Spielesucht- was kann man machen?

Hallo,

möglicherweise bin ich wieder im falschen Brett und müsste im Brett „Sucht und Prävention“ posten. Mir scheint es aber doch so zu sein, dass das Thema ein eher psychologisches ist und auch allgemein so gesehen wird. Daher hier mein Posting.

Also: Ich wohne seit ein paar Monaten mit meiner Freundin und einem dritten Mann in einer WG. Den dritten Mann kenne ich schon geraume Zeit, und ich weiß, dass er gerne PC- Spiele macht. Nun stellt sich aber zu unserem Leidwesen heraus, dass er fast den ganzen Tag am PC oder am Amiga- Rechner oder an der Playstation hockt und Spiele spielt. Wild fluchend und mit allem drum und dran…

Ich sehe mich weder kompetent genug, noch als meine Aufgabe, ihm in seiner Not zu helfen. Was aber kann man nun tun? Er neigt auch- vielleicht gehört das generell zu einer Sucht?- zur Aggressivität. Er wird zwar bislang nicht handgreiflich, aber meine Intuition sagt mir, dass das der Fall sein könnte. Vielleicht ist das auch ein bisschen fehlgesehen von mir und fußt auf dem Wissen, dass er lange Zeit Kampfsport betrieben hat.

Problematisch für uns ist- um das in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt zu lassen- dass er seine Kohle für PC- Spiele raushaut und seine Schulden, die er u.a. auch bei uns hat, nicht zurückbezahlt. Möglicherweise ist ja auch das ein grundlegendes Suchtverhalten, aber die Theoretisiererei hilft uns nun leider auch nicht weiter. Ich bitte um Hilfe.

Viele Grüße

Hermann

Hi Hermann,

Ich bitte um Hilfe.

Was Du leider nicht schreibst: Suchst Du Hilfe für Euch oder für ihn?
Gruß,
Anja

Huhu!

möglicherweise bin ich wieder im falschen Brett und müsste im
Brett „Sucht und Prävention“ posten. Mir scheint es aber doch
so zu sein, dass das Thema ein eher psychologisches ist und
auch allgemein so gesehen wird.

Naja, Suchterkrankungen sind halt ein Spezialgebiet der Psychologie.

Egal ob es sich um stoffliche oder nichtstoffliche handelt - man könnte also entweder das Sucht&amp:stuck_out_tongue_winking_eye:räventionsbrett auflösen, oder Suchterkrankungen einfach dort posten :smile:)

Ich sehe mich weder kompetent genug, noch als meine Aufgabe,
ihm in seiner Not zu helfen. Was aber kann man nun tun? Er
neigt auch- vielleicht gehört das generell zu einer Sucht?-
zur Aggressivität.

Wenn er handgreiflich wird, könnt ihr ihn anzeigen und rausschmeissen.

Wenn er es nicht wird, hilft drüber, ob er es werden könnte, nix.

Problematisch für uns ist- um das in diesem Zusammenhang nicht
unerwähnt zu lassen- dass er seine Kohle für PC- Spiele
raushaut und seine Schulden, die er u.a. auch bei uns hat,
nicht zurückbezahlt. Möglicherweise ist ja auch das ein
grundlegendes Suchtverhalten, aber die Theoretisiererei hilft
uns nun leider auch nicht weiter. Ich bitte um Hilfe.

Ja, das ist ein grundgelegenes Suchtverhalten.

Und da hilft nur, ihm kein Geld zu leihen/die finanzierung der Wohnung so einzurichten, das er keine machen kann (Dauerauftrag für die Miete z.B.).

Und am Anfang des Monats (oder wann immer er Kohle bekommt) auf Rückzahlung drängen.

Was Finanzen angeht, so korrekt wie möglich sein, damit er kein Schlupfloch hat.

Ansonsten sollte man nicht alles pathologisieren, aber wenn ihr es unangenehm findet, mit ihm zusammen zu wohnen, versucht ihm einen Kompromiss vorzuschlagen, oder, falls das nicht geht, ändert was an der Wohnsituation.

Mehr kann man da nicht sagen.

Grüßlis!
Philipp.

Hallo Hermann

Hilfe für den vermeintlich Spielsüchtigen gibt es nur, wenn er selbst das will und bis dahin ist u. U. noch ein langer Weg.

Also mögliche Hilfe für Euche/Dich, denn Du/Ihr leidet offensichtlich unter der Situation. Natürlich ab sofort keine Kohle mehr leihen oder vorstrecken udgl. und je nach Rechtslage eigene Wohnung suchen oder ihn raussetzen. Auf alle Fälle schnell weg von dem Typen (bevor was passiert) - notfalls „weg mit Schaden“.

