Spedition

Hallo,

ich bin aus einer anderen Branche und frage dies lediglich aus Interesse nach einem Gespräch mit Freunden. Also sollte ich falsch liegen nicht zu sehr wundern :wink:

Ein Kleinkrauter - Kleinunternehmer beschäftigt zwei bis drei Fahrer (Sattelzug) und soll davon leben können.

Nach meiner (wie gesagt von Unkenntnis getrübten) Einschätzung lohnt und rentiert sich dies aber erst ab etwa 15 Fahrzeugen, da man ab einer solchen Größenordnung in der Lage ist, größere bzw. längerfristige logistische Aufträge abzusichern und Kapital zu bilden.

Was mir aber suspekt erscheint, wie ist es überhaupt möglich in diesem Bereich Fuss zu fassen ?
Gibt es lukrativere und weniger dankbare Bereiche, welches Risiko besteht darin, ins Subunternehmertum abzudriften ?

Gruß
Theo

Hallo Theo,

es gibt keine Mindestunternehmensgröße, ab der per se gewinnbringender Betrieb möglich ist. Wer z. B. Paletten zwischen Frankfurt/Oder und Danzig transportieren will, kann mit jeder beliebigen Größe eines eigenen Fuhrparks nur scheitern. Das Segment wird von Anbietern mit polnischem Preisniveau dominiert. Wer jedoch das gleiche Marktsegment bearbeitet, nur ohne eigene Fahrzeuge, dafür aber mit besten Kenntnissen polnischen und deutschen Rechts, von Sprache, Transport- und Zollbestimmungen, kann möglicherweise sogar als Alleinunterhalter überleben.

Wer die spezielle Dienstleistung anbietet, besonders schwer oder sperrig, gefährlich, flüssig oder empfindlich gegenüber Temperatur, Erschütterungen, Verwindungen, besonders kompliziert abwickelbar, besonders pünktlich, steht nicht mehr unmittelbar im ruinösen Wettbewerb. Dabei hat sich der Unternehmer die Frage gestellt, weshalb ein Kunde ausgerechnet zu ihm kommen soll. Die Antwort ist dann nicht das Inserat mit dem fettesten Druck in den Gelben Seiten, sondern eine Leistung, die nicht jeder Führerscheininhaber mit einem schrottreifen Fahrzeug erbringen kann.

Es gibt Aufgaben, die ein Großunternehmen nicht wirtschaftlich abwickeln kann, andere Aufgaben sind vom Kleinunternehmen nicht zu stemmen. Eine Tüte Haribo-Konfekt kauft man eben nicht direkt ab Fabrik und die Elektrifizierung der transsibirischen Eisenbahn ist für den örtlichen Elektriker eine Schuhnummer zu groß. Es gibt aber nur selten unternehmerische Aufgaben, die eine genau fixierbare Mindest-Unternehmensgröße verlangen. Allein schiere Größe des Anbieters ist eben kein überzeugendes Argument für den Nachfragenden. Eine Ausnahme sind z. B. Massenmärkte mit weitgehend gleichen Kosten für die Bereitstellung des überall gleichen Angebotes bei niedrigen Abgabepreisen.

Es hat nichts mit der Speditionsbranche zu tun, sondern gilt für jedes Produkt und für jede Dienstleistung: Wer sich als Gründer oder Kleinunternehmer in die Massenmärkte begibt und ohne Besonderheit einfach nur billig sein muß, handelt so phantasie- wie chancenlos. Aber mit der passenden Idee für die Marktlücke, mit einem besonderen Nutzen für den Kunden, kann der Kleinunternehmer rentabler arbeiten als der alles beherrschende Konzern.

Dem Irrtum mit der Mindestgröße von Unternehmen unterliegen sogar viele bekannte Wirtschaftsbosse und fusionieren ohne erkennbare Synergien. Einkaufsvorteile durch höhere Stückzahlen werden als Begründung genannt. Je größer die Stückzahl, desto kleiner werden die Kostenvorteile bei weiterer Vergrößerung der Abnahmemenge. So werden andere Bestrebungen ausgelebt, die aber keinen betriebswirtschaftlichen Hintergrund haben.

