ich habe ein paar Fragen,die ich mir leider selbst nicht so ganz beantworten kann.
In letzter Zeit habe ich diverse Texte zu internationalen Vergleichsstudien wie PISA gelesen. In diesen wurde teilweise darauf eingegangen wie die soziale Herkunft der Jugendlichen in PISA gemessen wurde. Beispielsweise werden die Berufe der Eltern untersucht, und so das Bildungsniveau und Einkommen ermittelt (ISEI-Indikator).
Auch das EGP-Modell kommt zur Anwendung, wo man anhand einer Elternbefragung die Eltern zu ihren beruflichen Tätigkeiten (Weisungsbefugnisse) befragt und dann die Berufe der Eltern in Klassen unterteilt. Mit Hilfe dieser Klassifizierung wird der sozioökonmoischen Status einer Familie und somit die soziale Herkunft eines Kindes ermittelt. Darüber hinaus wird auch das kulturelle und soziale Kapital der Familien untersucht.
Jetzt stellt sich mir die Frage: ist das ausreichend, um die soziale Herunft eines Kinds zu skizzieren, welche Probleme ergeben sich Ihrer Meinung nach?
Ich bin sehr gespannt auf die Antworten
Hallo,
eine Statistik ist wie eine Zeichnung - sie kann nahezu realistisch sein, wird aber nie die Natur einer Fotographie erreichen und sie kann stilisiert sein, oder skizzenhaft. Genauer wird eine Statistik im Umfang der Erhebung. Wenn man 4000 Menschen befragt erhält man eine deutlichere Information als wenn man 400 befragt. Wie genau wird befragt und wie wird gefragt (schriftlich, frei formuliert oder multiple choice) oder mündlich (inwieweit beeinflusst der Interviewer durch seine Fragestellung oder Hilfeleistungen den Befragten). Alles auch vorausgesetzt der Befragte beantwortet wahrheitsgetreu (was nicht der Fall ist). Eine Statistik ist immer ungenau, die Frage ist nur wie ungenau.
vielen Dank für die Antwort! Der Punkt mit der falschen Beantwortung der Fragebögen kam mir auch in den Sinn, sehr guter Beitrag. Kann man in irgendeiner Weise den User bewerten?
alle diese Modelle haben den „Nachteil“ tw. grob vereinfachend zu sein. Man kann das z.B. mit Picassos Stier vergleichen. Auf der anderen Seite hat es den Vorteil, dass man damit „rechnen“ kann, es also in eine Form überführt, die eine Statistik erst möglich macht.
Soziale Herkunft zu messen ist sicher eine schwierige Sache, denn zum einen spielen viel mehr Faktoren eine Rolle als Einkommen und Bildung der Eltern, sondern auch Erziehungsmethoden, Umgang mit Mitmenschen, Kontaktmöglichkeiten, Sozialkompetenz und dergleichen. Das beeinflusst sich tw. wechlesseitig und ist (wenn überhaupt) nur schwer messbar. Vor allem müsste man noch die bisherigen Lehrer mit einbeziehen und schlicht persönliche Neigungen berücksichtigen.
In Summe wären das aber so viele Faktoren, die gemessen und in die korrekte Abhängigkit zueineander gebracht werden müssten, dass es mit den bisherigen Mitteln schlichtweg nicht machbar ist.
Heraus kommt also etwas, das zu wenig differenziert ist, um wirklich etwas erklären zu können, aber ausreicht um grobe Aussagen zu unterstützen.
Grüße,
JPL
… wie die soziale Herkunft der Jugendlichen
in PISA gemessen wurde. Beispielsweise werden die Berufe der
Eltern untersucht, und so das Bildungsniveau und Einkommen
ermittelt (ISEI-Indikator).
Bist Du sicher, dass die Schüler eine Art Fragebogen zu diesem Thema ausfüllen mussten, bevor sie sich den Aufgaben widmen konnten?
Ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen.
Bist Du sicher, dass die Schüler eine Art Fragebogen zu diesem
Thema ausfüllen mussten, bevor sie sich den Aufgaben widmen
konnten?
Ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen.
Das habe ich auch nie erlebt.
Und: An den Gymnasien, die ich überblicken kann, sind verhältnismäßig viele „Landkinder“, die man ihrer Herkunft nach eher den sog. bildungsfernen Schichten zurechnen muss. Sie schlagen sich recht erfolgreich durch.
Aber was mich am meisten wundert: Warum spielt in diesen Diskussionen der Begriff Begabung überhaupt keine Rolle? Gibt es sie nicht?
Hannes
Bist Du sicher, dass die Schüler eine Art Fragebogen zu diesem
Thema ausfüllen mussten, bevor sie sich den Aufgaben widmen
konnten?
Ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen.
Grüße
Pit
Hallo,
ich bin mir zwar nicht sicher, ob die Kinder zur finanziellen Lage befragt wurden, aber zum sozioökonomischen Status gehört weit mehr als Geld. Ich habe auch an der Studie teilgenommen und musste Fragen beantworten wie: Besitzen deine Eltern einen Zweitwagen?, befindet sich in eurem Haus ein Gäste-WC? Die gleichen Fragen wurden auch den Eltern gestellt, wegen der Validität, nehme ich an.
Hallo,
bin Lehrerin, und wir mussten den Kindern und Eltern vor ca. 1 Jahr auch einen Fragebogen (anonym) in dieser Art vorlegen. Das hatte aber weniger etwas mit PISA zu tun, sondern damit, dass ermittelt wurde, in welche Stufe des sozialen Brennpunkts die Schule klassifiziert wird. Leider stellte sich hierbei heraus, dass die sozial besser gestellten Eltern diesen ausgefüllt zurückgaben, die sozial nicht so gut gestellten ihn nicht ausfüllten und abgaben, so dass das Ergebnis eigentlich „verfälscht“ wurde, und z. B. wir nun nicht mehr als sozialer Brennpunkts klassifiziert sind, obwohl sich nichts an dem Einzugsgebiet etc. geändert hat.