Spendenbons / Spendenchips - Erfahrungen?

Hallo,

in der letzten Zeit habe ich mehrfach von einer neuen Idee gehört: Kirchengemeinden verkaufen sogenannte Spendenbons oder -chips, die dann die Kirchgänger statt Münzen in den Kollektenkorb werfen können. Der Vorteil ist, dass beim Verkauf dieser Bons oder Chips Spendenquittungen ausgestellt werden können (was beim normalen Spenden von Geld in den Klingelbeutel nicht möglich ist).

Da ich im Verwaltungsrat einer Kirchengemeinde tätig bin, würden mich Erfahrungen mit solchen Systemen interessieren, bevor wir vielleicht auch eine solche Regelung einführen.
Insbesondere interessiert mich:

  • Wie ist die Akzeptanz in den Gemeinden?
  • Ist das Spendenaufkommen daraufhin gefallen / gestiegen / gleichgeblieben?
  • Wie groß ist der Arbeitsaufwand bzw. haben sich Probleme bei der technischen Abwicklung in den Gemeinden herausgestellt?

Da dies keine originär „religiöse“ Frage darstellt, erlaube ich mir, unter „Sonstiges“ noch einen Querverweis auf diese Frage zu posten.

Für Antworten von Leuten, die entsprechende Erfahrungen gemacht haben, wäre ich dankbar (auch ggf. als PM).

Gruß
Martin

Hallo Martin,

ich kenne diese Art zu spenden nicht, mir kommt da aber eine Frage hoch. Ich dacht immer, dass ich wenn ich nach dem Gottesdienst etwas in den Klingelbeutel werfe, dann deshalb, weil ich jetzt gerade das Bedürfnis dazu habe. Schließlich will ich in dem Moment etwas Gutes tun und denke nicht daran, wie ich das Geld wieder geltend machen könnte. Es sollte doch eigentlich ein Opfer bleiben?
Natürlich übers Jahr gesehen reicht es schon aus um eine Spendenbescheinigung zu erhalten, aber ich würde nie das gesamte Geld auf einen Schlag zahlen, da mir die Menge in diesem Fall weh tut, übers Jahr jedoch nicht.
Wenn ich jedoch Geld in Höhe eine Bescheinigungs fähigen Betrages übrig habe, dann spende ich es lieber ganz bewußt für eine bestimmte Sache, schließlich muß ich meinen Banknachbarn nicht beweisen, dass ich etwas „für Gott“ tue.

Fazit: Ich bin kein potentieller „Kunde“ für dieses Verfahren. Meine Münzen müssen separat gezählt werden.

Noch ne Frage: Diese Chips sind doch dazu da, dass ihr wisst, wieviel für das an diesem Sonntag geförderte Projekt zusammengekommen ist. D.h. dass das Geld nur in der Höhe verwendet werden kann, wie die Chips verbraucht werden. Was macht ihr dann mit dem Geld, welches sich anhäuft, weil man dann doch nicht in die Kirche geht, den Wohnort wechselt und die Chips einfach vergisst oder verliert?
Nicht zu vergessen, der Mehraufwand (Spendenasustellung), welcher ja wie die Anschaffung von Bons/Chips Geld kostet, welches ja dann wieder von den Spenden abgezogen werden müssen.

Ciao Jutta

Hallo Zahni,

in der letzten Zeit habe ich mehrfach von einer neuen Idee
gehört: Kirchengemeinden verkaufen sogenannte Spendenbons oder
-chips, die dann die Kirchgänger statt Münzen in den
Kollektenkorb werfen können. Der Vorteil ist, dass beim
Verkauf dieser Bons oder Chips Spendenquittungen ausgestellt
werden können (was beim normalen Spenden von Geld in den
Klingelbeutel nicht möglich ist).

Ich hab noch nie davon gehört, finde diese Idee sehr gut.
Da ich versuche in meinem Geschäft (Du weißt, das ist recht hart)gewissenhaft meine Rechnungen zu stellen UND gewissenhaft zu versteuern ( … was des Kaisers ist…) so möchte ich dann auch nicht nur die steuerlichen Nachteile der Ehrlichkeit dem Finanzamt gegenüber haben, sondern auch gerne die Vorteile einer Spendenquittung.
Ich glaube es würde den Kirchen Mittel zukommen lassen, die sonst in manchmal nicht ganz seiösen postalisch zugestellten Spendenaufrufen verdunsten.
Es geht da nicht um die 2 Märker der Rentnerin, aber bei größeren Beträgen, besonders zum Ende des Jahres wäre mancher froh darüber.

Dies nur die Meinung eines „kleinbürgerlichen“ Spenders

Gruß, pgh

Hallo Martin,

ich kenne diese Art zu spenden nicht, mir kommt da aber eine
Frage hoch. Ich dacht immer, dass ich wenn ich nach dem
Gottesdienst etwas in den Klingelbeutel werfe, dann deshalb,
weil ich jetzt gerade das Bedürfnis dazu habe. Schließlich
will ich in dem Moment etwas Gutes tun und denke nicht daran,
wie ich das Geld wieder geltend machen könnte. Es sollte doch
eigentlich ein Opfer bleiben?

Hallo Jutta,

ein „Opfer“ ist es in jedem Fall, denn Du spendest ja von Deinem Geld. Das steuerliche Geltendmachen bedeutet ja nur, dass man für die gespendete Mark nicht auch noch Steuern zahlen muss - nicht etwa, dass der Stat die gesamte Mark zahlt.
Allerdings gibt es viele, auch im Geschäftsleben, die einem so irgendwelche Ausgaben schmackhaft machen wollen: „Das können Sie ja von der Steuer absetzen!“ - mit dem Unterton: Dann kostet es Sie praktisch nichts. Das stimmt natürlich nicht - alles Geld, was man ausgibt, muss man erst mal verdienen.

