nicht, daß ich durch ein „Ranking“ irgendeine
Wertung unseres Sozialsystems ableiten möchte, aber könntet Ihr mir bitte Staaten nennen, die Eurer Meinung nach ein funktionsfähigeren „besseren“ Sozialstaat darstellen als Deutschland ?
Dänemark z.B.
Dänemark z.B. ist in Sachen Gesundheitssystem und Bildungspolitik sehr genial, allerdings haben die Dänen recht wenig Einwohner pro Fläche, da kann man sich das auch viel eher leisten. Deren System wäre also nie umsetzbar auf Deutschland.
Gruß,
Doc.
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och, wenn man in Deutschland gleichzeitig das dänische System der Staatsfinanzierung einführen würde, also bis zu 59% Einkommenssteuer zzgl. Kirchensteuer und Rentenabgabe, 25% Umsatzsteuer, beim Autokauf bis zu 180% Luxussteuer usw.usf., wäre das vieleicht finanzierbar. Nur, wer wollte das schon?
Naja, den Leuten dort geht es trotzdem ganz gut, oder?
Trotzdem bleibt es dabei: In Deutschland nicht umsetzbar. Die Dänen haben nunmal (genau wie z.B. die Niederländer und die Norweger, die sich auch eine derartige Abgabe auf KfZ erlauben) keine eigene Autoindustrie, die sie mit den gewaltigen Abgaben ruinieren könnten.
könntet
Ihr mir bitte Staaten nennen, die Eurer Meinung nach ein
funktionsfähigeren „besseren“ Sozialstaat darstellen als
Deutschland ?
definiere „funktionsfähiger“.
In Deutschland haben wir eine Rundumversorgung in Sachen Gesundheit und zwar unabhängig von Vermögen und Einkommen. Wir haben eine Absicherung für den Fall der Arbeitlosigkeit und nicht zuletzt ein Sozialhilfesystem, das es in den allermeisten Fällen ausreicht, um ein hungerfreies Leben zu ermöglichen.
Was also ist funktionsfähiger? Billiger, besser, gerechter?
Die Variante „besser“ gab es in Schweden, finanziert u.a. durch Steuersätze von in der Spitze über 100% (!). Das ganze ist inzwischen ordentlich eingedampft worden. Die Variante „billiger“ gibt es in den USA, mit der Konsequenz, daß man u.U. keine Krankversicherung hat oder die Krankenkasse wesentliche Behandlungen nicht bezahlt bzw. die Menschen nach einer Behandlung zwar gesund sind, aber wirtschaftlich ruiniert.
Was man als „gerechter“ empfindet, ist vermutlich abhängig von der persönlichen Sichtweise.
Völlig korrekt. Fazit: Ein tatsächlich funktionierendes (kleines!) Land in diesem Bereich, jedoch nur im und aufgrund des Kontext(s) der europäischen Nachbarn und großen Wirtschaftsnationen - es kann nicht allen so gehen. Ihre Probleme haben die Dänen natürlich auch, aber Gesundheits- und Bildungssystem sowie Sozialfürsorge laufen eben sehr gut. Dafür dürfte die Bevölkerung im wesentlichen aus einer Mittelschicht bestehen, aber das ist jetzt ne reine Annahme ohne Beleg.
Gruß,
Doc.
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damit meine ich im Grunde auf Dauer aufrechterhaltbar.
Jedes System ist aufrecht zu erhalten, allerdings durch Verzicht auf Leistung und/oder durch höhere Kosten. Das ist es, was wir in Deutschland gerade erleben.
Aufrechtzuerhalten ist auch ein ungerechtes System, wie das in den USA oder ein nicht vorhandenes, wie in Burkina Faso oder Myanmar (beides unterstellt).
