Hallo Max,
die Experten dieses Forums haben ja schon viel dazu gesagt.
Es hat sich aber bisher noch kein „Betroffener“ (außer Franzi, aber wohl ohne Diagnose) zu Wort gemeldet. Daher: Hallo!
Bei mir wurde das mal diagnostiziert. Ich war sogar mal in einer stationären Einrichtung deswegen, aber freiwillig. (Und dann gab es Gruppentherapie und Gesprächsrunden! Da war ich nach knapp 3 Tagen wieder weg…)
Die Beschreibung deines Freundes passt (in anderem Kontext natürlich) ganz gut auf mich. Auch das was Franzi unten geschrieben hat, kann ich bestätigen.
Ich habe überhaupt kein Problem mit einem Professor nach der Vorlesung fachlich zu diskutieren. Die Rollen sind klar, meine Fragen i.d.R. nicht dumm (das muss ich vorher natürlich eingehend durchdenken). Und mit Studenten schon mal gleich gar nicht.
Und während meiner Ausbildung gab es Mädchen, die hatten Angst vor einer Diskussion mit mir. Das war fachlich, daher kein Problem. Und selbst wenn ich „verloren“ habe … Fachliche Fehler sind kein Problem. Zumal übrigens vollkommen klar ist, dass „einen Fehler nicht eingestehen können“ einen noch blöder da stehen lässt, als „einen Fehler machen“, so dass jeder gescheite Sozialphobiker sich davor hüten wird. 
Aber im sozialen Kontakt war ich früher wirklich eine fürchterliche Niete. Nicht so sehr nach Außen, sondern halt innerlich. So wie bei deinem Freund und schlimmer.
Heute geht es sehr viel besser. Nicht zuletzt übrigens, weil mir der damalige Klinikaufenthalt vor Augen gehalten hat, was richtig kranke Menschen sind. (Nicht bös gemeint.) Ich dagegen kam doch wenigstens einigermaßen zurecht. Bloß halt das innere Zerfleischen wegen Nichtigkeiten, das war lästig. Aber kein Vergleich zu Menschen mit einer „wirklichen“ psychischen Krankheit. Denen ging es wirklich dreckig!
Seit dem habe ich langsam aber stetig das ständige Nachgrübeln über die typischen Dinge abgebaut. Und natürlich schult auch der ständige Umgang mit anderen Menschen. Man lernt, was in etwa angemessen ist und was nicht. Und selbst wenn ich das Gefühl habe, das ich soziale Sachen falsch bzw. schlecht bzw. nicht perfekt angepackt habe, dann macht es mich nicht mehr so fertig wie früher.
Das mit dem Gerechtigkeitssinn kann ich absolut nachvollziehen. Ich studiere nicht umsonst Jura. Allerdings habe ich den bisher immer auf meine Familiensituation mit vielen Geschwistern geschoben. Ich war da sehr empfindlich.
Also, alles in allem denke ich, dass es gut eine soziale Phobie sein kann.
Aber ich gebe zu bedenken, dass - wenigstens bei mir - keine Therapie, sondern das Zulegen eines dickeren Felles geholfen hat. Und ganz weg ist es selbstverständlich nicht! Die Restunsicherheit muss man hinnehmen und „tragen wie ein Mann“. 
Nicht, dass man noch darüber verzweifelt, dass man über unwichtigen Kleinkram verzweifelt.
Liebe Grüße, auch an den Freund,
larymin