Hi Anja,

gute Frage von Dir… Ist mir nicht aufgefallen beim Schreiben, dass das eigentlich eine wichtige Info ist, wenngleich die anderen, die schon gepostet haben, da teilweise auf beides eingehen. Trotzdem ist es eine gute Frage, denn im Grunde meines Herzens wäre mir daran gelegen, IHM zu helfen, sehe mich aber nicht dazu in der Lage. Ich glaube und fürchte, es ist nie gut, seinen engsten Bekannten über längere Zeit hin zu „therapieren“. Und eine Spielsuchttherapie ist wohl sicher was für einen Profi in einer entsprechenden Umgebung. Ich kenne den WG’ler schon eine Weile- muss ich vielleicht auch erwähnen; Therapie unter Freunden halte ich auch prinzipiell für unmöglich.

Ich bitte um Hilfe.

Was Du leider nicht schreibst: Suchst Du Hilfe für Euch oder
für ihn?

Gruß

Hermann

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Hallo Hermann!
Zunächst bleibt unklar, was Du eigentlich erreichen willst. Du
schreibst, dass Du ihm helfen willst und scheinst Dich irgendwie
verpflichtet zu fühlen ihm gegenüber. Ist ja nett… Aber : Mich
würde es erstmal tierisch nerven und ich wäre stinksauer, wenn sich
ein WG-Bewohner so benimmt. Der gesunde Menschenverstand sagt, dass
man da selber deutliche Grenzen setzen sollte.

Ich würde es auch nicht vorschnell als Spielsucht definieren, erst
recht aber nicht „entschuldigen“.

Die Persönlichkeitseigenschaften deines Mitbewohners können
vielfältige Ursachen haben. Computerspielen bzw. Online-Aktivitäten
können zwar auch zu nicht-stoffgebundenen Süchten führen. Aber
umgekehrt können eben auch Depressionen, Ängste (insbesonder Soziale
Ängste und Phobien), Aufmerksamkeits- und
Selbsthorganisationsprobleme und zahlreiche weitere Probleme für das
derzeitige Problemverhalten verantwortlich sein. Dies schliesst dann
auch aggressives Verhalten mit ein.

Gerade wenn sonstige Tagesstrukturierung durch Ausbildung oder Arbeit
fehlen verselbstständigt sich dann Computerspielen zu einer ständigen
Beschäftigung. Besonders wenn man sich überhaupt nicht mehr um
Aufgaben oder gar Geldverdienen kümmern muss.

Natürlich könnte man dies auch als Folge einer Sucht ansehen… Aber,
ich wollte zumindest auch die andere Sichtweise einbringen.

So oder so : Du wirst sein Verhalten solange nicht ändern bis er von
Dir klare Konsequenzen und Abgrenzung siehst. Ich wäre auch aus
deiner Sicht vor Aggressivität von ihm nicht zu ängstlich. Das
verursacht nur eine Art „Beisshemmung“ ihm gegenüber und wäre eine
faule Ausrede, ihn vor die Tür zu setzen.

Hilfe ist relativ einfach zu erhalten. Er kann sich an einen Arzt
oder Psychologen wenden, die Drogenberatungsstelle der Stadt bzw.
kirchliche oder andere soziale Beratungsstellen. Es gibt die
Telefonseelsorge oder z.B. die Beratungsplatform "www.das-
beratungsnetz.de). Es ist nur nicht deine Aufgabe, ihm das zu
besorgen. Wenn er denn sich verändern will, gibt es dazu zahlreiche
Hilfsmöglichkeiten. Wenn er sich nicht ändern will, wirst Du ihn
davon kaum überzeugen können. Sondern halt nur klar und deutlich
sagen : So nicht!

Martin

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Hallo Martin,

vielen Dank für Deinen Beitrag. Deine Wortwahl lässt mich vermuten, dass Du - wie sagt man so schön- vom Fach bist.

Zunächst bleibt unklar, was Du eigentlich erreichen willst.

Gute Frage- ich will mei Ruh vor diesem Elend. . .

Du schreibst, dass Du ihm helfen willst und scheinst Dich
irgendwie verpflichtet zu fühlen ihm gegenüber.

Ja, irgendwie schon, aber eben nicht als Therapeut. Bekannte und Freunde sollten und können einander nicht therapieren- meiner Meinung nach.

Ist ja nett… Aber :
Mich würde es erstmal tierisch nerven und ich wäre stinksauer, wenn
sich ein WG-Bewohner so benimmt.

Sehr richtig, und jetzt? MEINER Wut und MEINE Aggressionen freien Lauf lassen? Wir leben in einem Rechtsstaat. Der kann mich jederzeit dafür belangen. Dann wandere ich dann im Bau- merkwürdig, wie das hier in diesem Lande mit Täter und Opfern gehandelt wird :frowning:.

Der gesunde Menschenverstand sagt,
dass man da selber deutliche Grenzen setzen sollte.

Ja, die setze ich, aber es ist anstrengend.

