Sozialismus

Hallo !

Ich hätte gerne Meinungen zu der These gehört:

Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen Sozialismus und Bürokratie bzw. Arbeitslager.

Begründung: Der Sozialismus ( z.B. Marke Bentham’scher Wohlfahrtsstaat) belohnt Mißbrauch. Tendenziell lassen sich immer mehr Leute dazu verführen (Nachahmung und Verwöhnung). Die Eindämmung des Mißbrauchs schafft mehr Bürokratie (z.B. Marke „Wir brauchen einen starken Staat“). Oder die Eindämmung geschieht per Arbeitslager.

Dank und Gruß

Peter

Hallo !

Hallo, du-auch-Peter!

Ich hätte gerne Meinungen zu der These gehört:
Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen Sozialismus und
Bürokratie bzw. Arbeitslager.
Begründung: Der Sozialismus ( z.B. Marke Bentham’scher
Wohlfahrtsstaat) belohnt Mißbrauch.

Sehr gewagte Behauptung. Warum und inwieweit? Ist „der Sozialismus“ wirklich so dämlich?

Tendenziell lassen sich
immer mehr Leute dazu verführen (Nachahmung und Verwöhnung).

Da auch im „Sozialismus“ den allermeisten Beddürftigen nicht mehr als eine Grundversorgung und schon gar kein Reichtum verschafft werden kann, hält sich die „Verführung“ in Grenzen. Man sollte die Menschen nicht unterschätzen. Im übrigen wird sich der Staat ab einem gewissen Zeitpunkt gegen Mißbrauch zu wehren haben, will er nicht untergehen.

Die Eindämmung des Mißbrauchs schafft mehr Bürokratie (z.B.
Marke „Wir brauchen einen starken Staat“). Oder die Eindämmung
geschieht per Arbeitslager.

„Mehr Bürokratie“ und „starker Staat“ müssen nicht zwangsläufig dassselbe bedeuten. So kann Bürokratie zum Selbstläufer werden und den den Staat aushöhlen und schwächen.

Oder die Eindämmung
geschieht per Arbeitslager.

Und wie kommt man auf einmal auf Arbeitslager? Das Ganze ist für mich in keiner Weise logisch nachvollziehbar.
Grüße, auch-Peter

Hallo,

also ich sehe da gar keinen Zusmmenhang - an gar keiner Stelle.
Historisch gesehen hate die Sowjetunion Arbeitslager, das stimmt. Aber die übrigen Ostblockländer hatten definitiv keine. Dafür hatte Hitler aber seine KZ - und der war ja nun echt nicht sozialistisch.
Und Bürokratie gibt es heute in der BRD mehr als in der DDR. Die haben hier Ämter, die kannten wir gar nicht. Der DDR-Bürger hatte zum beispiel eine einheitliche Sozialversicherung - die Trennung ion Kranken- und Rentenversicherung war absolut unbekannt. Der hatte als Normalbürtger auch nichts mit Finanzämtern und Steuererklärungen zu tun und mit vielem anderen Kram auch nicht. Ich weiß auch erst seit 1990, daß es Einwohnermeldeämter gibt - früher hat so was die Polizei nebenbei mit gemacht. ES gab generell nicht halb so ein Wirrwarr an Zuständigkeiten wie heute.

Natürlich ist jeder sozialistische Staat ein starker Staat. Unbestritten. Aber gerade weil so vieles automaisch vorgeschrieben und staatlich reglementiert wird, hat er auch weniger Bürokratie. ES gibt dann nämlich nichts merh zu regeln und zu entscheiden. Das Zivilgesetzbuch der DDR war ne dünne Broschüre - schau Dir dagegen mal das BGB an mit all seinen Änderungen, Ergänzungen und Erläuterungen!

