Sparsamkeitssucht?

Ich wollt mal fragen ob es sowas wie Sparsamkeitssucht gibt? Und wenn ja, ob das eine spezielle Bezeichnung hat.

Sparsamkeit ist ja erstmal etwas positives, aber wie bei Allem ist das Maß entscheidend.
Wenn man sich bewusst überlegt, wieviel Geld man spart wenn man im Supermarkt auf Unnötiges verzichtet und die billigsten Produkte bevorzugt, oder wenn man mal mit dem Fahrrad fährt anstatt das Auto zu nehmen, usw, dann sind das so Kleinigkeite die sich summieren und am Ende des Jahres kann da ein erstaulicher Betrag herauskommen.

Wenn man das dann aber weitertreibt, wie zum Beispiel ein entfernter Bekannter von mir, und versucht wirklich jede Gelegenheit auszunutzen um zu sparen, dann glaube ich, dass sich die Merkmale von Sucht erkennen lassen.

Wenn sich einer, der eigentlich nicht gerade arm ist, gerne Geld leiht und „vergisst“ es zurück zu geben, und bei Unternehmungen mit Freunden auffällig oft seinen Geldbeutel vergisst und sich deshalb einladen lässt usw, dann könnte sich der eine oder andere ausgenutzt fühlen. Beziehungen werden belastet. Der „Süchtige“ schadet durch sein „Suchtverhalten“ sich und seiner Umgebung - Freunde wenden sich von ihm ab.
Suchtverhalten bestimmt den Alltag: „ich bleibe heute den ganzen Tag daheim, das kostet nichts.“

Es ist vielleicht vergleichbar mit dem Handeln von Messies. Sammelleidenschaft und Freude and Dingen sind ja nichts Schlimmes, aber bei Messies schaltet sich der Verstand ab, wenn es darum geht abzuwegen ob es sich lohnt etwas aufzubewahren oder es besses wegzuschmeissen (Oft stapeln sich in Messi-Haushalten Zeitungen und Zeitschriften bis an die Decke, weil man der Vorstellung unterliegt es könnten darin wertvolle Informationen enthalten sein die man irgendwann mal dringend brauchen kann).

Gibt es Sparsamkeitssucht als Thema in der Psychologie oder ist das eher eine Sache die nicht so stark in Erscheinung tritt als dass man sich bisher damit wissenschaftlich auseinander gesetzt hätte?

Für aufschlussreiche und interessante Antworten ein Danke im Vorraus.

Hallo El Borbah,

ich würde dies als Geiz bezeichnen:
Sich etwas, das man eigentlich möchte oder vielleicht sogar mehr oder weniger dringend benötigt, und das im Rahmen dessen, was man sich leisten kann, aus (übertriebener) Sparsamkeit nicht kaufen.

Zu Geiz gehören, meiner Meinung nach, auch solche Verhaltensweisen wie diese:

Wenn sich einer, der eigentlich nicht gerade arm ist, gerne
Geld leiht und „vergisst“ es zurück zu geben, und bei
Unternehmungen mit Freunden auffällig oft seinen Geldbeutel
vergisst und sich deshalb einladen lässt usw, dann könnte sich
der eine oder andere ausgenutzt fühlen.

Viele Grüße,
Nina

Verarmungsängste und übertriebener Geiz/Sparsamkeit finden sich häufig bei Patienten mit Depressionen und hängen mit dem Rückzug aus den Freuden des Lebens zusammen.

1 „Gefällt mir“

Moin
Du beschreibst da eine Person, die man den „Analcharakteren“ zurechnen würde.
Die Basis so eines „analen Charakters“ wird meist durch rigide Erziehung in der anal-motorischen Phase (2.-4.- Lebensjahr ds Kindes) gelegt.
Gruß,
B.

Naja, dann werd ichs in Zukunft lieber lassen hier nach etwas zu fragen.

1 „Gefällt mir“

Hi

Naja, dann werd ichs in Zukunft lieber lassen hier nach etwas
zu fragen.

Ich bin zwar kein Psychologe, aber sogar mit ist die Analfixierung durchaus bekannt, gerade im Zusammenhang mit Geiz.

Grob gesagt liegt der Knackpunkt in der verfrühten Sauberkeitserziehung und den Kämpfen um’s Häufchen. Mama will was von mir, ich kann aber nichts geben, und irgendwann will ich aus Trotz auch nicht mehr.

Die Antwort war also durchaus ernsthaft gemeint.

Gruß, Zoelmat

7 „Gefällt mir“

Und was ist mit Heizung abdrehen?
Hallo,

hab grad zufällig mitgelesen. Finde ich interessant! Ich kenne da nämlich auch solche Sparsamkeits-Experten. Der eine dreht sogar im Winter die Heizung in seiner Wohnung ab (oder nur auf sehr geringe Werte), ebenso das Warmwasser. Sitzt dann lieber mit Pulli und Jacke auf’m Sofa. Hat außer familiären Kontakten eigentlich kaum (wenige) andere soziale Kontakte. Ist nicht arm, sondern verdient durchschnittlich ganz gut. Kauft sich nicht unnötig Dinge, sondern nur mehr das Nötige. Finde ich schon etwas seltsam…

Gruß,
Yedi386

Hallo

Der eine dreht
sogar im Winter die Heizung in seiner Wohnung ab (oder nur auf
sehr geringe Werte), ebenso das Warmwasser. Sitzt dann lieber
mit Pulli und Jacke auf’m Sofa.

Das muss wohl der Sarrazin sein!
LG,
Jane

3 „Gefällt mir“

Kommt drauf an, auf welche Temperaturen
Hallo,

Das kann man so oder so sehen.

Ich finde eher die Leute merkwürdig, die im Winter die Wohnung auf Temperaturen hochheizen, bei denen man im kurzärmeligen T-Shirt rumläuft.

Oder die Leute, die im Winter 25 Grad brauchen und im Sommer die Wohnung auf 17 Grad runterkühlen.

Etwas Energiesparen und sich den Gegebenheiten der Aussenwelt anpassen, finde ich schon nicht verkehrt. Und im Winter trage ich natürlich in der Wohnung einen Pullver, wenn ich ruhig am Schreibtisch sitze. Wo ist das Problem?

Aber gut, wenn Du jetzt Bekannte hast, die ihre Wohnung auf 10-15 Grad abkühlen lassen, bevor sie heizen, dann finde ich das auch merkwürdig.

Mit vielen Grüssen,
Walkuerax

Guten Abend!

Gibt es Sparsamkeitssucht als Thema in der Psychologie oder
ist das eher eine Sache die nicht so stark in Erscheinung
tritt als dass man sich bisher damit wissenschaftlich
auseinander gesetzt hätte?

Ja, sicherlich gibts das Phänomen.
Häufiger ist aber sicherlich das Gegenteil: die Verschwendungssucht.

Beides ist übrigens strikt zu unterscheiden von pathologischer Sparsamkeit bzw. Verschwendung auf Grund von beispielsweise den Wahnstörungen.
Während die Verschwendung ein schönes Charakteristikum der Manie ist, hat extreme Sparsamkeit uU mit depressivem Verarmungswahn zu tun.

E.T.