Spanien und die Mauren

Hi,

anläßlich der heutigen ZDF-Sendung über die Schlacht von Lepanto grübelte ich ein bißchen über die teilweise Besetzung Spaniens durch die Mauren bzw. die Rückeroberung durch die Christen nach. Wenn ich mich recht entsinne, ging die Besatzung 1225 im Wesentlichen zuende und nur Sevilla und Granada verblieben im maurischen (eigentlich waren es m.W. die Almohaden) Besitz.

Sevilla wurde 1248 „befreit“, Granada erst 1492. Was geschah bzgl. Granada eigentlich in den knapp 250 Jahren dazwischen? Ich kann mir kaum vorstellen, daß die Spanier begeistert waren, eine fremde Enklave auf ihrem Territorium zu haben. Ich nehme mal an, daß es zwischenzeitlich Angriffe und Schlachten gab. Warum waren diese nicht von Erfolg gekrönt? Der Nachschub für die Mauren kann so toll ja nicht gewesen sein.

Wer weiß mehr?

Gruß
Christian

Auf die Schnelle der Hinweis auf ‚meine‘ Linksammlung zu Spanien im Mittelalter:
http://www.uni-tuebingen.de/mittelalter/links/alllin…

ansonsten kann ich Dir morgen früh mehr liefern!

Gruesse, Larissa

Hallo !

Nachschub? Die Mauren waren keine Besatzer, die den auf der iber. Halbinsel Lebenden das letzte Brot wegnahmen, sondern brachten erst einmal Kultur nach Spanien. Kultur, Technik, Architektur, moderne Landwirtschaft und ein Leben ohne Angst vor der Inquisition. Nachschub aus Afrika brauchten sie nicht, sie lebten in Spanien besser, als in Nordafrika. Nicht durch Ausbeutung, sondern durch Arbeit und Zusammenarbeit mit anderen Religionen.

Die „Befreier“ der von den Arabern besiedelten Gebiete hätten vorher die dort lebenden Christen und Juden fragen sollen, ob sie überhaupt befreit werden wollten!

Und jetzt zu Deiner Frage :

Die christl. Königreiche des Nordens - klein, arm und dünn besiedelt - waren durch den Zusammenbruch des Kalifats von Cordoba (1038), die Rivalitäten zwischen den Nachfolgereichen (den taifas) und die wiederauflebende Moslem-Macht in Nordafrika (der Almoraviden, anschließend der Almohaden) tief in die Politik der Moslemstaaten weiter im Süden hineingezogen worden. Der anfängliche Energieausbruch, der in der Eroberung Toledos 1085 durch die Christen gipfelte, wurde gefolgt von einem großen Glaubenskreuzzug, wie es im 12. Jahrhundert wohl nicht anders zu erwarten war und die Reconquista fand dann ihren vorläufigen Abschluß mit der Einnahme von Cordoba (1235), Murcia, Jaen und Sevilla (1248) durch die kastillischen Truppen unter Ferdinand III. So wurde das Königreich Leon-Kastilien, das innerhalb von 50 Jahren sein Territorium verdoppelt hatte, zur Hegemonialmacht auf der Iberischen-Halbinsel, allerdings waren die hinzugewonnenen Gebiete nach der Flucht der Moslems sehr stark entvölkert.
Der neue König von Kastillien, Alfons X, der Weise (1225-1284), versuchte, Bewohner des Nordens zur Umsiedlung nach Andalusien zu bewegen. Weite Landstriche wurden den Kirchen zugewiesen, den militanten Orden und dem Adel - mit dem Ziel, die neuerworbenen Ländereien schleunigst wieder zu kultivieren.
Pläne, die Reconquista durch die Eroberung des Königreichs Granada zu vervollständigen, kamen erst 1492 nach einem harten zehnjährigen Kampf zur Ausführung. Zwei Jahrhunderte lang stellten die span. Königreiche alle Feindseligkeiten gegen die Moslems ein, ja, sie duldeten den weiteren Verbleib der Moslems und Juden in einem erstaunlich hohen Ausmaß, bis sich am Ende des 14. Jahrhunderts die neu erwachte Intoleranz in einem ungeheurem Pogrom manifestierte.

Heute ist man bemüht in genau diesen Teilen Spanien, die Moslems wieder anzusiedeln. Viele Spanier, die nachweislich von den Arabern abstammen, kehren zum Islam zurück.
Schlimm war damals nicht die islamische Kultur, sondern die christliche.

Grüße Max

Ergänzungen
Aus dem Lexikon des Mittelalters:

