Hallo Martin,
vielen Dank für Deinen Beitrag. Deine Wortwahl lässt mich vermuten, dass Du - wie sagt man so schön- vom Fach bist.
Zunächst bleibt unklar, was Du eigentlich erreichen willst.
Gute Frage- ich will mei Ruh vor diesem Elend. . .
Du schreibst, dass Du ihm helfen willst und scheinst Dich
irgendwie verpflichtet zu fühlen ihm gegenüber.
Ja, irgendwie schon, aber eben nicht als Therapeut. Bekannte und Freunde sollten und können einander nicht therapieren- meiner Meinung nach.
Ist ja nett… Aber :
Mich würde es erstmal tierisch nerven und ich wäre stinksauer, wenn
sich ein WG-Bewohner so benimmt.
Sehr richtig, und jetzt? MEINER Wut und MEINE Aggressionen freien Lauf lassen? Wir leben in einem Rechtsstaat. Der kann mich jederzeit dafür belangen. Dann wandere ich dann im Bau- merkwürdig, wie das hier in diesem Lande mit Täter und Opfern gehandelt wird
.
Der gesunde Menschenverstand sagt,
dass man da selber deutliche Grenzen setzen sollte.
Ja, die setze ich, aber es ist anstrengend.
Ich würde es auch nicht vorschnell als Spielsucht definieren,
erst recht aber nicht „entschuldigen“.
Wenn er von morgens bis abends hinterm Rechner hängt, dann ist das für mich - auch ohne profunde Psychokenntnisse- Spielesucht. Ich entschuldige damit auch nichts, sondern würde ich ihn schließlich bedauern und sagen: Ja mei, solange es finanziell geht, dann sag ich halt nix dazu.
Die Persönlichkeitseigenschaften deines Mitbewohners können
vielfältige Ursachen haben. Computerspielen bzw.
Online-Aktivitäten
können zwar auch zu nicht-stoffgebundenen Süchten führen. Aber
umgekehrt können eben auch Depressionen, Ängste (insbesonder
Soziale
Ängste und Phobien), Aufmerksamkeits- und
Selbsthorganisationsprobleme und zahlreiche weitere Probleme
für das
derzeitige Problemverhalten verantwortlich sein. Dies
schliesst dann
auch aggressives Verhalten mit ein.
Bislang geschah diesbezüglich nix.
Gerade wenn sonstige Tagesstrukturierung durch Ausbildung oder
Arbeit fehlen verselbstständigt sich dann Computerspielen zu einer
ständigen Beschäftigung. Besonders wenn man sich überhaupt nicht mehr :um Aufgaben oder gar Geldverdienen kümmern muss.
Nun, ich fürchte, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun haben MUSS. Ich bin selbst arbeitslos, kann aber durchaus mit meiner Zeit was anfangen und nutze sie sinnvoll. Umgekehrt- nur der Vollständigkeit halber- entstehen viele Probleme gerade wegen Arbeit im Sinne einer Beschäftigung, die dazu dient, den Lebensunterhalt zu bestreiten.
…Ich wäre auch aus deiner Sicht vor Aggressivität von ihm nicht zu :ängstlich. Das
verursacht nur eine Art „Beisshemmung“ ihm gegenüber und wäre
eine
faule Ausrede, ihn vor die Tür zu setzen.
Geht nicht so einfach. Das müsste wohl auch klar sein. Wer hierzulande seine Miete zahlt und keine goldenen Eier klaut, fliegt auch nicht irgendwo raus. Wie würdest Du „jemanden vor die Tür setzen“?
Gruß
Hermann