Hallo Ralf,
gespendet wird tatsächlich, um Gutes zu tun. Nur, solche Spenden tauchen wohl kaum in der Liste der veröffentlichungspflichtigen Spenden auf, weil es hier überwiegend um einen Personenkreis geht, die teilweise tatsächlich selbst für Parteien sich das Geld vom Mund absparen müssen.
Du wirst aber doch nicht ernsthaft behaupten wollen , da ich in der Spendensammlung für Parteien nun etwas Erfahrung habe, dass alle anderen aus „sozialem Gewissen“ gespendet haben. Es lief so:
Ein Minister/Abgeordneter liess sich in seinem Wahlkreis Listen der Geschäftspartner der öffentlichen Bereiche nennen und den jeweiligen Jahresumsatz, den die Behörde oder Einrichtung mit dem Unternehmen getätigt hatte. Mit dieser Liste wurde dann der Unternehmer wegen Spenden angesprochen. Seine Mitarbeiter dezent hingewiesen, dass es möglicherweise sinnvoll sein könnte, etwas in Aussicht zu stellen, aber erst sechs Monate nachdem ein Auftrag durch ist. Die Nähe von Spende und Auftrag sollte vermieden werden, somit auch der Beweis, dass beide Sachen etwas miteinander zu tun haben nicht zu führen ist. Läuft heute noch so. Mit den Unterlagen wurden Firmen angeschrieben, teilweise wurde telefonisch Kontakt aufgenommen.
Ich habe in den Jahren, in denen ich tätig war und mit solchen Fragen mich befassen durfte, keine Spende über 5000 DM erlebt, hinter der nicht ein Hintergrund gestanden hat oder, dass nicht ein Spender einige Monate später kam und anfragte, da er doch immer wieder spende und die Partei unterstütze, ob er bei künftigen Aufträgen berücksichtigt werden kann. Der Herr … MdL/MdB habe ihm wohlwollende Prüfung zugesagt.
Ich kann darüber reden, weil die Sachen aktenkundig und strafrechtlich verjährt sind. Ich gefährde also niemanden mehr, wenn ich darstelle, dass Weisungen wegen Großspenden aus Ministerien kamen, bei welchen Konzernen oder Konzerntöchtern man einkaufen muss, da diese der CDU größere Geldspenden zukommen liessen. Und wer da nicht mitgemacht hat, dem wurde dann möglicherweise, ich habe dies auch erlebt, wie viele andere in einer ähnlichen Position mitgeteilt, dass da einiges nicht in der Auftragslage mit diesen Unternehmen klappt und man sich in der oberen Behörde vorstellen könnte, dass die untere Behörde mir eine andere Arbeit zuweist, wenn es hier keine Bewegung gegeben hat. Ausserdem müsse die Partei mit weniger Spenden rechnen und können Wahlziele nicht erreichen. Ob man sich dieser Verantwortung auch bewusst sei.
Dein Glauben in Ehren. Ich habe einst auch an Gerechtigtkeit, an Ehrlichkeit und an die sauberen Parteien geglaubt, bevor ich in diversen Gremien nach oben kam. Dann war ich - auch wenn ich heute mich gegen solche Methoden ausspreche - nicht besser als alle anderen auch. Man muss sich nur eine Sache eingestehen und dies ist verdammt hart.
Tagtäglich war man bereit, sich kriminell zu verhalten, tagtäglich hat man „nur für die Partei dies getan“ und deshalb war das alles ja nicht so schlimm. Tagtäglich wurde man von oben bestätigt, wie richtig man gehandelt hat, nur müsse man vorsichtig sein, dass niemand merkt, wie es läuft. Und man blieb solange der „persönliche Idiot“, war solange „blind“, bis man erkannte, dass man benutzt wurde. Gleichzeitig auch erkennen musste, dass man andere genauso benutzte. Irgend wann hat man erkannt, dass das, warum man Mitglied der Partei wurde, nichts mit dem zu tun hatte, was man tat, was einst Grund der Mitgliedschaft war.
Wenn man dann erkennt, man ist „zum selben Schwein“ geworden wie die einstigen Vorbilder, hat man zwei Wege. Weitermachen oder aufhören und aufdecken. Ich habe mich für den letzten Weg entscheiden müssen. Ich habe es nicht bedauert.
Gruss Günter