SPIEGEL-Deutsch

Hi alle,
das muss ich jetzt loswerden.
Im aktuellen Spiegel unter der Überschrift „Die Leiche in der Brieftasche“ ‚durfte‘ ich lesen:
„16000 Dollar schuldet er (seiner Frau) bisher, und um dieses Loch zu stopfen, presst die zweifache Mutter und Hausfrau einen Vollzeitjob in einer Fabrik für optische Linsen in ihre Tage.“
Klasse, nicht?
Gruß,
Anja

Sorry, ich verstehe den Gag nicht. (owT)

Hi Anja,
ich kann Deinen Unmut(?!) gut verstehen. Ist ein wenig ungewöhnlich, aber der Trend geht zu solchen Formulierungen (Was auch schon der Titel zeigt).Ich finde Wortspiele auch sehr schön, nur sollten sie zum Verständnis des Kerns der Sache beitragen und keine Autorenselbstberweihräucherung sein. So nach dem Motto: Ich erfinde die Sprache neu…
Bin gespannt auf die Diskussion
Gruß
Adracir

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Ich denke, der OP will auch die wohl unbeabsichtigte, aber für den „Sprachschöpfer“ umso peinlichere Zweideutigkeit des Zitats kritisieren:
„Die … Mutter … ihre Tage.“

Ich konnte mir ein leichtes Schmunzeln darüber nicht verkneifen. :wink:

Ciao
P.

Hi Anja,

Das sieht mir sehr nach einer miserablen Übersetzung aus dem Amerikanischen aus.

Aber mehr als die Verunstaltung des Deutschen stört mich die sozialpolitische Botschaft. Frauen gehören also nach Hause. Zu Herd und Kindern. Aha!

Kopfschüttelnde Grüße
Barney

Too much
Hallo!

Das sieht mir sehr nach einer miserablen Übersetzung aus dem Amerikanischen aus.

Der Autor heißt Uwe Buse. Ich zweifle, dass er Amerikaner ist. Nachlesen/-fragen, nicht spekulieren!

Aber mehr als die Verunstaltung des Deutschen stört mich die
sozialpolitische Botschaft. Frauen gehören also nach Hause. Zu
Herd und Kindern. Aha!

Entschuldige bitte, aber mit diesem Kommentar offenbarst Du einen meines Erachtens ziemlich zweifelhaften Zugang zu Texten jeglicher Art. Man darf nie einen einzigen Satz außerhalb des Kontextes betrachten, und aus diesen paar Wörtern auch noch die sozialpolitische Botschaft des Artikels extrahieren zu wollen, bringt mich höchstens zum Lachen.
In dem Artikel geht es keineswegs darum, dass dieser Mutter, Jennifer Langston heißt sie, kein Vollzeitjob zusteht, weil sie nachhause zu ihren Kindern (8 und 11 Jahre alt) gehört. Der Autor will wohl vielmehr ausdrücken, dass der Vollzeitjob eine gewaltige Zusatzbelastung darstellt, die in dem Maße nicht nötig wäre, wenn sich der Vater der Kinder nicht aus dem Staub gemacht hätte. In dem Text spielt dieser Satz nur eine völlig untergeordnete Rolle, denn es geht um ein Gerichtsverfahren nach einem Unfall, den Ms. Langston angetrunken verursacht hat.

Kopfschüttelnde Grüße

Dito
Christopher

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Hi Ricarda!

ich kann Deinen Unmut(?!) gut verstehen. Ist ein wenig
ungewöhnlich, aber der Trend geht zu solchen Formulierungen
(Was auch schon der Titel zeigt).

Ich nehme an, Du hast den Artikel gelesen – und, wenn das der Fall ist, offensichtlich nicht besonders präzise. Wenn Du den Artikel nicht gelesen hast, frage ich mich, warum Du dann vom freistehenden Titel aus auf eine bestimmte sprachliche Tendenz schließt. Das empfinde ich als unseriös. Die Leiche in der Brieftasche ist kein Wortspiel, sondern die Beschreibung einer ungewöhnlichen Tatsache: Die Angeklagte, die angetrunken einen Mann totgefahren hat, soll als Strafe während ihrer gesamten Bewährungszeit ein Foto des Opfers bei sich tragen. Das Foto wurde von der Familie ausgewählt und zeigt keineswegs einen lachenden, freundlichen Menschen, sondern eine Leiche im Sarg. Und wo tragen die meisten Menschen ihre Fotos bei sich? Richtig, in der Brieftasche.

