Soziale Phobie der anderen Art

Hallo,

mit Phobie wird eine subjektive persönliche „Störung“ bezeichnet. Ich setze den Begriff Störung bewusst in " ", weil ich es im folgenden nicht als „Störung“, sondern unter dem Aspekt Angst/Ängstlichkeit und diese als allen Menschen in irgendwelchen Formen angemessen und natürlich betrachte.

Meine Fragen zum Begriff Phobie in diesem Brett auf ein aktuelles Thema bezogen:

Im Zusammenhang mit PEGIDA wird den beteiligten Demonstranten, unabhängig von der generell bestehenden Unsicherheit hinsichtlich einzelner individueller Motivation, von hochrangigen PolitikerInnen und den Medien nahezu grundsätzlich unterstellt:
Gefährlich, rechtsextrem, Nazi(nähe) *.

Ich gehe von anderen Ursachen und Motivationen, die jeden Einzelnen der Demonstranten bewegen, aus und würde Xenophobie zugrunde legen. Welche angesichts aktueller Themen wie 9/11oder IS als auch traditionell/menschlich nachvollziehbar ist.

Worauf begründet sich nun in unserer Gesellschaft diese mittlerweile allgemein verbreitete/verkündete/gewünschte/nahezu angeordnete und zustimmende Ein- und Zuordnung Einzelner, wenn sie sich in der gemeinsamen Angelegenheit Xenophobie zusammentun?

Könnte es nur an der deutschen Vergangenheit und einem daraus entwickelten demokratischen Missverständnis liegen?

Woher kommt diese Angst vor diesen wenigen Demonstranten, dass man sie umgehend von höchsten Stellen persönlich diffamiert?

Sie haben niemanden verletzt…sie geben doch lediglich ihre Ängste kund.

Franz

* Ist ein Linker vor Xenophobie gefeit?

Hallo!

Woher kommt diese Angst vor diesen wenigen Demonstranten, dass
man sie umgehend von höchsten Stellen persönlich diffamiert?

Das müsste man mit Sicherheit tiefgründiger analysieren als es ein Internetkommentar zulässt.

Daher nur eine These von sehr hohem Abstraktionsgrad: Wenn die Annahme stimmt, dass sich unser politisches System heute treffend als „Postdemokratie“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Postdemokratie) verstehen lässt, dann sind Anlässe wie Pegida, zu denen der Souverän, in Form eines seiner-selbst-bewussten Kollektivs, seine Stimme von selbst erhebt (und nicht nur in Wahlen und Umfragen, in zersplitterter Form, erheben und statistisch aggregieren lässt) für dieses politische System unangehm lästige „demokratische“ Elemente, mit denen man sich umso weniger auseinandersetzen muss, je mehr man ihnen dieses „demokratische“ und „souveräne“ von vorne herein absprechen kann.

Insofern trifft dein Begriff von der „Sozialen Phobie“ den Nagel auf dem Kopf.

Dass sich dabei heute der klassische Journalismus für diese Zwecke offenbar noch leichter einspannen lässt als früher, ist aus meiner Sicht eine Folge dessen, was hier brauchbar beschrieben wird:
http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/oesterreich/…

Schönen Abend!

Danke für diese beiden Ansätze. Sie sind sehr hilfreich für mich.

Franz

Worauf begründet sich nun in unserer Gesellschaft diese
mittlerweile allgemein
verbreitete/verkündete/gewünschte/nahezu angeordnete und
zustimmende Ein- und Zuordnung Einzelner, wenn sie sich in der
gemeinsamen Angelegenheit Xenophobie zusammentun?

Die von dir beschriebene Entwicklung behandelt Frisch in seinem Stück Andorra. Dieses Stück ist nicht primär auf den Antisemitismus oder die Nazizeit gerichtet, sondern eben auf dieses Verhalten.

Übertragen auf PEGIDA: Es gibt bei uns ein herrschendes System, das man mittlerweile mit dem Begriff „Mainstream“ beschreibt. Die Mainstream-Politik gibt mit Hilfe der Mainstream-Presse und den Schulen und Hochschulen vor, dass man weltoffen und tolerant sein müsse. Die Vertreter dieses Systems neigen nun dazu, alles aufdecken und angreifen zu müssen, was (tatsächlich oder scheinbar) diesem Gebot entgegensteht. Das umfasst einfachen Patriotismus, aber auch Kritik an Brüssel, an der ungesteuerten Zuwanderung oder den offenen Grenzen.

Jeder, der in einen solchen Verdacht gerät, wird zum „Andri“. Es ist egal, ob „Andri“ tatsächlich Jude respektive tatsächlich fremdenfeindlich ist. Man hat jemanden ausgemacht und geht gnadenlos gegen ihn vor. Die Erfüllungsgehilfen des Systems sind heute Indymedia und die Antifa. Ein Beispiel: Antifa befiehlt.

Hallo,

ich möchte mutmaßen, dass es um so mehr Demonstranten gibt, je schlechter die allgemeine finanzielle Lage ist.
Wer gut lebt, hockt abends lieber zuhause, als auf die Straße zu gehen.

