Hallo Sabine!
Ich hatte (falls man sagen kann, dass man sowas jemals wieder loswird) bis vor einigen Jahren eine Soziale Phobie.
Zwei Fragen hätte ich an Dich:
Woher weisst Du, dass Du eine Soziale Phobie hast?
Wieso kannst Du nicht zum Psychologen?
Bei mir war es so, dass ich den Psychologen aufgesucht habe, weil meine Probleme die Aufnahme und Weiterführung meiner Ausbildung gefährdet haben. Ich konnte mir nicht vorstellen, den Anforderungen dort gerecht zu werden, meine Arbeit gut zu machen etc., vor allem bezogen auf den Umgang mit Chef und Kollegen, aber auch mit Kunden.
Die Termine beim Psychologen hatte ich schon, bevor ich die Ausbildung begonnen habe, und eine Weile danach.
Was genau mir geholfen hat, weiss ich nicht. Irgendwann platzt der Knoten, und ich konnte mit den Problemen selbst klarkommen.
Mein Psychologe war selbst erstaunt, dass ich innerhalb weniger Wochen so einen grossen Schritt vollbracht habe. Er warnte aber auch, dass das nicht unbedingt das Ende der grossen Probleme sein müsste.
In meinem Fall war es das aber.
Ich bin nach wie vor ein Mensch, der sehr gerne mit anderen zu tun hat, aber auch Angst davor hat. Situationen, in denen ich mit anderen reden muss, stressen mich nach wie vor, aber es hat sich auf ein Leven eingependelt, mit dem ich leben kann.
Zu Hause bin ich noch immer alleine, habe hier keine tiefen Freundschaften (ich ich vor meinem Umzug vor einigen Jahren durchaus hatte). Dank dem Internet ist das aber einigermassen erträglich, wenn auch nicht schön.
Im Alltag, nach aussen hin, bemühe ich mich, kommunikativ zu sein. Small Talk HASSE ich, weil ich sowieso nicht weiss, was ich sagen soll, und weil ich das Gefühl habe, in kein vernünftiges Gespräch zu kommen.
Allerdings kann ich ganz normal am Leben teilnehmen, ich besuche Fortbildungen, gehe mit meinem Sohn in eine Krabbelgruppe (in der sich alle vorher kannten, und ich vollkommen fremd war).
Manchmal muss allerdings mein Mann mich vertreten, wenn es z.B. um Telefonate mit Behörden geht, die vermutlich anstrengend werden, oder wenn es darum geht, etwas unangenehmes zu erledigen.
Aber auch das schaffe ich zunehmend selbst.
Den Psychologen habe ich im Hintergrund, ich weiss, dass ich dort wieder hinkann, wenn es neue Probleme gibt, die ich selbst nicht lösen kann. Das ist für mich auch kein Problem, ich sehe es nicht als peinlich oder unangenehm an, auch wenn mir das Sprechen mit ihm genauso schwer fällt wie mit anderen.
Übrigens durfte ich meinen Mann (der mir im Alltag generell eine grosse Stütze ist) zum Erstgespräch mitbringen. Ist er dabei, fällt mir das Sprechen generell wesentlich leichter.
Danach hatte ich nur noch Termine alleine, ich brauchte ihn für die weiteren Gespräche einfach nicht mehr.
Gegen eine Klinikeinweisung hätte ich mich übrigens vehement gewehrt. Die stand aber in meinem Fall auch nicht zur Debatte.
Wäre mein Leidensdruck gross genug gewesen, wäre es aber wohl schon eine Option geworden.
Ich wünsche Dir viel Mut, das Ganze anzugehen. Das klappt! Und dann wirst Du feststellen, wie viel einfacher das Leben doch sein kann 
Übrigens wundere ich mich immer wieder über mich selbst, wie mutig ich doch sein kann, wie klasse ich Situationen meistere, in denen ich früher einfach den Kopf in den Sand gesteckt habe (im wahrsten Sinn des Wortes, Krönung war, dass ich mich einmal hinter meinem Mann versteckt und gar nix mehr gesagt habe). Das gibt unwahrscheinlich Auftrieb.
Phasenweise gestehe ich mir aber auch zu, einfach mal meine Ruhe haben zu wollen und wirklich nur das allernötigste mit anderen zu sprechen.
Übrigens habe ich mich damals auch gefragt, wie ich einem Kind das richtige Vorbild sein kann, wenn mich schon ein Telefonat mit einer Freundin stresst, wenn ich für jeden „Mist“ meinen Mann als Schützenhilfe mitnehme oder ihn vorschiebe.
Ich weiss nicht, wie alt Dein Kind ist, aber vielleicht kannst Du Dich von ihm auch ein wenig führen lassen? Kinder haben die wunderbare Möglichkeit, auf andere Menschen ganz unvoreingenommen zuzugehen und über irgendetwas zu reden, egal, ob der andere Erfahrung im Umgang mit Kindern hat oder nicht. Und in den allerallerseltensten Fällen werden sie zurückgewiesen. So geht es auch Erwachsenen, zumindest ist das meine Erfahrung 
Liebe Grüsse
Bine