Und was in dem Zusammenhang das Arbeistlager soll, das begreife ich schon gar nciht. Sicher hat es im Sozialismus mehr politische Häftlinge - die gibt es in einer echten Demokratie ja nicht. Aber die können genau so gut im normalen Knast sitzen. Dafür fallen ja andere Straftaten praktisch weg - es gab z.B,. so gut wie keine Raubüberfälle oder Banküberfälle. Wozu auch - es hätte ja keiner unbemerkt größere Summen ausgeben können.

Gernot Geyer

Servus!

Ich hätte gerne Meinungen zu der These gehört:

Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen Sozialismus und
Bürokratie bzw. Arbeitslager.

Oha!

Begründung: Der Sozialismus ( z.B. Marke Bentham’scher
Wohlfahrtsstaat) belohnt Mißbrauch. Tendenziell lassen sich
immer mehr Leute dazu verführen (Nachahmung und Verwöhnung).
Die Eindämmung des Mißbrauchs schafft mehr Bürokratie (z.B.
Marke „Wir brauchen einen starken Staat“). Oder die Eindämmung
geschieht per Arbeitslager.

Also, dass Mißbrauch explizit belohnt wird, das wäre ja was einmaliges in der Weltgeschichte. Aber ich glaube, das hast du auch nicht so gemeint: Eine Rundumwohlfühlversorgung verführt zum Mißbrauch, das war´s wohl eher, nicht? Da nun schiebt ein sozialistischer Staat den Riegel vor, indem hier - wie überall - zu den Rechten auch Pflichten gehören. Um diese Pflichten einzufordern, braucht´s keine Bürokratie, sondern Polizei.

Dass z.B. in der Sowjetunion die Bürokratie so stark war, daß heutige Historiker mehr über Stalins Verordnungen als über die von Hitler wissen (weil unter Stalin einfach ALLES dokumentiert und abgeheftet wurde, bei Hitler nicht), hat damit zu tun, dass das gesamte Wirtschafts- und Sozialleben im Idealfall zentral gesteuert war. Sowas ist zwar nicht möglich, schon gar nicht in einem Land wie der Sowjetunion, aber gerade deshalb wurde die ganze Planungs-, Verwaltungs- und Verteilungsbürokratie immer stärker, weil: Es MUSS doch möglich sein!..

Zum Arbeitslager: Wie Gernot schon schrieb, die gab´s natürlich in der SU. Das hatte aber nix mit Sozialismus zu tun, sondern damit, dass die SU eine Diktatur war. Und in Diktaturen, die ja per definitionem von Unterdrückung gekennzeichnet sind, sind Arbeitslager tatsächlich gang und gäbe.

VG
Christian

hallo gernot,

ich stimme dir vollauf zu.
nur ein detail, du kannst das stasi-arbeitslager „X“ in berlin-hohenschönhausen besichtigen. es gab schon noch arbeitslager, auch wenn man es so nicht nannte, sondern straflager.

strubbel
i:open_mouth:)

Hallo,

nur ein detail, du kannst das stasi-arbeitslager „X“ in
berlin-hohenschönhausen besichtigen. es gab schon noch
arbeitslager, auch wenn man es so nicht nannte, sondern
straflager.

Mag sein. Aber wie viele gab es denn davon? Das waren absolute Ausnahmen.
Ich kenne es eigentlich nur so, daß Staatsgegner auf Grund irgendwelcher Vergehen zu Haftstrafen verurteilt wurden, die sie dann in Gefängnissen abgesessen haben. Das die dort auch arbeiten mußten, zum Teil auch außerhalb der Haftanstalt - das war ja normal und galt für alle Häftlinge gleichermaßen.
Aber deshalb waren das noch lange keine Arbeitslager im üblichen Sinne.
Im Übrigen: ich kenne ein paar Tausend Leute. Da sind auch ein paar dabei, die irgendwannmal im Knast saßen - aber keiner, der in so einem Lager war. Das kann im Vergleich zur Gesamtbevölkerung keine ernsthafte Größenordnung gewesen sein.

