Hi,
Moin,
aureel hat ja auf das meiste schon sehr ausführlich und richtig geantwortet.
Bei Dir geht es wohl eher um eine PDA im Rahmen einer „natürlichen“ Geburt. Dabei wird im Prinzip genauso vorgegangen wie bei einer PDA zum Kaiserschnitt (Sectio), nur daß weniger Wirkstoff verwendet wird. Ob das ganze sinnvoll ist oder nur das Risiko erhöht, muß in jedem Einzelfall abgewogen werden. Wenn bei der werdende Mutter alle Risikofaktoren für eine komplizierte Geburt ausgeschlossen sind und sie von der Persönlichkeit her auch soweit gefestigt ist, daß sie sich die Wehen zutraut und sich durch die anwesenden Geburtshilfeleistende gut betreut fühlt, kann man wahrscheinlich auf eine PDA verzichten.
In meinen Augen erwägenswert ist eine PDA bei ängstlichen werdenden Müttern (die Angst vor Wehen allein ist bei manchen Gynäkologen eine Indikation zum Kaiserschnitt), um für die Mutter die Situation wieder etwas kontrollierbarer zu machen und den natürlichen Weg gangbarer zu machen. Ein Vorteil der PDA ist, daß man einen Katheter einbringt, über den man vor, während und nach der Geburt Schmerzen lindern kann.
Sollte es unvorhergesehen zu einer Sectio kommen und noch genug Zeit (etwa 20-30 Min) vorhanden sein, kann man bei liegendem PDK(atheter) noch nachdosieren und die Sectio ohne zweiten Pieks für eine Spinale zu machen, denn wie gesagt, gerade unter Wehen ist das Legen etwas anspruchsvoller, bzw. sich eine Hochrisiko - Vollnarkose zu sparen.
Bei unseren zwei Kurzen (ich bin mit einer werdenen Gynäkologin zusammen), war es so, daß ich sie immer bekniet habe, sich einen PDK legen zu lassen, aber sie wollte jeweils nicht, auch beim zweiten Mal (weil ich mich vor einer evtl. Narkose gefürchtet habe, gerade beim Erstgebähren, wo das ja wahrscheinlicher ist). Das Geburtserlebnis unter Wehen ist wohl etwas Besonderes, was im Nachhinein scheinbar nicht mehr als so schlimm empfunden wird. Aber das wird ein Mann wohl nie nachvollziehen können (und ein Narkosearzt schon gar nicht).
Jetzt nochmal mein Senf zu Deinen Fragen:
- Wie gefährlich schätzt Du eine PDA unter einer spontanen
Geburt (also ohne Kaiserschnitt) ein?
individuell unterschiedlich würde ich sagen. Es gibt immer die drei gleichen Risiken, wenn man irgendwas in den Körper sticht/schneidet: Blutung, Infektion, Nervenschaden. Das ganze muß unter sterilsten Bedingungen gemacht werden, und auch dann können Hautkeime in tiefen Schichten mit der Nadel verschleppt werden. Das sollte aber für ein gesundes Immunsystem und bei normaler Hautflora in den meisten Fällen schaffbar sein. Bei Verletzung eines Blutgefäßes und eingeschränkter Gerinnung (wird aber vorher gemessen und durch eine Befragung zu 99% ausgeschlossen) kann sich ein Bluterguß (Hämatom) bilden, daß auf das Rückenmark drückt, in letzter Konsequenz droht eine Querschnittlähmung bzw. operative Entfernung des Hämatoms. Nervenschaden, naja, das ist das Hauptleitungskabel des Körpers. Ausgeschlossen ist nichts.
- Wenn ich es richtig verstanden habe, können Atem- bzw.
Herzstillstand die Folge einer zu hohen Dosierung sein. Wie
wahrscheinlich ist sowas?
bei Anwesenheit eines erfahrenen Narkosearztes sehr gering, weil man sich erstmal langsam rantastet, wie aureel schon geschrieben hat.
- Was passiert wenn das ZNS „getroffen“ wird?
kommt selten vor, und wenn, ist das davon abhängig, was verletzt wird. Kann von nix bis zum Querschnitt als maximalste Maximalvariante alles sein.
- Wodurch kann der Blutdruck der Mutter schnell abfallen? Und
stimmt es, dass der Patientin um dem vorzubeugen eine
Kochsalzlösung per Tropf verabreicht wird?
s. aureels Antwort
- Welche direkten Gefahren birgt die PDA für das Kind?
(abgesehen von Atem-/Herzstillstand der Mutter)
Herz_still_stände sind äußerst selten, weil das Herz sich selbst steuert, also keine Impulse von außen braucht, es wird nur langsam, weil die antreibenden Nerven aus dem Rückenmark betäubt werden. Eher denkbar, aber trotzdem fast irreal ist die Vorstellung, das Medikament aus versehen in ein Gefäß zu injizieren, aber da trifft man mehrere Vorkehrungen dagegen, zB indem man anfangs halt nur eine kleine Testdosis gibt.
Wenn man das ganze unter Überwachung macht, kann man aber locker rechtzeitig reagieren und was dagegen geben. Auch ein Atemstillstand entwickelt sich nicht von jetzt auf gleich (bei der PDA schon gar nicht), weil es dauert, bis das Betäubungsmittel durch die Hirnhaut eingezogen ist und das Zwerchfell (der Hauptatemmuskel) wird von Nerven gesteuert die von ganz oben aus dem ZNS kommen und wenn man die mit einer PDA schaffen will, muß man schon großes Pech haben bzw. unglaublich viel geben.
Für das Kind sind die Gefahren in meinen Augen eher theoretischer Natur, auch wenn mancher, der nicht schulmedizinisch orientiert ist, das gerne anders hätte.
Würde mich sehr freuen, wenn ich diese Fragen irgendwann noch
beantwortet bekäme, da die PDA in meine Augen mittlerweile ja
doch als „Supererfindung“ dargestellt und man über Risiken
nicht so viel hört/liest!
das Verfahren ist aber nicht allzu neu und vor jeder medizinischen Behandlung steht eine ärztliche Aufklärung. Die sollte bei einer geburtshilflichen Geschichte nach Möglichkeit nicht erst unter Wehen erfolgen.
Alles Gute,
Chris