Speisen in Italien (17. Jahrhundert)

Hallo.

Ich würde gerne wissen, was im 17. Jahrhundert in Italien auf dem Speiseplan eines (Fest-)Essens stand. Was wurde damals gegessen?

☼ Markuss ☼

Hallo Markuss,
um in die Recherche richtig einzusteigen und nicht auf zweifelhafte Quellen wie historische Romane zurückgreifen zu müssen, wirst Du schon ein wenig Italienisch beherrschen müssen. Die italienische Renaissanceküche entstand bereits im 15. Jahrhundert. Prägend war hier zunächst der unter dem Namen ‚Maestro Martino‘ bekannte Leibkoch des Kardinals Ludovico Trevisan mit seinem ‚Liber de arte coquinaria‘. Rezepte von ihm wurden veröffentlicht in:

Claudio Benporat
Cucina italiana del quattrocento
Leo S. Olschki Editore, Firenze 1996
ISBN: 8822244583 Buch anschauen

Er hatte starken Einfluss auf seinen etwas jüngeren Zeitgenossen Bartolomeo de Sacchi di Piadena (genannt Platina), gest. 1481. Platina war Bibliothekar der Bibliotheka Vaticana und veröffentlichte 1470 das vielleicht einflussreichste Kochbuch aller Zeiten (De honesta voluptate et valetudine), das in den folgenden zwei Jahrhunderten immer wieder neu aufgelegt wurde. Er verwendete dabei im wesentlichen Maestro Martinos Rezepte. Eine kritische Ausgabe erschien 1998:

Platina
On Right Pleasure and Good Health
A Critical Edition and Translation of
De Honesta Voluptate et Valetudine
by Mary E. Milham
Medieval & Renaissance Texts and Studies 1998
ISBN: 0866982086 Buch anschauen
(immerhin auf Englisch - der historischen Bedeutung des Buches angemessen - und hier funzt auch der amazon-Link, anders als bei den anderen Büchern).

Zu nennen wäre dann etwa Jahrhundert später Bartolomeo Scappi (Leibkoch Pius V.) mit seinem sechsbändigen Werk ‚l’Opera. Dell’arte del cucinare‘ von 1570, für den von Dir genannten Zeitraum sicher am relevantesten. Dieses Werk war maßgebend für die gehobene Küche des 17. Jahrhunderts - nicht nur in Italien, sondern auch in Frankreich. Eine Erstausgabe des Buches ist derzeit für schlappe 18.500 € auf dem Markt: http://www.antiqbook.com/boox/script/CAT21-473.shtml Es gibt natürlich auch eine aktuellere Ausgabe, 2003 bei Forni erschienen, ISBN 8827122923 Buch anschauen und mit 98 € vergleichsweise ein Schnäppchen.

Der oben genannte Autor Claudio Benporat ist auch Herausgeber einer gastronmischen Zeitschrift mit Schwerpunkt Geschichte (Appunti di gastronomia, vgl. http://www.appuntidigastronomia.com). In der aktuellen Ausgabe (Februar 2008) findet sich ein Artikel, der Deine Frage sicher aufs kompetenteste beantwortet: ‚Il banchetto nuziale di Elisabetta Farnese‘. Die Hochzeit war zwar schon 1715, aber damals wandelten sich die Moden noch nicht so schnell.

Freundliche Grüße,
Ralf