Hallo liebe Linguisten,
ich habe zwei Fragen hinsichtlich der sprachgeschichtlichen Entwicklung zweier deutscher Wörter:
Das Wort „Geist“ kommt aus dem Althochdeutschen und bedeutet dort so viel wie „erschrecken, erschaudern“.
Man kann also eine gewisse Stimmigkeit hinsichtlich der Ur-Bedeutung und der Bedeutung im heutigen deutschen Sprachgebrauch erkennen. Man denke nur daran, dass ein Geist (im Sinne von Gespenst) kommt und irgendwo herumspukt - dann würde man für gewöhnlich auch erschrecken.
Nun hat aber das Wort „Geist“ zwei Bedeutungen: Zum einen „Gespenst“ und zum anderen „Verstand“ (z. B. im Ausdruck „große Geister des 19. Jahrhunderts“ oder in der Frage „Wes Geistes Kind bist du?“ etc.).
Mich würde nun interessieren, wie es im Laufe der Zeit dazu kam, dass das Wort „Geist“ diese zwei verschiedenen Bedeutungen angenommen hat bzw. was der eigentliche Hintergrund dieser Doppelbedeutung ist.
Dann würde mich noch Wort „Subjekt“ bzw. „Subjektivität“ interessieren. Das lateinische „subicere“ heißt übersetzt „unterwerfen“. Nun benutzt man das Wort „Subjekt“ aber heutzutage als Synonym für das Wort „Person“. Warum bezeichnet also das Wort „Subjekt“, welches ja ursprünglich seiner Bedeutung nach mit Unterwerfung zu tun hat, im heutigen deutschen Sprachgebrauch eine Person? Wie kam es dazu bzw. was sind die Hintergründe dafür?
Ich sehe da nämlich (bei beiden Wörtern) keinen vernünftigen, logischen Zusammenhang.
Mit
Dank & vielen Grüßen
Hallo, Wolfgang,
Das Wort „Subjekt“ wurde wohl zuerst in der Amts- oder Rechtssprache verwendet und bezeichnete da eine „persona subiecta“ - einen Untertan. Da es vielfach auf Angeklagte oder Verdächtige angewendet wurde, kam es zu seiner heutigen, etwas anrüchigen, derogativen Bedeutung.
Gruß
Eckard
Hallo,
Mich würde nun interessieren, wie es im Laufe der Zeit dazu
kam, dass das Wort „Geist“ diese zwei verschiedenen
Bedeutungen angenommen hat bzw. was der eigentliche
Hintergrund dieser Doppelbedeutung ist.
Dann würde mich noch Wort „Subjekt“ bzw. „Subjektivität“
interessieren.
die entsprechenden Grimm-Artikel hast Du Dir schon zu Gemüte geführt?
GEIST: http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbu… (funktioniert bei mir momentan nur mit Hindernissen -> Skript stoppen anklicken)
SUBJECT: http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbu…
Gruß
Kreszenz
Das Verb regiert das Subjekt
Hallo Eckard,
Das Wort „Subjekt“ wurde wohl zuerst in der Amts- oder
Rechtssprache verwendet und bezeichnete da eine „persona
subiecta“ - einen Untertan. Da es vielfach auf Angeklagte oder
Verdächtige angewendet wurde, kam es zu seiner heutigen, etwas
anrüchigen, derogativen Bedeutung.
Das Paradoxe ist ja, dass gerade die klassische lateinische Grammatik, an der sich leider – weil völlig ungeeignet – auch immer noch unsere Schulgrammatik orientiert, um die deutsche Sprache zu beschreiben, damit begrifflich zum Ausdruck bringt, dass eigentlich nicht das Subjekt den Satz regiert, auch wenn sie unterschwellig so tut als ob.
http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Subjekt_%28G…
Gruß Gernot
Danke für die Links! OWT
owT.
mal so dahingesagt …
den ‚heiligen Geist‘ mit JT alter Tradition muß man wohl auch bei der Bedeutungsbildung berücksichtigen
… hat ja, sowohl wie das Gespenst, als auch wie der Verstand, der bis heute mit nur teilweisem Erfolg erforscht wird, was transzendentes.
subiectum ist alles unterworfene … das kann in der Tat alles sein … (übrigens auch ein ‚‚Thema‘‘ (engl.: subject) ). ‚‚Person‘‘ ist da ziemlich eng verstanden, das Wort.
‚‚macht Euch die Erde untertan‘‘ … aus dieser Sicht ist tatsächlich alles Subjekt …
… wollt’ ich nur zu bedenken geben.