Spieltheorie

Hallo!

Auf folgenden Gedanken kam ich vorhin auf einer längeren Autobahnfahrt, als ich mich - wie so oft - darüber ärgerte, dass von den meisten Radiosendern dieselben Songs gespielt werden.

Ich fragte mich: Ist das eigentlich clever?

Nehmen wir mal an, jedes Lied hat eine bestimmte Anzahl von Hörern, die es mögen (Fans), und eine Anzahl von Hörern, die es nicht ausstehen können (Hasser). Mein Gefühl sagt mir, dass bei fast jedem Lied die Anzahl der Hasser größer ist als die Anzahl der Fans. Wenn man Lieder absteigend nach der Anzahl der Fans ordnert kriegt man die „Charts“.

Wie muss ein Radiosender vorgehen, um möglichst viele Hörer zu erreichen? Auf den ersten Blick könnte man meinen, es wäre am klügsten, die Top-Positionen der Charts zu spielen. Das gilt jedoch nur für den Fall, dass es nur einen einzigen Radiosender gibt. Sobald es mehrere gibt, konkurrieren diese Sender um die Zuhörer. Würden sie alle dieselbe Strategie verfolgen (also jeweils die Top-Positionen spielen), dann würden alle Sender um dieselbe Untergruppe von Zuhörern konkurrieren, nämlich um die Fans genau dieser Lieder. Je mehr Sender es gibt, umso weniger Hörer bleiben für jeden Sender übrig. Ein Radiosender, der in einer solchen Situation alle Top-Lieder vermeidet, könnte erfolgreicher sein, da er all diejenigen Zuhörer für sich gewinnt, die mit dem Mainstream nichts am Hut haben (sozusagen die Mainstream-Hasser). Natürlich hat dieser „Alternative“-Sender ein viel kleineres potenzielles Publikum. Vielleicht macht er dieses Defizit wett, indem er einen großen Anteil des kleinen Publikums hat, während die „Mainstream“-Sender einen kleinen Anteil des großen Publikums haben. Es wäre also Quatsch, wenn alle Sender „Alternative“-Programme senden würden. Wahrscheinlich liegt das erfolgsversprechendste Programm in einer gesunden Mischung aus Mainstream und Alternative. Was aber ist eine gesunde Mischung?

Gehe ich Recht in der Annahme, dass sich die Spieltheorie mit solchen Fragen beschäftigt?
Gibt es da ein allgemeinverständliches Buch?
Oder hat jemand von Euch ganz konkrete Gedanken zu diesem Problem? (Vielleicht beschäftigen sich die Sendeanstalten ja tatsächlich mathematisch mit dieser Fragestellung).

Man kann das Modell auch noch beliebig komplizierter machen:
Lieder ändern ihre Fangemeinde. Anfangs müssen sie oft im Radio gespielt werden, damit sie bekannt werden. Später macht sich Überdruss breit…

Michael

ein paar impulse
interessante fragestellung… ich möchte folgendes zu bedenken geben:

  • das selbe spielen wie alle anderen sender bedeutet zumindest keinen nachteil. den startvorteil kann man auch anders holen (hübsche moderatorinnen, gute website, wenig werbung, witzige shows, was weiß ich).

  • musikgeschmack wird durch die masse bestimmt, steht hier: http://science.orf.at/science/news/143358. das bedeutet, wenn man ein lied auf und ab spielt, gefällt es früher oder später den meisten.

  • mich stört es nicht, wenn stundenlang mittelmäßige musik läuft, wenn ich mich auf etwas anderes, zb. autofahren konzentriere, aber wenn ein lied kommt, das ich nicht ausstehen kann, schalte ich weg. wer also einen stilmix mit einer gewissen bandbreite spielt, riskiert, den hörer zu vergrauln. stattdessen lieber stundenlang mainstream.

und schon ist es keine frage der spieltheorie mehr…

Auch hallo.

Ich fragte mich: Ist das eigentlich clever?

Kommt drauf an: wenn man um begrenzte Resourcen konkurriert (hier: dieselbe Hörerschaft), kann Abwechslung not tun.