Ich würde es auch nicht vorschnell als Spielsucht definieren,
erst recht aber nicht „entschuldigen“.

Wenn er von morgens bis abends hinterm Rechner hängt, dann ist das für mich - auch ohne profunde Psychokenntnisse- Spielesucht. Ich entschuldige damit auch nichts, sondern würde ich ihn schließlich bedauern und sagen: Ja mei, solange es finanziell geht, dann sag ich halt nix dazu.

Die Persönlichkeitseigenschaften deines Mitbewohners können
vielfältige Ursachen haben. Computerspielen bzw.
Online-Aktivitäten
können zwar auch zu nicht-stoffgebundenen Süchten führen. Aber
umgekehrt können eben auch Depressionen, Ängste (insbesonder
Soziale
Ängste und Phobien), Aufmerksamkeits- und
Selbsthorganisationsprobleme und zahlreiche weitere Probleme
für das
derzeitige Problemverhalten verantwortlich sein. Dies
schliesst dann
auch aggressives Verhalten mit ein.

Bislang geschah diesbezüglich nix.

Gerade wenn sonstige Tagesstrukturierung durch Ausbildung oder
Arbeit fehlen verselbstständigt sich dann Computerspielen zu einer
ständigen Beschäftigung. Besonders wenn man sich überhaupt nicht mehr :um Aufgaben oder gar Geldverdienen kümmern muss.

Nun, ich fürchte, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun haben MUSS. Ich bin selbst arbeitslos, kann aber durchaus mit meiner Zeit was anfangen und nutze sie sinnvoll. Umgekehrt- nur der Vollständigkeit halber- entstehen viele Probleme gerade wegen Arbeit im Sinne einer Beschäftigung, die dazu dient, den Lebensunterhalt zu bestreiten.

…Ich wäre auch aus deiner Sicht vor Aggressivität von ihm nicht zu :ängstlich. Das
verursacht nur eine Art „Beisshemmung“ ihm gegenüber und wäre
eine
faule Ausrede, ihn vor die Tür zu setzen.

Geht nicht so einfach. Das müsste wohl auch klar sein. Wer hierzulande seine Miete zahlt und keine goldenen Eier klaut, fliegt auch nicht irgendwo raus. Wie würdest Du „jemanden vor die Tür setzen“?

Gruß

Hermann

Hi Hermann,

Trotzdem ist es eine gute Frage, denn im
Grunde meines Herzens wäre mir daran gelegen, IHM zu helfen,
sehe mich aber nicht dazu in der Lage. Ich glaube und fürchte,
es ist nie gut, seinen engsten Bekannten über längere Zeit hin
zu „therapieren“.

Das kann und soll auch nicht Dein Job sein. Bei Suchtkrankheiten - egal ob stofflich- oder nicht-stofflich-gebundene - können nur Fachleute helfen und da gibt es nur zwei Gruppen: die der Therapeuten und entsprechende Beratungsstellen und die der Betroffenen selbst, sprich: ihre Selbsthilfegruppen.
Was DU tun kannst und auch solltest: Lass Dich auf seine Spielchen nicht ein. D.h. fordere die Schulden, die er bei Dir hat, mit einer entsprechend gesetzten Frist wieder ein und bestehe (!) auf pünktlicher Mietzahlung mit dem Hinweis, dass er sonst sein Zimmer räumen muss.

Therapie unter Freunden halte ich auch prinzipiell
für unmöglich.

So ist es, aber Du kannst ihm in sofern helfen, dass Du Dich auch noch als Helfer einspannen lässt, denn als Geldquelle dienst Du ihm ja offensichtlich schon.
Und: Wenn er eh schon den ganzen Tag am PC hängt, kann er sich ja mal diese Seite angucken:
http://www.anonyme-spieler.org/mitgl.htm
Sonntagabendgrüße
von Anja

Hallo Hermann und Freunde,

beim Lesen Deiner Entgegnung befiel mich der Verdacht, dass Du auf Lösung hoffst, bei der Du am Liebsten nicht selbst aktiv werden müssetst, sondern ander oder dass eben „einfach etwas passiert“, was die Welt in Ordnung bringt.

Geht nicht so einfach. Das müsste wohl auch klar sein. Wer
hierzulande seine Miete zahlt und keine goldenen Eier klaut,
fliegt auch nicht irgendwo raus. Wie würdest Du „jemanden vor
die Tür setzen“?

Wenn er seine Miete zahlt, scheint Geld vorhanden zu sein und Du könntest mit wesentlich mehr Nachdruck Deine Forderungen vertreten und durchsetzen - u. U. würde das bereits genügen, um ihn „aus dem waremn Nest“ zu bekommen. Allerdings musst Du in diesem Fall selbst die Initiative ergreifen und Dein Ziel konsequent verfolgen. Rechtliche Aspekte dazu kannst Du ja Mal im entsprechenden Brett posten.

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