Weil es hier im Existenzgründerbrett nicht um Großunternehmen gehen kann, sondern immer nur darum, aus kleinen, oft vom Kapitalmangel gekennzeichneten Anfängen eine Existenz aufzubauen, noch ein Beispiel aus der Elektroindustrie. Das ist allgemein ein Gebiet mit knochenhartem Wettbewerb und verfallenden Preisen. Da gibt es z. B. ein Produkt, das weltweit von mehreren Branchenriesen in großer Stückzahl über zahllose Händler für 50 Euro abgegeben wird. Versucht der kleine Produzent, das gleiche Produkt ebenso billig oder sogar noch günstiger anzubieten, wird er vorhersehbar scheitern. Deshalb geht er einen anderen Weg: Er bietet ein präziseres, dauerhafteres Produkt für 2.000 Euro pro Stück an und erschließt sich über die hohe Qualität ein kleines aber feines Marktsegment, steht dort ganz und gar ohne Wettbewerb da und lebt sehr gut davon. Statt nämlich viele Leute zu beschäftigen, dauernd mit spitzem Bleistift jedem Cent hinterher zu jagen und viel Kapital zu binden, spendiert er „nur“ Know-How. Er könnte über die kläglichen oder sogar fehlenden Gewinne der Massenhersteller lächeln, tut es aber nicht, weil er letztlich von deren fehlender Phantasie und Fixierung auf große Stückzahlen lebt.

Für Speditionen gilt das Gleiche: Du brauchst die Phantasie, um ein Segment zu entdecken, das besondere Kenntnisse und Fähigkeiten verlangt, so daß man sich nicht mit Dumpingpreisen in Konkurrenz zum Billigkutscher begeben muß.

Diese Vorgehensweise funktioniert tadellos in jeder Branche. Die Überlegungen mit Mindestbetriebsgröße, gewaltigem Kapitalbedarf und vielen Angestellten sind für den Gründer ohnehin realitätsfremde Traumtänzerei und mit dem passenden Maß an Phantasie, Sach- und Branchenkenntnis entbehrlich.

Gruß
Wolfgang

Hallo Theo,

unabhängig von den von Wolfgang aufgeführten Punkten, hier noch eine Bemerkungen.

Wenn jemand für Rundläufe mit dem Lkw z.B. 5500 Euro erhält (Destination D-TR)dann mußt Du bedenken, wie lange der LKW unterwegs ist.
Reine Fahrzeit jeweils ca. 6 Tage,also zusammen 12 Tage, dann das Be- und Endladen ca. 2-4 Tage bei Teilladungen.
Er schafft also 2 Touren im Monat und macht 11000 Euro Umsatz!
Jetzt mußt Du die Leasing-Raten für Zugmaschine und Auflieger abziehen, die Personalkosten, Betriebsmittel wie Öl und Diesel, Autobahngebühren, Rücklagen für Wartung und Reparatur und, und, und…

Wenn er dann mit dem was übrig ist leben kann, dann ist es seine Entscheidung.

Grundsätzlich gilt aber, ein Spediteur ist Kaufmann und hat kein Transportmittel, er verkauft Transporte mit der Bahn, dem Lkw, dem Flugzeug usw.(das heißt aber nicht, das er keine eigenen Transportmittel verfügen darf!)
Es gilt der Grundsatz, die Ware nimmt sich immer den günstigsten Weg, daher ist Dein Freund ein „Frachtführer“, der immer wieder verzweifelt Frachten suchen wird uns somit immer im Wettbewerb zu andern Frachtführen stehen wird, die um 1 cent pro Km günstiger sind!

Er kann aber, wenn er feste Verträge hat, bestimmt davon, aber ob er sich diesen Personalbestand leisten kann, das bezweifel ich gewaltig!!! (Siehe meine Kalkulation oben)

Warum ist bei Dir Subunternehmer so negativ, große Speditionen verfügen über keine LKW, sondern greifen auf Frachtführer zurück (Danzas, Panopa usw.)

Speziallisierung ist immer von Vorteil…z.B Transport von hängenden Textilien in Kofferfahrzeugen, aber auch hier daran denken, jede Speziallisierung kostet zusätzliche Investition in das Equipment!

Gruß
Karl-Heinz

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]