Gernot Geyer

hallo gernot,

8.000 insassen reichen auch.
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/…

strubbel
=:open_mouth:/

Ja sicher - 8.000 in 22 Jahren. Und das bei 17 Millionen Eionwohnern. Also doch recht relativ das Ganze.
Natürlich sind es trotzdem 8.000 zuviel. Aber ich würde es trotzdem nicht systemtypisch nennen wollen - und insofern stellt sich auch die Frage, wie erhaltenswert das Ganze ist. Weil man eigentlich ja nicht die Ausnahme als Regel ausgeben soll.
In der BRD würde ja auch keiner die Hochsicherheitsverwahrung der RAF-Terroristen als typische Strafverwahrung bezeichnen.

Gernot Geyer

Hallo, Gernot,
mal von den Straflagern abgesehen, in der Aussage des Fragestellers, der Sozialismus tendiere zur (Über-)Regulierung steckt schon ein Körnchen Wahrheit.

Denn soziale Systeme bieten natürlich auch Angriffspunkte, die dann als „soziale Hängematte“ in Erscheinung treten. Und da so mancher sich durchaus mit dem zufrieden geben kann, was öffentliche Wohlfahrt ihm angedeihen lässt, erfordert das einen erhöhten Aufwand an Kontrolle gegen den Mißbrauch, der zwangsläufig zur Vermehrung bürokratischen Aufwandes führt.

Liberale Systeme hingegen, die alles dem freien Spiel der Kräfte überlassen - das andere Ende der Skala - ermutigen in ihrer übelsten Ausprägung zum Gebrauch der Ellenbogen, was wiederum den Schwachen im Lande wenig bis keine Chance läßt. Dafür bedürfen sie auch nur minimaler Steuerung durch den Staat.

Der mittlere Kurs, den wir seit 1949 mit der sozialen Marktwirtschaft zu steuern versuchen, bedarf allerdings ziemlich viel Augenmaß und Fingerspitzengefühl, was unseren Politikern leider nicht immer zu eigen ist.

Grüße
Eckard

Hallo Eckard,

natürlich führt auch die Überregulierung zu einem großen Teil an Bürokratie. Ich kenne ja selber vom Studium her noch das dumme Spiel mit Planungsrichtlinie Teil A-Q und die schönen Durchbonanzierungen von Material, die dann praktisch doch nie richtig aufgingen.
Allerdings wird halt vieles davon wieder dadurch kompensiert, daß das ganze Leben mehr oder weniger in eng begrenzten Bahnen läuft - es gab ganze Geschäftsfelder, die kamen überhaupt nicht vor. Da es im Finanzbereich z.B. keine Wechsel gab (das ganze Ding war unbekannt), brauchte es auch kein dazugehöriges Gesetz.
Es war halt ein sehr vereinfachtes Gefüge - und daher wird sich das in der Summe aufheben.
Auf alle Fälle braucht die heutige Stadtverwaltung zwei große Gebäude - bis 1990 reichte ein Rathaus. Und das riedige Landramtsamt saß damals in ein paar Baracken. Auch bitte ich zu bedenken, daß selbst heute, wo doch die halbe Regierung noch in Bonn sitzt, in Berlin ein ganzer Haufen Neubauten für Regierungszwecke entstanden ist - offenbar haben die Gebäude der DDR-Regierung da nicht gereicht. Eigentlich doch ulkig - da saß das gewaltige Ministerium für Staatssicherheit mit all seinen Archiven, Wachregiment und was weiß ich noch - aber der BND braucht, falls er nach berlin zieht, auch wieder einen totalen Neubau.
Da fragt sich doch echt wozu. Offenbar haben die doch alle wesentlich mehr personal und Bürokratie.

WIe DU schon schreibst - das Leben war im Wesentlichen geregelt und lief ohne Ämter ab. Und das war auf alle Fälle weniger nervig.

Gernot Geyer

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