Natürlich übers Jahr gesehen reicht es schon aus um eine
Spendenbescheinigung zu erhalten, aber ich würde nie das
gesamte Geld auf einen Schlag zahlen, da mir die Menge in
diesem Fall weh tut, übers Jahr jedoch nicht.
Wenn ich jedoch Geld in Höhe eine Bescheinigungs fähigen
Betrages übrig habe, dann spende ich es lieber ganz bewußt für
eine bestimmte Sache, schließlich muß ich meinen Banknachbarn
nicht beweisen, dass ich etwas „für Gott“ tue.
Fazit: Ich bin kein potentieller „Kunde“ für dieses Verfahren.
Meine Münzen müssen separat gezählt werden.

OK, die Spendenpraxis ist Sache jedes Einzelnen. Es gibt aber eine Menge Leute, die niemals auf die Idee kämen, eine Spendenüberweisung auszufüllen und stattdessen den Klingelbeutel als Gelegenheit nehmen.

Noch ne Frage: Diese Chips sind doch dazu da, dass ihr wisst,
wieviel für das an diesem Sonntag geförderte Projekt
zusammengekommen ist. D.h. dass das Geld nur in der Höhe
verwendet werden kann, wie die Chips verbraucht werden. Was
macht ihr dann mit dem Geld, welches sich anhäuft, weil man
dann doch nicht in die Kirche geht, den Wohnort wechselt und
die Chips einfach vergisst oder verliert?
Nicht zu vergessen, der Mehraufwand (Spendenasustellung),
welcher ja wie die Anschaffung von Bons/Chips Geld kostet,
welches ja dann wieder von den Spenden abgezogen werden
müssen.

Unsere Gemeinde macht das bisher noch nicht - deshalb ja auch meine Frage nach Erfahrungen damit. Ich stelle mir allerdings vor, dass das Geld, was beim Kauf von Spendenchips gegen Quittung in einer Gemeinde anfällt, zunächst auf ein Sonderkonto kommt. Je nachdem für welchen Zweck die Chips dann bei Sammlungen gegeben werden, werden Gelder in dieser Höhe von diesem Sonderkonto auf den jeweiligen Zweck umgebucht. Insofern wäre das eine „laufende“ Sache.
Auch wie hoch der Mehraufwand für diese Spendenverwaltung ist, weiß ich nicht. Ich denke, es sollte im Pfarbüro einer Gemeinde mit abzuwickeln sein. Aber auch das interessiert mich, von anderen Gemeinden - wo man schon damit begonnen hat - zu hören.

Ciao Jutta

Gruß
Martin

Ursprünglich war/ist die sog. „Kollekte“ der finanzielle Ersatz für den materiellen Opfergang, d.h. die Gläubigen haben Nahrungsmittel mit in den Gottesdienst gebracht, von denen man dann Brot und Wein für das eigentliche Abendmahl nahm. Deshalb heißt es ja bis heute noch „wir bringen unsere Gaben vor dich“, auch wenn den meisten der enge Zusammenhang zwischen Kollekte/Gabenbereitung/Wandlung nicht mehr bewusst ist. Z.T. liegt das auch daran, dass im Gottesdienst selber dieser Zusammenhang auch nicht mehr sichtbar wird, weil z.B. das Geld irgendwo im Nebenraum verschwindet.

Spendenbons würden diese Tendenz nur noch verstärken, denn damit geht der Zusammenhang zwischen „Caritas und Liturgie“ ganz verloren. Von daher halte ich es für viel sinnvoller, in Predigten nochmal mehr den Sinn und Zweck der Kollekte zu betonen.

MfG

Gerd Wagner

Ja,Zusammenhang beachten-aber Erfahrungsberichte ?

Ursprünglich war/ist die sog. „Kollekte“ der finanzielle
Ersatz für den materiellen Opfergang, d.h. die Gläubigen haben
Nahrungsmittel mit in den Gottesdienst gebracht, von denen man
dann Brot und Wein für das eigentliche Abendmahl nahm. Deshalb
heißt es ja bis heute noch „wir bringen unsere Gaben vor
dich“, auch wenn den meisten der enge Zusammenhang zwischen
Kollekte/Gabenbereitung/Wandlung nicht mehr bewusst ist. Z.T.
liegt das auch daran, dass im Gottesdienst selber dieser
Zusammenhang auch nicht mehr sichtbar wird, weil z.B. das Geld
irgendwo im Nebenraum verschwindet.

Spendenbons würden diese Tendenz nur noch verstärken, denn
damit geht der Zusammenhang zwischen „Caritas und Liturgie“
ganz verloren. Von daher halte ich es für viel sinnvoller, in
Predigten nochmal mehr den Sinn und Zweck der Kollekte zu
betonen.

Hallo Gerd,

Du hast Recht, der genannte Zusammenhang sollte nicht verloren gehen. Wenn bei uns die Kollekte in der Kirche eingesammelt wird, werden die Körbchen anschließend vor den Altar gestellt und bleiben auch da bis zum Schluss stehen.
Ich glaube aber nicht, dass Spendenbons da etwas in positiver oder negativer Hinsicht ändern würden - denn die sind ja praktisch auch bares Geld wert.

Gruß
Martin

PS: Jetzt hat sich noch immer keiner gemeldet, der schon Erfahrungen mit so einem System gesammelt hat - oder gibts hier noch keinen?