Zur Geschichte der Stadt Granada:
In iber. und röm. Zeit als Iliberri (Elvira) nicht unbedeutend, war es bei der islam. Eroberung eine kleine, v. a. von Juden bewohnte Stadt (Garnat at al-Yahud). Mitte des 8. Jh. wurde der Hügel des heut. Albaicín teilweise umwallt, und in Auseinandersetzungen des 9. Jh. wird die Alcazaba (Festung) der Alhambra genannt. 1012 machte Zawi, der Begründer der Ziriden-Dynastie, G. zur Hauptstadt seines Reiches. 1066 war G. Schauplatz einer blutigen Judenverfolgung. Als nach Almoraviden und Almohaden der Nasride Muhammad I. (1237-73) sein Reich, mit Hauptsitz in G., errichtete, erlebte die Stadt neuerl. Aufschwung: Ausbau der Palaststadt (Madinat al-Hamra>/Alhambra) auf dem Sabika-Hügel (Abschnitt II), Wallerweiterungen sowie Entstehung zweier großer, nie völlig besiedelter Vorstädte. 26 Stadtviertel und 12 weitere im Albaicín, 27 Tore (davon 15 in den Außenwällen) und 9 Brücken über den Darro nebst der Genil-Brücke werden genannt. Die Stadtfläche, unter den Ziriden ca. 75 ha mit etwa 26 000 Einwohnern, betrug unter den Nasriden 170 ha mit 30000-50000 Einw., rund einem Zehntel der Gesamteinwohnerzahl des knapp 30 000 km2 umfassenden Reiches.

Zum Reich der Nasriden: Seine Gesch. wird bestimmt von folgenden Faktoren: 1. der Lehnsabhängigkeit zu Kastilien-León, 2. den Auseinandersetzungen mit der verwandten, in Guadix, Málaga und Comares herrschenden Sippe der Asqilula, 3. der Schaukelpolitik gegenüber den Meriniden Marokkos, die bis 1370 Brückenköpfe an der andalus. Küste besetzt hielten, 4. der Wirtschaftsmacht Genuas, das seit etwa 1350, nach dem seit 1275 andauernden Kampf um die Meerenge v. Gibraltar, das Land, dessen polit. Lage durchweg prekär war, im Griff hatte. Im 13. und Anfang des 14. Jh., bes. unter Isma

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Hallo Larissa,

vielen Dank für die prägnante Schilderung.
Literarisch fand ich das Ganze sehr gut verarbeitet in dem Roman von

Ali, Tarik: Im Schatten des Granatapfelbaums

Viele Grüße

Iris

Mondlaub von Tanja Kinkel ist auch nicht schlecht.

Grüße, Larissa

muslimische Wiederansiedlung?

Heute ist man bemüht in genau diesen Teilen Spanien, die
Moslems wieder anzusiedeln. Viele Spanier, die nachweislich
von den Arabern abstammen, kehren zum Islam zurück.
Schlimm war damals nicht die islamische Kultur, sondern die
christliche.

Hallo Max,

wenn Du die Einwanderung aus Marokko etc. als Wiederansiedlung von Moslems bezeichnen willst… bitte.

Aber einen Beleg für eine Rekonvertierung hätte ich doch ganz gerne.

Andreas

Hallo !

Nein, ich meine nicht die illegalen Einwanderer.

Im Süden Spaniens, dort, wo die Spanier am spanischten sind, erlebt man heute eine Rückkehr zu den maurischen Wurzeln durch die alteingesessenen Spanier.
Das behaupte ich nicht einfach so, sondern ist ein Problem für Spanien selbst. Katholische Spanier die heute zum Islam übergehen und das genau dort, wo die Araber einst siedelten.
USW, usw.

Grüße Max

Die Mauren waren keine Besatzer, die den auf der
iber. Halbinsel Lebenden das letzte Brot wegnahmen,

Letzteres habe ich auch nie behauptet. Die Rolle der Mauren als „Kulturbotschafter“ ist mir wohlbekannt. Besetzt haben sie das Land aber allemal.

Ansonsten danke für Deine Antwort, daß die Mauren dort völig autark vom „Mutterland“ waren, war mir nicht bekannt, daher auch die Frage nach dem Nachschub.

Gruß
Christian

Hallo Christian!

Schon richtig, die Mauren eroberten fast ganz Spanien für sich. Aber – von wem? Von den Westgoten, welche dieses Land ebenfalls für sich erobert hatten, nämlich von den Nachfolgern der Römer. Und die wiederum hatten es von den Karthagern erobert und die wiederum von den Iberern, vermischt mit den Kelten.
Im 8. jahrhundert eroberten es die Araber dann.
Das arab. Kalifat Cordoba zerfiel bald in einzelne Reiche, die den fortgesetzten Angriffen der Christen nach und nach erlagen, so daß die Araber nach der Niederlage von Tolosa 1212 auf Granada und Cordoba beschränkt blieben.
Die heutigen Spanier sind ein Gemisch aus sämtlichen europäischen (Goten, Sueben und Vandalen usw) Völkern und Arabern.
Fast 600 Jahre arabische Geschichte auf der Iberischen Halbinsel!
Da ist man nicht mehr vom Nachschub abhängig! Es ging ihnen so, wie den amerikanischen Siedlern, irgendwann geht einem das „Mutterland“ auf den Wecker und man macht sich selbständig. Natürlich haben sie mit allen Ländern Handel getrieben!
So ganz autark ist ja auch heute noch kein Land der Erde!

Grüße Max

Im Süden Spaniens, dort, wo die Spanier am spanischten sind,
erlebt man heute eine Rückkehr zu den maurischen Wurzeln durch
die alteingesessenen Spanier.

Nun aber der Beleg. Oder anders gesagt: ich glaube Dir nicht.

Andreas

Beleg!!

Es gab mehrere Sendungen im Fernsehen über diese Erscheinung.
Nicht bei SuperRTL und nicht bei Sat 1.

Grüße Max