Spambounces abmahnen

Angenommen, Peter Postmaster hätte seinen Mailserver so konfiguriert, dass er eingehende Mails auf Spam überprüft und als solcher erkannte Mails, mit einem entspr. Kommentar versehen, an den vermeintlichen Absender zurücksendet.

Infolgedessen bekäme Sigi Spamopfer gebouncte, fremde, aber unter einer seiner Mailadressen verfasste Spams auf den von ihm verwalteten Mailserver geliefert. Da Sigi sowieso schon jeden Tag hunderte Spams aussortieren muss, fühlt er sich durch diese zusätzliche Last überaus gestört und verlangt von Peter Postmaster per Mail, seinen Server umzukonfigurieren, dass dieser Spams zukünftig nicht mehr bounct.

Peter antwortet ihm, dass er seinen Server verwalte wie er wolle und das Sigi das gar nichts anginge. Wenn’s ihn störe, solle Sigi solle doch selbst dafür sorgen, dass sein Server Mails von Peter@postmaster nicht mehr entgegennimmt.

Tatsächlich stellt Sigi in der Folgezeit fest, dass ihn nach wie vor regelmässig Bounces von Peters Server erreichen.

Kann Sigi Peter erfolgreich abmahnen (lassen)? Kann Peters Verhalten als „Eingriff in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbetrieb“ gewertet werden? Oder ist Peter hier evtl. als Mitstörer zu betrachten?

Gruss
Schorsch

Hallo erstmal,

das Thema kommt gerade auf, und es wäre sicherlich spannend bei ausreichender Kriegskasse so ein Verfahren mal durchzuziehen. Ausgangsmöglichkeit wäre meines Erachtens so, dass man in Richtung einer Opt-Out-Lösung tendieren könnte. Also grundsätzlich Bounces ja, weil ja nicht ausgeschlossen werden kann, dass es sich um eine versehentlich fehlgeleitete Mail handelt und der Absender ein vermutetes Interesse daran hat, über die Unzustellbarkeit informiert zu werden. Auf Verlangen des angeblichen Absenders, keine Bounces mehr zuzustellen wären diese aber wohl bei berechtigtem Interesse, wie Missbrauch seiner Adresse als Spamabsender im großen Stil, zu unterlassen.

D.h. es käme darauf an den Umfang der Bounces und das Interesse an der Ausnahme nachzuweisen. Nicht dumm wäre sicherlich auch, schon mal einen Schaden zu beziffern.

Als problematisch würde ich höchstens noch erachten, wenn der angebliche Absender keine Möglichkeit hat, die Bounces abzustellen. D.h. wenn ich bei einem der großen Massenhoster bin, habe ich ggf. gar keine Möglichkeit auf die Mailserverkonfiguration einzuwirken. Dann müsste man dem ggf. gleich noch den Streit verkünden.

OT: Wie heißt der Sausack und wann zahlen wir ihm seine Freundlichkeiten heim?

Gruß vom Wiz

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Jörg,

das Thema kommt gerade auf, und es wäre sicherlich spannend
bei ausreichender Kriegskasse so ein Verfahren mal
durchzuziehen. Ausgangsmöglichkeit wäre meines Erachtens so,
dass man in Richtung einer Opt-Out-Lösung tendieren könnte.
Also grundsätzlich Bounces ja, weil ja nicht ausgeschlossen
werden kann, dass es sich um eine versehentlich fehlgeleitete
Mail handelt und der Absender ein vermutetes Interesse daran
hat, über die Unzustellbarkeit informiert zu werden.

es geht hier nicht um Unzustellbarkeitsmeldungen; diese zuzustellen entspricht gutem Brauch und mir fiele im Moment keine technisch zumutbare Lösung ein, hier zwischen Unzustellbarkeit seriöser Mail wg. falsch geschriebener Empfängeradresse oder bspw. Ausscheidens des MA aus dem Unternehmen und Unzustellbarkeit wegen kaputter Spammer-Adressammeltools zu unterscheiden. Derartige Meldungen werden üblicherweise unmittelbar bei Kontaktaufnahme vom sendenden zum empfangenden Server generiert, der Mailinhalt somit gar nicht erst übermittelt und vom Empfänger weiterverarbeitet.

