Soziale Phobie vs. Sozialphobie

Hi.
Wie heißt das richtig auf EINEN Patienten bezogen? Gestern laß ich in einem Medikamentenhandbuch den Begriff „soziale Phobie“ was meiner Ansicht nach ein Bezeichnungsfehler ist, da es ja eine Angststörung wäre, die sich mehrere Leute teilen.

Grüße,
J~

Moin, J~,

mir scheint, hier liegt keine gewollte Unterscheidung vor, sondern einfach ein lässiger Umgang mit der Sprache.

Die Sozialphobie wird zur sozialen Phobie, obwohl Phobien selten sozial sind, sondern eher belastend. Wenn Sozialkontakte zu sozialen Kontakten werden, sieht darin niemand einen Unterschied. Der Sozialneid hingegen wird höchst selten zum sozialen Neid - bei Fremdwörtern fällt es offenbar leichter, aus einer Klassifikation ein Eigenschaftswort zu basteln.

Wir werden wohl nie erfahren, was hier gemeint war, es sei denn, der Autor des Textes meldete sich.

Gruß Ralf

da es ja

eine Angststörung wäre, die sich mehrere Leute teilen.

hi,

das gefällt mir, interessant.

antwort auf deine frage: sozialphobie und soziale phobie meinen dasselbe: die F40.1 aus dem ICD 10.

Lieber J~!

Wie heißt das richtig auf EINEN Patienten bezogen? Gestern laß
ich in einem Medikamentenhandbuch den Begriff „soziale Phobie“
was meiner Ansicht nach ein Bezeichnungsfehler ist, da es ja
eine Angststörung wäre, die sich mehrere Leute teilen.

Soziale Phobie, Sozialphobie, Soziophobie, soziale Angststörung, *washabichvergessen* sind mehr oder weniger austauschbare Begriffe, die auch allesamt in Gebrauch sind.

M.W. sprechen die beiden großen Klassifikationssysteme ICD+DSM von „sozialer Phobie“ (ICD) bzw. „social phobia“. Insofern ist das vielleicht der ‚offiziellste‘ Begriff (wobei es auch da egal wäre, weil der Schlüsselcode DSM-IV 300.23 der entscheidende Punkt ist, den könnte man auch ‚Telefon‘ nennen …)

Es stimmt, dass diese Phobie mit ihrer Adjektivkonstruktion statt der sonst üblichen Latinisierung (Sociophobia) rein begrifflich aus dem Rahmen der gängigen Phobienbezeichnungen fällt, ich glaube aber nicht, dass dies inhaltlich in irgendeiner Weise begründbar ist, da der Begriff des Sozialen zumindest außerhalb der Umgangssprache sicher mehr und anderes meint als ‚eine Sache, die sich mehrere Leute teilen‘ (schon gar nicht meint er ‚Geselligkeit‘, wie in der unteren Antwort angeklungen).

Von daher sehe ich keinen „Bezeichnungsfehler“, sondern lediglich eine rein sprachliche Auffälligkeit.

Um deine Frage noch ganz direkt zu beantworten:
Es ist sicher völlig korrekter Begriffsgebrauch, wenn der Begriff in einem Medizinhandbuch auf EINEN Patienten bezogen wird, weil der Begriff in der Medizin für diesen Gebrauch etabliert ist, völlig unabhängig von irgendwelchen semantischen Überlegungen auch immer, die man darüberhinaus anstellen könnte.

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