Hi Sharon,
Auch auf die Gefahr hin, daß dieser Artikel in die TopTen der
dümmsten Fragen 2009 von wewewa kommt *gg*
Gibt es solche überhaupt? Das legendäre ‚Wie heißt der Scheich von Emir?‘ läuft natürlich außer Konkurrenz… 
Angenommen, jemand behauptet, im Berufsalltag über wunderbare
soziale Kompetenz zu verfügen, auch genannt soziale
Intelligenz, auch genannt Kommunikationsfähigkeit, auch
genannt soft skills…
Kommunikationsfähigkeit ist ein Baustein der sozialen Kompetenz, nicht ein Synonym für dieselbige.
Kann derjenige dann trotzdem über soziale Kompetenz verfügen?
Ich behaupte, dass dies in gewissen Bereichen der Fall ist, auch wenn ich einen solchen Menschen eher als eine Art Opportunisten (oder wie es Wilhelm Busch so hübsch ausdrückte: ‚Jenachdemer‘) bezeichnen würde.
Was ich damit sagen will… Es gibt Menschen, die sich im Beruf geradezu perfekt den Anforderungen/Erwartungen ihrer Umgebung (Chef, Kunden, Kollegen) anpassen, obwohl es ihrer eigentlichen Einstellung widerspricht. Das Problem ist, dass die soft skills inzwischen quer durch die Branchen und selbst bei einfachsten Jobs schlicht vorausgesetzt werden (weil jeder aus den Stellenanzeigen der anderen kopiert, scheißegal, ob sie wirklich benötigt werden). Dieses Verstellen im Job muss irgendwie kompensiert werden, also wird es halt - zum Teil „wie bisher“ - im privaten Umfeld ausgelebt.
Soziale Kompetenz ist in meinen Augen auch nichts, was man erst im Erwachsenenalter ‚lernen‘ kann - der Grundstein dafür muss schon in frühester Kindheit gelegt werden.
Die Frage ist hier also auch ‚kann ich‘ oder ‚muss ich‘? Wenn einem Mann die Mutter, später dann die Frau/Freundin jahrelang den Arsch hinterhergetragen, sogar Socken gebügelt und jeden Morgen die Klamotten rausgelegt hat - warum sollte er sich plötzlich in Eigenverantwortung üben? Wenn der Papa einer Frau jedesmal die gewünschte Barbie kaufte, sobald sie sich als Fünfjährige im Supermarkt schreiend auf den Boden warf - wie soll sie plötzlich Kompromissfähigkeit beherrschen?
Oder anders/allgemein gefragt, kann sich überhaupt soziale
Kompetenz nur auf einige Lebensbereiche beschränken?
Ja nu… Soziale Kompetenz besteht aus vielen Mosaiksteinchen, die nicht alle in sämtlichen Bereichen zwingend vorhanden sein müssen - bei extremer Ausprägung stehen sie sich bisweilen sogar im Weg. Zwei Beispiele:
• Empathie vs. Konfliktfähigkeit: vor lauter Einfühlungsvermögen meidet man jeden, wirklich jeden Konflikt wie der Teufel das Weihwasser, weil man nicht an seine Argumente denkt, sondern daran, was sie beim Gegenüber bewirken könnten.
• Fleiß vs. Teamfähigkeit: besonders gern stehen sich diese beiden Eigenschaften bei Menschen, die gerade Chef/Teamleiter/whatever geworden sind, gegenüber. Häufig gesellen sich noch Verantwortung und Kompromissfähigkeit dazu. Die Folge ist, dass sich der Chef vor lauter Flexibilität selbst an den Kopierer stellt, während die Sekki zu Motivationszwecken einen Latte mit dem Hausmeister trinkt - das ist dann Großmut…
Grüße
Renee