemacht zu haben.
Das Jugendamt ist meistens auf der Seite der Mütter…das finde ich persönlich sehr schade, in deinem Fall allerdings wäre es hilfreich.
Ich möchte dir noch sagen, dass ich es sehr bewundernswert finde, dass du den Umgang zwischen Vater und Sohn eher fördern als verbieten möchtest…Hut ab !!
Ich denke, du bist in der allerbesten Position, wenn du deinem Sohn gegenüber immer betonst, den Kontakt nie unterbinden zu wollen, auf der anderen Seite aber mit deinem Sohn sprichst, ihm deine Sorge mitteilst in der Form, wie es ein siebenjähriger eben versteht.
Wichtig finde ich, dass es regelmäßige Besuchstermine gibt, die der Vater einhalten muß…du mußt euren Alltag ja schließlich auch planen. Und dein Sohn sollte seinen Vater kennenlernen…mit all seinen guten und schlechten Seiten.
Sicher hättest du mit einem Rechtsanwalt gute Chancen, auch wenn es ein unschöner langwieriger Prozeß werden könnte.
Die Frage ist nur, ob es schon der richtige Zeitpunkt ist.
Euch beiden alles Gute,
Vanessa