Sobald es mehrere gibt, konkurrieren diese
Sender um die Zuhörer. Würden sie alle dieselbe Strategie
verfolgen (also jeweils die Top-Positionen spielen), dann
würden alle Sender um dieselbe Untergruppe von Zuhörern
konkurrieren, nämlich um die Fans genau dieser Lieder. Je mehr
Sender es gibt, umso weniger Hörer bleiben für jeden Sender
übrig.

Sieht gut aus :smile:

Ein Radiosender, der in einer solchen Situation alle
Top-Lieder vermeidet, könnte erfolgreicher sein, da er all
diejenigen Zuhörer für sich gewinnt, die mit dem Mainstream
nichts am Hut haben (sozusagen die Mainstream-Hasser).

Auch ‚Abweichen von der Norm‘ (Marketing)genannt.

Wahrscheinlich liegt
das erfolgsversprechendste Programm in einer gesunden Mischung
aus Mainstream und Alternative. Was aber ist eine gesunde
Mischung?

Kommt drauf an. Vermutlich aber eine Verteilung wie sie aus der ABC-Analyse bekannt ist: wenige Tophits, mehr mittelmässige und viele schlechte

Gehe ich Recht in der Annahme, dass sich die Spieltheorie mit
solchen Fragen beschäftigt?

Ja

Gibt es da ein allgemeinverständliches Buch?

‚Spieltheorie für Einsteiger‘ ISBN 3791012398 Buch anschauen
sowie die restlichen Bücher von Amazon.de @ Spieltheorie (je nach Schwerpunkt eben)
Alternativ: http://www.gametheory.net

Oder hat jemand von Euch ganz konkrete Gedanken zu diesem
Problem? (Vielleicht beschäftigen sich die Sendeanstalten ja
tatsächlich mathematisch mit dieser Fragestellung).

Kann sein… Aber das wäre auch ein Problem des Operations Research

Man kann das Modell auch noch beliebig komplizierter machen:
Lieder ändern ihre Fangemeinde. Anfangs müssen sie oft im
Radio gespielt werden, damit sie bekannt werden. Später macht
sich Überdruss breit…

Ja, aber solche Parameter sind i.A. nicht bekannt.
Deswegen sollte man sich ja auch möglichst breit aufstellen um möglichst viel Klientel anzusprechen :wink:

HTH
mfg M.L.

Hallo zusammen.

  • mich stört es nicht, wenn stundenlang mittelmäßige musik
    läuft, wenn ich mich auf etwas anderes, zb. autofahren
    konzentriere, aber wenn ein lied kommt, das ich nicht
    ausstehen kann, schalte ich weg. wer also einen stilmix mit
    einer gewissen bandbreite spielt, riskiert, den hörer zu
    vergrauln. stattdessen lieber stundenlang mainstream.

Es gibt auch den umgekehrten Effekt: Wenn ich das Radio einschalte, dann suche ich solange in den Sendern herum, bis ich auf ein Lied treffe, dass mir gefaellt. Und dann bleibe ich meist eine ganze Weile lang bei diesem Sender, auch wenn viel „Muell“ dabei ist.

Der Sender mit einer grossen Bandbreite wird mich also mit groesserer Wahrscheinlichkeit bei Beginn der Reise als Hoerer einfangen als ein Sender, der konstant schlechten Mainstream spielt. Wenn die Bandbreite zu gross ist, werde ich sicherlich zwischendurch wegschalten, aber jedesmal, wenn ich den Sender wechsele, faengt die Suchprozedur ja von vorne an.

Da stellt sich die Frage, ob eine kleine Sendefrequenz vielleicht ein strategischer Vorteil ist. Denn viele Geraete sind ja so programmiert, dass sie beim Einschalten den Sender mit der kleinsten erhaeltlichen Frequenz abspielen.

Gruss,
klaus

Hallo klaus,

Da stellt sich die Frage, ob eine kleine Sendefrequenz
vielleicht ein strategischer Vorteil ist. Denn viele Geraete
sind ja so programmiert, dass sie beim Einschalten den Sender
mit der kleinsten erhaeltlichen Frequenz abspielen.

Was hast du denn für Radios ???

Alle Geräte mit mechanischer Senderwahl, bleiben auf dem zuletzt eingestellten Sender.
Und die Geräte mit mit Senderspeichern, stellen meist den Sender welcher unter der Position 1 abgespeichert ist ein.

MfG peter(TOO)