Sparanteil in Lebensversicherung

Liebe Leute!

Es ist zwar eine praktisch vollkommen unbedeutende Spielerei, aber es läßt mir keine Ruhe: Vor einiger Zeit habe ich in diesem Forum die Behauptung aufgestellt, daß man den Sparbeitrag einer Kapitallebensversicherung (LV) errechnen kann, wenn man den Rechnungszins, die Laufzeit und die garantierte Versicherungssumme einer LV kennt.

Ein bekannter (und leider recht kompetenter) Wuppertaler Versicherungsberater geißelte diese Aussage als „Blödsinn“. Meiner Bitte mir zu erklären, was daran blödsinnig ist, kam er leider nicht nach.

Leider habe ich im Moment keine Zeit, mich für einen Vormittag in die Unibibliothek zu verziehen und meine etwas eingeschlafenen Kenntnisse der LV-Kalkulation aufzufrischen. Mein altes Fachbuch gibt zu dem Thema nicht allzu viel her. Zumindest prinziell scheint meine Aussage aber richtig zu sein, denn es bestätigt, daß „der Sparanteil zum Ansparen der vereinbarten Versicherungssumme während der Vertragsdauer“ dient. Basis für die Berechung sind tatsächlich die von mir gennnanten Faktoren: Rechnungszins, Laufzeit und garantierte Versicherungssumme. Zumindest bezogen auf das ungezillmerte Deckungskapital scheint meine Aussage also korrekt zu sein.

Problempunkt sind somit wohl nur die Abschlußkosten. Das aus dem Sparanteil und den rechnungsmäßigen Zinsen gebildete ungezillmerte Deckungskapital wird ja noch um die Abschlußkosten gekürzt. Da das so gezillmerte Deckungskapital in den ersten Jahren negativ, bzw. sehr gering ist, müßte ergo der „Sparanteil“ etwas höher sein, als nach der von mir vorgeschlagenen Methode.

Nichts desto trotz scheint mir mein Vorschlag, einen ungefähren Sparanteil unter Berücksichtigung der genannten Faktoren herauszurechnen, alles andere als „Blödsinn“ zu sein. Auch wenn der tatsächliche „Sparanteil“ höher ist, so ist doch für den Kunden letztendlich entscheidend, welcher Teil seiner Beiträge denn nun tatsächlich sein Vermögen mehrt. Daß die Abschlußkosten aus seinem Sparanteil vorfinanziert werden, und somit der kakulatorische Sparbeitrag etwas höher ist, ist doch für den Kunden unerheblich.

Wer kennt sich mit den Kalkulationsgrundlagen der LV besser aus und kann mir sagen was an meiner Überlegung falsch ist.

Kann es sein, daß sich der Sparanteil im Laufe der Versicherungsdauer verändert oder ist die zunächst etwas „schleppende“ Entwicklung des Deckungskapitals nur auf die Zillmerung zurück zu führen?

Welche Faktoren, außer Sparbeitrag, Rechnungszins, Laufzeit und Vorfinanzierung der Abschlußkosten beeinflußen ggf. noch die Entwicklung des Deckungskapitals ?

Wie erfolgt die „Rückführung“ der Abschlußkosten in das Deckungskapital kalkulatorisch!

Schwierige Fragen, ich weiß - aber vielleicht habe ich ja Glück und jemand kann mir längeres „Nachsitzen“ ersparen.