Ich finde Wortspiele auch
sehr schön, nur sollten sie zum Verständnis des Kerns der
Sache beitragen und keine Autorenselbstberweihräucherung sein.

Ich empfinde den Satz weder als besonderen Höhepunkt der deutschen Sprache noch als ausgesuchte Lächerlichkeit. Etwas in etwas anderes hineinpressen, vor allem im zeitlichen Sinne, ist ein meiner Leseerfahrung nach recht gängiges Bild und wurde von mir als nicht gerade extravagant empfunden. Ich nahm an, dass Anjas Amüsement darin begründet war, aber da lese ich jeden Tag viel auffälligere inhaltliche und sprachliche Schlampereien. Ein ganz plumpes Beispiel:

+++ Dringend +++
Rebellen in Uganda töten mindestens 170 Tote

(Quelle: Eilmeldung von afp vom 22.02.04)

So nach dem Motto: Ich erfinde die Sprache neu…

Generell stimme ich Dir zu, dass man bei jedem Sachtext lieber auf ein sprachliches Bild verzichten sollte, als eines hinzuzufügen. Zugleich erscheint mir dieser harmlose Satz nicht als geeigneter Aufhänger einer Argumentation.

Gruß
Christopher

zur Erklärung…
Hi,
dachte, der Satz spricht für sich, aber offensichtlich nicht…

„16000 Dollar schuldet er (seiner Frau) bisher, und um dieses
Loch zu stopfen, presst die zweifache Mutter und Hausfrau
einen Vollzeitjob in einer Fabrik für optische Linsen in ihre
Tage.“

Zum Ersten: Wie kann ein Mensch (welchen Geschlechts auch immer) ein Loch stopfen, das nicht durch Verlust, sondern durch Forderung generiert wird.
Aber nicht diese Aussage hat mich irritiert, erschüttert, konsterniert, belustigt - was auch immer.
Also zum Zweiten - und darauf kam es mir an: wie kann man, um ein Loch welcher Art auch immer zu stopfen, einen Vollzeitjob in Tage (damit meine ich nicht die Mensis, falls jemand auf diese Idee kommt - die allerdings tatsächlich ein gewisses Schmunzeln bei mir auslösen könnte) stopfen?
Womit stopft ihr eure Tage?
Interessiert:
Anja

Hallo Anja!

Womit stopft ihr eure Tage?

Ahaa, dorthin soll’s gehen :wink:)
Na gut - also zwischen meinen Haushalt (*ächz*, siehe auch den Thread „Bügeln“ im Plauderbrett) und „wer-weiss-was“ (Kinderersatz?, *stöhn*) presse ich natürlich auch einen Vollzeit-Job, weil ich mir ansonsten ja weder die Wohnung noch den Elektronik-Schrott leisten könnte.
Ja, das Leben ist hart und ungerecht …

Aber ich glaub, das gehört eher auch ins Plauderbrett.
Gruß
Barney

Hohlspiegel!
Hallo Anja,

also eigentlich sind mir auch „… ihre Tage“ am ersten aufgefallen. Aber es
steckt so viel drin in dem Zitat – warum schickst Du es nicht an die
Hohlspiegel-Redaktion? Der Spiegel ist Manns genug, auch seine eigenen Stilblüten
abzudrucken. Und bei Abdruck bekommst Du 40 Euro Honorar.
gruß
Bolo2L

Hohlspiegel-Redaktion? Der Spiegel ist Manns genug, auch seine
eigenen Stilblüten
abzudrucken. Und bei Abdruck bekommst Du 40 Euro Honorar.

Echt, Bolo2L?
Wenn ich die kriege gebe ich einen aus… *g
Gruß,
Anja

Aber ja, habe ich schon ein paar Mal kassiert! :smile:
Bolo2L

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