wie ich vor einigen Tagen zufällig in einer kleinen Nachricht in HR3-Videotext sah, soll im Kommunalwahlprogramm der Frankfurter SPD u. a. stehen, dass man die Fehlbelegungsabgabe bei Sozialwohnungen abschaffen will. Verstehe ich das richtig: Man will diejenigen, die sich eine bessere Wohnung leisten könnten, aber aus irgendeinem Grund trotzdem eine Sozialwohnung haben, noch unterstützen, während jene Menschen, die auf eine Sozialwohnung angewiesen sind, diese nicht erhalten können, weil diese durch Besserverdienende belegt werden?
Achja, „seltsamerweise“ fand ich anschliessend keine weiteren Hinweise zu obiger Nachricht; in einer Lokalzeitung wurden hingegen nur zwei andere Punkte zu diesem Programm hervorgehoben: nämlich dass sich die Frankfurter SPD für die Videoüberwachung öffentlicher Plätze einsetzen will, und dass das Programm erfolgreich verabschiedet worden wäre, da es nur von Seiten der Jusos Kritik gegeben hätte.
die Fehlbelegungsabgabe hat ihren Sinn, wenn ein Mangel an bezahlbaren Wohnungen besteht. Gibt es jedoch Leerstand, können die Nachteile dieser Abgabe schädlich wirken. Damit ekelt man bestimmte Mieter zu Gunsten geringerer Einkommensschichten heraus. Im Ergebnis führt das in der Gegend zum „Dekantieren“ der Bevölkerung. Die Schichten trennen sich, was dem Wohnquartier selten gut tut. Wie die Verhältnisse im von Dir angesprochenen konkreten Fall sind, kann ich allerdings nicht beurteilen.
es gibt da wirklich alle möglichen Variationen, was
Sozialwohnungen angeht.
Ein kleines Beispiel: Einer meiner früheren Geschäftsführer
(damals 2 Milliarden Umsatz, heute 28 Milliarden) wohnt noch
heute in einer Münchener Sozialwohnung (gute Lage), wo er für
120 Quadratmeter lächerliche 800 DM / Monat bezahlt.
Er hat sie vor irre langer Zeit als Student bezogen. Und er hat
nicht vor, sie zu seinen Lebzeiten zu verlassen, obwohl sein
heutiges Einkommen bei 400 TDM p.a. liegen dürfte.
Eine Fehlbelegungsabgabe wurde nie erhoben.
Eine solche Wohnung würde ich mir oder meinen kroatischen oder
türkischen Nachbarn auch wünschen. Aber wir waren halt zu stolz,
jemals das Sozialamt aufzusuchen.
die Fehlbelegungsabgabe hat ihren Sinn, wenn ein Mangel an
bezahlbaren Wohnungen besteht. Gibt es jedoch Leerstand,
können die Nachteile dieser Abgabe schädlich wirken. Damit
ekelt man bestimmte Mieter zu Gunsten geringerer
Einkommensschichten heraus. Im Ergebnis führt das in der
Gegend zum „Dekantieren“ der Bevölkerung. Die Schichten
trennen sich, was dem Wohnquartier selten gut tut. Wie die
Verhältnisse im von Dir angesprochenen konkreten Fall sind,
kann ich allerdings nicht beurteilen.
Salut Wolfgang,
der soziale Wohnungsbau ist ja im Grunde für Wenigverdienende gedacht. Auch wenn es diese Fehlbelegungsabgabe gibt, finde ich es nicht richtig, wenn eine gutverdienende Person auch weiterhin darin lebt. Schliesslich fehlen diese Wohnungen für diejenigen, die sie nötiger haben. Diese Menschen müssten dann eine teurere nehmen und womöglich erheblichen Wohngeldzuschuss beantragen. Ob die Rechnung zwischen Fehlbelegungsabgabe und Wohngeldzuschuss aufgeht, wage ich allerdings zu bezweifeln.
Er hat sie vor irre langer Zeit als Student bezogen. Und er
hat
nicht vor, sie zu seinen Lebzeiten zu verlassen, obwohl sein
heutiges Einkommen bei 400 TDM p.a. liegen dürfte.
Eine Fehlbelegungsabgabe wurde nie erhoben.
Eine solche Wohnung würde ich mir oder meinen kroatischen oder
türkischen Nachbarn auch wünschen. Aber wir waren halt zu
stolz,
jemals das Sozialamt aufzusuchen.
Hallo Otto,
das ist allerdings wirklich sehr unverhältnismässig. Siehst Du, hier würde ich zum Beispiel den Gutverdienenden als „Sozialschmarotzer“ titulieren, weil er genügend Geld besitzt und trotzdem in einer subventionierten Wohnung lebt. (Leider wird aber stets nach unten ausgeteilt.)
Aber soweit ich weiss, wäre eher das Wohnungsamt statt des Sozialamtes zuständig.
die Fehlbelegungsabgabe hat ihren Sinn, wenn ein Mangel an
bezahlbaren Wohnungen besteht. Gibt es jedoch Leerstand,
können die Nachteile dieser Abgabe schädlich wirken. Damit
ekelt man bestimmte Mieter zu Gunsten geringerer
Einkommensschichten heraus. Die Schichten
trennen sich, was dem Wohnquartier selten gut tut.
Ich kann hier Marco nur zustimmen. Vor ca. einem Jahr sind wir aus einer Sozialwohnung in eine eigene Haushälfte ausgezogen. Mit der Fehlbelegungsabgabe zusammen hätten wir etwas mehr gezahlt (1550,- DM warm für 3,5 Zimmer-Wohnung, 86 m²), als für eine vergleichbare freie Wohnung.
Jeder der normal oder etwas besser verdient zieht aus dem Wohnblock aus, mit der Konsequenz, daß er schleichend zu einem Slum wird.
Wir haben bei uns ein Hochhausviertel, welches diesen Zustand schon erreicht hat. Letzendlich kommt das teurer, als in einem Bereich mit Sozialwohnungen auch Normalverdiener zuzulassen.