Dank und Gruß
Gero

Hallo Gero,
da wir in der Schule gerade LV und deren ganze Berechnung haben, will ich es mal versuchen.
Zunächst einmal richtet sich der Risikobeitrag ja auch nach dem Alter der zu versichernden Person und dem Geschlecht. Dazu hilft dann das jeweilige Risikoeinschätzungsmaterial, bsp. die bekannte Sterbetafel, Rückversicherermaßgaben und noch so einiges mehr, was wiederum alles risikopolitisch ist.
Da alle Versicherer aber nicht den gleichen Rückversicherer haben, fängt es da schon mal an, denn die haben unterschiedliche Annahmepolitik und Risikosätze. Du wirst also schon Probleme bekommen, diesen Risikoanteil herauszufiltern.
Bei uns in den Büchern ist dieser schon vorgegeben *g*, aber das nützt dir sicherlich nichts, da die fiktiv sind.
Und selbst wenn du den Risikoanteil herausfiltern kannst, so kann er im nächsten Jahr schon wieder davon abweichen. Nach oben und nach unten.
Dazu kommen dann noch eventuelle Ratenzuschläge, die aber wiederum leicht rausrechenbar sind.
Weiterhin kommen Kostenbeiträge dazu. Und ich denke mal, dass sich da kaum ein Versicherer in die Karten gucken lassen wird und diese rausrückt. Und wie schon beim Risikoanteil kann dieser Betrag jährlich schwanken.
Aus diesem Grund ist der Beitrag in der LV ja auch etwas höher, als er eigentlich kalkuliert wird. Sozusagen eine Verlustrücklage, für den Fall, dass alle Kosten nach oben schnellen, denn man darf während der Laufzeit, abgesehen von Dynamik, keine Beitragserhöhung vornehmen. Diese Sicherheitszulage wird dem Kunden natürlich am Ende wieder ausgezahlt.
Und das die LV im Normalfall erst im Minus anfängt hat nur bedingt etwas mit dem gezillmerten Kapital zu tun. Sicherlich, man zieht erstmal die ganzen Kosten ab, damit der Versicherer plus minus 0 am Anfang rausgeht, falls der Vertrag platzt. Und natürlich dem Kunden auch etwas schwerer zu gestalten, zum Beispiel jedes Jahr die Versicherung zu wechseln. Ist ja auch immer mit riesigem Aufwand verbunden.

Ich hoffe zumindest etwas gedient zu haben, aber ich denke mal auch, dass es kein Blödsinn ist, aber sehr, sehr sehr schwierig sein wird, das herauszurechnen.
Aber trotzdem viel Spaß.

Gruß Marco

Hi Gero,

ich zitiere mal aus „Versicherungsmathematik 1, Personenversicherungen“, K. Wolfsdorf, S. 168:
B(sm)=v*(m)V(x)-(m-1)V(x)+v*E(m)
heißt Sparbeitrag (im m-ten Vjahr)

die Klammern stehen für Indizes.
V:Reserve
E:Erlebensfallleistung

Leider kannst Du damit nicht viel anfangen. Denn erstens ist das Deckungskapital nicht bekannt, und zweitens bist Du als Kunde vermutlich nicht nur am Sparanteil bezüglich Reserve interessiert, sondern auch an den zugewiesenen Überschüssen. Die Frage ob der Tarif gezillmert ist oder nicht hat damit soweit ich sehe übrigens nichts zu tun.

Max

Hi,

ich gehe doch noch etwas genauer auf Deine Fragen ein (habe ein bischen Zeit :smile: )

Liebe Leute!

Es ist zwar eine praktisch vollkommen
unbedeutende Spielerei, aber es läßt mir
keine Ruhe: Vor einiger Zeit habe ich in
diesem Forum die Behauptung aufgestellt,
daß man den Sparbeitrag einer
Kapitallebensversicherung (LV) errechnen
kann, wenn man den Rechnungszins, die
Laufzeit und die garantierte
Versicherungssumme einer LV kennt.

Ein bekannter (und leider recht
kompetenter) Wuppertaler
Versicherungsberater geißelte diese
Aussage als „Blödsinn“. Meiner Bitte mir
zu erklären, was daran blödsinnig ist,
kam er leider nicht nach.

Leider habe ich im Moment keine Zeit,
mich für einen Vormittag in die
Unibibliothek zu verziehen und meine
etwas eingeschlafenen Kenntnisse der
LV-Kalkulation aufzufrischen. Mein altes
Fachbuch gibt zu dem Thema nicht allzu
viel her. Zumindest prinziell scheint
meine Aussage aber richtig zu sein, denn
es bestätigt, daß „der Sparanteil zum
Ansparen der vereinbarten
Versicherungssumme während der
Vertragsdauer“ dient.