Sigis Problem bezieht sich vielmehr auf Mails, die vom empfangenden Server zunächst tatsächlich entgegengenommen und verarbeitet wurden. Dabei hat dieser Server festgestellt, dass es sich um Spam handelt und dann erst den Bounce generiert. Dies ist auf jeden Fall ein erheblicher Verstoß gegen die guten Sitten im Internet. Zumal Peter ausweislich der Transskripte einen Mailserver verwendet, der ein solches Verfahren zwar erlaubt, in dessen Konfigurationsdateien von der Verwendung eines derartigen Verfahrens aber mehr als eindringlich abgeraten wird. Peter hat sich also bewusst und gezielt über guten Brauch hinweggesetzt.

OT: Wie heißt der Sausack und wann zahlen wir ihm seine
Freundlichkeiten heim?

Im Moment ist der Fall tatsächlich noch rein fiktiv; insbesondere einen Mail-Wechsel zw. Peter Postmaster und Sigi Spamopfer hat es in der geschilderten Form nicht gegeben. Sollte Sigi aber tatsächlich weitere Belege für Peters 'Fehl’verhalten finden und er zudem von seinen Vorgesetzten trotz des wirtschaftlich vernachlässigbaren Schadens grünes Licht für ein rechtliches Vorgehen bekommen, mutierte Peters Namen zu einer Adresse, die, gelänge der Vorfall an die Öffentlichkeit, durchaus eine gewisse Aufmerksamkeit in der Community gewährleistete.

Und deshalb derzeit an dieser Stelle besser nicht genannt wird.

Gruss
Schorsch

Hallo,

Sigis Problem bezieht sich vielmehr auf Mails, die vom
empfangenden Server zunächst tatsächlich entgegengenommen und
verarbeitet wurden. Dabei hat dieser Server festgestellt, dass
es sich um Spam handelt und dann erst den Bounce generiert.
Dies ist auf jeden Fall ein erheblicher Verstoß gegen die
guten Sitten im Internet. Zumal Peter ausweislich der
Transskripte einen Mailserver verwendet, der ein solches
Verfahren zwar erlaubt, in dessen Konfigurationsdateien von
der Verwendung eines derartigen Verfahrens aber mehr als
eindringlich abgeraten wird. Peter hat sich also bewusst und
gezielt über guten Brauch hinweggesetzt.

Die „guten Bräuche“ im Internet werden von deutschen Gerichten nur zögerlich anerkannt. Im Ausland sieht dies z.T. schon ganz anders aus. Da findet man gerne schon mal Urteile, die auf die Netiquette Bezug nehmen. Aber hier wird natürlich auch mit klassischen Rechtsbegriffen etwas machbar sein, denn spätestens bei Mitteilung, dass Du aus verständigen Gründen die Mails nicht will, hat er ein Problem.

Im Moment ist der Fall tatsächlich noch rein fiktiv;
insbesondere einen Mail-Wechsel zw. Peter Postmaster und Sigi
Spamopfer hat es in der geschilderten Form nicht gegeben.

Würde ich schleunigst nachholen, dann ist man für den Fall, dass die Sache sich auswächst schon mal gut gerüstet. Für ein rechtliches Vorgehen müsste allerdings schon eine wirtschaftliche Komponenten gegeben sein. D.h. einzelne solcher Mails wird man nicht sanktionieren. Sollte aber mal ein böser Spammer hunderte Mails in deinem Namen versenden und dann trotz vorherigem Hinweis hunderte von Bounces bei dir landen, wäre er dran.

Sollte Sigi aber tatsächlich weitere Belege für Peters
'Fehl’verhalten finden und er zudem von seinen Vorgesetzten
trotz des wirtschaftlich vernachlässigbaren Schadens grünes
Licht für ein rechtliches Vorgehen bekommen, mutierte Peters
Namen zu einer Adresse, die, gelänge der Vorfall an die
Öffentlichkeit, durchaus eine gewisse Aufmerksamkeit in der
Community gewährleistete.

Dann warten wir mal ab.

Gruß vom Wiz