Spezialist für's Einspeichen gesucht

Ich hoffe ich finde hier einen „Einspeichprofessor“. - Ich habe einen Satz Mountainbikefelgen vorliegen, bei dem die Speichen beim Überkreuzen anders herum geführt wurden (also obere Sp. mit unterer vertauscht), so dass sie im Bereich des Kreuzens jeweils einen leichten Knick haben. - Mein Mechaniker sagt, das ist Pfusch, es bestehe die Gefahr des Speichenbruchs bei Belastung, was mir logisch erscheint, da eine geknickte Speiche physikalisch weniger Druckbelastung an der Knickstelle aushält, als eine gerade. - Ein anderer „Nichtmechaniker“ behauptet, es gäbe verschiedene Methoden des Einspeichens und die Speichen würden sich gegenseitig abstützen und das Rad würde deswegen weniger „arbeiten“. Die Speichen sind weder verzwirbelt, noch verlötet.
Zum besserem Verständnis kann ich „den Fachleuten“ eine Detailaufnahme zusenden. Wer hat Recht? - Vielen Dank schon mal.

schick mir mal bitte ein bild:smile:

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Mein Mechaniker
sagt, das ist Pfusch,

ich sehe es genauso wie dein mechaniker. es sieht so aus, als habe jemand nach anleitung eingespeicht und das überkreuzen der speichen eben genau falsch herum gemacht wie in der anleitung. es handelt sich bei dieser einspeichart um eine dreifache kreuzung. die erste kreuzung fällt kaum auf, da eine kopfaußenspeiche eine kopfinnenspeiche direkt am flansch kreuzt, also sozusagen die eine speiche auf der inneren seite des flansches verläuft, die nachbarspeiche dagegen auf der äußeren seite und keinerlei kontakt ensteht. an der zweiten und dritten kreuzung sollen die speichen sich genau andersrum überkreuzen wie auf dem bild. dann laufen die speichen fast ganz gerade zum nippel. sie berühren sich unter spannung meist, allerdings muss dazu keine speiche solche knicke in zwei verschiedene richtungen annehmen wie auf dem bild.

es bestehe die Gefahr des Speichenbruchs bei Belastung,
was mir logisch erscheint, da eine geknickte
Speiche physikalisch weniger Druckbelastung an der Knickstelle
aushält, als eine gerade. -

keine speiche ist dafür gedacht, druckbelastungen aufzunehmen. ein laufrad basiert darauf, das bei druckbelastung an einer stelle auf der gegenüberliegenden seite zugbelastungen entstehen, und für diese sind speichen gedacht. einfachster fall: man sitzt nur auf dem rad und fährt nicht. die druckbelastung wird also sozusagen vom untergrund auf die unterseite der felge ausgeübt. dort werden die speichen nun entlastet, die speichen in der oberen hälfte des laufrades werden dagegen auf zug belastet.

fährt man, wechselt die belastung auf die speichen also ständig zwischen zug und kein zug (wie gesagt, druck kann die speiche nicht aufnehmen, sie würde schnell umknicken ->stichwort: eulersche knicklänge). sind die speichen nicht stark genug vorgespannt, dann heißt entlastung, dass zu wenig zug mehr auf der speiche ist. dann kann sich der speichenkopf unter umständen im nabenkopf bewegen und ermüdet dann am speichenbogen, dem übergang vom geraden teil zum kopf.
dies ist die schwachstelle, andere brüche sind wohl eher auf schädigungen durch materialfehler oder fremdeinwirkung (äste etc.) zurückzuführen. vielleicht sagen da die vielfahrer aus dem forum auch was anderes, da lasse ich mich gerne belehren.

Ein anderer „Nichtmechaniker“
behauptet, es gäbe verschiedene Methoden des Einspeichens

da hat er sicherlich recht, es gibt von der sozusagen 0-fachen kreuzung (radiale einspeichung, leicht, da kurze speichen, aber hohe flanschbelastung und geringe torsionssteifigkeit, einsatz nur vorne und hinten links, nur bei felgenbremsen, nur bei leichten fahrern) bis zur vierfachen kreuzng (speichen verlaufen fast tangential zum flansch, in der regel nur bei großen flanschdurchmessern machbar) alles, daneben noch den krähenfuß. mehr einspeicharten kenne ich nicht.

und die Speichen würden sich gegenseitig abstützen und das Rad
würde deswegen weniger „arbeiten“.

man kann gekreuzte speichen miteinander verdrehen, was die speichen schwächt und eigentlich nur der optik dient. ich habe mal einen laufradsatz so eingespeicht, weil die speichen für die ersatzfelgen zu lang waren und es eben schnell gehen musste. ich kann nicht behaupten, dass ich irgendwelche vorteile gespürt hätte. besser in punkto belastung der speichen ist das binden und verlöten. hier können sich kräfte unter umständen tatsächlich auf mehr speichen verteilen, ohne die speichen durch knicke zu schwächen. die laufräder auf den bildern sind aber meiner meinung nach wirklich gepfuscht.

Vielen Dank
für die fundierte Antwort!