Hallo,
vor kurzem habe ich gelesen, dass soziale Kompetenz an folgenden Punkten meßbar ist:
-Selbstsicherheit
-Kontrolle (z.B. wie reagieren, wenn Gespräch ins Stocken gerät)
-Souveränität (z.B. Fähigkeit Probleme angemessen zur eigenen Zufriedenheit zu lösen)
-Aufgeschlossenheit
-Flexibilität (z.B. zum richtigen Zeitpunkt nicht alles von sich preisgeben)
-Besonnenheit (z.B. Umgang mit Urteilen und Kritik)
-Durchsetzung
Mich interessiert, ob und wie man aus eigener Kraft in den einzelnen Punkten seine schwach ausgeprägten Fähigkeiten verbessern kann bzw. seine Macken in den Griff bekommen kann. Oder sind bestimmte Inkompetenzen Gegebenheiten, mit denen man sich abfinden muss (man nimmt sich vor es besser zu machen, und macht dann doch wieder den gleichen Fehler)?
verunsicherte Grüße
claren
Hallo Claren
Ich bin mir gar nicht sicher, ob alle diese von Dir genannten Punkte wirklich so erstrebenswert sind. Insgesamt klingt das mehr so nach amerikanischem Management als nach „sozialer“ Kompetenz. So klingt z.B. „KONTROLLE“ für mich eher negativ.
Geruss, Branden
Hallo Branden,
hm, ohje, das ist wohl so eine Sache mit der Deffinition solcher Fähigkeiten. Früher dachte ich immer, dass soziale Kompetenz sich auf den erfolgreichen und harmonischen Umgang mit dem Anderen beschränkt, ein gut funktionierendes Miteinander. Ich habe nicht daran gedacht, dass zur sozialen Kompetenz auch das Bild zählen kann, wie man sich darstellt, wie man wirkt und wie der eigene Einfluß auf den anderen ist.
Wann ist für dich ein Mensch besonders sozial kompetent? Ich weiss, dass Oliver Walter hier in den FAQs zu dem Thema etwas beigetragen hat, das habe ich bereits gelesen.
viele Grüße
claren
Hallo claren
Hab auch gerade überlegt: Vielleicht bin ich als Psycho-Mediziner nur ausschnittsweise kompetent für diese FRAGE nach der sozialen Kompetenz. Ist wohl mehr was für Soziologen, oder? Aber spontan würde ich persönlich eher Fähigkeit zur a) Empathie b) Introspektion c) sich-in-den Anderen-heineinversetzen-können d) übern Tellerrand-gucken-können und e) die Wahrheit suchen, egal, ob sie mir jetzt nützlich ist oder nicht (mit letzterem, also e, hat ja mal der alte Max Frisch in einem Interview, das ich beeindruckte, den „Intellektuellen“ definiert bzw. von der „Krämerseele“ abgegrenzt.
Gruss, Branden
Hallo claren,
Mich interessiert, ob und wie man aus eigener Kraft in den
einzelnen Punkten seine schwach ausgeprägten Fähigkeiten
verbessern kann bzw. seine Macken in den Griff bekommen kann.
Du kannst an einem Selbstsicherheitstraining oder Training Sozialer Kompetenzen teilnehmen. Dort lernst Du, wie Du sozusagen Dein eigener Trainer für Soziale Kompetenz werden kannst. Solche Kurse (z.B. in Form von Wochenendkursen) werden auch an Volkshochschulen angeboten, so daß Du nicht zum Psychotherapeuten mußt. Ganz ohne Unterstützung den Anfang zu machen, würde ich nicht empfehlen.
Oder sind bestimmte Inkompetenzen Gegebenheiten, mit denen man
sich abfinden muss (man nimmt sich vor es besser zu machen,
und macht dann doch wieder den gleichen Fehler)?
Sich etwas vornehmen, besser zu machen, reicht oft nicht. Man muß es auch üben und dann Feedback bekommen. Wie man erfolgreich übt und worauf man achten sollte, lernt man in den von mir genannten Kursen.
Grüße,
Oliver Walter
Hallo Oliver,
Sich etwas vornehmen, besser zu machen, reicht oft nicht. Man
muß es auch üben und dann Feedback bekommen. Wie man
erfolgreich übt und worauf man achten sollte, lernt man in den
von mir genannten Kursen.
sind dann Kurse mit mehreren Teilnehmern hilfreicher als eine Einzeltherapie? Würde einem eventuell auch eine Verhaltenstherapie weiterhelfen? Und stimmt es, dass eine Gesprächstherapie nicht sinnvoll wäre?
viele Grüße
claren
Hallo claren,
sind dann Kurse mit mehreren Teilnehmern hilfreicher als eine
Einzeltherapie?
ja, ein Selbstsicherheitstraining in der Gruppe ist in der Regel sinnvoller als in einer Einzeltherapie, weil man von anderen, die ähnliche Probleme haben, nichts „abgucken“ kann, wenn man nur Einzeltherapie macht.
Würde einem eventuell auch eine Verhaltenstherapie weiterhelfen?
Ein Selbstsicherheitstraining ist eine Methode in der Verhaltenstherapie. Ob diese Methode allein oder in Kombination mit anderen verhaltenstherapeutischen Methoden einzusetzen ist, zeigen oft die ersten Sitzungen mit einem Therapeuten.
Und stimmt es, dass eine Gesprächstherapie nicht sinnvoll wäre?
Es kommt auf den Einzelfall an, was zu empfehlen ist. Wenn es sich um Probleme mit der sozialen Kompetenz handelt, dann ist ein Selbstsicherheitstraining sinnvoll, weil der Übungsaspekt in einer Gesprächspsychotherapie nicht im Vordergrund steht. Ob eine Gesprächspsychotherapie zusätzlich sinnvoll ist, muß man im Einzelfall entscheiden. Pauschal kann man das nicht sagen. Bei Schwierigkeiten mit der sozialen Kompetenz würde ich allerdings eine Gesprächspsychotherapie allein nicht empfehlen, weil etwas Wichtiges fehlen würde.
Ich weiß nicht, wie schwer und umfangreich Deine Schwierigkeiten sind. Versuche Dir zu überlegen, ob z.B. ein Gruppenkurs an einer Volkshochschule Dir einen Einstieg ermöglichen könnte oder ob Deine Schwierigkeiten so ausgeprägt sind, daß Du schon jetzt weißt, daß dies nicht ausreichend ist oder daß Dir eine Teilnahme schwerfallen würde. Falls letzteres zutrifft, dann überlege Dir, ob eine Psycho- / Verhaltenstherapie für Dich in Frage kommt.
Beste Grüße,
Oliver Walter
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herzlichen Dank für d. hilfreichen Antworten o.T.
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