Diese Formulierung ist oft zu lesen, sie stimmt aber so nicht. Kein mir bekanntes VU kennt in seinen Rechnungen einen Sparanteil. Das VU geht eine Verpflichtung ein dem Kunden gewisse Leistungen zu erbringen. Dafür muß es Deckungsrückstellungen bilden. Dafür erhebt es einen Beitrag. Die Deckungsrückstellung ist die Differenz aus den zu erwartenden Beiträgen und den zu erwartenden Leistungen (prospektive Methode).

Basis für die

Berechung sind tatsächlich die von mir
gennnanten Faktoren: Rechnungszins,
Laufzeit und garantierte
Versicherungssumme.

Du bräuchtest zusätzlich noch die Kosten, also Abschluß- Inkasso- und Verwaltungskosten sowie die Uberschusszuteilungen. Diese werden aber nicht zeitstetig zugeteilt.

Zumindest bezogen auf

das ungezillmerte Deckungskapital scheint
meine Aussage also korrekt zu sein.

Auch hier nur in dem Idealfall, daß keine Überschüsse anfallen. Dies wäre der Fall, wenn mit exakten Rechnungsgrundlagen gearbeitet würde (RG erster Ordnung) und Sicherheitszuschläge erst später berechnet würden (und = 0 wären). Dies ist aber unrealistisch.

Problempunkt sind somit wohl nur die
Abschlußkosten. Das aus dem Sparanteil
und den rechnungsmäßigen Zinsen gebildete
ungezillmerte Deckungskapital wird ja
noch um die Abschlußkosten gekürzt. Da
das so gezillmerte Deckungskapital in
den ersten Jahren negativ, bzw. sehr
gering ist, müßte ergo der „Sparanteil“
etwas höher sein, als nach der von mir
vorgeschlagenen Methode.

Hier hast Du insofern Recht, als Die übliche Definition des „Sparbeitrages“ zu für jedes Jahr unterschiedlichen Sparbeiträgen führt (siehe untiges Posting).

Nichts desto trotz scheint mir mein
Vorschlag, einen ungefähren Sparanteil
unter Berücksichtigung der genannten
Faktoren herauszurechnen, alles andere
als „Blödsinn“ zu sein. Auch wenn der
tatsächliche „Sparanteil“ höher ist, so
ist doch für den Kunden letztendlich
entscheidend, welcher Teil seiner
Beiträge denn nun tatsächlich sein
Vermögen mehrt. Daß die Abschlußkosten
aus seinem Sparanteil vorfinanziert
werden, und somit der kakulatorische
Sparbeitrag etwas höher ist, ist doch für
den Kunden unerheblich.

Wer kennt sich mit den
Kalkulationsgrundlagen der LV besser aus
und kann mir sagen was an meiner
Überlegung falsch ist.

Kann es sein, daß sich der Sparanteil im
Laufe der Versicherungsdauer verändert
oder ist die zunächst etwas „schleppende“
Entwicklung des Deckungskapitals nur auf
die Zillmerung zurück zu führen?

Genau, liegt nur an der Zillmerung.

Welche Faktoren, außer Sparbeitrag,
Rechnungszins, Laufzeit und
Vorfinanzierung der Abschlußkosten
beeinflußen ggf. noch die Entwicklung des
Deckungskapitals ?

Wie erfolgt die „Rückführung“ der
Abschlußkosten in das Deckungskapital
kalkulatorisch!

Über die Zillmerung. Der Nettobeitrag wird um den Zillmersatz erhöht. Die Nettoreserve wird mit diesem „Zillmerbeitrag“ berechnet.
Wegen V=L-P vermindert sich das Deckungskapital.

Schwierige Fragen, ich weiß - aber
vielleicht habe ich ja Glück und jemand
kann mir längeres „Nachsitzen“ ersparen.

Das war wohl auch etwas länglicher :smile:

Max

Dank und Gruß
Gero

Dank und Sorry
Vielen Dank ihr Beiden!

Tut mir leid, daß ich mich erst so spät wieder melde. Bin aus familiären Gründen im Moment nicht in der Lage die Dikussion weiter aufzunehmen, Wollte aber schnell danke sagen. Eure Mühe war bestimmt nicht nicht vergebens - nächstes Jahr greife ich das Thema wieder auf.

Bis dann
Gero