Hallo,
ich muss im Rahmen meines kürzlich aufgenommenen Studiums ein Referat über das deutsche und das britische Finanzsystem halten.
Mir ist dann der Zusammenbruch des britischen Pfund Sterling von 1992 aufgefallen, wobei ich mir nicht sicher bin, ob ich das richtig verstanden habe. Also hier mein Wissensstand:
- Geoge Soros war 1992 der Meinung, dass das Pfund überbewertet sei, und es deshalb nur durch Aufkäufe der brit. Notenbank in der festgelegten Schwankungsbreite bliebe.
- Dann wurden von ihm 10 Mrd. britische Pfund auf den Markt geworfen.
- 10 Mrd. konnte die Notenbank nicht aufkaufen und deshalb musste man die Schwankungsbreite neu festsetzen (oder wurde sie damals ganz abgeschafft?)
Welche Argumente gibt es, dass so etwas im dt. Finanzsystem auch (oder eben nicht) möglich wäre? Mal abgesehen davon, dass der Euro keinen „festen“ Wechselkurs hat.
Wäre schön, wenn mir jemand einen Tipp geben könnte.
EWS-Krise 1992
Hallo,
Mir ist dann der Zusammenbruch des britischen Pfund Sterling
von 1992 aufgefallen,
ja, das waren geile Zeiten: Jeden Morgen an den Ticker und mit den Kollegen wetten, wie weit die Schweden ihren Leitzins noch erhöhen werden.
das richtig verstanden habe. Also hier mein Wissensstand:
- Geoge Soros war 1992 der Meinung, dass das Pfund
überbewertet sei, und es deshalb nur durch Aufkäufe der brit.
Notenbank in der festgelegten Schwankungsbreite bliebe.
- Dann wurden von ihm 10 Mrd. britische Pfund auf den Markt
geworfen.
Es waren Pfund im Wert von US-$ 10 Mrd.
- 10 Mrd. konnte die Notenbank nicht aufkaufen und deshalb
musste man die Schwankungsbreite neu festsetzen (oder wurde
sie damals ganz abgeschafft?)
Die britische Notenbank stieg damals aus dem EWS aus.
http://www.thunderbird.edu/pdf/about_us/case_series/… (Tabelle Seite 6)
http://en.wikipedia.org/wiki/George_Soros
Ich muß mal schauen, was ich aus der Zeit noch an Unterlagen zuhause habe. Vielleicht kann ich heute abend noch was nachliefern.
Gruß,
Christian
Hi,
- Dann wurden von ihm 10 Mrd. britische Pfund auf den Markt
geworfen.
- 10 Mrd. konnte die Notenbank nicht aufkaufen und deshalb
musste man die Schwankungsbreite neu festsetzen (oder wurde
sie damals ganz abgeschafft?)
Welche Argumente gibt es, dass so etwas im dt. Finanzsystem
auch (oder eben nicht) möglich wäre? Mal abgesehen davon, dass
der Euro keinen „festen“ Wechselkurs hat.
Die Situation ist heute recht anders als damals: die europäischen Nationen wollten als Vorbereitung auf den Euro einige Jahre testen, ob sie in der Lage sind einigermaßen stabile Wechselkurse zu halten. In dieser Situation attackierte Soros damals eine einzelne (Englands) Notenbank. Wer das heute mit dem Euro probieren wollte müsste da schon einiges mehr als 10 MRD aufbringen: die EZB verfügt über dicke 200 MRD Währungsreserven mit denen Sie auf eine spekulative Attacke reagieren könnte.
Deutschland hatte damals (1992) schon mehr Währungsreserven als Resteuropa zusammengenommen - soviel hat Soros nicht aktivieren können. (Entsprechend stammt gut die Hälfte der Währungsreserven der EZB von Deutschland.)
Vermutlich würde die EZB heute bei einer spekulativen Attacke gar nicht reagieren denn wie Du selber richtig feststellst hat der Euro keinen festen Wechselkurs zu anderen Währungen. Gewisse Schwankungen werden einfach zugelassen denn das Hauptziel der EZB ist die Preisstabilität im Inneren des Euro-Währungsraums - was mit dem Aussenwert geschieht ist sekundär. Ausserdem kann es bei freien Eurokursen (zu anderen Währungen) keine künstliche Überbewertung geben wie dies beim britischen Pfund 1992 der Fall war.
Chinas Notenbank verfügt über die größten Währungsreserven der Welt: die letzte Zahl die ich gelesen habe war 900 MRD US-Dollar. Wenn China wollte dann könnte es den Euro spekulativ erfolgreich attackieren, müsste aber dazu erst entsprechende Mengen Euros kaufen um diese dann für eine Attacke zu riskieren. Solch eine Tat wäre allerdings für China wirtschaftlich gesehen irgendwas zwischen Selbstamputation und Selbstmord: Chinas Exporte nach Euroland würden in der Folge heftig zurückgehen und China bezieht sein Wirtschaftswachstum vornehmlich aus dem Export.