Das ganze ist eine Grundsatzfrage. Die Gestaltung effizienter sozialer Sicherungssysteme ist ein Riesenproblem, weil es diverse Zielkonflikte gibt, sowohl innerhalb der Systeme (hohe Leistung vs. geringe Kosten) als auch zwischen den Beteiligten (Zahler vs. Empfänger, Politiker vs. Wähler (zumindest kurzfristig)) usw.
damit meine ich im Grunde auf Dauer aufrechterhaltbar.
Jedes System ist aufrecht zu erhalten, allerdings durch
Verzicht auf Leistung und/oder durch höhere Kosten.
Das meine ich doch. Man kann beispielsweise nicht beliebig viele staatliche Leistungen anbieten, sondern muss diese auch finanziert bekommen.
Funktionsfähig ist ein in Rede stehendes System, unter anderem nur, wenn es nachhaltig dazu in der Lage ist zu funktionnieren und nicht beispielsweise durch die Unvereinbarkeit von Ausgaben und Einnahmen zu zerbrechen. Klar, wenn die Menschen einen Anreiz bekommen, vielleicht die eine oder andere staatliche Leistung zunächst zu erwirtschaften, dann bricht nichts in sich zusammen. Aber dann ist es ja auch bereits ein ANDERES (Anreiz vorhanden) geworden und somit war das alte System nicht funktionsfähig.
ein paar Kleinigkeiten habe ich schon.
In Österreich wird das Arbeitslosengeld (noch) nicht gekürzt, wenn man keine Stelle annimmt. Allerdings sind die Weiterbildungsmaßnahmen nicht so gut, wie in Deutschland.
In Österreich ist man an eine der vielen Krankenkassen gebunden, kann sie also nicht aussuchen. Es gibt sie für Arbeiter/Angestellte, Selbständige, Bauern usw.
In Frankreich ist jeder Staatsbürger automatisch krankenversichert.
In GB ist die ärztliche Versorgung Menschen, die nicht zusatzversichert sind nicht unbedingt gut.
Viele kleine Details ergeben die Unterschiede…
Wer weiß mehr?
aus welchen Gründen es so sein soll, weiss ich nicht. Aber in diesem Sinne habe ich schon oft was von Schweden gehört. Angeblich soll Schweden wohl über einen mitunter sehr arbeitnehmerfreundlichen Kapitalismus verfügen. Aber Quellenangaben und Gründe habe ich dafür nicht. Es enstammt dem Beitrag einer politischen Reportage, die ich vor ca. vier Jahren verfolgt habe.
das schwedische Sozialsystem existiert nicht mehr in dem Maße, wie es einmal so „vorbildlich“ war. Hohe Staatsdefizite und letztlich die gleichen Probleme, wie wir sie jetzt haben, erlebte man dort auch.
Inzwischen sind die Systeme in Deutschland und Schweden auf in etwa gleichem Niveau.
Funktionsfähig ist ein in Rede stehendes System, unter anderem
nur, wenn es nachhaltig dazu in der Lage ist zu funktionnieren
und nicht beispielsweise durch die Unvereinbarkeit von
Ausgaben und Einnahmen zu zerbrechen.
Das ist doch, was ich meine. Du kannst ein System so gestalten, daß es eh kaum Leistungen gibt, dann sind aber die Leistungsempfänger unzufrieden, weil sie einen mehr oder weniger großen Teil der Leistungen selber tragen müßen, wenn dieses ihr Vermögen überhaupt erlaubt.
Ich fürchte, einen Ansatz für ein funktionierendes System nach deiner Definition kann es nicht geben, weil die ein oder andere beteiligte Seite unzufrieden sein wird.
Es belibt die Frage nach dem Ziel des Systems. Abdeckung aller Risiken und Situation bei entsprechenden Kosten oder eine Grundversorgung mit entsprechender Selbstbeteiligung bei über das Minimum hinausgehenden Schäden. Beides kann mit Fug und Recht als ungerecht bzw. funktionsunfähig bezeichnet werden.
Die eierlegende Wollmilchsau glaubte man schon vielfach erfunden zu haben. Letztlich ist das an den von mir genannten Zielkonflikten immer gescheitert.