Die Gründe von Pegida kann ich nicht nachvollziehen, aber die grundsätzliche Neigung zum Protest schon.
Allerdings könnte ich mit einem Protest gegen Steuerfluchtländer und Steuerfluchtfirmen mehr anfangen, als mit einem gegen andere Leute, die auch arm dran und Opfer der Globalisierung und Zentrierung von Macht und Geld sind.

Gruß, Paran

Jeder, der in einen solchen Verdacht gerät, wird zum „Andri“.

Was ich nicht so recht verstehen mag, ist dieser Widerspruch in sich , den auch du vorträgst:

Es gibt bei uns ein herrschendes System, das man mittlerweile mit dem Begriff „Mainstream“ beschreibt. Die Mainstream-Politik gibt mit Hilfe der Mainstream-Presse und den Schulen und Hochschulen vor, dass man weltoffen und tolerant sein müsse.

Einerseits!

Die Vertreter dieses Systems neigen nun dazu, alles aufdecken und angreifen zu müssen, was (tatsächlich oder scheinbar) diesem Gebot entgegensteht. Das umfasst einfachen Patriotismus, aber auch Kritik an Brüssel, an der ungesteuerten Zuwanderung oder den offenen Grenzen.

Andererseits diktiert man!

Einmal Biedermann, ein ander Mal Brandstifter.

Gruß
Andri

Franz natürlich

Hallo,

Die Gründe von Pegida

sind weder fremdenfeindlich oder gar rassistisch. Aus ihrer Webseite (Impressum):

Wir möchten, dass alle Kinder in einem friedlichem und weltoffenem Deutschland und Europa aufwachsen können!

Wir sind nicht „politisch korrekt“…!
Wir beugen uns NICHT dem medialen Mainstream und somit auch nicht den „Gutmenschen“!
Wir nehmen unser verfassungsgemäßes Recht auf freie Meinungsäußerung wahr.

JEDER Mensch, gleich welcher Nationalität oder Religion ist uns willkommen !!!

Wir wollen einfach KEINE GEWALT auf unseren Straßen wie z.B. in Hamburg oder Celle !!!
Unsere Städte, Dörfer und Gemeinden sind KEINE Orte zum Austragen von Stellvertreter- oder Glaubenskriegen!!!

Wir akzeptieren KEINE HETZE von irgendwelchen Salafisten gegen „Ungläubige“ oder Andersgläubige…
Wir akzeptieren in Europa keinerlei „Tätigkeiten“ von IS, PKK, al Kaida oder wie sie alle heißen!

Unser freies Denken, unsere freie und offene Lebensweise wollen wir für ALLE in Europa lebenden Menschen erhalten !

Wir fordern von UNSERER Justiz ein Ausschöpfen ALLER rechtlichen Mittel gegenüber selbsternannten „Gotteskriegern“ und Haßpredigern !

Die Trennung von Staat und Kirche war und ist ein Erfolg in Europa.

Problem ist offensichtlich, dass all diesen hehren Motiven von offizieller Seite Unterstellungen entgegen gesetzt werden, ohne offensichtlich erkennbare Begründungen. Ein paar rechte Aktivisten in prozentual geringer Höhe zwar, aber all die anderen, die man nicht zuordnen kann (noch nicht als „verdächtig“ erfasst sind, aber bald vielleicht sein werden).

Ich persönlich habe schon ein unangenehmes Gefühl, wenn ein Herr Maas mit Vehemenz und pauschal verleumdet, wie er es vor wenigen Tagen getan hat. Es ist eine offene Warnung/Drohung an alle Bürger, nicht an Demonstrationen nicht teilzunehmen.

Franz

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Hallo Franz,

der Widerspruch, den du ansprichst, ist natürlich offensichtlich. Man will scheinbar für Toleranz und Vielfalt eintreten. In Wirklichkeit wendet man sich aber dagegen. Am besten sieht man das beim Thema Islam. Überall auf der Welt zeigt sich der Islam, wo er in der Mehrheit ist, als Gegenpol zu Freiheit und Aufklärung. Bei uns in Westeuropa aber sind viele so besessen von der Idee, man dürfe auf keinen Fall etwas islamkritisches sagen, dass sie sich lieber gegen diejenigen wenden, die gegen Islamismus demonstrieren, als gegen diejenigen, die offen gegen die Freiheit agieren.

Was dahinter steckt, ist die Unterordnung unter ein herrschendes System. Man verspricht sich Vorteile davon. Aufbegehren ist dagegen unbequem. Man hat nur Ärger, wird an den Rand gedrängt, steht alleine da. In der Tat kann man das an PEGIDA sehen. Jene Demonstranten werden pauschal als fremdenfeindlich abgestempelt. Die Gegendemonstranten dagegen überhöhen sich selber maßlos und stellen sich als moralisch überlegen dar. Und warum? Weil sie von der Elite (Medien, Politik) als moralisch überlegen dargestellt werden. Sie sind brave Erfüllungsgehilfen und hinterfragen nicht, was sie da eigentlich vertreten.

Was kann man tun? Wenig. Eigentlich kann man nur an jeden einzelnen appellieren, eigenständig zu denken und vor sich selbst (nicht vor anderen) ein möglichst reines Gewissen zu behalten. Und sich darüber im klaren sein, dass dieser Appell bei einem großen Teil der Menschen ungehört bleibt.

Gruß
Ultra

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Hallo,

Problem ist offensichtlich, dass all diesen hehren Motiven von
offizieller Seite Unterstellungen entgegen gesetzt werden,
ohne offensichtlich erkennbare Begründungen. Ein paar rechte
Aktivisten in prozentual geringer Höhe zwar, aber all die
anderen, die man nicht zuordnen kann (noch nicht als
„verdächtig“ erfasst sind, aber bald vielleicht sein werden).

wenn man in einer Demonstration, die in erster Linie von Rechten gegen die nichtvorhandene Islamisierung organisiert wurde, mitläuft, obwohl die eigenen Probleme eigentlich ganz andere sind, darf man sich da nicht wundern.

Gruß
T.

Falsche Fährte
Servus Franz

Ich gehe von anderen Ursachen und Motivationen, die jeden
Einzelnen der Demonstranten bewegen, aus und würde Xenophobie
zugrunde legen.

Ich denke, dass es sich nicht um allgemeine Fremdenfeindlichkeit handelt, sondern dass die Angst vor der Gewalt der Islamisten bei P. das Thema und Motiv ist.
Die Politik reagiert weitgehend unsachlich und verwaschen, wenn sie von Fremdenfeindlichkeit ausgeht. Es handelt sich um die nachvollziehbare Angst vor ISIS, Taliban, Hisbolla und anderen gewaltbereiten Islamisten.
Gruß,
Branden

Servus Doc,

Es handelt sich um
die nachvollziehbare Angst vor ISIS, Taliban, Hisbolla und anderen gewaltbereiten Islamisten.

davon gibts doch kaum jemanden in Dresden. In München sind die Leute demzufolge weniger ängstlich.

Gruß,
T.

Es handelt sich um die nachvollziehbare Angst vor ISIS, Taliban, Hisbolla
und anderen gewaltbereiten Islamisten.

davon gibts doch kaum jemanden in Dresden.

Das müsstest du näher erläutern. Wenn sich im Nahen Osten, in Nigeria, in Indonesien oder in Mümmelmannsberg bedenkliche, antidemokratische Entwicklungen im Namen einer Religion zeigen, dann darf jemand in Dresden nicht dagegen demonstrieren?

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Das müsstest du näher erläutern. Wenn sich im Nahen Osten, in
Nigeria, in Indonesien oder in Mümmelmannsberg bedenkliche,
antidemokratische Entwicklungen im Namen einer Religion
zeigen, dann darf jemand in Dresden nicht dagegen
demonstrieren?

Natürlich, aber was bringt das? Es wird sich zudem kein Dresdner dermassen für die Weltpolitische Lage interessieren, dass er wegen Vorkommnissen in Nigeria hier auf die Strasse geht. Was soll der Dresdner Bürgermeister denn auch dagegen unternehmen?

Gruß
T.

Natürlich, aber was bringt das?

Das könntest du aber zu nahezu jeder Demo sagen. Zum Beispiel auch zu den Gegendemonstrationen im Rahmen von PEGIDA.

Es wird sich zudem kein
Dresdner dermassen für die Weltpolitische Lage interessieren,
dass er wegen Vorkommnissen in Nigeria hier auf die Strasse
geht. Was soll der Dresdner Bürgermeister denn auch dagegen
unternehmen?

Dresden gehört aber auch noch zu Deutschland und Deutschland zur EU. Also kann man auch in Dresden dafür demonstrieren, dass hinsichtlich der Einwanderung aus islamischen Staaten ein Umdenken stattfindet. Wenn ich etwa lese, dass Islamisten bereits in den Flüchtlingsheimen mit der Verfolgung Andersgl…, dann frage ich mich eher, warum du dich nicht für ein Ende der ungesteuerten Zuwanderung einsetzt?

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Hallo Branden,

Ich denke, dass es sich nicht um allgemeine Fremdenfeindlichkeit handelt, sondern dass die Angst vor der Gewalt der Islamisten bei P. das Thema und Motiv ist.

Auch bedingt aufgrund einer gewissen generellen Religionsfeindlichkeit, da die Bevölkerung in Dresden resp. Wilden Osten in deutlich geringerem Umfang einer religiösen Gemeinschaft zugehörig ist?

Franz

Servus Franz

Auch bedingt aufgrund einer gewissen generellen
Religionsfeindlichkeit, da die Bevölkerung in Dresden resp.
Wilden Osten in deutlich geringerem Umfang einer religiösen
Gemeinschaft zugehörig ist?

Eine durchaus interessante Überlegung deinerseits.
Nichtsdestotrotz denke ich, dass es sich hauptsächlich um die Angst vor den gewalttätigen Islamisten ist, die ja auch bei Religiösen massiv vorkommt.
Es grüßt dich
Branden